„Was ist euch wichtiger? Eigene Kinder oder die Ressourcen der Erde?“ Diese Frage stellte die ARD jüngst ein paar Menschen mit ÖRR-Hintergrund in einem Video. Die Ressourcen der Erde sind begrenzt, ewiges Bevölkerungswachstum und ewiges Wirtschaftswachstum können doch nur zur Katastrophe führen. Diese These klingt so einleuchtend, wie sie falsch ist. Und sie ist wahrlich keine neue These.

Schon 1798 vertrat der britische Ökonom Thomas Robert Malthus in seinem Aufsatz „The Principle of Population“ die These, dass exponentielles Bevölkerungswachstum nicht tragbar wäre, weil die Nahrungsmittelproduktion nur linear wachse. Die Gefahr des exponentiellen Bevölkerungswachstums sei so groß, dass der vorzeitige Tod (durch Krieg, Hunger, Naturkatastrophen etc.) von vielen Menschen eine noch viel größere Katastrophe verhindern würde. Seitdem hat sich die Weltbevölkerung ungefähr verachtfacht (!), die Lebenserwartung allerdings ungefähr verdoppelt und als absolut arm gelten nicht mehr 90 Prozent der Weltbevölkerung, sondern unter 10 Prozent. Malthus lag glücklicherweise falsch.

Im Jahr 1968 folgte die nächste einflussreiche Untergangsprophezeihung. Das Buch „The Population Bomb“ des Stanford Biologen Paul Ehrlich schlug treffenderweise ein wie eine Bombe. Im Prinzip kombinierte er die malthusianische Logik mit noch radikalerer Untergangsangst. Aufgrund der begrenzten Ressourcen und des zu hohen Bevölkerungswachstums, würden in den 1970er Jahren hunderte Millionen Menschen verhungern. Nichts könne einen dramatischen Anstieg der Weltsterblichkeitsrate (Jährliche Todesfälle/1000 Menschen) mehr verhindern. Die Realität widerlegte seine Vorhersagen eindrucksvoll. Die Weltsterblichkeitsrate lag im Zeitraum von 1965-74 bei 13/1000 und sank bis 1990 auf 10/1000, heute liegt sie bei 7,7/1000. Von 1968 bis 2009, so Ehrlich, starben weltweit 200 Millionen Menschen durch Hungersnöte, also in 40 Jahren so viel wie in den vorhergesagten 10 Jahren. 1968 waren weltweit 33% der Menschen unterernährt, 2010 waren es noch 16%. Und all das trotz einer ungefähren Verdoppelung der Weltbevölkerung in diesem Zeitraum. Paul Ehrlich lag glücklicherweise falsch.

Und auch in der Gegenwart ist es nicht nur die ARD, bei der malthusianische Ängste fortleben. Sie sind mitten in der Popkultur angekommen. In der milliardenschweren „Avengers“-Reihe will der Bösewicht Thanos die Hälfte der Bevölkerung des Universums auslöschen. Seine Begründung klingt sehr vertraut:

„Dieses Universum ist endlich, seine Ressourcen sind endlich, wenn das Leben nicht korrigiert wird, fordert das seinen Preis.“

Das Interessante an der Reaktion der Zuschauer war, dass zwar seine Methode, einfach die Hälfte allen Lebens auszulöschen, von den allermeisten abgelehnt wurde, aber der Grundgedanke breite Sympathien genoss. Es gab unter dem Namen „ThanosDidNothingWrong" sogar eine ganze Fanbewegung, die ihm in der Analyse Recht gab. Die Angst vor „Überbevölkerung“ ist allgegenwärtig. Aber ist sie in der Gegenwart, unabhängig von den falschen Vorhersagen der Vergangenheit, vielleicht trotzdem berechtigt?

Wir wissen immerhin, dass die Vorhersagen der Malthusianer in der Vergangenheit falsch waren. Diese Erkenntnis alleine reicht aber nicht, um die Vorhersagen der Malthusianer der Gegenwart zu widerlegen. Es werden sich auch die wenigsten alleine von diesem historischen Wissen davon überzeugen lassen, weniger Angst zu haben. Denn nur weil Prognosen in der Vergangenheit falsch waren, müssen sie nicht immer falsch bleiben, vielleicht hatte die Menschheit bis jetzt ja schlicht Glück. Es muss verstanden werden, warum diese Theorie schon vom Grundansatz her falsch ist.

Der Hauptfehler liegt im mangelnden Verständnis von natürlichen Ressourcen. Diese sind eben nicht primär von der Natur limitiert, so absurd es klingen mag, sondern von der menschlichen Vorstellungskraft. Sicherlich, es gibt von nichts unendlich viel, aber es gibt auch nur 88 Klaviertasten, die mehr Kombinationsmöglichkeiten hergeben als die Menschheit je ausprobieren wird. Menschen können das Problem knapper Ressourcen auf verschiedene Weisen lösen: Effizienterer Umgang, Entdeckung von mehr Ressourcen und das Ersetzen durch andere Ressourcen. In einer Marktwirtschaft wird all das belohnt und gefördert. Da knappe Ressourcen bei hoher Nachfrage teurer werden, lohnt sich Kostenersparnis durch effizienteren Umgang mit diesen und das Suchen nach Alternativen. Zudem werden auch immer neue Vorkommen bekannter Ressourcen gefunden, beispielsweise Ölvorkommen. Die Geschichte zeigt klar, wie flexibel unser Verständnis von Ressourcen ist. Früher mussten Wale bis zur Überfischung gejagt werden, um Beleuchtung zu ermöglichen, bis dies durch die Destillation von Erdöl ersetzt wurde. Früher wurden massenweise Schweine für Insulin benötigt, heute reicht Gentechnik. Früher mussten Bäume ohne Ende für Beheizung gefällt werden, heute gibt es Heizungen. Man könnte die Liste endlos fortsetzen. Und in Zukunft werden auch die heutigen Produktionsweisen durch völlig andere ersetzt werden. Das schlichte Hochrechnen des jetzigen Ressourcenverbauchs ist Pseudowissenschaft.

Mehr Menschen bedeuten eben nicht nur mehr Menschen, deren Bedürfnisse befriedigt werden müssen, sondern auch mehr Ideen und mehr Schaffenskraft. Solange Menschen frei in ihrem Handeln sind und durch ein freies Preissystem merken, welche Ressourcen knapp sind und sich dementsprechend anpassen können, kurz: solange Marktwirtschaft existiert, ist Bevölkerungswachstum kein Problem, sondern ein Faktor für mehr Wohlstand und mehr Nachhaltigkeit. Das lässt sich auch an unzähligen Zahlen belegen, an der Stelle nur noch ein Beispiel. Laut USGS ging der Verbrauch von 66 von 72 Ressourcen in den 2010er Jahren zurück. Trotz mehr Wachstum, trotz mehr Menschen. Nein, wegen mehr Wachstum, wegen mehr Menschen!

Die Angstschürer vor „Überbevölkerung“ liegen seit über 200 Jahren falsch, sie werden aufgrund des mangelnden Vertrauens in die unendliche Kreativität der Menschheit auch in Zukunft falsch liegen. Solange, und das ist ironisch, diese Propheten nicht überall an die Macht kommen und Planwirtschaften einführen. Die ARD sollte sich nicht an der Verbreitung dieser pseudowissenschaftlichen Kaffeesatzleserei beteiligen.

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