<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:media="http://search.yahoo.com/mrss/"><channel><title><![CDATA[Publikum]]></title><description><![CDATA[Publikum]]></description><link>https://publikum.net/</link><image><url>https://publikum.net/favicon.png</url><title>Publikum</title><link>https://publikum.net/</link></image><generator>Ghost 3.99</generator><lastBuildDate>Sun, 05 Apr 2026 11:05:20 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://publikum.net/rss/" rel="self" type="application/rss+xml"/><ttl>60</ttl><item><title><![CDATA[Bohrleute 124 - Die dümmste Partei, mit Ariane Sophie]]></title><description><![CDATA[Die SPD ist, wieder mal, in der Krise. Die Analyse ist klar: sie muss sich auf ihre Wurzeln besinnen und die arbeitende Mitte in den Blick nehmen. Die Stupidität sowohl der Partei als auch der Analysen ist bemerkenswert.]]></description><link>https://publikum.net/bohrleute-124-die-dummste-partei-mit-ariane-sophie/</link><guid isPermaLink="false">69cfdd542474692f79b48129</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Fri, 03 Apr 2026 15:49:43 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/04/DD-Banner-Podcasts.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/04/DD-Banner-Podcasts.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg01.met.vgwort.de/na/faa1736622b848ffad23b7344fc3c31e" class="kg-image" alt="Bohrleute 124 - Die dümmste Partei, mit Ariane Sophie"></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/DD-Banner-Podcasts.png" alt="Bohrleute 124 - Die dümmste Partei, mit Ariane Sophie"><p>Die SPD ist, wieder mal, in der Krise. Die Analyse ist klar: sie muss sich auf ihre Wurzeln besinnen und die arbeitende Mitte in den Blick nehmen. Die Stupidität sowohl der Partei als auch der Analysen ist bemerkenswert.</p><h2 id="shownotes-">Shownotes:</h2><p><a href="https://jacobin.de/artikel/spd-krise-klingbeil-bas-arbeitende-mitte-ideologie">Wer keine Visionen hat, braucht auch keinen Arzt mehr</a></p><p>Im Artikel wird argumentiert, dass die Krise der SPD tiefer liege als einzelne Wahlniederlagen oder programmatische Korrekturen. Es wird beschrieben, die Partei verstehe ihre eigenen Niederlagen nicht ausreichend und laufe deshalb Gefahr, „den falschen Kurs umso entschlossener fortzusetzen“.</p><p>Zentral sei ein Verlust ideologischer Orientierung. Die SPD habe sich in den vergangenen Jahren zunehmend an ein nach rechts verschobenes politisches Klima angepasst, etwa in der Migrations- und Sozialpolitik. Diese „Realpolitik“ führe jedoch nicht zu neuen Mehrheiten, sondern zu einem Profilverlust. Die gleichzeitige Bewegung „nach links“ in der Steuerpolitik und „nach rechts“ in anderen Feldern erscheine als widersprüchlich und lasse die Partei „diffus und unentschlossen“ wirken.</p><p>Besonders kritisch wird die Berufung auf die „arbeitende Mitte“ gesehen. Der Begriff sei umkämpft und werde inzwischen oft moralisch aufgeladen, wodurch sozialdemokratische Perspektiven geschwächt würden.</p><p>Im Kern wird festgestellt, die SPD verfüge über kein eigenes politisches Narrativ mehr. Ohne Vision bleibe sie reaktiv und verliere weiter an Bedeutung. Eine „ideologische Neubestimmung“ sei notwendig, könne jedoch nicht kurzfristig erfolgen, sondern erfordere einen längeren intellektuellen Erneuerungsprozess.</p><p><a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/wohnungskrise-mieten-ursachen-massnahmen-wohnungsmarkt/komplettansicht">Wie die Wohnungskrise existenziell wurde</a></p><p>Im Artikel wird erklärt, dass die heutige Wohnungskrise nicht nur Ergebnis von Marktkräften, Zuzug oder teuren Baustoffen sei, sondern wesentlich auf politische Weichenstellungen der vergangenen Jahrzehnte zurückgehe. Im Zentrum steht eine neue Studie, die die Wohnförderung seit den 1960er-Jahren auswertet. Demnach habe der Staat früher vor allem den Bau günstiger Wohnungen gefördert, also den sozialen Wohnungsbau und andere Formen der Objektförderung. Seit den 1980er- und vor allem seit den Hartz-Reformen sei der Schwerpunkt jedoch auf die Subjektförderung verschoben worden: Statt bezahlbare Wohnungen zu schaffen, zahle der Staat immer stärker Wohngeld und Kosten der Unterkunft an Mieter.</p><p>Der Artikel argumentiert, dass diese Politik kurzfristig Bedürftigen helfe, langfristig aber die Mieten mit nach oben treibe, weil Vermieter die staatliche Zahlungsbereitschaft einkalkulierten. Gleichzeitig sei der Bestand an Sozialwohnungen dramatisch geschrumpft. Die Schlussfolgerung lautet, dass eine nachhaltige Lösung nur gelingen könne, wenn der Staat beides gleichzeitig tue: Bedürftige unterstützen und wieder dauerhaft erschwinglichen Wohnraum schaffen. (Caterina Lobenstein und Vivien Serve, DIE ZEIT)</p><p><a href="https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-03/mitversicherung-ehepartner-gesetzliche-krankenversicherung-reform">Hört auf, die Hausfrauen-Ehe zu belohnen!</a></p><p>Im Kommentar wird argumentiert, dass die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung ein „Privileg“ sei, das abgeschafft werden sollte. Anlass ist ein möglicher Reformvorschlag der Bundesregierung, wonach bislang kostenlos mitversicherte Ehepartner künftig einen Mindestbeitrag zahlen müssten – mit Ausnahmen etwa für Eltern kleiner Kinder oder pflegende Angehörige.</p><p>Die Autorin führt aus, dass diese Regelung den Staat jährlich Milliarden koste und zugleich „falsche Anreize“ setze. Sie begünstige insbesondere die klassische „Hausfrauen-Ehe“, weil es sich für viele – meist Frauen – finanziell kaum lohne, mehr zu arbeiten, da dann eigene Beiträge anfallen würden. Dadurch werde Erwerbsarbeit strukturell unattraktiver gemacht.</p><p>Zudem wird kritisiert, dass auch gutverdienende Haushalte von der Mitversicherung profitierten, was sozialpolitisch „ungenau“ sei. Insgesamt wird gefordert, solche Fehlanreize abzubauen und mehr Menschen in reguläre Beschäftigung zu bringen. Die Maßnahme wird als notwendiger Schritt dargestellt, auch wenn ergänzende Reformen – etwa bei Steuern und Kinderbetreuung – ebenfalls erforderlich seien.</p><p><a href="https://www.welt.de/debatte/plus69c3a704af187d606b8123e0/ehegattensplitting-und-mehrwertsteuer-diese-reformen-sind-fantasielos-und-fuehren-nur-zu-einem-verschiebebahnhof-beim-geld.html">Diese „Reformen“ sind fantasielos und führen nur zu einem Verschiebebahnhof beim Geld</a></p><p>Im Kommentar wird argumentiert, dass Vorschläge wie die Abschaffung des Ehegattensplittings oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer keine echten Reformen seien, sondern lediglich Geld innerhalb des Systems verschöben. Fatina Keilani kritisiert, dass solche Maßnahmen die arbeitende Mitte zusätzlich belasteten, ohne die grundlegenden Probleme des Landes zu lösen. Die von Lars Klingbeil in Aussicht gestellten Entlastungen von einigen hundert Euro im Jahr erscheinen ihr angesichts steigender Kosten für Mieten, Energie, Gesundheit und Konsum als bedeutungslos.</p><p>Der Text betont, dass Bürger in Deutschland bereits auf vielfältige Weise belastet würden: durch Einkommensteuer, Mehrwertsteuer, Kfz- und Energiesteuer, Kapitalertragsteuer sowie Abgaben auf Immobilien und Erbschaften. Statt neuer Belastungen brauche es daher vor allem spürbare Entlastung für diejenigen, die arbeiten und den Staat finanzieren.</p><p>Als eigentliche Reformperspektive fordert der Kommentar niedrigere Steuern, weniger Bürokratie und geringere Staatsausgaben. Kritik richtet sich besonders gegen einen Sozialstaat, der aus Sicht der Autorin Fehlanreize setze und zu viele Mittel an die Falschen verteile. (Fatina Keilani, WELT)</p><p><a href="https://www.zeit.de/2026/10/wohnungsnot-cdu-konrad-adenauer-wohnungsbau-demokratie/komplettansicht">Wie man ein Wohnwunder schafft – und wie nicht</a></p><p>Im Artikel wird beschrieben, dass die heutige Wohnungskrise kein naturgegebenes Problem sei, sondern politisch verursacht und prinzipiell lösbar wäre. Am Beispiel der frühen Bundesrepublik wird gezeigt, dass unter Konrad Adenauer durch massiven staatlichen Einsatz ein „Wohnungswunder“ erreicht worden sei: Millionen Wohnungen seien gebaut, Mieten reguliert und Wohnen als zentrale soziale und demokratische Aufgabe verstanden worden.