Das georgianische Großbritannien des 18. Jahrhunderts war ein Land, das oft schockierend unhöflich war. Als Zeugen dieser Zeit versetzen uns die meisterhaft satirischen Werke des Künstlers William Hogarth in die Epoche zurück und zeigen, dass Kunst mehr als nur gute Technik sein kann.

William Hogarth wurde in London als Sohn eines erfolglosen Schulmeisters und Schriftstellers geboren. Stark von bürgerlicher Erziehung beeinflusst, hatte der Junge Hogarth von Anfang an ein tieflegendes Misstrauen gegenüber der aristokratischen Elite des Landes. Der Vater, von seiner Zeit in den notorischen 'debtors Prisons' (Schuldnergefängnissen) gezeichnet, weckte in dem jungen William eine Sympathie für das Leiden der Armen und eine tiefliegende Verachtung scheinheiligen Adels.  So beschäftigte sich Hogarth immer mehr mit dem, was er als Verschlechterung der Tugenden ansah.

Besonders bekannt ist der Maler für seine Bilderserie „Moderne moralische Subjekte“. Der Kontrast zwischen laszivstem Humor und bürgerlicher Moral ist dort unübersichtlich. Prostitution war in Hogarths' London nämlich so weit verbreitet, dass der Künstler 1732 "A Harlot's Progress" schuf. Die Serie von sechs Kunstwerken, die die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die aus dem Land in die Stadt gelockt wird und der Prostitution verfällt, ist besonders für damalige Verhältnisse schockierend ehrlich. Obwohl der Roccoco-Einfluss offensichtlich ist, ist von Kitsch keine Spur.

Auch in seinen Porträts blickt Hogarth mit schwungvollem Pinselstrich in seine Subjekte hinein. Persönlichkeiten sind für William Hogarth wichtiger als die Uniform, die Sie tragen. Sein vielleicht berühmtestes Werk , "Gin Lane" , zeigt die Gefahren des Gin-Trinkens und enthält Szenen von Hunger, Wahnsinn und Selbstmord. Das unendliche Elend des Londoner Straßenlebens wird hier am ärgsten  dargestellt. Hogarths Bilder sind Kunst und Politik zugleich: "Gin Lane" wurde unter anderem zur Unterstützung des späteren Gin Act, der den Verkauf von Gin einschränkte, gemalt. Ein bewusster Gegensatz zu diesem Gemälde ist seine Arbeit "Beer Street", die glückliches Zusammensein zeigt.

Hogarths Gemälde stellen nicht nur ungeniert zeitgenössische Szenen des Lebens im 18. Jahrhunderts dar, sondern haben auch heute noch Relevanz. Zum ersten Mal war die Malerei nicht nur der Elite gewidmet, sondern allen Menschen. Hogarth geht es um die Wahrheit, das Elend, die echten Facetten des menschlichen Daseins. Kein Künstler vor- oder nach ihm hat es geschafft, im schrecklichen solche Schönheit zu finden und aus Schönheit solchen Jammer zu machen.

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