Gestern schrieb ich einen Text über Bengt Rüstemeiers Gewaltfantasien und die Reaktionen bzw. Nichtreaktionen vieler SPDler und Jusos darauf. Seitdem ist einiges passiert, die BILD berichtete und Politik-Twitter kannte kein anderes Thema mehr. Viele unterirdische Reaktionen von Jusos und Sozialdemokraten machen einen Nachtrag nötig.

Die Juso-Landesverbände Berlin und Hamburg distanzierten sich halbherzig, ob es personelle Konsequenzen geben wird, bleibt offen. Von der Juso-Vorsitzenden Jessica Rosenthal gibt es immer noch keine Stellungnahme. Dazu kamen vielleicht 20 sehr deutliche Distanzierungen von Jusos, die eher beim Seeheimer Kreis anzuordnen sind. Auf der anderen Seite gab es unglaublich viel Solidarität mit Bengt Rüstemeier. Natürlich von der Linksjugend und sämtlichen Kommunisten, aber auch von sehr vielen Jusos und Sozialdemokraten. Um diese Menschen und ihre Reaktion soll es gehen. Es wird deutlich werden, dass vor allem die Jusos ein strukturelles Problem in ihrer Mitgliederstruktur haben.

Fangen wir mit Peter Ambos an, Mitglied der SPD und der Jusos. Das ist sein einziger aktueller Tweet zu Bengt, offensichtlich sind Mordfantasien nicht so bemerkenswert, solange irgendwo anders ohnehin Menschen sterben. Wer sich über sowas echauffiert, „heult rum“.

Weiter geht es mit Jan-Felix Hölling, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Nord-Niedersachsen (Eine seiner Zuständigkeiten ist Antifaschismus). Er findet es zwar sehr schlimm, Leute zu erschießen, aber Berichterstattung über Mordfantasien von Mitgliedern seines Verbandes? Eigentlich noch viel schlimmer! Widerliche Rechte, die sowas kritisieren! Freier Journalismus = Verbrecherkonzern, Mordfantasien = joa, bitte nicht zu sehr beachten.

Weiter geht es mit Maximilian Lykissas, SPD-Mitglied und stellvertretender Vorsitzender der Jusos Düsseldorf. Laut Website ist eines seiner zwei Herzensthemen „antifaschistische Arbeit“.  Er ist sich wohl noch nicht sicher, ob man sich Mordfantasien von Juso-Mitgliedern als Antifaschist entgegenstellen muss. Lieber einen toten Diktator kritisieren, da kann man nichts verkehrt machen. Prioritäten sind so wichtig.

Und weiter geht es mit Hauke Bruns, stellvertretender Vorsitzender der Jusos Göttingen. Anscheined gibt es überhaupt kein Problem mit Mordfantasien von Juso-Mitgliedern. Völlig legitime Meinung innerhalb der Jugendorganisation.

Auch Aaron Thatje, Juso-Vorsitzender des Unterbezirks Bremen Stadt, sieht kein Problem.

Wir machen weiter mit Julian Stroh, SPD-Mitglied und kooptiertes Landesvorstandmitglied der Jusos Hessen für, Achtung, Antifaschismus. Mordfantasien soll man doch bitte nicht öffentlich kritisieren, sondern intern wegkungeln. Auch hier scheint die Berichterstattung wieder mehr zu stören, als die Tweets von Bengt Rüstemeier.

Auch Alexander Roth, Juso-Kreisvorsitzender in Regensburg-Land, solidarisiert sich mit Bengt, während ich natürlich ein total verurteilenswertes Individuum bin. Prioritären.

Hier stimmt Tim Strauß, Juso- und SPD-Mitglied, Henning Höppe zu, der findet, dass Mordfantasien halt einen wunden Punkt treffen und eigentlich nur scharfe Formulierung sind. Völlig legitime Aussagen, laut ihm. Aber wer ist Henning Höppe? Professor und, man ahnte es schon, SPD-Mitglied. Es sind nicht nur junge Mitglieder, die Mordfantasien verteidigen oder relativieren, sondern auch „Erwachsene“.  

Daniel Reitzig, SPD-Mitglied und Mitarbeiter im Bundestag von Marco Bülow, fällt bei Mordfantasien erst mal nur ein, dass andere Mitglieder ja auch schlimm sind. Ein offensichtlicher Shitpost? Ob er so gnädig wäre, wenn ein Mitglied der JA etwas ähnliches tweeten würde? Wohl kaum. Er solidarisiert sich sogar glasklar.

Daniel Al-Kayal ist Politikwissenschaftler (seufz) und Landtagskandidat der SPD Heidelberg und möchte Bengt, nach der Enteignung von Springer, reichlich belohnen. Bei Kritik meinerseits, bekam er bei seinen Ausflüchten Unterstützung in Form eines Likes von Derya Türk-Nachbaur, SPD-Bundestagskandidatin.

Was lässt sich nun aus den Geschehnissen lernen? Die Jusos haben Mitglieder in Bezirks- und Landesvorständen, die offensichtlich kein großes Drama darin sehen, dass Jusos Mordfantasien lustig finden oder tweeten. All die genannten Persönlichkeiten haben eigentlich nichts im demokratischen Diskurs verloren und es ist bezeichnend, dass sie so viel Unterstützung genießen. Die gezeigten Screenshots sind nur ein Kratzen an der Oberfläche, man könnte noch auf die Likes eingehen oder auf viele andere Tweets von kleineren Accounts, aber eines sollte klar geworden sein: Die Jusos haben ein gigantisches Problem. Die SPD hat ein großes Problem. Gerade die SPD müsste eigentlich ein Interesse daran haben, solchen Aktivitäten von Mitgliedern nachhaltig einen Riegel vorzuschieben.

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