Am 05. Mai verlor Jens Lehmann seinen Aufsichtsratsposten bei Hertha BSC, weil er den ehemaligen Fußball-Nationalspieler Dennis Aogo per WhatsApp einen "Quotenschwarzen" nannte, was ein großes Medienecho nach sich zog.
Der Sky-Kommentator, der mittlerweile ebenfalls wegen einer verbalen Entgleisung in seiner Rolle als Sky-Moderator bis auf weiteres keine Spiele kommentieren wird, wurde nun zum Objekt eines rassistischen Angriffs aus einer ganz anderen Ecke, der Politik.

Boris Palmer, der Hilfssheriff von Tübingen

Boris Palmer (Grüne) ist Oberbürgermeister von Tübingen und wohl die innerparteilich am meisten kritisierte Person überhaupt. Mal behauptet er, zur Aufnahme Geflüchteter müssen Wohnungen beschlagnahmt werden, mal will er die EU-Außengrenze bewaffnet verteidigen, mal findet er eine Werbung der Deutschen Bahn mit BPoC und Migrant:Innen störend und sogar Georg Pazderski von der AfD hielt ihn für einen geeigneten Spitzenkandidaten für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus - als Koalitionspartner der AfD wohlgemerkt.

Seine Forderung nach einer "Liste der Auffälligen", bei der Palmer migrantische "Tunichtgute und Störer" in entlegenen Lagern unterbringen wollte, hat sogar die konservative CDU für rechtlich wie ethisch undenkbar gehalten. Und ab und an spielt Palmer auch Sheriff, wenn Studierende sich abfällig ihm gegenüber äußern und möchte Identitätsfeststellungen vornehmen und Ordnungsgelder verhängen.
Und dann hat Boris Palmer noch einen Facebook-Account. Und vielleicht, ja, vielleicht könnte das der berühmte Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.

N-Wort von einem Grünen?

In einem Facebook-Kommentar, der unter einem Artikel über Dennis Aogo gepostet wurde, äußerte sich der Tübinger Ortsbürgermeister folgendermaßen:

der aogo ist ein schlimmer Rassist. Hat Frauen seinen N-Wort-Schw*nz angeboten.

Das dürfte selbst für den schon häufig wegen rassistischer Äußerungen aufgefallenen Palmer ein Quäntchen zu viel gewesen sein. Und die einzig logische Konsequenz kann nun nur ein Parteiausschlussverfahren sein. Vielleicht findet Palmer ja dann tatsächlich eine neue politische Heimat in der AfD - obwohl der für seinen eher bürgerlichen Kurs bekannte Pazderski die Idee vielleicht gar nicht mehr so gut findet.

Nachtrag vom 08. Mai 2021, 13:55

Die Kanzlerkandidatin und Co-Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, hat am heutigen Vormittag auf Twitter deutlich Stellung bezogen:

Bildquellen:

Titelbild:Wikimedia/Reinhard Kraasch CC-BY-SA 4.0

Portrait:Wikimedia/Suberbass CC-BY-SA 4.0

Screenshot: facebook.com

Dir gefällt, was Thorbjörn Heise schreibt?

Dann unterstütze Thorbjörn Heise jetzt direkt: