Intro

Mein letzter Corona-und-ich-Artikel erschien Ende Juli und seitdem hat sich nicht viel geändert. Es gehört mittlerweile zum Alltag, jeden Tag über hundert Mal darauf hinzuweisen, dass jemand bitte seine Maske korrekt oder überhaupt eine tragen müsse. Ich bin müde. Es nervt.

Aber, wie ich schon mehrmals sagte, werde ich nicht klein beigeben und schon gar nicht damit aufhören, darauf hinzuweisen. Sicher, es wäre wesentlich einfacher für mich alles zu ertragen und nichts zu sagen. Damit würde ich jede Menge Energie sparen. Aber meine Gesundheit und die meiner Kunden und Kollegen ist mir wichtiger.

Aber nicht nur das Verkaufen kostet mich unendlich viel Energie, sondern auch das Kaufen. Wann immer ich in einen Supermarkt gehe, sehe ich Nasen, Nasen und Nasen. Und das ärgert mich maßlos.

Ich hasse Nasen mittlerweile. Ich kann sie nicht mehr sehen. Außer draußen. Draußen ist es in Ordnung. Aber drinnen will ich sie einfach nicht mehr sehen. U feel me?

Auch nicht hinter diesen dämlichen Face Shields!

#DerApotheker: Sie müssen bitte eine Maske tragen.

#Kunde: Ich trage doch eine Maske.

#DerApotheker: Nein, Sie tragen ein Face Shield.

Face Shields sind offen, so dass man seine Aerosole schön hinaus pustet oder eben die der anderen einatmet. Vor allem diese Miniteile sind extrem sinnlos.

Aber natürlich ist es einfacher so ein Teil zu tragen, als eine Maske. Man bekommt ja viel besser Luft darunter. Vielleicht liegt das daran, dass sie nicht gefiltert wird und auch genauso wieder abgegeben. Hmm. Wer weiß das schon.

Apropos alles offen. Die selbstgemachten Masken waren ja ganz toll, als es keine anderen gab. Aber viele sind nur aus einfachem Stoff, halten also nicht allzu viele Viren zurück. Besser wäre es, auf richtigen MNS umzusteigen. Da kaum einer mehr auf den anderen achtet, würde ich immer empfehlen, sich selbst mit einer FFP-2-Maske oder etwas Vergleichbarem zu schützen.

U-Bahnen, S-Bahnen, Züge. Es scheint in jedem Abteil mindestens einer zu sitzen, der meint, es nicht nötig zu haben, eine Maske zu tragen. So wird es mir immer wieder berichtet und so erlebe ich es auch selbst im Bus.

Ja, ich bin genervt. Sehr sogar! Seit vielen Wochen.

Was mich noch an diesen einfachen Masken nervt ist, dass die meisten einfach zu groß sind. So oft erlebe ich es, dass zwischen Maske und Nase rund ein Zentimeter Abstand besteht, so dass sie auch nicht besser hilft als ein Face Shield. Und natürlich rutschen zu große Masken immer und immer wieder unter die Nase. Und da bleiben sie dann auch einfach hängen. Das ständige hochziehen ist ja einfach nur lästig.

Aber nicht, dass wir uns falsch verstehen. Eine gut sitzende Stoffmaske, die vielleicht noch aus einem etwas undurchlässigeren Stoff ist, ist mir wesentlich lieber, als keine Maske. Außerdem erwarte ich nicht von jedem zu wissen, dass diese Masken nicht so extrem viel bringen.

Trotz zahlreicher Zettel an der Tür, dass man die Apotheke nur mit einer Maske betreten darf, betreten viele die Apotheke allerdings ohne Maske und setzten sie dann erst gemütlich auf oder geben an, ja eine kaufen zu wollen. Das Aerosol verteilt sich derweil im Raum.

Soviel dazu. In den letzten Wochen passierte es immer häufiger, dass ich Kunden der Apotheke verweisen musste, die sich weigerten eine Maske zu tragen. Ich habe meine vergessen. Ich habe meine im Auto. Ich ziehe mir kurz mein T-Shirt über die Nase, bis ich bezahlt habe. Ich klemme mir ein Taschentuch unter die Brille, das dann vor meiner Nase herum baumelt und so tut, als würde es jeden schützen.

Oder: Ich halte mir mal kurz den Kragen meines Poloshirts an die Unterlippe, damit ich wenigstens meinen guten Willen zeige.

Leider zählt der gute Wille nicht immer. Den Viren ist egal, ob der Wille da war. Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Ja, eine Maske zu tragen, nervt. Aber die Maskenpflicht ist offensichtlich nötig.