</p><p>Es wird dargestellt, dass diese Politik bewusst ideologische Grenzen überschritten habe – etwa als Ludwig Erhard trotz marktwirtschaftlicher Überzeugungen an Mietpreisregulierungen festhielt. Wohnen habe als Grundlage für sozialen Frieden und wirtschaftlichen Erfolg gegolten.</p><p>Im Gegensatz dazu habe sich die Politik seit den 1980er-Jahren zunehmend vom sozialen Wohnungsbau entfernt. Unter Helmut Kohl sei der Markt liberalisiert, Gemeinnützigkeit abgeschafft und staatliche Förderung in Richtung Wohngeld verschoben worden. Dadurch seien Investoren und Renditeinteressen stärker geworden, während günstiger Wohnraum zurückging.</p><p>Der Text argumentiert, dass heutige Parteien ideologisch blockiert seien: Zwar werde „bauen, bauen, bauen“ gefordert, doch wirksame Eingriffe in Mietpreise würden abgelehnt. Insgesamt werde die Wohnungspolitik als vernachlässigt beschrieben, obwohl steigende Mieten das Vertrauen in die Demokratie gefährden könnten.</p><p><a href="https://hpd.de/artikel/ehegattensplitting-wenn-politische-kommunikation-realitaet-verlaesst-23938">Ehegattensplitting: Wenn politische Kommunikation die Realität verlässt</a></p><p>Im Kommentar wird argumentiert, dass die Debatte über das Ehegattensplitting die historische und verfassungsrechtliche Grundlage des Modells verfehle. Es wird betont, das Splitting sei kein „Privileg“, keine „Subvention“ und auch kein arbeitsmarktpolitischer Anreiz, sondern die steuerliche Konsequenz der Ehe als „wirtschaftliche Verantwortungsgemeinschaft“. Das Bundesverfassungsgericht habe mehrfach klargemacht, dass die Ehe steuerlich nicht künstlich in zwei Einzelpersonen aufgespalten werden dürfe.</p><p>Weiter wird beschrieben, die heutige Behauptung, das Splitting halte Frauen von Vollzeitarbeit ab, verkehre Ursache und Wirkung. Eingeführt worden sei es 1958 gerade deshalb, um Familien mit ungleicher Erwerbsverteilung nicht zu benachteiligen. Ausschlaggebend für Teilzeit seien vielmehr Kinderbetreuung, Löhne, Pendelzeiten und Care-Arbeit, nicht die Steuerlogik. Das Splitting bilde Realität ab, es erzeuge sie nicht – „ungefähr so logisch wie dem Thermometer die Schuld am Fieber zu geben“.</p><p>Insgesamt wird kritisiert, politische Kommunikation ersetze historische Genauigkeit durch verkürzte Erzählungen und mache aus einer verfassungsrechtlich begründeten Regelung einen bequemen Sündenbock.</p><p><a href="https://www.tagesschau.de/ausland/europa/parlamentswahlen-daenemark-100.html">Sozialdemokraten bleiben wohl stärkste Kraft</a></p><p>Im Bericht wird beschrieben, dass die Sozialdemokraten bei der Parlamentswahl in Dänemark trotz deutlicher Verluste erneut stärkste Kraft geworden seien. Die Partei von Mette Frederiksen habe laut Hochrechnungen rund 22 Prozent der Stimmen erreicht – deutlich weniger als bei der vorherigen Wahl und das schwächste Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg.</p><p>Es wird ausgeführt, dass die bisherigen Regierungsparteien – Sozialdemokraten, Venstre und Moderaterne – ihre Mehrheit verloren hätten. Weder das linke noch das rechte Lager verfüge über eine klare Mehrheit im Parlament. Beide Blöcke lägen unter der notwendigen Sitzanzahl, sodass komplizierte Koalitionsverhandlungen erwartet würden.</p><p>Besonders betont wird, dass kleinere Parteien sowie die Abgeordneten aus Grönland und den Färöern entscheidend für die Regierungsbildung sein könnten. Ob Frederiksen eine dritte Amtszeit antreten könne, sei daher offen.</p><p>Insgesamt wird die Wahl als offen und politisch fragmentiert beschrieben, mit unklaren Mehrheitsverhältnissen und hoher Bedeutung möglicher Bündnisse aus der politischen Mitte.</p><p><a href="https://steady.page/de/df6ea406-a1de-4953-b7a9-896981136644/posts/085e2556-26db-4ad2-919c-0afe07247366">Die richtige Reform</a></p><p>Im Text wird die These vertreten, dass die Politik gegenwärtig an einem Mangel an echten Reformideen leide. Es wird beschrieben, dass unter „Reformen“ meist nur „kleinteilige, komplizierte“ Maßnahmen verstanden würden, die an den eigentlichen Problemen vorbeigingen. Als historischer Vergleich wird Henri III. angeführt, dessen Reformen zwar formal gewesen seien, aber die eigentlichen Krisen nicht gelöst hätten.</p><p>Zentral wird argumentiert, die entscheidende politische Ebene sei heute Europa. Nationale Politik erscheine zunehmend wirkungslos, weshalb Wähler enttäuscht reagierten. Während demokratische Parteien zögerlich agierten, trete die radikale Rechte international vernetzt auf und vermittle den Eindruck von „Macht“, auch wenn dies als „Bluff“ beschrieben wird.</p><p>Als Lösung wird eine tiefere europäische Integration vorgeschlagen: eine kleinere, aber eng verbundene Union zentraler Staaten mit gemeinsamer Verfassung, Regierung und Finanzpolitik. Parallel werden konkrete Reformfelder genannt, etwa Klima-, Migrations- und Gesellschaftspolitik sowie Investitionen in Innovation, Wissenschaft und Kultur.</p><p>Insgesamt wird gefordert, Politik müsse wieder visionärer werden. Die Bewältigung globaler Krisen könne nicht durch nationale Detailpolitik erfolgen, sondern erfordere größere, strukturelle Antworten.</p><p><a href="https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/reform-der-krankenversicherung-kommissionsvizechef-gerlach-im-gespraech-accg-200685733.html">„Wir rechnen mit einem Shitstorm epischen Ausmaßes“</a></p><p>Im Interview wird die Lage der gesetzlichen Krankenversicherung als „sehr ernst“ beschrieben. Die Kommission rechne bis 2030 mit einer wachsenden Finanzierungslücke; ohne Reformen müssten die Zusatzbeiträge stark steigen. Ferdinand Gerlach sagt, man stehe „mit dem Rücken an der Wand“ und müsse schnell handeln, um das Versorgungsniveau zu halten.</p><p>Vorgeschlagen werden 66 Maßnahmen mit einem Volumen von 42 Milliarden Euro ab 2027. Genannt werden höhere Bundesmittel, aber auch Einschnitte und neue Abgaben: weniger Kassenleistungen für Cannabisblüten, Homöopathie und Hautkrebsscreenings, strengere Regeln bei Operationen, Einsparungen in Kliniken und höhere Herstellerabschläge für die Pharmaindustrie. Zudem solle die beitragsfreie Mitversicherung von Partnern weitgehend entfallen, das Krankengeld etwas sinken und Zahnersatz geringer bezuschusst werden.</p><p>Besonders auffällig sind die Konsumsteuern: Softdrinks mit viel Zucker sollen teurer werden, ebenso Tabak; eine Zigarettenpackung könne dann 11,50 Euro kosten. Gerlach erwartet deshalb einen „Shitstorm epischen Ausmaßes“, hält die Vorschläge aber für notwendig und zumutbar.</p><p><a href="https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/wie-die-spd-die-arbeiter-verlor-die-wahre-geschichte-ihrer-entfremdung-accg-200678899.html">Wie die SPD die Arbeiter verlor</a></p><p>Der Text beschreibt die SPD als festgefahren in einer Zeitschleife: Wahlniederlagen, gefolgt von floskelhaften Versprechen eines dringend nötigen Wandels, der jedoch selten kommt. Historisch wird aufgezeigt, dass die Partei erst erfolgreich war, wenn sie wirtschaftliche Kompetenz zeigte, nicht nur soziale Gerechtigkeit.</p><p>Seit Gerhard Schröder kam es zu innerparteilichen Konflikten und einer Abwanderung der traditionellen Arbeiterbasis, während sich die Mitgliedschaft akademisch und öffentlich-dienstlich ausprägte. Dadurch verlor die SPD zunehmend das Vertrauen der „normalen Leute“ und wendete sich von ihren Wurzeln ab. Traditionelle „Kümmererpartei“-Rufe scheinen heute oft leer zu wirken, und Wähler wenden sich teils an AfD.</p><p>In der Gegenwart werden neue Reform- und Agenda-Pläne diskutiert (u.a. von Klingbeil und Böhning), um mutigere Konzepte durchzusetzen. Die Kernfrage bleibt, ob die SPD bereit ist, echte, umsetzbare Reformen anzupacken statt nur zu reden.</p><p><a href="https://www.wiwo.de/politik/deutschland/tauchsieder-ploetzlich-reformfieber-in-der-regierungskoalition/100212533.html">Aber erste Vorschläge lösen eher die Haushaltsprobleme des Staates – nicht die der Bürger.</a></p><p>Der Text verwebt historische Feminismus-Deutungen (Lorenz von Stein 1876, August Bebel 1879) mit moderner Reformdebatte in der Regierungskoalition.