Um das gleich am Anfang klarzustellen: Ich habe großen Respekt vor Ärzten.

Durch Twitter habe ich einige Ärzte kennengelernt, die mich mit ihrem Fachwissen beeindrucken und immer bereit sind, ihr Wissen mit mir zu teilen.

Aber es ist wie mit den Apothekern: Es gibt solche und solche.

Manche disqualifizieren sich selbst, indem sie Homöopathie oder anderen Schwurbel empfehlen, oder sie halten sich für etwas Besseres, sodass man lieber nichts mit ihnen zu tun haben möchte.

Für mich ist es extrem wichtig, dass Ärzte und Apotheker sich auf Augenhöhe begegnen und sich gegenseitigen den Respekt zollen, der ihnen gebührt. Wir brauchen einander und wir können und sollten bereit sein, vom anderen zu lernen. Wenn einer von beiden sich aber für etwas Besseres hält, ist eine gute Zusammenarbeit schwierig bis unmöglich. Meistens funktioniert es jedoch tadellos. Wobei ich ja immer der Meinung bin, dass man sich noch viel besser ergänzen könnte - wenn man nur wollte.

Nur leider gibt es immer wieder Ärzte, die meinen, uns herablassend behandeln zu müssen und sehen in uns Apothekern nur Schubladenzieher.

So wie dieser:

Vor ein paar Jahren übernahm ein junger, etwa 40jähriger Arzt, nennen wir ihn Dr. Schwurbel, die Praxis seines Vaters, die jahrzehntelang die Anlaufstelle für Homöopathie und andere Pseudomedizin war. Der Sohn hätte es besser machen können, wäre er nicht auch der “Unwissenschaft” verfallen.

Das könnte mir im Prinzip egal sein, nur leider befindet sich seine Praxis in unmittelbarer Nähe zu der Apotheke, in der ich arbeite.

Wer mich kennt, weiß, dass ich schon deshalb automatisch ein Problem mit diesem Arzt habe, da er seine Patienten homöopathisch behandelt und folglich nicht ernst nimmt. Und so einen Arzt kann ich wiederum nicht ernst nehmen. Sorry.

Für mich ist das jedesmal ein innerer Konflikt, wenn einer seiner Patienten mit einem grünen Rezept zu mir in die Apotheke kommt und irgendwelche Zuckerkügelchen kaufen möchte, da ich die ärztliche Therapiehoheit respektieren muss. Trotzdem lasse ich immer auf die eine oder ander Art durchblicken, dass das “Arzneimittel” homöopathisch ist. Dadurch entwickelt sich manchmal ein Gespräch darüber und der Patient überlegt es sich anders und kauft lieber etwas mit einer nachgewiesenen Wirkung.

Dr. Schwurbel ist nicht nur bei mir, sondern auch bei meinen Kolleginnen nicht gerne gesehen. Er ist der Typ, der sich für erleuchteter hält als wir und immer mal wieder in der Apotheke vorbeikommt, weil ihm irgendetwas nicht passt und er uns eine Standpauke halten will. So beschwerte er sich vor einiger Zeit über mich, weil ich seine Patienten darauf hinwies, dass ACE-Hemmer wie Ramipril Reizhusten verursachen können. Das nennt man Beratung, Dr. Schwurbel. Das ist mein Job.

Mittlerweile hatte ich schon unzählige Kunden, die jahrelang unter Reizhusten litten und die Ursache nicht kannten. Als ich sie darauf aufmerksam machte, sagten sie “Das hat mir noch nie jemand gesagt!”, gingen zum Arzt und ließen sich etwas anderes verordnen. Doch das passte Dr. Schwurbel nicht. Seine Reaktion war: Ein Wörtchen mit meinem Chef.

Wir Apotheker sind allerdings zur Beratung verpflichtet. Zumindest sind wir verpflichtet, sie anzubieten. (Was wohl leider auch nicht alle Kollegen machen, was sehr Schade ist.)

Meinem Chef war relativ egal, was Dr. Schwurbel zu meckern hatte. Meine Beratung litt auch nicht darunter.

Nun ist es in letzter Zeit ( November 2019) leider so, dass viele Arzneimittel nicht lieferbar sind und wir die Patienten deshalb nicht versorgen können.

Also was tun, wenn ein oder zwei Arzneimittel auf dem Kassenrezept stehen, die wir abgeben könnten und eines, das überhaupt nicht zu bekommen ist?

Kassenrezepte werden von den Apotheken einbehalten, denn damit bekommen wir (im besten Fall) das Geld für die Arzneimittel von der Krankenkasse des Patienten erstattet. Man kann also nicht die dringend benötigten Arzneimittel sofort bekommen und das nicht lieferbare irgendwann später oder woanders.

Um die Patienten mit ihren dringend benötigten Arzneimittel beliefern zu können, bieten wir an, das nicht lieferbare Arzneimittel zu streichen und das oder die anderen abzugeben. Wenn möglich klären wir das vorher mit dem Arzt. Wenn nicht möglich, kopieren wir das Rezept, schreiben dazu, dass das Arzneimittel nicht lieferbar ist und geben die Kopie dem Patienten mit. Dieser zeigt die Kopie seinem Arzt und bekommt meist ein neues Rezept für ein lieferbares Arzneimittel.

