Eigensinnig und eigenwillig zu sein, sind zwei wundervolle Begriffe. Wenn ich weiß, dass etwas sinnvoll für mich ist,

ist ein gerüttelt Maß an Sturheit äußerst hilfreich.

Dieses „Ich will das aber!“, „Jetzt erst recht!“ oder „Ich brings hinter mich!“, das mitschwingt, wenn wir uns etwas in den Kopf gesetzt haben, schenkt uns die Beharrlichkeit und Energie, dranzubleiben.

Mir gefällt, dass die Sturheit hier gekoppelt ist mit Unbeirrbarkeit, Hartnäckigkeit und Zähigkeit, die es gerade für längerfristige oder schwierige Vorhaben braucht.

Allerdings: Sturheit oder Starrheit?

Jetzt gibt es natürlich Zutaten des Sturseins, die uns ganz schön im Weg stehen können:

  • nicht willens/nicht imstande sein, sich auf etwas oder jemanden einzustellen bzw. etwas einzusehen
  • engstirnig, verbohrt sein
  • nicht offen, kaum beeinflussbar für Argumente
  • rechthaberisch und unbeugsam sein

Man muss sich nur mal die Diskussionen im Netz ansehen, wenn es um Themen wie Ernährung, Gesundheit, Sport geht. Da herrscht gerne missionarischer Eifer und vehemente, oft vorschnelle, Ablehnung. Anders ausgedrückt: Unser innerer Rollladen geht manchmal recht schnell runter.

Aus Trotz auf stur schalten

Dann gibt es noch den Aspekt, des Auf-Stur-Schaltens, und den ich finde ich besonders tricky, den damit können wir uns selbst ein Ei legen. Denn nicht immer ist es vorteilhaft für uns, ausgerechnet die Sturheit dominieren zu lassen. Und: So ganz freiwillig ist es auch nicht unbedingt.

Auf manche Dinge und Verhaltensweisen reagieren wir allergisch: Sie lassen uns reflexartig störrisch werden, verbissen und unerbittlich (re)agieren. Wir machen dann zu, wenden uns ab oder gehen zum Gegenangriff über. Die Folge: Die Verbindung zum anderen - und zu uns selbst - bricht ab.

Manchmal merken wir das sogar, können uns aber im Moment nicht stoppen. Dann schaut man zurück und denkt sich „Oh Mann, da hab ich aber überreagiert!“ oder „So bin ich doch eigentlich gar nicht“.

Ich glaube, jeder ist schon mal Leuten begegnet, die sowas auslösen. Meistens kennen wir unsere Trigger-Themen/-Menschen bestens. Und das Verhalten, den Ton, der uns sofort auf stur schalten lässt.

Ein sehr erhellendes Buch, das ich letztes Jahr begleiten durfte, ist „Runter von der Macht-Wippe!" (Klett Cotta Verlag).

Cover des Buches "Runter von der Macht-Wippe" von Ulrike Strubel

Ulrike Strubel erklärt die Automatismen hinter Autoritätsproblemen – wobei „Autorität“ keinesfalls nur im beruflichen Kontext gemeint ist. Auch im privaten Umfeld, im ganz normalen Alltag gibt es ständig ein Ringen um Macht.

Es lohnt sich, die eigene Sturheit näher anzuschauen. Es stecken enorm viele richtig wertvolle Eigenschaften drin. Nur ungünstig dosiert, macht das Stursein rigide.


In der Wortherkunft wird unter anderem beschrieben:

                        stur = standfest

Doch einen wirklich sicheren Stand hat nur, was beweglich ist.


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