Derzeit beginnen die Diskussionen darüber, inwieweit geimpfte Personen, oder auch Menschen, die bereits eine Covid-19-Erkrankung durchgemacht haben, von einem Teil der Corona-Maßnahmen befreit werden. Dies ist einerseits eine ethische Frage (die hier und heute nicht Thema sein soll), andererseits ein Frage der Nachweisbarkeit. Diese könnte auf 3 Ebenen erfolgen:

  1. durch Nachweis einer Impfung
  2. durch einen PCR-Test nachgewiesene Infektion
  3. durch einen Nachweis von Antikörpern nach einer Infektion

In NRW wird es ab dem 3. Mai 2021 tatsächlich gewisse Befreiungen geben, allerdings nur für Personen, die die Punkte 1. oder 2. erfüllen. Warum lässt man aber den Nachweis nach Punkt 3. nicht zu - den Antikörpernachweis?

Die Antwort ist relativ einfach: die Konzentration dieser Antikörper im Blut nimmt mit der Zeit ab. Und sie nimmt schneller ab bei Personen, die nur einen milden Krankheitsverlauf hatten. Somit ist es einfach zu ungenau Aussagen darüber zu treffen, wie lange diese Personen immun sind.

Aber unser Immunsystem kennt noch einen anderen Weg, Viren zu bekämpfen. Dies ist bekannt, inzwischen auch für das SARS-CoV-2-Virus bestätigt und umso erstaunlicher ist es, dass dieses Thema in der öffentlichen Debatte so gut wie keine Rolle spielt:  die zelluläre Immunantwort mit Hilfe von T-Lymphozyten (T-Zellen). Sie gehören zu den weißen Blukörperchen, spüren befallene Zellen auf und zerstören diese.

Es gibt bereits Studien dazu aus den USA, seit Februar 2021 auch von der Medizinischen Hochschule in Hannover. Das Forschungsteam unter Leitung von Prof. Dr. Rainer Blasczyk und Prof. Dr. Britta Eiz-Vesper konnte nachweisen, dass die T-Zell-Immunität eine wichtige Rolle für einen dauerhaften Schutz gegen SARS-CoV-2 spielt. Daher auch der häufig benutzte Begriff "Gedächtniszellen". Sie stellten fest, dass länger Genesene zwar weniger Antikörper im Blut hatten, aber eine hohe Anzahl auf SARS-CoV-2 spezialisierte T-Effektor-Gedächtniszellen nachweisen.

Prof. Dr. Blasczyk: „Offenbar bleibt die T-Zell-Immunität nach COVID-19 unverändert erhalten, obwohl die Antikörper-Konzentration stark sinkt“

Eine weitere Feststellung betrifft das wichtige Thema Kreuzimmunität. Der frühere Kontakt mit anderen Coronaviren, die lediglich leichte grippale Infekte auslösen, habe sich offenbar günstig auf die SARS-CoV-2-Abwehr ausgewirkt.

Prof. Dr. Eiz-Vesper: „Eine bestehende Immunität gegen solche endemischen Coronaviren hat einen positiven Effekt auf die Entwicklung einer T-Zell-Immunität gegen SARS-CoV-2 und damit vermutlich auch auf den Verlauf von COVID-19“

Sie sieht auch mögliche positive Effekte dieser Kreuzimmunität in Bezug auf zukünftige SARS-CoV-2-Mutationen.

„Wenn es schon gegen ein weitläufiger verwandtes Coronavirus hilft, könnte der Effekt bei den untereinander viel ähnlicheren SARS-CoV-2-Varianten noch deutlich größer sein“

Inwieweit dieses zutrifft, wird nun in weiteren Studien erforscht. Ebenso die Frage, inwieweit sich die Erkenntnisse nun zur Behandlung von akut Erkrankten Personen einsetzen lassen, etwa über T-Zellen-Spenden.


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