Was will ich eigentlich mit meinem Leben machen? Naja, bis vor kurzem war ich mir ziemlich sicher: "Mein Hobby ist die Fotografie! Also liegt es nahe, dass ich Fotoshootings anbiete!".

Aber so langsam ärgere ich mich darüber, dass ich neben meinem Hauptberuf, so als Informatiker, noch einen verpönten "Nebenerwerb" aufbauen will. Davon muss ich so sprechen, selbst wenn ich nur 50€ im Jahr damit verdienen würde. Denn der deutsche Staat möchte nicht nur die Steuern sehen, was ich ja vollkommen nachvollziehen kann, sondern auch, dass ich mich bei jeder zuständigen Stelle auch ordentlich registriere!

Ich sollte, zugegebenermaßen, dabei bleiben nur in die Tasten zu hauen und somit mich kreativ zu entfalten. Als Schriftsteller/Blogger geht es ganz einfach – Meldung beim Arbeitgeber und Meldung beim Finanzamt. Zwei kurze Anträge und fertig ist die Sache. So war es zumindest bei mir; aber je mehr ich mich jetzt mit der gewerblichen Fotografie auseinandersetze, umso mehr befürchte ich, dass ich irgendwo fünfzig weitere Stellen, Anträge, Pflichtbeiträge und Genossenschaften übersehen oder vergessen habe. Und wer hat Antworten auf meine Fragen? Natürlich niemand, hat ja niemand 'ne Ahnung. Wen soll ich denn überhaupt fragen? Wer kennt sich denn genau damit aus?!

Als angehender nebenberuflicher Fotograf kommen einige viele Hürden auf einen selbst zu. Du musst dich bei der Handwerkskammer melden und registrieren. Kostenpunkt 120-200€ für die bloße Bearbeitung deines Antrages. Dann kommt ein jährlicher Grundbetrag von circa 200€ dazu und noch ein Anteil deines Gewinns – denn die Mitgliedschaft ist verpflichtend, obwohl es für das Handwerk der Fotografie keine Zulassungspflicht oder sonstige Formalia zu erfüllen gibt.

Im Internet stehe zwar, dass man "bis 5200€ von der Beitragspflicht befreit werden kann". Allerdings ist diese Information (die man in jedem zweiten Blog findet) falsch. Die Beitragsbefreiung gilt nämlich nur für Anlage A, also die zulassungspflichtigen Handwerke, worunter die Fotografie eben nicht fällt. Tust du das nicht, bist du ein Schwarzarbeiter. Du, als Fotograf, darfst schön zahlen. Ist ja nur fair, oder so.

Nachdem du im Ernstfall mindestens 200€ für die Handwerkskammer im ersten Jahr ohne Aufträge und ohne Gewinne (oder gar Umsätze!) zahlen musst, kommt zusätzlich noch das Gewerbeamt und verlangt ebenso eine Registrierung mit einem variablen Kostenfaktor von 20-60€, je nach Kommune.

Aber warum? Was habe ich selbst davon? Was hat die Gesellschaft davon? Wer oder was ist überhaupt diese Handwerkskammer und was macht sie? Immerhin bringt mir der Rundfunkbeitrag jeden Sonntag den Tatort und vielleicht ein paar unterhaltsame Kommissare. Bis jetzt fühle ich mich bei der Handwerkskammer aber eher wie die Leiche.

Immerhin, und das mag einige vielleicht verwundern, hatte ich dafür mit dem Finanzamt bisher die wenigstens (sprich: keine!) Probleme. Alles, was unter die Kleinunternehmerreglung fällt – also weniger als 22000 Brutto im Jahr verdient – ist von der doppelten Buchführung befreit und darf sich mit einer bloßen "Einnahme-Überschuss-Rechnung" zufrieden geben. Nebst der normalen Steuererklärung ist das effektiv nur eine kleine zusätzliche Anlage mit Einnahmen und Ausnahmen gegenübergestellt.

Überraschendste Feststellung des Tages?
Ich wünschte, der Rest wäre so einfach wie die Sache mit dem Finanzamt.