</p><p>Stein sah die Hausarbeit der Frau ökonomisch bedeutend, Bebel kritisierte diese Sicht als Unterdrückung und forderte Gleichberechtigung, Wahlrecht, Bildung und Verstaatlichung von Haus- und Erziehungsarbeit.</p><p>Diese beiden Perspektiven spiegeln heute zentrale Debatten wider: Soll die Ehe als Solidargemeinschaft über Ehegattensplitting und steuerliche Regelungen gestärkt oder abgeschafft werden? Wie weit soll der Staat in die Aufteilung von Haus- und Erwerbsarbeit eingreifen?</p><p>Kritik am Ehegattensplitting: Gegner sehen Ungerechtigkeiten, Befürworter betonen soziale Solidarität. Die Debatte zur Abschaffung des Splittings bleibt komplex, da auch Modelle wie Zusammenveranlagung Vorteile und Nachteile haben.</p><p>Ein Artikelargumente gegen eine Fokussierung auf Splitting: Reformen sollten weniger auf Privilegien der Ehe basieren, sondern strukturelle Fragen von Erwerbsbeteiligung, Familienarbeit und dem Arbeitsmarkt adressieren.</p><p>Vorschläge und Diskussionen in der Koalition umfassen Rentenreform (Ziel: Anpassung des Renteneintritts an Beitragsjahre, Förderung der Erwerbsbeteiligung), Maßnahmen zur Entlastung der Krankenkassen (Kostenfreiheit der Mitversicherung kritisch bewertet), sowie Debatten um Mehrwertsteuer und Finanzierungsfragen.</p><p>Abschließend kritisiert der Text, dass Reformen nicht nur Haushalts- bzw. Einnahmenseite betreffen dürfen, sondern konkrete Auswirkungen auf Gleichberechtigung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Demografie zeigen müssen. Ein schneller, kohärenter Reformkalender wird gefordert, um die Reformen glaubwürdig durchzusetzen.</p><p><a href="https://www.zeit.de/geld/2026-03/steuerplaene-bundesregierung-reform-einkommensteuer-erbschaftsteuer-ehegattensplitting/komplettansicht">Geringverdiener? Minus 200 Euro. Millionär? Plus 14.000 Euro.</a></p><p>Im Artikel wird beschrieben, dass das Entlastungsversprechen der Bundesregierung bei genauerer Betrachtung ins Gegenteil umschlagen könne. Zwar solle die Einkommensteuer für kleine und mittlere Einkommen sinken, zugleich stünden aber eine höhere Mehrwertsteuer sowie weitere Reformen im Raum. Laut einer Analyse des Netzwerks Steuergerechtigkeit führe genau diese Kombination dazu, dass Menschen mit niedrigen Einkommen im Schnitt sogar rund 200 Euro pro Jahr verlören, während das reichste Prozent um etwa 14.000 Euro entlastet werde.</p><p>Erklärt wird das damit, dass Geringverdiener ohnehin kaum Einkommensteuer zahlten und von deren Senkung daher wenig hätten. Eine höhere Mehrwertsteuer treffe sie dagegen besonders hart, weil sie fast ihr gesamtes Einkommen für Konsum ausgäben. Besserverdienende würden weniger belastet, da sie einen kleineren Teil ihres Einkommens verbrauchten und zusätzlich von Unternehmenssteuersenkungen profitierten. Die Autorin legt nahe, dass das Versprechen, „unten zu entlasten“ und „oben stärker heranzuziehen“, so „nicht eingelöst, sondern umgekehrt“ werde.</p><p><a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/spd-warum-die-partei-die-oppositionsrolle-nicht-fuerchten-muesste-a-eba49e18-db05-41d6-becb-ebb7b4cf8d21">Warum die Partei die Oppositionsrolle nicht fürchten müsste</a></p><p>Im Gastbeitrag wird argumentiert, dass sich die SPD in einer tiefen Vertrauenskrise befinde, weil sie über Jahre das Gespür für ihre eigene „Mission“ verloren habe. Es wird beschrieben, dass langes Mitregieren die Partei zwar staatstragend gemacht habe, sie aber zugleich davon entfernt habe, grundlegende politische Fragen zu stellen. Viele Wähler hätten sich deshalb von ihr abgewandt.</p><p>Als zentrale Antwort fordert der Autor eine klare inhaltliche Neuausrichtung. Reformpolitik solle „vom Ende her gedacht werden“ und sich konsequent am Wohl der kommenden Generation orientieren. Besonders hervorgehoben werden dabei Bildung, Rente, Pflege und Gesundheit. Es wird betont, dass junge Menschen derzeit überfordert würden, während ihre Startbedingungen unzureichend seien.</p><p>Die SPD solle ihre verbleibende Regierungszeit nutzen, um „alle Kinder mitzunehmen“ und konkrete Verbesserungen etwa in Schulen, frühkindlicher Förderung und sozialer Infrastruktur zu erreichen. Bürokratieabbau und bessere Chancen für Kinder aus einfachen Verhältnissen gelten dabei als zentral.</p><p>Zugleich wird die Oppositionsrolle nicht als Gefahr, sondern als Chance dargestellt: Dort könne die Partei ihr Profil schärfen und wieder glaubwürdig werden. Ein „schneller Weg zurück“ sei jedoch unrealistisch; notwendig sei eine langfristige inhaltliche Erneuerung.</p><p><a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/umbau-des-sozialstaats-friedrich-merz-und-lars-klingbeil-muessen-die-wut-der-buerger-aushalten-a-887220db-52af-48ab-839d-a75a3474e196">Die Regierung muss die Wut aushalten</a></p><p>Im Leitartikel wird argumentiert, dass die Bundesregierung vor einem möglichen „Agenda-Moment“ stehe, der tiefgreifende Reformen des Sozialstaats einleiten könne. Besonders Lars Klingbeil habe mit Vorschlägen wie längerer Lebensarbeitszeit, weniger Teilzeit oder der Abschaffung des Ehegattensplittings einen ungewöhnlich weitreichenden Reformkurs angedeutet, der auch von Friedrich Merz positiv aufgenommen worden sei.</p><p>Es wird betont, dass die Lage der Sozialversicherungen ernst sei und die Politik „die Größe der Aufgabe“ erkannt habe. Allerdings seien viele Vorschläge bislang nur Ankündigungen. Entscheidend werde sein, ob politische Mehrheiten organisiert und Widerstände überwunden werden könnten. Reformen dieser Art würden zwangsläufig Proteste auslösen, sowohl von Interessengruppen als auch von Bürgern, sobald konkrete Einschnitte drohten.</p><p>Der Text verweist auf historische Parallelen zur Agenda-Politik von Gerhard Schröder: Diese habe zwar politisch geschadet, sei aber wirtschaftlich erfolgreich gewesen. Eine ähnliche Konfliktsituation drohe nun erneut.</p><p>Als zentrale Hürde wird Markus Söder beschrieben, der als Vetospieler zentrale Reformen blockieren könne. Gleichzeitig müsse sich die SPD auf Konflikte mit Gewerkschaften einstellen.</p><p>Insgesamt wird gefordert, dass die Regierung die „Wut aushalten“ und Reformen konsequent umsetzen müsse. Scheitere dies, drohten wirtschaftliche Probleme und eine weitere Schwächung der politischen Mitte.</p><p><a href="https://www.zeit.de/2026/14/sozialstaatsreform-cdu-spd-haushalt-reformen-sozialstaat/komplettansicht">Flucht ins Regieren</a></p><p>Im Artikel wird beschrieben, dass die schwarz-rote Koalition mit einer Reihe unpopulärer Sozialstaatsreformen zugleich das Land modernisieren und die eigene Handlungsfähigkeit beweisen wolle. Ausgangspunkt sei unter anderem die geplante Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner ohne eigenes Einkommen. Fachleute begrüßten dies als ökonomisch sinnvoll, während Gewerkschaften, Linke und AfD vor Belastungen für Millionen Haushalte warnten.</p><p>Der Text schildert das Grunddilemma solcher Reformen: Im Abstrakten erscheine Veränderung vernünftig, konkret gelte oft die Devise „nicht auf meine Kosten“. Merz und Klingbeil betrieben deshalb eine „Flucht ins Regieren“, getrieben von Haushaltslöchern, schwacher Konjunktur und politischem Druck nach schlechten Wahlergebnissen.</p><p>Zugleich heiße es, dass die SPD sich mit Reformen wieder als Partei der „arbeitenden Mitte“ profilieren wolle, während die CDU akzeptiere, dass auch Besserverdienende belastet werden müssten. Als größte Hürde erscheine die CSU, die zentrale Einschnitte ablehne. Der Artikel deutet an, dass das Vorhaben nur gelingen könne, wenn beide Koalitionsparteien den politischen Preis dieser Zumutungen aushielten.