Sollen Geimpfte und negativ Getestete gewisse "Freiheiten" wiedererlangen? Wenn ja, welche? Wie ist das zu vertreten? Ist das sinnvoll oder gerecht? Dies sind Fragen, die derzeit diskutiert werden. Und es gibt sicherlich viele Argumente für die eine oder andere Seite - rechtliche und ethische. Aus meiner Sicht ist diese Diskussion aber lediglich eine reine Ablenkungsthematik. Man geht nämlich mit dieser Diskussion der entscheidenden Frage aus dem Weg:

Sind die Einschränkungen der Grundrechte/Freiheitsrechte überhaupt noch vertretbar?

Die Einschränkungen wurden erlassen, da man eine pandemische Notlage sah, eine Überlastung des Gesundheitssystemes verhindern und die vulnerablen Gruppen schützen wollte.

Der Schutz der vulnerablen Gruppen ist der Politik nicht gelungen, trotz monatelanger Versprechungen. Alte und schwache Menschen sind leider in den Heimen und Krankenhäusern zu Zigtausenden verstorben. Dann sollte die Impfung der Heilsbringer sein, die allen Geimpften wieder "ein normales Leben" ermöglichen sollte. Über die Impfbeschaffung müssen wir nicht mehr reden. Diese ist genauso schlecht gelaufen, wie der Schutz der vulnerablen Gruppen. Die Menschen in den Heimen sind jetzt fast alle geimpft. Von einem normalen Leben sind sie aber genauso weit entfernt, wie vor der Impfung. Völliges Versagen der Politik und unmenschliches Verhalten.

Man hat auf die Solidarität der Jüngeren gesetzt und appelliert. Diese haben 1 Jahr lang Rücksicht genommen und starke Einschränkungen in Kauf genommen. Inzwischen ist aber die Gruppe der hauptsächlich gefährdeten Menschen zum Großteil durch Impfung geschützt.

Somit fällt das Argument weg, die Jüngeren sollten auf Freiheiten zum Schutz der Älteren verzichten.

Es sollte darum gehen, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Eine richtige Entscheidung. Man hatte entschieden, die Intensiv-Bettenanzahl deutlich zu erhöhen und gab dafür finanzielle Anreize. Ebenso eine richtige Entscheidung. Warum man dann aber nach dem Sommer 2020 diese Förderungen eingestellt hat und durch eine "Auslastungsentschädigung" umgestellt hat, bleibt ein Rätsel. Auch ein Rätsel ist es, warum man das Intensivpersonal in Phasen der starken Belastung nicht mit monatlichen Zahlungen entschädigt und damit zumindest finanzielle Anreize setzt, Personal zu gewinnen oder zumindest zu halten. Im Herbst 2020 sank die Anzahl der betreibbaren Intensivbetten und es gab Berichte über Personal, welches die Häuser verliess. Mitten im Hochpunkt der Pandemie. Viele aus Stress, Überlastung und auch wegen fehlender Unterstützung - moralischer und finanzieller Art durch die Politik. Ausser ein paar Tage Applaus im Frühjahr 2020 kam nichts mehr. Ja, viele Ärzte und das Pflegepersonal sind am Ende ihrer Kräfte. Dies ist aber auch in starken Influenzaepidemien der Fall und ist zum Großteil systemisch bedingt durch den Personalmangel, den es schon lange gibt und um den sich die Politik seit vielen Jahren nicht schert.

Das alles kann und darf aber in einer Demokratie kein Grund sein, um 83 Millionen Menschen die Grundrechte stark einzuschränken und ganze Branchen monatelang mit einem Berufsverbot zu belegen.

Wir haben Impfung, wir haben Teststrategien und es gibt Schutzmaßnahmen. Alles Dinge, um die sich jeder Bürger ab sofort selbst kümmern kann. Wer ängstlich bzw. gesundheitlich vorbelastet ist, vermeidet weiterhin Menschenmengen. Es bestehen alle Möglichkeiten. Die Panikmodelle mit hunderttausenden Infektionsfällen und Erwartung exponentieller Todesfallzahlen haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Wir können bereits jetzt schon eine Entspannung sehen, wie es auch in den Nachbarländern klar zu erkennen ist. Im Übrigen mit teils wesentlich geringeren Maßnahmen erreicht. In den Fallzahlen, wie auch auf den Intensivstationen und Neuaufnahmen.

Es kann nicht die Aufgabe des Staates sein, das Leben und die Freiheit so lange und so stark einzuschränken, dass möglichst jede Infektion und jeder Tote vermieden wird. Es ist ein Virus und er wird auch in Zukunft Menschenleben kosten - wie jede Influenza oder andere Infektionskrankheiten auch. Das nennt sich Leben. Da gibt es keinen 100%igen Schutz oder Sicherheit.

Es besteht keine pandemische Notlage mehr. Eine Virusepidemie, ja. Weiterhin auch durchaus gefährlich für Menschen. Aber damit muss eine Gesellschaft umgehen und auch leben können. Die Aufhebung der Notlage - und damit verbunden die Rückgabe ALLER Grund- und Freiheitsrechte - bedeutet ja nicht, auf Schutzmaßnahmen zu verzichten. Wer den ganzen Tag Maske tragen möchte, kann das tun. Wer das Haus Abends nicht mehr verlassen möchte, kann das auch tun. Aber lasst die Menschen ihr Leben leben, wie sie es wollen. Dazu gehört auch das Recht, gewisse Risiken in Kauf nehmen zu dürfen. Das Argument, wir müssen andere schützen, ist keines mehr. Denn jeder kann sich inzwischen selbst ausreichend schützen und vorsichtig verhalten, der es möchte. Daher:

sofortige Beendigung der pandemischen Notlage. Rückgabe aller Grund-, Freiheits- und Berufsausübungsrechte und Impffreigabe für alle, die sich impfen wollen.

Dir gefällt, was Holger Kopp schreibt?

Dann unterstütze Holger Kopp jetzt direkt: