Ich war geneigt, reflexartig, ebenfalls auf den einfahrenden Twitter-Empörungs-Zug aufzuspringen. Denn auch ich empfand die Vorgänge bei der ARD als etwas merkwürdig.

Stattdessen,

der Versuch einer sachlichen Analyse:

Worum geht es? Die @tagesthemen machten wiederholt auf ein Projekt von @ConstSchreiber aufmerksam:

Die Relevanz: Als Sprecher der @tagesschau hat Herr Schreiber eine hohe Verantwortung.  Der Hinweis auf http://Moscheepedia.de, ist vor dem Hintergrund der Vorgänge in Österreich besonders brisant:

https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-06/islam-landkarte-oesterreich-kritik-rechtsextremismus-identitaere-integrationsministerin

Die Kritik:  @ConstSchreiber betreibe durch die Veröffentlichung von Bildern und Adressen deutscher Moscheen sozusagen "doxing" und spiele Rechtsextremen damit in die Hände. Die Bedrohungslage für Muslime nehme dadurch zu.

Einordnung:

Meinung:  Die besondere Empörung erkläre ich mir  

1. mit der kontroversen Vergangenheit von Herrn Schreiber. Insbesondere sein zuletzt veröffentlichtes Buch hat in der Kulturszene heftige Reaktionen ausgelöst.

Die @SZ titelte am 9. Juni: "Wie ein reaktionäres Manifest".

Constantin Schreibers Roman “Die Kandidatin”
Der Roman des Tagesschau-Sprechers Constantin Schreiber über eine muslimische Politikerin liest sich wie ein reaktionäres Manifest. #SZPLUS

"Die Kandidatin" knüpfe an das mittlerweile normalisierte rechtspopulistische mediale Hintergrundrauschen an, schreibt beispielsweise @peterdhintz in seiner Rezension:

Literarischer Trumpismus – Constantin Schreibers “Die Kandidatin”

2. Spricht hier ein weiß gelesener, nicht-muslimischer Mann über muslimische Menschen, was von einigen Gruppen in der Gesellschaft wohl als Affront wahrgenommen wird. Stichwort Identitätspolitik. Zur Zeit ein viel und heftig diskutierter Begriff.

Steffen Mau: „Wut kann Impulse setzen, aber keine Probleme bearbeiten“
Fragen der Identitätspolitik werden oft so kontrovers diskutiert, dass die Grautöne verschwinden. Der Soziologe Steffen Mau wirft im Gespräch einen differenzierten Blick auf die Debatte und erklärt, warum Sozial- und Identitätspolitik keine Gegensätze sind, er seinen Studierenden dennoch den „S-Bahn…

3. Bekommt er durch seine kritische Haltung zum politischen Islam, Beifall von Rechtsaußen. Den Identitären z.B.:

Fazit: Das Projekt von Herrn Schreiber und seiner gegründeten Stiftung wirft Fragen auf und ist durchaus mit einem kritischen Blick zu betrachten. Auch weil nicht klar ersichtlich ist, wie viele muslimische Gemeinden dort bisher von sich aus mitgewirkt haben.

Meine Grundannahme ist jedoch folgende:

Wenn die @tagesthemen, wo viele kluge Menschen arbeiten, die sich tagtäglich mit gesellschaftlichen Themen befassen, ein solches Projekt empfehlen, verspricht es ggf. mehr Gutes als Schlechtes. Im besten Fall fördert es Transparenz, gegenseitiges Verstehen und ermöglicht einen demokratischen Dialog.

Ich hoffe, mich nicht zu irren.

Apell:  Bitte. Liebe Twitter-Gemeinschaft.

Kritik zu und ein Diskurs über die verbreiteten Inhalte Schreibers sind nötig und legitim.  Ich ahne jedoch, dass von "Tagesschau fördert anti-muslimischen Rassismus"  bis "Schreiber ist ein Rechtspopulist" alles dabei sein wird.  

Ich würde mir etwas Sachlichkeit wünschen. Danke.


Hinweis: Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert und ggf.  an aktuelle Geschehnisse angepasst.