</p><p>Resterampe</p><ul><li><a href="https://x.com/annaninii/status/2038614534655504594?s=20">Giovanni di Lorenzos Rant</a></li><li><a href="https://dawum.de/Bundestag/INSA/2026-02-07/">Potentialanalyse</a></li><li><a href="https://x.com/BerlinReporter/status/2038730965892153376?s=20">Alsleben verteidigt das Ehegattensplitting und die kostenlose GKV</a></li><li><a href="https://x.com/DocGlitz/status/2037391530516783181?s=20">Unrealismus der Idee, Splitting befördere Teilzeit</a></li><li><a href="https://x.com/liberal_dvh/status/2039263705595064750?s=20">Zahlenkorrektur Rentiers</a></li><li><a href="https://x.com/bertpsch/status/1802995572019798034?s=20">Robert Pauschs Twitter-Thread</a></li><li><a href="https://x.com/benbx2/status/2038942499293585575?s=20">Klingbeil will Geringverdienende entlasten</a></li><li><a href="https://x.com/AxelFlasbarth/status/2039325567154078202?s=20">Jörg Kukies könnte wohl die SPD retten</a></li><li><a href="https://x.com/pat_kaczmarczyk/status/2039381179158110641?s=20">Das Land schreit nach Zumutungen</a></li><li><a href="https://x.com/eckilepsie/status/2038604042985738622?s=20">Höhere Mehrwertsteuer laut CDU gerechteres Steuersystem</a></li></ul><h2 id="transkript">Transkript</h2><p>00:00:00.69<br>Stefan Sasse<br>Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von den Bohrleuten.</p><p>00:00:04.85<br>Stefan Sasse<br>Die SPD hat die Wahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ziemlich krachend verloren.</p><p>00:00:09.75<br>Stefan Sasse<br>In Baden-Württemberg sind sie knapp an der 5%-Hürde vorbeigeschrammt, mit 5,5% noch im Landtag vertreten.</p><p>00:00:16.77<br>Stefan Sasse<br>In Rheinland-Pfalz haben sie nach 35 Jahren die Ministerpräsidentenamt verloren an Gordon Schnieder, der jetzt nicht unbedingt als ein Ausbund von Charisma und Bekanntheit bekannt war.</p><p>00:00:29.31<br>Stefan Sasse<br>Das heißt, hier ist wieder einmal das große Hobby sämtlicher Politikbeobachtenden losgetreten worden, nämlich die Frage, was ist das Problem der SPD?</p><p>00:00:40.85<br>Stefan Sasse<br>Und die SPD selbst macht das ja auch sehr gerne.</p><p>00:00:44.07<br>Stefan Sasse<br>Nach jeder Wahl findet eigentlich diese schmerzhafte Introspektive statt, in der man sich fragt, warum sind wir in der Situation, in der wir sind?</p><p>00:00:53.87<br>Stefan Sasse<br>Und das Problem ist, dass das eine sich unglaublich im Kreis drehende Debatte ist und dass die Antworten, die die SPD gerade darauf gibt, einfach wirklich komplett bescheuert sind.</p><p>00:01:05.74<br>Stefan Sasse<br>Und zwar so bescheuert, dass wir zu dem Folgentitel gekommen sind, dass die SPD schon irgendwie die dümmste Partei in Deutschland ist.</p><p>00:01:12.66<br>Stefan Sasse<br>Und zu erklären, warum das so ist und unser Unverständnis darüber zum Ausdruck zu bringen, dafür habe ich die Trash-Kolumnistin der Herzen eingeladen, Hanno Ariane.</p><p>00:01:22.83<br>Ariane<br>Hallo, Arja.</p><p>00:01:23.85<br>Ariane<br>Hallo, Stefan.</p><p>00:01:24.67<br>Ariane<br>Hallo, liebe HörerInnen.</p><p>00:01:26.37<br>Ariane<br>Es ist noch früh am Morgen, das muss man dazu betonen.</p><p>00:01:29.49<br>Ariane<br>Kein Trinkspiel würde sich anbieten.</p><p>00:01:32.30<br>Ariane<br>Jedes Mal, wenn jemand hart arbeitet, in der Mitte sagt.</p><p>00:01:35.82<br>Ariane<br>Aber dann würden wir zehn Minuten nur schaffen.</p><p>00:01:38.73<br>Stefan Sasse<br>Ja, das ist tatsächlich das Trinkspiel für die heutige Episode, die arbeitende Mitte.</p><p>00:01:43.45<br>Stefan Sasse<br>Wenn von der die Rede ist, dann müsst ihr einen Schluck eures Lieblingsgetränks nehmen.</p><p>00:01:47.71<br>Stefan Sasse<br>Und warum die hart arbeitende Mitte oder die arbeitende Mitte, beide Begriffe sind quasi an der Stelle austauschbar zu verwenden.</p><p>00:01:54.81<br>Stefan Sasse<br>Das ist die aktuelle Analyse, die die SPD selbst unternommen hat und die man aber auch in diversen Zeitungen von FAZ über Zeit, zu Spiegel, zu Welt und so weiter lesen kann.</p><p>00:02:05.93<br>Stefan Sasse<br>Die SPD muss die arbeitende Mitte in den Blick nehmen und das ist eine ziemlich innovative und sehr kreative Problemlösung.</p><p>00:02:15.74<br>Stefan Sasse<br>Und ihr merkt vielleicht schon hier die Ironie, die ich habe.</p><p>00:02:19.24<br>Stefan Sasse<br>Es gibt einen Journalisten, der heißt Robert Pausch und der hat</p><p>00:02:23.82<br>Stefan Sasse<br>gesagt, schon im Juni 2024 übrigens, weil da dieselbe Analyse ausgegeben worden ist, dass die SPD irgendwie ständig die arbeitende Mitte in den Blick nehmen will.</p><p>00:02:33.74<br>Stefan Sasse<br>Und er hat das mal nachrecherchiert, wie das Journalisten und Journalistinnen so gerne tun.</p><p>00:02:38.16<br>Stefan Sasse<br>Und er hat festgestellt, 2015, im Februar 2015, hat die SPD aus einem Umfragetief heraus beschlossen, wir wollen die arbeitende Mitte stärker in den Blick nehmen, sagt die damalige Generalsekretärin Jasmin Fahimi.</p><p>00:02:51.22<br>Stefan Sasse<br>Dann ein paar Monate später, in einem Strategiepapier, soll die arbeitende Mitte in den Blick genommen werden.</p><p>00:02:57.03<br>Stefan Sasse<br>2016 beschließt der SPD-Parteikonvent, die arbeitende Mitte mehr in den Blick zu nehmen.</p><p>00:03:01.09<br>Stefan Sasse<br>2017 sagt Martin Schulz, dass die hart arbeitende Mitte stärker in den Blick genommen werden muss.</p><p>00:03:06.41<br>Stefan Sasse<br>Dann hat man die Wahl 2017 verloren.</p><p>00:03:08.35<br>Stefan Sasse<br>Die Lösung war, laut dem damaligen Generalsekretär Lars Klingbeil, die arbeitende Mitte mehr in den Blick zu nehmen, was auch Manuela Schwesig betont hat.</p><p>00:03:16.47<br>Stefan Sasse<br>Man muss die arbeitende Mitte in den Blick nehmen.</p><p>00:03:20.89<br>Stefan Sasse<br>2019 hat man dann diverse Strategiedebatten geführt gehabt.</p><p>00:03:24.36<br>Stefan Sasse<br>Andrea Nahles, damalige SPD-Chefin, sagt, Trommelwirbel, die arbeitende Mitte muss in den Blick genommen werden.</p><p>00:03:30.16<br>Stefan Sasse<br>2020 kamen Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken zu der Lösung, dass, jetzt neuer Ansatz, die arbeitende Mitte mehr berücksichtigt werden muss.</p><p>00:03:39.59<br>Stefan Sasse<br>Olaf Scholz kam mit einer ganz neuen Strategie, nämlich statt linker Illusionen die arbeitende Mitte in den Blick zu nehmen.</p><p>00:03:45.67<br>Stefan Sasse<br>Und man kann das Ganze weiter treiben.</p><p>00:03:46.90<br>Ariane<br>Vielen Dank.</p><p>00:03:48.53<br>Stefan Sasse<br>Die Frage, die ich jetzt an der Stelle stellen würde, ist, entweder macht die SPD das nie oder sie versagt darin einfach grundsätzlich.</p><p>00:03:59.11<br>Stefan Sasse<br>Aber ich halte das auch ehrlich gesagt für reines Wortklimbim.</p><p>00:04:03.91<br>Stefan Sasse<br>Möglicherweise glauben die das selbst, wenn sie das sagen.</p><p>00:04:07.57<br>Stefan Sasse<br>Aber für mich ist das ganz große Problem an der Stelle, dass überhaupt nicht klar ist, wer damit überhaupt gemeint ist.</p><p>00:04:16.20<br>Stefan Sasse<br>Die schlimmere Form ist eigentlich nur noch, wir müssen uns wieder mehr auf die Arbeiterklasse oder auf die Arbeiter konzentrieren.</p><p>00:04:23.38<br>Stefan Sasse<br>Und es ist dann auch immer ganz klar,</p><p>00:04:26.14<br>Stefan Sasse<br>Das muss auch mit bedacht werden, wenn irgendjemand arbeitet, gendert, dann ist das schon ein Signal dafür, dass er vogue ist und das ist dann auch das Problem der SPD sozusagen.</p><p>00:04:37.46<br>Stefan Sasse<br>Das führt, und das mache ich jetzt als letzten Aufschlagpunkt, zu diesen ganzen Analysen, die sozusagen uns mitteilen, warum ist die SPD in der Krise und daran mangelt es wirklich nicht.</p><p>00:04:51.18<br>Stefan Sasse<br>Und ich glaube, wir sind uns auch relativ einig, diese Partei ist in einer Krise und die ist in einer Dauerkrise.</p><p>00:04:56.76<br>Stefan Sasse<br>Die sind seit 2005 oder 2006 in der Krise und kommen da einfach ums Verrecken nicht mehr heraus.</p><p>00:05:05.62<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube, so 2021, 2022, das war so eine absolute Ausnahme aus der Region, wo sie ganz kurz im Olaf Scholz-Fieber waren.</p><p>00:05:14.03<br>Stefan Sasse<br>Aber letzten Endes gibt es hier ein Problem und die Frage ist, was ist dieses Problem eigentlich?</p><p>00:05:19.83<br>Stefan Sasse<br>Und ich habe das Gefühl, die Partei steht sich unglaublich selbst im Weg und geht da gar nicht so clever vor.</p><p>00:05:27.86<br>Stefan Sasse<br>Aber jetzt wäre ich mal interessiert an deiner Einschätzung zu der Thematik.</p><p>00:05:31.08<br>Ariane<br>Ja, ich muss sagen, ich bin da schon einen Schritt weiter.