Raupenzeit - Heranwachsen und Überleben im Kokon der Depression

F32.2 - ein Buchstabe, eine Drei, zwei Zweien und ein Punkt. Aha. Mehr braucht es also nicht, um die Ereignisse und Resultate von Jahrzehnten unter einen Hut zu bringen. Muss man ja auch erst mal können. Ärzte können das. Und dieser Hut ist jetzt meiner. Fuck hoch 32 zum Quadrat. So kurz, so kacke. Aber immerhin hat das Kind jetzt einen Namen. Auch was wert.
Naja, es ist ja nicht so, dass ich ihn nicht auch schon vor meinem Arztbesuch gewusst hätte, aber eine Selbstdiagnose von promoviertem Fachpersonal bestätigt zu bekommen, das ist ja dann doch nochmal was anderes. Ein Ritterschlag, wenn man so will. Volle Breitseite. Mitten ins Genick. Glückwunsch. Sie dürfen die Braut jetzt abmurksen.

Als ich wieder im Auto saß, griff ich als Erstes nach meinem Handy und fragte sicherheitshalber Herrn Google nach der offiziellen Dechiffrierung meiner kryptisch verschlüsselten Diagnose: „Schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome“ las ich auf meinem Display. Hhm. Dass ich in letzter Zeit nicht gerade ein Quell steter Freude war, dessen war ich mir natürlich bewusst und vielleicht könnte man auch lebensbejahendere Hobbys haben, als über Friedhöfe zu schlendern und sich auszumalen, wo das eigene Erdmobiliar denn mal verbuddelt werden könnte. Dennoch hätte ich mir maximal eine mittelschwere Depression bescheinigt - und auch das nur mit viel gutem Willen.

Damals, als dubiose Zufälle dafür gesorgt hatten, dass ich nach dem Verzehr einer nicht unbedeutenden Menge eines für diese Erzählung unrelevanten Medikaments sowie zweier Flaschen billigen Fusels am Folgetag aufgefunden und mittels einiger beherzter Stromstöße wieder zum Leben erweckt worden war (zu meinem großen Leidwesen just in dem Moment, als ich die Pforte zum Nirwana schon so gut wie durchschritten hatte), da hätte ich es mir ja noch angehen lassen, wenn jemand zu dem Entschluss gekommen wäre, ich müsse wohl schwer depressiv sein, aber heute?

Immerhin hatte ich die Praxis aus freiem Entschluss und in Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten aufgesucht, das sollte bei der Diagnosefindung ja wohl berücksichtigt werden, möchte man meinen. Aber nix da. Pustekuchen. Was Mutter schon wusste, als ich noch ein kleines Mädchen war, das hatte ich nun schwarz auf weiß in der Hand: Ich hatte einen an der Waffel. Und zwar gewaltig. Aber was sagt das heutzutage schon noch über einen Menschen aus? Viel spannender fand ich ja die Frage, wie es nun weitergehen würde ...

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