Wir haben sogar einzelne Masken vor der Apotheke deponiert, es kann sich also jeder eine nehmen und sie anschließend bezahlen kommen. Außer er hat ein Attest. Dann möchte er das ja nicht.

So, damit kommen wir dann wohl zum Thema Atteste.

Dass es Ärzte gibt, die Atteste einfach so ausstellen, weil sie nichts von der Maskenpflicht halten und/oder gerne etwas dazu verdienen möchten, ist keine Geheimnis mehr. Von Kunden habe ich gehört, dass ein Attest schon für zehn Euro oder auch mal für 30 zu haben ist. Dass das dann auch gerne mal Ärzte sind, die nichts von der “Schulmedizin” halten und das Wort “Schulmedizin” überhaupt benutzen, dürfte auch keinen mehr überraschen.

Ich bin nur froh, dass Heilpraktiker keine Atteste ausstellen dürfen. Oder Rezepte für verschreibungspflichtige Arzneimittel. Aber das ist eine andere Geschichte.

Es kommen also immer wieder Menschen mit Atteste in die Apotheke, die ich immer wieder darum bitte, eine Maske zu tragen. Manche machen das. Manche gehen. Manche diskutieren und gehen dann. Andere behaupten, ein Attest zu haben, wollen es dann aber nicht vorzeigen, wegen Datenschutz und so. Andere diskutieren und gehen eben nicht. Also bleibt uns nur der Anruf bei der Polizei.

Ende Juli kam eine ältere Frau, ohne Maske in die Apotheke und weigerte sich zu gehen. Sie diskutierte mit uns und forderte uns sogar auf, die Polizei zu rufen. Sie fühlte sich im Recht und wollte mich sogar anzeigen, da ich verlangte, dass sie eine Maske tragen müsste. Ich wurde irgendwann etwas lauter und machte ihr deutlich, dass sie jeden in der Apotheke anstecken könnte. Daraufhin wurden die übrigen Kunden unruhig und die Frau ging dann letztendlich. Allerdings nicht ohne noch mal jeden in der Apotheke aufzuscheuchen, in dem sie direkt auf die wartenden Kunden zulief, anstatt zur anderen Tür hinauszugehen, vor der niemand stand.

An einem anderen Tag weigerte sich eine junge Frau eine Maske zu tragen, mit dem Argument sie habe ein Attest. Da sie dringend ein Antibiotikum für ihr krankes Kind brauchte, akzeptierte ich ein lieblos vor Mund und Nase gehaltenes Taschentuch. Aber wirklich nur wegen ihres Kindes.

Den antibiotischen Saft hatte ich dann aber leider nicht da. Sie unterstellte mir daraufhin zu lügen und beschimpfte mich als Arschloch.

Auffällig ist, dass die Fälle zunehmen, in denen die Menschen, die keine Maske tragen wollen, darauf bestehen, dass man die Polizei ruft. Vielleicht wurde in Telegram-Gruppen dazu aufgerufen, ich weiß es nicht.

Diesen Wunsch erfüllte ich dem Herrn gerne, der sich in der ersten Septemberwoche weigerte, die Apotheke zu verlassen, weil er keine Maske tragen wollte. Doch während des Telefonats mit der Polizei, redeten die anderen Kunden wütend auf ihn ein, so dass er nachgab und verschwand. Sein Glück. Ich bestellte die Streife ab.

Keine Woche später war es soweit und ich rief erneut die Polizei an. Dieses Mal kam sie auch.

Die Anzeige

Ein Stammkunde von uns betrat maskenlos die Apotheke. Ich bat ihn eine Maske zu tragen, er weigerte sich. Er sagte, er hätte ein Attest und er wollte antiallergische Augentropfen kaufen.

Ich bat ihn dennoch eine Maske zu tragen, weil sein Attest leider niemanden vor Corona schützen könnte. Er wollte nicht, er hielte Abstand.

Wer schon mal neben einem Raucher stand, weiß, wieviel Abstand in einem geschlossenen Raum bringt. Nada.

Jedenfalls diskutierten wir und weder er noch ich gaben nach. Sein unverschämtes Auftreten sorgte auch nicht gerade dafür, dass ich ihm sein Verhalten durchgehen lassen wollte. Wenn man jeden Tag mit den Menschen am Diskutieren ist, sinkt die Reizschwelle immer weiter ab und man ist extrem schnell genervt. Schlecht funktionierende Paare kennen das.