Aber hey, akzeptieren ist einfacher als verstehen. Denn alles andere wäre mindestens eine Ordnungswidrigkeit, wenn nicht sogar eine Straftat. Würde ich es nicht machen, wäre ich zwangsläufig zur Untätigkeit gezwungen. Und untätig kann ich nicht sein. Immerhin habe ich dann die Rechtssicherheit für mein handeln und handwerken. Vorausgesetzt ich habe nichts übersehen, versteht sich.


Warum überhaupt für Geld arbeiten?

Ein berechtigter Einwand, schließlich ist die Fotografie mein Hobby. Wer verdient denn mit seinem Hobby Geld? Was für eine Perversion amerikanischer "hustle culture" ist das denn!?

Aus purem Eigennutz. Eine hochwertige Kamera kostet gebraucht alleine schon 500€, neuwertig kommen gerne 2000€ oder mehr zusammen. Nach oben hin sind dem Preis keine Grenzen gesetzt. Die neuste Nikon Z9, beispielsweise, geht für 6000€ über den Tresen. Ohne Objektive, versteht sich. Diese kosten ebenso jeweils mehrere hunderte bis tausende Euro. Lichtequipment, Blitzgeräte oder sonstiger Schnickschnack, wie – Gott bewahre – ein Kamerastativ, malträtiert den eigenen Geldbeutel zusätzlich. Solange wir im Kapitalismus leben und daran gezwungen sind teilzunehmen, wäre es fast schon vergeudetes Potenzial entsprechende Gegenleistung zu verlangen.

Wirklich vergeudetes Potenzial. In vieler Hinsicht. Selbst sich seine Zeit nicht entlohnen zu lassen oder gar ein Hobby nicht mehr auszuüben sind, aus meiner persönlichen Sicht, wirklich keine Alternativen. Besonders nicht, wenn ich die Möglichkeit dazu habe.

Allerdings sind es die Hürden und der entsprechende "Verwaltungsoverhead", der scheinbar einfach zu Deutschland gehört wie ein Spiegel zum Ei, welcher mir an meinem Hobby doch gut und gerne bei Abarbeitung den Spaß raubt. Obwohl ich eigentlich genau die Art von Mensch bin, die sich in solchen Systemen und Verordnungen zurechtfindet. Die mit Gesetzestexten und Beamtendeutsch kein Problem haben. Aber da... da steige selbst ich aus. Ich habe aufgegeben zu glauben, dass das, was ich tue, noch richtig ist.

Rechtssicherheit ist es, was ich eigentlich haben will. Weswegen (legaldefinierte) Schwarzarbeit (selbst wenn ich die Einkünfte bei der Steuer als "Sonstiges", oder ähnliches, angeben würde) für mich einfach nicht in Frage kommt. Sonst könnte ich ja mein Geld "bar auf die Hand, ohne Rechnung" wie ein echter Handwerker nehmen. Aber solche Aktionen und solch ein Wust aus Vereinen und Verordnungen lassen mich im Glauben, dass ich ungewollt und unbewusst mit mindestens einem Bein im Gerichtssaal, wenn nicht sogar bereits Gefängnis, stehe. Mein Verbrechen? Ich habe mein bestes getan und mich trotzdem nicht zurechtgefunden. Oder mache ich doch alles richtig? Bin ich einfach nur übervorsichtig?


Im Endeffekt, so scheint es mir, werde ich die Fotokamera – oder effektiv alles – irgendwann niederlegen müssen, da in Deutschland kein Spielraum für solche Aktionen wie der meinen existiert. Schließlich könnte ich ja Schwarzarbeiter sein oder Steuern hinterziehen, auch wenn das nie meine Absicht war.

Dann wiederum: Das Risiko werde ich eingehen müssen, die Anträge sind raus. Teilweise schon genehmigt. Das Geld werde ich zwangsläufig zahlen müssen, denn ich will. Also muss ich.

Ich will mich selbst verwirklichen, so gut wie ich es nur kann. Es könnte doch so einfach sein. Aber es tut weh. Warum muss es so sehr wehtun? So verwirren? So schmerzen?

Dir gefällt, was Michell Skorna schreibt?

Dann unterstütze Michell Skorna jetzt direkt: