Es war einmal eine kleine, private Gruppe mit dem Namen MiniStories auf der Plattform Bookrix. Falsch, völlig falsch. Diese Gruppe gibt es natürlich immer noch und erfreut sich an den geistigen Ergüssen ihrer Mitglieder.

In dieser Gruppe werden in regelmäßigen Abständen Schreibrunden durchgeführt. Nein, keine Wettbewerbe, denn diese gibt es schon zuhauf. Wir wollten etwas ganz anderes tun, was es bei Bookrix noch nie gab.

Doch, oh weh, für so manchen Schreiberling ein riesiger Graus. Nur 500 Worte für eine Geschichte. Daher auch der Name MiniStories.

Wie soll das gehen, nur 500 Worte? Ist das eigentlich machbar? Wer wagt es, die Herausforderung anzunehmen. Dabei auch noch das Thema zu treffen, für das abgestimmt wurde? Gar nicht so einfach, meinten einige, die sich mit ihren Geschichten lieber lang auslassen. Andere wiederrum sagten, ach, das ist gar nicht so schwer. Aber, wenn es dieses böse Aber nicht gäbe. Doch lest selber…

In der 11. Schreibrunde stand das Thema „Verpasste Gelegenheit“ an. Auf einmal gab es ein großes Problem. Dabei hatte ich zu den vorherigen Schreibrunden immer mindestens eine Idee, die ich ausarbeiten konnte. Aber dieses Mal, oh weh. Was mach ich nur? Dabei war das Thema nicht einmal so schwer. Dazu könnte man sich unendlich lang auslassen. Viele taten es, nur ich nicht.

Stunden-, nein sogar tagelang überlegte ich angestrengt. Grübelte, zerbrach mir den Kopf. Sogar in den Schlaf verfolgte mich dieses leidige Thema.

Jedoch, immer noch großes oh weh. Die Ideen kamen einfach nicht. Sie saßen fest in ihrem Versteck und waren nicht dazu zu bewegen, hervorzukommen. Nicht einmal Brainstorming half, sie hervorzulocken. Panik machte sich breit.

Ich grämte mich ungemein. Wollte am liebsten auf den Tisch schlagen, ihn zu Kleinholz machen. Doch das würde mich auch nicht weiterbringen und ich müsste auch noch einen neuen Tisch kaufen. Nein, das ging gar nicht.

Also ließ ich die verflixte Sache einfach ruhen. Sie ruhte und ruhte, schlief tief und fest. Einem Dornröschenschlaf gleich gefühlte 100 Jahre. Nicht einmal ein wunderhübscher Prinz konnte sie wachküssen. Auch der Froschkönig versagte und Schneewittchens Prinz hatte vergebliche Liebesmüh.

Was tun? Ich war mit meinem Latein am Ende. Sollte ich aufgeben? Ha! Ich und aufgeben! Ich doch nicht! Niemals! Kämpfen ist angesagt, immer, in jeder Lebenslage. Demnach auch beim Schreiben.

Nun denn, auf in dem Kampf. Hoch die Waffen und Frontalangriff. Mit voller Wucht auf den Feind, in diesem Fall an die Geschichte. Es ginge doch mit schlechten Dingen zu, wenn es nicht möglich wäre, zu „Verpasste Gelegenheit“ etwas zu schreiben.

Mit einem Mal war sie da. Die Idee! Juhuu… ich jubelte, dass mich sogar meine Katze erschrocken und schräg ansah. Ich begann zu schreiben. Die Worte flossen wie Wasser aus meinen Fingern. Endlich gelang der Coup.

Freudig machte ich die Geschichte für die Veröffentlichung bereit. Doch dann! Was war das? Die Zeit zum Einstellen war längst vorbei! Oh nein, auch das noch. Am liebsten hätte ich laut geheult. Ich hatte die Gelegenheit verpasst.

Aber dann zeichnete sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Es ist erlaubt, auch nach Ablauf der Frist einzustellen… welch Freude für mich und hoffentlich auch für meine Leser.

© Milly B. / 30.09.2021

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