</p><p>00:05:34.17<br>Ariane<br>Die haben sich einfach aufgegeben.</p><p>00:05:35.91<br>Ariane<br>Ganz ehrlich, die können auch gerne sterben gehen, weil eine Sozialdemokratie, die sich als Partei so ein bisschen aufgegeben hat, braucht dann auch keiner mehr.</p><p>00:05:42.41<br>Ariane<br>Also das finde ich seit Minimum zehn Jahren.</p><p>00:05:48.60<br>Ariane<br>Die Scholz-Dinger, das war ja irgendwie so die Regel, die die Ausnahme bestätigt.</p><p>00:05:54.82<br>Ariane<br>Aber das ist schon ein langes Siegtum irgendwie.</p><p>00:05:59.95<br>Ariane<br>Und ich finde, ich musste mich wirklich ein bisschen überwinden, als du gesagt hast, lass mal über die SPD reden, weil das macht eigentlich echt keinen Spaß mehr.</p><p>00:06:07.68<br>Ariane<br>Wir können wahrscheinlich selber die Debatten von unseren letzten fünf Jahren irgendwie aufwärmen, weil da wenig Bewegung drin ist.</p><p>00:06:17.94<br>Ariane<br>Und das ist...</p><p>00:06:21.83<br>Ariane<br>Ja, man kommt da nicht so raus.</p><p>00:06:23.71<br>Ariane<br>Also es ist ja, wie gesagt, auch immer, ich gucke mir auf diese Nachwahlanalysen nicht an, weil man löst die Art arbeitende Mitte wieder in den Blick.</p><p>00:06:31.73<br>Ariane<br>Und aufhören, wo links zu sein.</p><p>00:06:34.71<br>Ariane<br>Mir fällt nichts einziges ein, wo die SPD das überhaupt ist.</p><p>00:06:38.19<br>Ariane<br>Aber das ist, ja, wie gesagt, ich habe das Gefühl, die drehen sich seit 15 Jahren minimum im Kreis und wissen nicht, was sie wollen.</p><p>00:06:52.47<br>Ariane<br>man kann ja nicht mal sagen, sie probieren mal was aus, merken das klappt nicht, gehen in die andere Richtung oder so, sondern das ist ein langes Sichtum, das man da anguckt und das ist es langweilt mich ein bisschen, ich habe eigentlich wenig Geduld, mir das jetzt nochmal fünf Jahre oder so anzugucken.</p><p>00:07:11.39<br>Stefan Sasse<br>Ich muss ehrlich sagen, ich hatte es noch im Hinterkopf von unserem letzten Podcast, da meintest du, wir müssten mal wieder auf die SPD gucken, also von daher bist du eigentlich schuld an der Folge.</p><p>00:07:19.45<br>Ariane<br>Ja, das war</p><p>00:07:20.19<br>Stefan Sasse<br>Aber es ist wirklich diese aktuelle Situation, in der ich schlichtweg nicht verstehe, was in den Köpfen dieser Leute vorgeht.</p><p>00:07:29.65<br>Stefan Sasse<br>Du bist jetzt als Partei offensichtlich in einer Krise.</p><p>00:07:34.69<br>Stefan Sasse<br>Die Leute wählen dich nicht mehr und aus letzten Endes schon so ein bisschen den Punkten, die du gerade nennst, ich wüsste einfach nicht warum.</p><p>00:07:41.29<br>Stefan Sasse<br>Es kommen dann auch immer wieder diese Aussagen, es wäre schon irgendwie blöd, wenn es die Sozialdemokratie untergeht oder sowas, ja, Deutschlands älteste Partei, für die Demokratie ist das eigentlich gar nicht so cool und so weiter und ich dem und so, ja, aber...</p><p>00:07:54.18<br>Stefan Sasse<br>Für wen sind sie denn?</p><p>00:07:55.66<br>Stefan Sasse<br>Also ich habe immer so das Gefühl, die SPD ist eine Partei auf der Suche nach einer Gruppe, die sie wählt.</p><p>00:08:01.26<br>Stefan Sasse<br>Und diese Gruppe wird von dieser Partei so lächerlich groß definiert, dass sie im Endeffekt bedeutungslos ist.</p><p>00:08:12.16<br>Stefan Sasse<br>Also diese Partei versucht irgendwie für gefühlt so 80 bis 90 Prozent der Deutschen ein attraktives Programm zu haben.</p><p>00:08:20.54<br>Stefan Sasse<br>Und das ist halt einfach quatschig.</p><p>00:08:23.20<br>Stefan Sasse<br>Und wenn du für 80 bis 90 Prozent ein Programm hast, dann hast du für niemanden ein Programm.</p><p>00:08:27.68<br>Stefan Sasse<br>Und das scheint mir da nicht wirklich verstanden zu sein.</p><p>00:08:32.95<br>Ariane<br>Das ist ja mit der Arbeit in der Mitte auch so.</p><p>00:08:33.21<br>Stefan Sasse<br>Ja, wenn...</p><p>00:08:34.65<br>Ariane<br>Wer ist denn das?</p><p>00:08:36.19<br>Ariane<br>Will man dem helfen?</p><p>00:08:37.39<br>Ariane<br>Sorry, ich muss ja hier mal kurz betonen, ich wäre tatsächlich, ich habe die SPD oft gewählt, ich bin auch typisches Arbeiterkind sozusagen, obwohl niemand in der Täche gearbeitet hat, weil heute gibt es diese Arbeiterklasse leider meistens nicht mehr oder vielleicht nicht leider, das ist eigentlich ein guter Fortschritt.</p><p>00:08:55.59<br>Ariane<br>Ich habe kein abgeschlossenes Studium, ich verdiene weniger als das Durchschnittsgehalt.</p><p>00:08:58.99<br>Ariane<br>Ich arbeite in einem Handwerksbetrieb,</p><p>00:09:01.65<br>Ariane<br>Ich gehöre ebenso zur Arbeit in der Mitte, wie vermutlich du sowieso, aber Friedrich Merz gehört da irgendwie auch schon mit rein.</p><p>00:09:08.61<br>Stefan Sasse<br>Wer gehört denn nicht zur arbeitenden Mitte?</p><p>00:09:11.67<br>Stefan Sasse<br>Und auch zur hart arbeitenden Mitte?</p><p>00:09:14.27<br>Stefan Sasse<br>Ich meine, klar, wir wissen, wer gemeint ist letzten Endes.</p><p>00:09:17.13<br>Stefan Sasse<br>Die Grundsicherungsempfänger, irgendwelche linken Studierenden, die da auf der Straße dann für irgendwelche Wokensachen demonstrieren oder so, die fallen raus.</p><p>00:09:25.84<br>Stefan Sasse<br>Aber das sind ja nicht viele Leute.</p><p>00:09:28.24<br>Stefan Sasse<br>Und witzigerweise sind gerade in diesen Segmenten viele SPD-Welt unterwegs.</p><p>00:09:33.14<br>Ariane<br>Vielen Dank.</p><p>00:09:34.15<br>Stefan Sasse<br>Also, nee, ich glaube, es ist natürlich nicht ganz so albern, wie wir gerade tun, weil dieser Begriff der arbeitenden Mitte oder auch der hart arbeitenden Mitte, da steckt ja schon was drin von Leuten, die du nicht drin haben möchtest.</p><p>00:09:47.75<br>Stefan Sasse<br>Also ganz besonders alles, was irgendwie Transferhilfen, Transferleistungen empfängt, ist sozusagen aus dieser Mitte ausgeschlossen.</p><p>00:09:56.69<br>Stefan Sasse<br>Die dürfen nicht mitmachen.</p><p>00:09:59.24<br>Stefan Sasse<br>Die sind nicht drin.</p><p>00:10:01.48<br>Stefan Sasse<br>Und ich glaube, es ist auch immer so ein ganz, ganz leicht, ich weiß gar nicht, wie... Ja, richtig.</p><p>00:10:08.57<br>Ariane<br>Aber Rentner schon, die waren ja immerhin mal die Arbeitendenmitte.</p><p>00:10:12.46<br>Ariane<br>Das ist natürlich schon ein Problem.</p><p>00:10:16.71<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube, weil wir die Debatte gerade auch wieder haben, die Beamten und Beamtinnen sind auch irgendwie raus, auch wenn die hart arbeiten.</p><p>00:10:22.91<br>Stefan Sasse<br>Die sind böse, sind aber gleichzeitig auch eine zentrale Wählergruppe der SPD.</p><p>00:10:28.50<br>Stefan Sasse<br>Also von daher, es ist so ein Sammelbegriff.</p><p>00:10:33.52<br>Stefan Sasse<br>Das ist aber bei diesem Mitte oder auch, was die CDU und FDP immer gerne verwenden, dieses bürgerlich, wer ist denn das eigentlich nicht?</p><p>00:10:40.38<br>Stefan Sasse<br>Aber gleichzeitig ist auch immer so relativ klar, wer da drin sein soll.</p><p>00:10:43.90<br>Stefan Sasse<br>Das ist so unser Team.</p><p>00:10:45.38<br>Stefan Sasse<br>im Endeffekt.</p><p>00:10:47.04<br>Stefan Sasse<br>Nur, dass es eben in dem Fall mittlerweile sehr, sehr unklar ist, wer hier eigentlich angesprochen werden soll.</p><p>00:10:55.27<br>Stefan Sasse<br>Sollen das jetzt die Malocher sein oder fallen eben auch, fällt auch so ein Friedrich Merz rein, der ja auch sehr hart arbeitet und sich definitiv als Mitte definiert.</p><p>00:11:04.01<br>Stefan Sasse<br>Also meint die SPD den oder meint die den nicht?</p><p>00:11:06.21<br>Stefan Sasse<br>I don't know.</p><p>00:11:07.95<br>Stefan Sasse<br>Das sind ja solche grundsätzlichen Standortbestimmungen, die hier schon gar nicht mehr klar sind.</p><p>00:11:13.44<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:11:14.14<br>Stefan Sasse<br>Das ist der Punkt, was ich meine mit der Breite deiner Leute.</p><p>00:11:17.10<br>Stefan Sasse<br>Du kannst nicht ein Wirtschaftsprogramm machen, das sich auf der einen Seite an die Friseurin richtet und auf der anderen Seite an die hart arbeitende Mitte bei Goldman Sachs.</p><p>00:11:27.20<br>Stefan Sasse<br>Das funktioniert nicht.</p><p>00:11:28.48<br>Stefan Sasse<br>Das sind einfach völlig unterschiedliche Zielgruppen an der Stelle.