Nun ja, da er nicht einsichtig war, sagte ich ihm, dass ich dann eben die Polizei rufen müsste. Er gab mir daraufhin zu verstehen, dass er mich wegen Diskrimierung und unterlassener Hilfeleistung anzeigen werde. Gut. Ich rief die Polizei, erklärte dem Beamten die Situation und er sagte mir am Telefon, dass ich im Recht wäre, da ich Hausrecht hätte. Er schickte also zwei Beamten vorbei, die dann auch relativ schnell kamen. Als einer der Beamten mich fragte, um wen es ging, musste ich etwas schmunzeln, da nur eine Person im Raum keine Maske trug. Sie baten ihn die Apotheke zu verlassen, er zückte daraufhin sein Attest.

Access to all areas. Nope. Ein Attest bedeutet nicht, dass der Arzt einem Zutritt zu allen Geschäftsräumen gewähren kann.

Die Beamten baten ihn erneut hinauszugehen, um das draußen zu regeln. Dort nahm einer seine Daten und seine Anzeige auf, während mich der andere drinnen fragte, ob ich auch ihn anzeigen wollte. Hausrecht verletzt. Ich verneinte. Keine Lust auf den Stress. Und mal im Ernst, wann sollte ich noch arbeiten, wenn ich jeden anzeigen würde?

Der Polizist bat mich herauszukommen, wenn ich meine Kunden fertig bedient hatte. Ich ging also raus zu den beiden Polizisten und dem Maskenverweigerer und er fragte mich, ob ich ihm seine Augentropfen nun rausbringen könnte. Eine Falle witternd, bejahte ich sein Anliegen zuckersüß. Ich hatte immer deutlich gemacht, dass ich ihm sein Arzneimittel nicht verweigern würde und wir auch eine andere Lösung gefunden hätten. Er hätte zum Beispiel draußen auf sich aufmerksam machen können, dass er keine Maske tragen könnte und ich hätte ihm das Arzneimittel rausgebracht. Wenn man miteinander vernünftig redet, kann man immer eine Lösung finden, aber er wollte lieber die Macht des Attestes demonstrieren. Doch Hausrecht sticht. Das gab mir auch der Polizist zu verstehen.

Ich brachte ihm also seine Augentropfen und gab ihm zum Abschied noch eine Packung Taschentücher mit. Ich würde von seinem Anwalt hören, sagte er. Er von meinem, sagte ich, ohne einen zu haben. Er sagte, es würde ihm leid tun. Warum auch immer. Ich sagte, mir auch. Warum auch immer. Reflexhaft vermutlich. Ihr kennt das.

Ganz hart traf mich allerdings, dass er sagte, wir hätte einen Kunden verloren. Schade drum. Tränen in meinen Augen versperrten mir die Sicht. Freudentränen. Ihr wisst Bescheid.

Als der Ex-Kunde und die Polizisten weg waren kamen kurz daraufhin zwei Frauen und ein Mann in die Apotheke. Die Frauen trugen Masken — unter der Nase. Der Mann keine.

Auch hier wurde sofort wieder das Attest als Argument genutzt. Und die Polizei hätte fast erneut kommen müssen.

“Sie spielen mit seiner Gesundheit!”, knallte eine der Frauen mir an den Kopf, als ich auf die Maske bestand. “Und Sie riskieren unsere!”

So, nun wurde ich also zum ersten Mal angezeigt. Wegen Diskriminierung und unterlassener Hilfeleistung. Besser als ein Messer im Rücken. Immerhin.

Da mir meine Gesundheit und die meiner Kollegen und Kunden wichtiger ist, werde ich das ganze auch weiterhin so handhaben, auch wenn jetzt jeder Attila meint, dass er mich daraufhin anzeigen müsste. Es ist, wie es ist.

Wie es weitergeht erfahrt ihr in “Corona und ich. Teil 10”. Vielleicht aber auch nicht. Keine Ahnung wie lange sowas dauert und ob überhaupt etwas kommt. Wir werden sehen.

Outro

Ich habe das ganze Jahr über weder Freunde noch Familie getroffen. Viele halten das für übertrieben und vielleicht ist es das auch. Aber ich weiß nicht, was eine Corona-Infektion mit mir oder mit denen macht, die ich anstecken könnte. Deshalb übertreibe ich die Maßnahmen lieber, als Corona zu unterschätzen.

Vielleicht bin ich, was das angeht auch zum Anti-Attila geworden. Aber: Better safe than sorry.

Passt auf euch auf!

In Liebe,

#DerApotheker

P.S.


Ihr könnt mir gerne schreiben, aber habt bitte Geduld.


Bald gibt es ein Buch von mir. 😉


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