Dieter M. Gräf – Falsches Rot – Brueterich Press 2018

Dieter Gräf ist ein Meister der Wortstafetten und Experimente. Eine Textmaschine.
Was bei ihm früher in kurzen Texten gelang, gelingt ihm jetzt im Langgedicht.
Autoren.nfahren nannte er früher seine gekonnten, kurzen, artifiziellen Poeme. Er arbeitet mit Zeilensprüngen, technisch, was Word betrifft oder das jeweilige Schreibprogramm, sehr versiert.
Es fiel mir erst schwer einzusteigen, in diese Gedichte, da Herr Gräf sehr viel Fachwissen aufbereitet und Recherche für seine Texte betreibt.
Zum Beispiel in seinem Gedicht über die Wiedertäufer ersieht man Fachwissen über Kirche, Reformation, Kriege und vieles mehr. In seinem Langgedicht zum DDR Hymnenschreiber Becher zum Beispiel, merkt man, wie er auch angibt, dass Gräf sich mit den Tagebüchern Bechers beschäftigte. Man kann daraus lernen, muss aber ein gewisses Leselevel erreicht haben, was Gedichte angeht, um da mit diesen schnellen Sprüngen und verschiedenen Themen Schritt zu halten.
Gut finde ich, dass er sehr experimentierfähig und - freudig ist.

Negativ bleibt mein Unwissen. Ich schätze Gräf studierte Geschichte, denn Zeitgeschichte wie z.B. der Jugoslawien Konflikt oder auch die Nazizeit, beziehungsweise die Judenverfolgung beschäftigen ihn sehr.
Auch nicht zuletzt die RAF, sein Lieblingsthema,, mit Brinkmann macht ihm in seiner Wortverliebtheit Spaß, mit seinem Wissen zu spielen, mit Fremdworten zu jonglieren…

Am Ende des Bandes finden sich auch visuelle Gedichte. Gefüllt zudem ist das Buch mit seinen Fotografien, die er bei Stipendien schoss. Er ist leidenschaftlicher Fotograf.
Zu dem Band gab es z.B. in Stuttgart eine Ausstellung.

Ich selbst mag Herrn Gräf und bin für seine Hilfe dankbar. Wir unterhalten bei Facebook einen Briefwechsel von über 100 Seiten.
Ich will über seine anderen Bücher nun nicht mehr schreiben…
Das Buch „Falsches Rot“ ist bei Gräf, denke ich, noch bestellbar.

Ich wünsche viel Lesevergnügen!
Uwe Kraus

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