</p><p>00:11:31.30<br>Stefan Sasse<br>Du kannst nicht den hart arbeitenden Unternehmer ansprechen und den hart arbeitenden Mensch, der an der Maschine dieses Unternehmens steht, gleichzeitig ansprechen.</p><p>00:11:40.94<br>Stefan Sasse<br>Das funktioniert nur in der absolut basalsten Marktwirtschaftsrhetorik, aber diese Leute haben völlig unterschiedliche Interessen, die haben völlig unterschiedliche Relevanzgebiete.</p><p>00:11:51.35<br>Stefan Sasse<br>Wenn ich irgendwie am Arbeitsrecht rumspiele, wenn ich zum Beispiel den Kündigungsschutz anfasse oder sowas, die schauen da doch fundamental unterschiedlich drauf, die werden nie auf die gleiche Art und Weise draufgucken.</p><p>00:12:02.79<br>Stefan Sasse<br>Und da kannst du noch so sehr sagen, wenn wir den Kündigungsschutz lockern, dann bringt das mehr Arbeitsplätze oder sowas oder schafft Wirtschaftswachstum etc.</p><p>00:12:09.88<br>Stefan Sasse<br>Das mag ja schon sein, aber als der eine Arbeiter an der Maschine ist, mir ist das relativ egal, da hätte ich gerne Kündigungsschutz.</p><p>00:12:15.65<br>Stefan Sasse<br>Also von daher...</p><p>00:12:17.18<br>Stefan Sasse<br>Das sind ja einfach nicht vereinbare Dinge.</p><p>00:12:20.60<br>Stefan Sasse<br>Das ist zu breit.</p><p>00:12:22.04<br>Stefan Sasse<br>Genauso, wenn ich sage, ich mache Politik für die hart arbeitenden Studienräte auf der einen Seite und für die gerade leider Gottes wegen der wirtschaftlichen Lage arbeitslos gewordenen Menschen, die gerade noch für Lieferando irgendwas ausgefahren haben.</p><p>00:12:40.12<br>Stefan Sasse<br>Das sind einfach unterschiedliche Bereiche und da kriegen wir ein</p><p>00:12:46.16<br>Stefan Sasse<br>Das ist alles sehr, sehr ungenau.</p><p>00:12:48.91<br>Stefan Sasse<br>Und das ist nicht mal das Hauptproblem, das die Partei gerade hat, diese unglaubliche begriffliche Unschärfe, die hier abläuft.</p><p>00:12:58.17<br>Stefan Sasse<br>Denn wir haben auf der anderen Seite auch noch die Verantwortungspathologie, wenn ich das mal so ausdrücken darf, die die SPD hat.</p><p>00:13:06.47<br>Stefan Sasse<br>Das haben die ja schon seit den Kriegskrediten 1914.</p><p>00:13:10.63<br>Stefan Sasse<br>Wenn das Vaterland ruft, sozusagen, also wenn man ganz tapfer Opfer in Kauf nehmen muss und bisherige Überzeugungen ignorieren und über Bord werfen für das große Ganze, dann ist die SPD immer bereit.</p><p>00:13:23.100<br>Stefan Sasse<br>Da sind die da.</p><p>00:13:25.100<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:13:27.24<br>Stefan Sasse<br>Genau das sehen wir jetzt auch.</p><p>00:13:28.92<br>Stefan Sasse<br>Und deswegen komme ich zu der Überschrift für diese Episode, die dümmste Partei Deutschlands.</p><p>00:13:34.20<br>Stefan Sasse<br>Wie zur Hölle kannst du auf die Idee kommen, dass es für dich ein gutes politisches Konzept ist, rauszugehen und zu sagen, wir machen jetzt Steuererhöhungen, Leistungssenkungen und so weiter und so fort.</p><p>00:13:50.77<br>Stefan Sasse<br>Es wird richtig hart schmerzhaft werden, Leute.</p><p>00:13:53.37<br>Stefan Sasse<br>Alles wird scheiße, wählt uns.</p><p>00:13:57.14<br>Stefan Sasse<br>mir ist völlig unklar, was zur Hölle ist hier die Message und Schröder hat das schon mal gemacht, im Endeffekt.</p><p>00:14:05.18<br>Stefan Sasse<br>Und Schröder hatte wenigstens noch den Sinn und Verstand dazu zu sagen, dass wir dann wenigstens irgendwie wieder Wirtschaftswachstum und keine Ahnung was kriegen.</p><p>00:14:13.85<br>Stefan Sasse<br>Aber das ist ja in der aktuellen Message nicht mal mehr drin.</p><p>00:14:16.99<br>Stefan Sasse<br>Die SPD sagt ja gerade einfach nur noch, wir müssen total hart den Gürtel enger schneiden.</p><p>00:14:22.86<br>Stefan Sasse<br>Und die machen das auf eine Art und Weise, dass die Opposition dagegen die CDU und CSU sind.</p><p>00:14:29.22<br>Stefan Sasse<br>Also die schaffen es, die unpopulärsten Maßnahmen vorzuschlagen, die man sich vorstellen kann, das Ehegattensplitting abzuschaffen.</p><p>00:14:36.14<br>Stefan Sasse<br>Leute, das ist der Vorschlag, den die fucking SPD bringt, völlig ohne Not.</p><p>00:14:42.01<br>Stefan Sasse<br>Und dann sagt der Markus Hüther, das können wir auf gar keinen Fall machen.</p><p>00:14:44.73<br>Stefan Sasse<br>Da werden ja hier die Leute total krass belastet und das gibt es mit uns hier nicht.</p><p>00:14:48.71<br>Stefan Sasse<br>Und ich denke mir so, seid ihr dumm?</p><p>00:14:51.17<br>Stefan Sasse<br>Also wer zur Hölle sagt denn, ich wähle die SPD, damit sie das Ehegattensplitting abschafft?</p><p>00:14:56.99<br>Stefan Sasse<br>Ersatzlos, letzten Endes.</p><p>00:14:59.67<br>Stefan Sasse<br>Also das ist eine Kommunikation, die ist derart hirnverbrannt.</p><p>00:15:05.96<br>Stefan Sasse<br>Die Zustimmungswerte zu dieser Regierung sind absolut unterirdisch, also sowohl zu CDU als auch zu SPD.</p><p>00:15:12.38<br>Stefan Sasse<br>Die sind katastrophal.</p><p>00:15:13.96<br>Stefan Sasse<br>Und die Lösung ist zu sagen, jetzt tun wir euch richtig weh und machen, was ihr hasst.</p><p>00:15:21.01<br>Stefan Sasse<br>Und ich möchte hier an der Stelle überhaupt nicht darauf eingehen, auf die Fragestellung, ob das nötig ist gerade oder nicht.</p><p>00:15:26.13<br>Stefan Sasse<br>Das mag durchaus sein, das soll hier gar nicht das Thema sein.</p><p>00:15:29.87<br>Stefan Sasse<br>Mein Ding ist mehr so, warum genau glaubt ihr, dass es eure Aufgabe ist, das rauszubringen, unilateral in diese Koalition?</p><p>00:15:38.19<br>Stefan Sasse<br>Weil von der CDU höre ich das nicht.</p><p>00:15:40.77<br>Stefan Sasse<br>Die können sich hinstellen, was die CDU vorschlägt, by the way, nur um das mal kurz zu kontrastieren.</p><p>00:15:45.21<br>Stefan Sasse<br>Wir schaffen auf der einen Seite das Ehegattensplitting ab,</p><p>00:15:48.36<br>Stefan Sasse<br>Und diese Krankenkassenleistungen und den ganzen Kram, das sind also diese Hauptdebatten, in die das gerade geht und erhöhen die Mehrwertsteuer.</p><p>00:15:57.76<br>Stefan Sasse<br>Während die CDU sagt, wir entlasten euch steuerlich.</p><p>00:16:03.23<br>Stefan Sasse<br>Leute.</p><p>00:16:03.55<br>Ariane<br>Also ich muss auch sagen, du hast diesen historischen Rahmen schon gut gemacht.</p><p>00:16:08.32<br>Ariane<br>Die SPD ist einfach eine suizidale Partei.</p><p>00:16:12.02<br>Ariane<br>Das ist tatsächlich scheint in ihrer DNA angelegt zu sein.</p><p>00:16:18.22<br>Ariane<br>Ich hatte auch schon gesagt, das ist ein klassischer SPD-Move und es ist auch, das wird auch gar nicht mehr hinterfragt.</p><p>00:16:25.37<br>Ariane<br>Wie gesagt, die Hauptstadtpresse fragt das Einzige, was die SPD retten kann.</p><p>00:16:29.19<br>Ariane<br>Also diese Reformen sind ja sowieso immer schmerzhaft.</p><p>00:16:31.97<br>Ariane<br>Die Arbeit in der Mitte ist immer hart arbeiten und Reformen immer schmerzhaft.</p><p>00:16:35.95<br>Ariane<br>Das ist das Einzige, was die SPD retten kann, was ich schon vollkommen absurd finde.</p><p>00:16:39.51<br>Ariane<br>Warum?</p><p>00:16:40.11<br>Ariane<br>Wer sagt das?</p><p>00:16:42.10<br>Ariane<br>Macht keinen Sinn, aber die SPD rennt los und erzählt das auch.</p><p>00:16:45.33<br>Ariane<br>Ich finde das total irre.</p><p>00:16:46.72<br>Ariane<br>Und was du auch gesagt hast, das Problem ist ja, finde ich auch immer gut, die Leute sind zu Opfern bereit.</p><p>00:16:53.05<br>Ariane<br>Ach so, weiß ich nicht von, aber okay, irgendwer erzählt das.</p><p>00:16:57.47<br>Ariane<br>Was ja vielleicht sogar so wäre, wenn es um einen höheren Zweck ging.</p><p>00:17:02.95<br>Ariane<br>Aber da kommt ja gar nichts mehr.</p><p>00:17:04.59<br>Ariane<br>Das hat nur noch einen Selbstzweck, dass es schmerzhaft ist.</p><p>00:17:08.34<br>Ariane<br>als wenn wir alle in den nächsten BDSM-Club eingetreten sind oder so.</p><p>00:17:12.52<br>Ariane<br>Das ist total irre.</p><p>00:17:14.68<br>Ariane<br>Weil, wird unser Gesundheitssystem besser?</p><p>00:17:17.73<br>Ariane<br>Nee.</p><p>00:17:18.64<br>Ariane<br>Werden unsere Städte lebenswerter, Stadtbild und so?</p><p>00:17:21.29<br>Ariane<br>Macht das schon mal wieder auf?</p><p>00:17:22.51<br>Ariane<br>Wird die Bibliothek verschönert?</p><p>00:17:24.03<br>Ariane<br>Nee, auch nicht.