Das halte ich für die beste Lösung. So kann der Patient sofort seine Therapie fortsetzen und muss nicht (zum Beispiel übers Wochenende) darauf verzichten.

Wenn ich jedoch etwas nicht bedenken sollte, dann lasst mich das gerne wissen.

Doch Dr. Schwurbel gefiel diese Methode nicht. Er stand plötzlich in der Apotheke und unterstellte uns, dass wir alle Betrüger wären und Arzneimittel abrechnen würden, die wir gar nicht beliefert hätten.

Was für eine unverschämte Unterstellung!

Er wolle in Zukunft dafür sorgen, dass seine Patienten nicht mehr zu uns in die Apotheke kommen werden.

Damit hat er uns den Krieg erklärt.

Ein Arzt kann seine Patienten weder in eine bestimmte Apotheke schicken, noch darf er von einer abraten. Es ist immer die freie Entscheidung des Patienten und das ist auch gut so. Das weiß Dr. Schwurbel eigentlich auch oder sollte es zumindest wissen.

Einerseits kann es mir recht sein, weniger Homöopathie-Kunden in der Apotheke zu haben, andererseits kann ich so ein Verhalten nicht dulden.

Wenn ich mit ihm Krieg führe, dann mache ich das etwas subtiler. Und zwar so:

Eine seine Patientinnen kam nach besagtem Ereignis zu mir in die Apotheke und wollte, dass ich ihr Rezept einlöse.

Auf dem Rezept stand Limptar N.

Limptar N wird gegen Wadenkrämpfe eingesetzt und enthält Chininsulfat. Vor ein paar Jahren konnte man das noch ohne Rezept in der Apotheke kaufen, doch seit April 2015 ist es rezeptpflichtig.

Gründe dafür sind schwere, unerwünschte Nebenwirkungen des Chinins und außerdem Missbrauch von Limptar N in der Drogenszene, weil es bei gleichzeitiger Einnahme mit Loperamid folgendermaßen wirkt:

Loperamid (Imodium®) ist ein Opioid, das gegen Durchfall eingesetzt wird. Da es hauptsächlich lokal im Darm wirkt und nicht die Blut-Hirn-Schranke (BHS) überwinden kann bzw. sofort wieder zurücktransportiert wird, kommt es in normaler Dosierung nicht zu psychotropen Wirkungen wie Euphorie, Sedierung oder Angstdämpfung.

Wird Loperamid hingegen zusammen mit Chinin eingenommen, dann kann es die Blut-Hirn-Schranke überwinden und somit psychotrope Wirkungen herbeiführen, aber eben auch eine Atemdepression, die schlimmstenfalls zum Tod führen kann. Vorsicht ist auch bei Tonic Water geboten, da dieses ebenfalls Chinin enthält.

Da bei Kindern unter 12 Jahren die BHS noch nicht vollständig ausgebildet ist, darf auch bei ihnen kein Loperamid angewendet werden.

Aber zurück zu der Patientin.

Da sie ein Rezept über Limptar N hatte, sagte ich zu ihr:

“Dass Sie kein Loperamid zu sich nehmen dürfen, hat Ihnen Ihr Arzt ja sicher gesagt, denn das ist sehr wichtig und kann unter Umständen sogar zum Tod führen.”

Überrascht verneinte sie. Dr. Schwurbel hatte wohl vergessen seine Patientin über diese wichtige Wechselwirkung aufzuklären. Das sorgte dafür, dass sie sich maßlos über ihren Arzt aufregte. Und schon hatten wir etwas gemeinsam. Aber vielleicht hatte er ihr auch irgendwelche Globuli empfohlen, die diese Gefahr sofort bannten. Ich hatte nicht weiter nachgefragt.

“Warum hat mir mein Arzt das nicht gesagt?” fragte sie.

Ja, warum eigentlich nicht? Ich konnte leider nur theatralisch mit den Schultern zucken.

Natürlich lasse ich auch keine Gelegenheit aus, darauf hinzuweisen, dass der Verzehr von Grapefruit mit Statinen, wie vor allem mit Simvastatin, potentiell lebensgefährlich sein kann.

“…aber das hat Ihnen Ihr Arzt ja bestimmt gesagt!”

Mir ist bewusst, dass bei Limptar N wahrscheinlich so gut wie kein Arzt und ebenso auch kein Apotheker darauf hinweist, dass es nicht zusammen mit Loperamid eingenommen werden darf, da es zu einer Atemdepression führen kann.

Aber Dr. Schwurbel hat sich das verdient.

Sorry. Not sorry.

Nachtrag Januar 2021:

Der Artikel erschien erstmalig im November 2019 auf Medium. Er ist also nicht mehr so ganz up to date. Die Beziehung zu diesem Arzt hat sich im Prinzip nicht verbessert, allerdings habe ich noch im selben Jahr die kindischen "Kriegsspielchen" wieder eingestellt, da sie niemandem helfen.

Dass ich es jedoch noch immer nicht gutheißen kann, wenn ein Arzt seine Patienten homöopathisch behandelt, muss ich nicht extra erwähnen, oder?


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Ich denke, jeder kann daraus etwas lernen. Ich zumindest habe beim Schreiben einiges gelernt.

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