Oder auch:

Warum wir uns gut überlegen sollten,
welchen Dingen wir unsere Aufmerksamkeit schenken.

2003 zog Barbara Streisand vor Gericht, weil ihr an der kalifornischen Küste gelegenes Anwesen abgelichtet und ohne ihre Zustimmung im Internet veröffentlicht worden war. Da der betreffende Fotograf eine Strafe von stolzen 50 Millionen Dollar aufgebrummt bekommen sollte, war das Medienecho entsprechend laut und das Foto erlangte weltweite Berühmtheit – die Lage des heimeligen Ambientes ebenso. Blöd gelaufen. Und das in gleich mehrfacher Hinsicht. Streisands Klage verlief erfolglos. Dafür wusste nun jeder, wo ihr Domizil zu finden war.

Hhm. Hat der Hollywood-Star denn nicht völlig richtig gehandelt?
Man kann sich von den Paparazzi doch nicht alles gefallen lassen?

Nein, das nicht – die Luftaufnahme war jedoch lediglich eines von stolzen 12.000 Fotos, anhand derer im Rahmen des California Coastal Records Project die Erosion der kalifornischen Küste dokumentiert werden sollte. Wer dort wohnte, war mit keinem Wort erwähnt - und auch Streisand hätte wohl besser den Mund gehalten.

Der Streisand-Effekt bezeichnet seither das Phänomen, wenn durch das Bestreben, etwas zu verheimlichen, große Aufmerksamkeit und somit das exakte Gegenteil des Gewünschten erreicht wird - wenn man also selbst dafür sorgt, dass auch der Letzte weiß, was eigentlich niemand wissen soll.

Und was hat das jetzt mit uns zu tun, die wir zum Großteil vermutlich eher kein verheimlichungswürdiges Anwesen besitzen?

Psychologisch betrachtet ne ganze Menge …

• Wie oft denkst du an Dinge, die du nicht in deinem Leben haben möchtest und sind sie dadurch womöglich präsenter, als unbedingt nötig?

• Gibt es bestimmte Emotionen, die du krampfhaft zu unterdrücken versuchst und kann es evtl. sein, dass sie dadurch nur noch heftiger darum kämpfen, von dir wahrgenommen zu werden?

• Hast du Angst vor bestimmten Situationen/Dingen und verwendest einen Großteil deiner Energie darauf, diesen aus dem Weg zu gehen - nur, um in den unpassendsten Momenten von ihnen überrollt zu werden?

Die Beispiele hierzu sind endlos.

Es ist nicht nur in Sachen Pressearbeit kein Fehler, sich ganz genau zu überlegen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit lenken. Manch selig schlummernder Hund würde wohl deutlich seltener aufwachen, würden wir ihm nicht ständig auf den Schwanz treten …

Natürlich (!) dürfen und sollen wir den Mund aufmachen, wenn es angebracht ist. Wann dem so ist, das bestimmen wir jedoch selbst und wenn wir schon beschließen, dass wir unsere Klappe eben nicht halten wollen, dann können wir unser Tun und Denken ja vielleicht mit dem speisen, was wir gut finden und nicht mit dem, worauf wir so gar keinen Bock haben.

Unsere Gedanken sind für unser Hirn sowas wie Auftragseingänge – und es wird gewissenhaft liefern. Bestelle weise.

Hab deinen Tag schön,
Rebecca

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