Die Jusos sind die Jugendorganisation der SPD und schwingen sehr gerne Moralpredigten. Täglich werfen diverse Jungsozialisten Liberalen oder Konservativen Menschenfeindlichkeit, soziale Kälte oder mangelnde Abgrenzung zu Rechtsextremisten vor. Aber wie sieht es im eigenen Lager aus? Haben die Jusos wirklich eine moralisch so weiße Weste, dass sie sich die tägliche Moralkeule erlauben können?

An dieser Stelle könnte jetzt über die Kooperation der Jusos mit der Fatah-Jugend und mangelnde Abgrenzung zu Antisemitismus geschrieben werden. Auch könnte die beschämende Putinkuschlerei betont werden. Ganz allgemein wäre auch ein Exkurs denkbar, warum eine Organisation, die sich zu Sozialismus bekennt, schon per Definition nicht viel mit Menschenfreundlichkeit zu tun haben kann. Um all das soll es aber nicht gehen. Wesentlich erwähnenswerter, weil es dort nicht um ideologische Debatten geht, sind konkrete Aussagen und Handlungen von Jusos, die unvereinbar mit Menschenfreundlichkeit, sozialer Wärme und Ablehnung von politischer Gewalt sind.

Hier sehen wir einen Tweet von Bengt Rüstemeier, Mitglied im Kreisvorstand der Jusos Pankow und Mitglied im erweiterten Landesvorstand der Jusos Berlin. Nun ist der Text natürlich hochintelligent chiffriert, aber man muss schon unter einem Stalin-Bild schlafen, um dort nicht "Jungliberale erschießen" rauszulesen. Mordfantasien für politische Gegner, wo gibt es das eigentlich sonst noch? Achja, bei Rechtsextremisten.

Geliket wurde der Tweet (es soll erwähnt sein, dass das zu 100 Prozent ein bewusster Like war) von Leo Schneider. Dieser ist Mitglied im Landesvorstand der Jusos Hamburg und AStA-Vorsitzender an der Uni Hamburg. Schon zwei Mitglieder in Juso-Landesvorständen, die politische Gewalt von links nicht so eng sehen. Und dieser Tweet ist bei weitem kein Einzelfall.

Auch Vermieter stehen auf der Abschussliste

Auch das Tweeten von brennenden Polizeiautos, die implizite Androhung, Nasen von politischen Gegnern zu brechen oder süffisante Fragen, wie viele Kniescheiben JuLis so haben, ist bei Bengt Rüstemeier fast schon Alltag. Glücklicherweise geht von Bengt an sich keine physische Gefahr aus, eine Google Sucheingabe wirkt da sehr entspannend oder wahlweise erheiternd.

Der Umgang, beziehungsweise der Nichtumgang der Jusos mit solchen Personen in ihren Reihen ist allerdings fatal. Linke fordern bei rechtsextremer Gewalt immer, diese schon in der Entstehung zu bekämpfen. Nämlich bei hassschürenden Reden. Hass führt zu Gewalt, heißt es dann immer. Wenn nun eigene Mitglieder Hass schüren, Gewaltfantasien posten oder gar in schlechter Chiffrierung von Mord fantasieren, müssten Jusos, gerade weil es im eigenen Wohnzimmer passiert, sich doch erst recht vehement dagegen stemmen, gar daran arbeiten, solche Menschen aus der Organisation zu werfen oder mindestens von Posten fernzuhalten.

Das passiert tragischerweise nicht. Ist ja Hass von links und was von links kommt, kann schließlich nur gut sein. Fairerweise soll gesagt werden, dass es einzelne Jusos gibt, die Bengt und Gefolgschaft deutlich kritisieren. Die kann man aber traurigerweise an nur zwei Händen abzählen und es handelt sich auch fast immer um Basismitglieder.  

Auf der anderen Seite gibt es unfassbarerweise Jusos, die sich mit Bengt solidarisieren. Von seinem Landesverband oder auch von Leo Schneiders Landesverband kommt gar nichts. Vom Bundesverband ganz zu schweigen. Ohrenbetäubendes Schweigen. Pure Menschenfeindlichkeit in den eigenen Reihen wird ignoriert, während man zeitgleich jedem Menschenfeindlichkeit vorwirft, der Steuern senken will.

Wenn die Jusos etwas mit Rechtsstaat und freiheitlicher Grundordnung zu tun haben wollen, müssen sie sich von solchen Mitgliedern geschlossen distanzieren und alles dafür tun, dass solche Personen und ihr Dunstkreis keine Posten innehalten. Ich bezweifle allerdings, dass genügend Wille bei den Jungsozialisten vorhanden ist, um von Linksextremismus glaubhaft Abstand zu halten. Denn die Jusos München-Land sind leider die Ausnahme:

Ein aktueller Nachtrag ist hier zu finden.

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