Ich finde Linda Teuteberg momentan eine der sympathischsten Politikerinnen in ganz Deutschland. Bescheiden und scharf, hart im Nehmen und trotzdem nicht bereit, zu viel auszuteilen. Genau das braucht Deutschland jetzt.

Leider wurde sie von Christian Lindner, der sich mit seiner arroganten Art mehr Feinde als Freunde unter der deutschen Bevölkerung gemacht hat, entsorgt. Zu zimperlich ist die Brandenburgerin für den Düsseldorfer, so jedenfalls begründete er ihren Abschied. Dabei hat Lindner doch selber gar nichts vorzuweisen. Eine verlorene Wahl nach der anderen hat es mit ihm gegeben. Da hilft auch die Unterstützung Liberal-intellektueller Milieus nichts.  

Genau an dem, was er Teuteberg abspricht, mangelt es ihm am meisten. Seine Persönlichkeit, gekennzeichnet von Besserwisserei und eiskalter Schlagkraft, schreckt fast alle in der Normalbevölkerung ab. Teuteberg hingegen schafft es sogar, Sympathien von der radikalsten Opposition bis zu den FDP-Freunden in der CDU zu wecken. In einer Phoenix Sendung diese Woche zeigte sich selbst Susanne Hennig-Wellsow, burschikose Blumenschmeißerin aus Thüringen, von ihr beeindruckt. Wie zwei alte Freunde saßen die beiden da, Teuteberg wie eine Virtuose beim spielen politischer Variationen und Wellsow wie die schüchterne Schülerin einer guten Deutschlehrerin. So kann Politik auch gehen.

Wenn im September dann Bundestagswahl ist, wird die FDP noch ihr blaues Wunder erleben. Teuteberg hätte unter den Macho-Kanzlerkandidaten eine gute Figur gemacht. Abgelenkt von ihrer unterschwelligen Autorität würden AFDler  hilflos albern wirken, Habeck in ihrem gelben Zauber zu einem Gartenzwerg gemacht.

Leider wird das in der näheren Zukunft nicht passieren. Mit mittelmäßigem Erfolg wird Lindner eine weitere Flaute in die lange Liste von FDP-Verlusten eintragen können. Danach kann er ja in die Privatwirtschaft wechseln oder als unbedeutender Partner in einer Koalition seine vielen geistreichen Phrasen kundgeben.  

Schade. Es hätte auch anders kommen können.

Diese Glosse wurde ursprünglich auf meinem Blog https://www.benedictholland.com/kolumne veröffentlicht.