</p><p>00:17:26.10<br>Ariane<br>Gibt es mehr Kinderbetreuung, weil anscheinend jetzt alle Mütter Lifestyle Teilzeit machen?</p><p>00:17:31.91<br>Ariane<br>Auch nicht.</p><p>00:17:32.59<br>Ariane<br>Also das hat ja keinen Zweck mehr, außer es könnte sonst noch beschissener werden.</p><p>00:17:38.33<br>Ariane<br>was fragwürdig ist, ein bisschen.</p><p>00:17:42.41<br>Ariane<br>Aber das ist, wie gesagt, das finde ich vollkommen suizidal.</p><p>00:17:45.55<br>Ariane<br>Ich finde es auch merkwürdig, dass grundsätzlich gar nicht mehr in Frage gestellt wird, sondern alle rennen einfach los und wundern sich, dass die Leute das gar nicht so geil finden.</p><p>00:17:56.87<br>Ariane<br>Und ich möchte, das ist, ich glaube, es ist gar nicht von der SPD direkt, weil das Ehegattensplitting ist ja eine Sache,</p><p>00:18:04.22<br>Ariane<br>Das Wegfallen der Familienversicherung ist die nächste Sache.</p><p>00:18:05.62<br>Stefan Sasse<br>Vielen Dank.</p><p>00:18:09.27<br>Ariane<br>Und das sind, und anscheinend, dafür muss man eine ganze Artikel lesen, das sind für die, die das heute betrifft, 225 Euro im Monat.</p><p>00:18:19.75<br>Ariane<br>Das ist scheiß wie Geld.</p><p>00:18:21.49<br>Ariane<br>Müssen, vielleicht nicht für einen Friedrich Merz, aber das ist scheiß wie Geld.</p><p>00:18:26.44<br>Ariane<br>Für etwas, was komplett unverzichtbar ist.</p><p>00:18:29.64<br>Ariane<br>Erzapp, da fände ich es besser, die Zahnarztleistungen rauszunehmen.</p><p>00:18:32.74<br>Ariane<br>Da kannst du dich noch zwei Wochen mit Schmerzen in den nächsten Monat retten.</p><p>00:18:37.11<br>Ariane<br>Ich weiß auch nicht, ob es eine Lösung gibt für Leute, die das einfach nicht haben.</p><p>00:18:40.75<br>Ariane<br>Hat die Frau dann keine Versicherung mehr?</p><p>00:18:43.59<br>Ariane<br>Muss sie das selber zahlen, werden wir wie in den USA?</p><p>00:18:48.58<br>Ariane<br>Weiß keiner.</p><p>00:18:49.42<br>Ariane<br>Interessiert auch überhaupt nicht.</p><p>00:18:51.18<br>Ariane<br>Wie gesagt, dass das wie mit dem Ehegattensplitting ist, wird einfach ersatzlos gestrichen.</p><p>00:18:56.84<br>Ariane<br>Und ja, wie du auch sagst, das ist strategisch.</p><p>00:19:00.68<br>Ariane<br>Ich habe auch gesagt, wieso lasst ihr das nicht die CDU machen?</p><p>00:19:03.50<br>Ariane<br>Die erzählt doch immer Herbst der Reform.</p><p>00:19:05.24<br>Ariane<br>Ja, dann sollen die sich doch mal hinstellen.</p><p>00:19:06.96<br>Ariane<br>Und die SPD kann sagen, ne, er findet mir scheiße.</p><p>00:19:10.76<br>Ariane<br>Und sie haben aber andere Ideen für die arbeitende Mitte, die sie auch nicht so großartig haben.</p><p>00:19:16.22<br>Ariane<br>Also das ist, ja, wie gesagt, da muss man schon sagen, das ist zwar auch so eine Phrase,</p><p>00:19:25.14<br>Ariane<br>Sie hat das Ohr nicht mehr bei den Leuten.</p><p>00:19:27.74<br>Ariane<br>Weil ich kenne jetzt wenig Leute, die nicht in den Schlaf finden, weil sie sich so dringend schmerzhaftere Formen wünschen.</p><p>00:19:36.01<br>Ariane<br>Wie gesagt, das ist vollkommen absurd.</p><p>00:19:37.75<br>Ariane<br>Alle hoffen höchstens, es trifft nicht sie.</p><p>00:19:41.67<br>Stefan Sasse<br>Ja, die schmerzhaften Reformen, die hätte man immer gern bei anderen.</p><p>00:19:44.61<br>Stefan Sasse<br>Das hört man da auch immer raus.</p><p>00:19:45.95<br>Stefan Sasse<br>Das sind andere Leute, die das haben.</p><p>00:19:49.97<br>Stefan Sasse<br>Diese Schmerzen, die hat man nie selbst.</p><p>00:19:53.51<br>Stefan Sasse<br>Das ist so eine...</p><p>00:19:53.72<br>Ariane<br>Nur die SPD kann das natürlich auch nicht.</p><p>00:19:58.10<br>Stefan Sasse<br>diese, ich finde es zum Beispiel unglaublich bezeichnend, wir haben, anders angefangen, sorry, wir haben definitiv eine Situation, in der das Land und nicht diese Partei spezifisch in der Krise ist.</p><p>00:20:14.41<br>Stefan Sasse<br>Wir haben den Krieg in der Ukraine, wir haben jetzt diesen Krieg im Iran, nochmal vielen Dank dafür, Donald Trump, also das ist wirklich</p><p>00:20:22.85<br>Stefan Sasse<br>Oh, unglaublich.</p><p>00:20:25.59<br>Stefan Sasse<br>Und das sollte man, by the way, auch Jens Spahn damit permanent belästigen.</p><p>00:20:31.25<br>Stefan Sasse<br>Das wäre auch nochmal was.</p><p>00:20:32.89<br>Stefan Sasse<br>Also bist du jetzt glücklich, Jens?</p><p>00:20:36.31<br>Stefan Sasse<br>Ist das das, was du erreichen wolltest, da mit deinem Mager-Kuschelkurs?</p><p>00:20:40.61<br>Stefan Sasse<br>Also das könnte man dem gerne auch mal als Mühlstein um den Hals hängen, diesen ganzen Idioten.</p><p>00:20:44.53<br>Stefan Sasse<br>Aber anyways,</p><p>00:20:47.17<br>Stefan Sasse<br>Der Punkt ist, wir haben offensichtlich eine Lage, die ist desaströs mit wenig Aussicht auf Besserung aktuell.</p><p>00:20:54.64<br>Stefan Sasse<br>Von daher, ja, da wird zwangsläufig irgendwas passieren müssen.</p><p>00:20:57.82<br>Stefan Sasse<br>Das ist gar nicht die Frage.</p><p>00:20:59.84<br>Stefan Sasse<br>Worum es uns heute geht, ist die Politik dieser Umsetzung.</p><p>00:21:03.58<br>Ariane<br>Ja.</p><p>00:21:04.10<br>Stefan Sasse<br>Es spricht die Frage, wie zur Hölle gehst du damit um?</p><p>00:21:08.53<br>Stefan Sasse<br>Wie kommst du da hin, an diesen Punkt?</p><p>00:21:11.99<br>Stefan Sasse<br>Und ja, diese Reformen, die man da machen müsste, die werden zwangsläufig schmerzhaft.</p><p>00:21:17.39<br>Stefan Sasse<br>Alles ist immer schmerzhaft.</p><p>00:21:18.59<br>Stefan Sasse<br>Also wenn der Benzinpreis um 5 Cent steigt, das ist schmerzhaft.</p><p>00:21:22.96<br>Stefan Sasse<br>Also von daher...</p><p>00:21:24.46<br>Stefan Sasse<br>Das ist erstmal eine Nullaussage.</p><p>00:21:26.48<br>Stefan Sasse<br>Das sind die Dinger immer.</p><p>00:21:27.76<br>Stefan Sasse<br>Was ich nicht verstehe, ist quasi, wenn du hinstehst als die sozialdemokratische Partei Deutschlands, wie kannst du deine eigene Klientel in die Kniekehle treten?</p><p>00:21:40.43<br>Stefan Sasse<br>Also die Geringverdienenden, für die du angeblich Politik machen möchtest, für die auch unser Herr Klingbeil angeblich Politik machen möchte.</p><p>00:21:49.85<br>Stefan Sasse<br>Ich kann auch den an der Stelle nochmal zitieren, der sagt, manchmal führt schon allein, dass eine Waschmaschine kaputt geht, dazu, dass viele in Existenznöte kommen.</p><p>00:21:58.75<br>Stefan Sasse<br>Wir wollen dafür sorgen, dass Menschen, die jeden Tag schuften, mehr Geld in der Tasche haben und dafür werden wir jetzt kämpfen.</p><p>00:22:06.08<br>Stefan Sasse<br>Und gleichzeitig machen sie genau das, was du gerade sagst.</p><p>00:22:08.32<br>Stefan Sasse<br>Da einfach mal so, 250 Euro im Monat.</p><p>00:22:11.74<br>Stefan Sasse<br>Das sind übrigens die Reparaturkosten für die Waschmaschine, Lars.</p><p>00:22:17.20<br>Stefan Sasse<br>Also die treten den Leuten wirklich hart in die Kniekehle und sagen so, hier, habt Schmerzen.</p><p>00:22:25.18<br>Stefan Sasse<br>Wir machen das für euch.</p><p>00:22:26.64<br>Stefan Sasse<br>Und dann machen sie diesen...</p><p>00:22:28.83<br>Stefan Sasse<br>Die aktuelle Debatte, wir senken die Einkommenssteuer und erhöhen die Mehrwertsteuer.</p><p>00:22:33.95<br>Stefan Sasse<br>Wie viel regressiver soll es denn noch werden?</p><p>00:22:36.99<br>Stefan Sasse<br>Wir kommen nochmal auf die Mehrwertsteuer, weil das ist wirklich noch bekloppter als alles andere.</p><p>00:22:41.87<br>Stefan Sasse<br>Aber allein diese Kombo,</p><p>00:22:44.21<br>Stefan Sasse<br>Die Leute, von denen die SPD hier spricht, unsere schuftenden Leute, die sich keine Waschmaschine leisten können, die zahlen eh fast keine Einkommenssteuer.</p><p>00:22:53.90<br>Stefan Sasse<br>Die zahlen Mehrwertsteuer mit jedem fucking Einkauf.</p><p>00:22:57.40<br>Stefan Sasse<br>Also von daher, ihr tretet denen hart in die Kniekehle.</p><p>00:23:01.92<br>Stefan Sasse<br>Und was ich überhaupt nicht höre von der SPD, wären schmerzhafte Reformen für Leute, die sechsstellige Jahresgehälter verdienen.</p><p>00:23:10.96<br>Stefan Sasse<br>Für Leute, die ausschließlich von Vermögenseinkünften leben.</p><p>00:23:15.24<br>Stefan Sasse<br>Für Leute, dass man die Kapitalertragssteuer deutlich hochsetzt beispielsweise.</p><p>00:23:21.66<br>Stefan Sasse<br>Da kann man sagen, hier, wir machen jetzt eine schmerzhafte Reform, Kapitalertragssteuer ist künftig 50%.</p><p>00:23:26.60<br>Stefan Sasse<br>Das wäre eine schmerzhafte Reform, das könnte die SPD vorschlagen.</p><p>00:23:28.10<br>Ariane<br>Ja.</p><p>00:23:29.15<br>Stefan Sasse<br>Warum machen die das?</p><p>00:23:30.93<br>Stefan Sasse<br>Ich will auch gar nicht sagen, dass das sinnvoll wäre, also sachlich sinnvoll.</p><p>00:23:35.29<br>Stefan Sasse<br>Mir geht es hier mehr um die grundsätzliche Message.</p><p>00:23:37.67<br>Stefan Sasse<br>Warum muss ich als jemand, der für, was weiß ich, 2.500 brutto im Monat an der Nettokasse sitzt, warum muss ich schmerzhafte Reformen erleiden, während nach den aktuellen Plänen die obersten 1% 14.000 Euro im Jahr Steuern geschenkt kriegen?</p><p>00:23:56.67<br>Stefan Sasse<br>Das ist doch behämmert und ich kann ja gerne diese Argumentation bringen als CDU oder als FDP, dass diese Steuerreformen dann das Wirtschaftswachstum in Fesseln und hast du nicht gesehen, das ist ja völlig fair, das machen die immer, aber ich kann das so nicht als SPD tun, wie dumm kannst du sein quasi,</p><p>00:24:17.40<br>Stefan Sasse<br>die Schmerzen für die eigene Klientel unilateral rauszuhauen, ohne dass es quasi ein Verhandlungskompromiss oder sonst irgendwas ist und nicht mal was als Gegenleistung verlangen, eine Vermögensabgabe.</p><p>00:24:34.07<br>Stefan Sasse<br>oder sonst irgendwas.</p><p>00:24:35.61<br>Stefan Sasse<br>Die CDU sagt einfach, ja nö, mit uns gibt es keine Steigerung des Spitzensteuersatzes und die SPD sagt, ja gut, dann halt nicht.</p><p>00:24:40.97<br>Stefan Sasse<br>Dann kommt eben nur die Abschaffung des Ehekattensplittings und der beitragsfreien Mitversicherung und so weiter und so fort.</p><p>00:24:41.15<br>Ariane<br>Ja.</p><p>00:24:47.75<br>Stefan Sasse<br>Ich könnte an der Stelle ja noch weiter auflisten.</p><p>00:24:50.73<br>Stefan Sasse<br>Das ist dumm, dumm, dumm auf einer politischen Ebene.</p><p>00:24:54.54<br>Stefan Sasse<br>Einfach komplett hirnverbrannt.</p><p>00:24:58.24<br>Stefan Sasse<br>Ihr wollt doch gewählt werden.</p><p>00:25:02.56<br>Stefan Sasse<br>Eigentlich ging es uns ja darum, dass wir die arbeitende Mitte mehr in den Blick nehmen und quasi dafür sorgen, dass die künftig wieder die SPD wählen.</p><p>00:25:11.39<br>Stefan Sasse<br>Aber wenn du denen quasi ins Ginnick trittst, ich verstehe es einfach nicht.</p><p>00:25:16.77<br>Stefan Sasse<br>Es ist mir völlig unbegreiflich, was diese Leute sich denken.</p><p>00:25:20.74<br>Ariane<br>Also das fände ich auch merkwürdig.</p><p>00:25:23.02<br>Ariane<br>Ich habe das Gefühl, man hat dieses Tabu, das die CDU vorgegeben hat, einfach übernommen.</p><p>00:25:29.28<br>Ariane<br>Was ich nicht verstehe, weil wie gesagt, man kann es ja scheiße finden, aber es taucht bei der SPD nicht mehr auf.</p><p>00:25:37.73<br>Ariane<br>Einfach diese Idee, also die FDP war ja früher auch so, einfach dieses, es gibt keine Steuererhöhung.</p><p>00:25:43.17<br>Ariane<br>Punkt.</p><p>00:25:43.51<br>Ariane<br>Für Rauchtef schon gar nicht oder für Vermögen oder für Erbschaftsteuer, bla bla bla.</p><p>00:25:48.67<br>Ariane<br>Und die SPD hat das einfach übernommen.</p><p>00:25:50.99<br>Ariane<br>Die ist nicht mehr in der Lage, grundsätzlich anzuzweifeln, ob das eine Idee ist.</p><p>00:25:58.57<br>Ariane<br>Sie kann ja dann sagen, wir haben uns das mal angeguckt.</p><p>00:26:00.82<br>Ariane<br>Nee, ist keine Idee oder so.</p><p>00:26:02.04<br>Ariane<br>Aber ich habe das Gefühl, man hat dieses Tabu komplett übernommen.</p><p>00:26:05.92<br>Ariane<br>Das ist was überhaupt nicht man will.</p><p>00:26:10.29<br>Ariane<br>Die hart arbeitende Mitte, hö, hö, hö.</p><p>00:26:11.83<br>Ariane<br>Also jedenfalls mit der Familienversicherung.</p><p>00:26:13.75<br>Ariane<br>Es ist überhaupt kein Problem, hey, die zahlen ja 250 Euro monatlich.</p><p>00:26:17.66<br>Ariane<br>Aber es wird nicht einmal darüber diskutiert, über die Beitragsbemessungsgrenze.</p><p>00:26:21.88<br>Ariane<br>Wer richtig viel verdient, hat da einen Bonus.</p><p>00:26:24.44<br>Ariane<br>Das mag ja Gründe geben, wenige.</p><p>00:26:26.83<br>Ariane<br>Aber das ist zum Beispiel was, wo man an der anderen Seite ansetzen könnte.</p><p>00:26:32.41<br>Ariane<br>Und das taucht nicht mal auf.</p><p>00:26:34.15<br>Ariane<br>Und wie du auch sagst, es taucht nicht mal, das ist ja das, wo ich gesagt habe, okay, das kriegt die SPD oft noch gut hin, was zu verhandeln.</p><p>00:26:42.56<br>Ariane<br>Aber es taucht als Verhandlungsmasse nicht mehr auf.</p><p>00:26:44.98<br>Ariane<br>Man hat nichts.</p><p>00:26:46.78<br>Ariane<br>Man könnte ja losgehen zur CDU und sagen, Mensch, hier...</p><p>00:26:50.48<br>Ariane<br>Wenn wir, keine Ahnung, ganz ehrlich, ich habe deutlich gelesen, die wollen den 8-Stunden-Tag.</p><p>00:26:56.16<br>Ariane<br>Das haben sie auch aufgegeben, diese 8-Stunden-Tags-Regel, einfach so, ohne dass sie was dafür haben.</p><p>00:27:03.12<br>Ariane<br>Also du musst halt deine Sachen dann gegen andere Dinge eintauschen können.</p><p>00:27:07.62<br>Ariane<br>Die SPD hat ein Konzept vorgelegt über die Reform der Errschaftssteuer.</p><p>00:27:13.43<br>Ariane<br>Und hat es in die Schublade gelegt und wieder vergessen.</p><p>00:27:16.45<br>Ariane<br>Dann lauf doch damit los und sag hier, dann wollen wir das haben.</p><p>00:27:20.50<br>Ariane<br>Das tut sie nicht.</p><p>00:27:20.84<br>Stefan Sasse<br>Und erneut, wir reden ja hier nicht über Eintauschen gegen irgendwelchen random Scheiß, sondern Eintauschen gegen Dinge, die in der aktuellen Krise auch helfen würden.</p><p>00:27:21.26<br>Ariane<br>Sie läuft überhaupt nicht los.</p><p>00:27:22.64<br>Ariane<br>Es gab zwei Artikel, da hat man sich das mal angeguckt und danach hat man nie wieder drüber geredet.</p><p>00:27:26.74<br>Ariane<br>Das ist total witzlos.</p><p>00:27:38.41<br>Stefan Sasse<br>Also das ist der Teil, den ich nicht verstehe, weil ich kann ja problemlos, genauso wie es die CDU schafft, ihren eigenen Dauerbrenner Steuern senken.</p><p>00:27:46.18<br>Stefan Sasse<br>Ach,</p><p>00:27:46.58<br>Stefan Sasse<br>Was?</p><p>00:27:47.12<br>Stefan Sasse<br>Die SPD möchte die Steuern, die CDU möchte die Steuern senken.</p><p>00:27:50.22<br>Stefan Sasse<br>Das ist ja der Wahnsinn.</p><p>00:27:51.38<br>Stefan Sasse<br>Das habe ich ja noch nie gehört von denen.</p><p>00:27:53.22<br>Stefan Sasse<br>Also das ist ja das Rezept, das sie immer machen.</p><p>00:27:55.64<br>Stefan Sasse<br>Warum zur Hölle kann die SPD das nicht auch tun?</p><p>00:27:58.48<br>Stefan Sasse<br>Also warum können die nicht sagen, hier Erbschaftssteuer, Vermögensabgabe etc.</p><p>00:28:03.18<br>Stefan Sasse<br>Und das ist Punkt eins, der mir völlig unklar ist an der Stelle.</p><p>00:28:06.62<br>Stefan Sasse<br>Warum wird da nicht eingetauscht?</p><p>00:28:08.46<br>Stefan Sasse<br>Und Punkt zwei ist, warum gibt es keine kommunikative Arbeitsteilung in dieser Koalition?</p><p>00:28:14.48<br>Stefan Sasse<br>Weil es ist ja grundsätzlich schon sinnvoll, dass quasi diese Only Nixon can go to China-Ding, dass nicht die CDU die harten Sozialkürzungen vorgibt, sondern die SPD.</p><p>00:28:26.60<br>Stefan Sasse<br>Und wo ist die Gegenleistung der CDU?</p><p>00:28:29.28<br>Stefan Sasse<br>Wo stehen die hin und tun ihre Klientel weh?</p><p>00:28:32.62<br>Stefan Sasse<br>Also wie kannst du das nicht koordiniert machen, dass der Lars Klingbeil und der Friedrich Merz beide hinstehen und sagen, so Leute, hier, wir sind die große Koalition, die ihr alle haben wolltet.</p><p>00:28:43.60<br>Stefan Sasse<br>Nein, die schwarz-rote Koalition, die ihr alle haben wolltet.</p><p>00:28:46.73<br>Stefan Sasse<br>Und das ist die Lage.</p><p>00:28:48.13<br>Stefan Sasse<br>Und wir müssen jetzt leider Gottes wegen der Arschlöcher in Iran, in Washington, in Moskau,</p><p>00:28:55.35<br>Stefan Sasse<br>Und vielleicht werden wir Glück haben, auch noch bald in Beijing, müssen wir jetzt zwangsläufig krasse Maßnahmen ergreifen.</p><p>00:29:01.84<br>Stefan Sasse<br>Und die werden uns allen wehtun und hier haben wir wirklich ein Paket des allen, für alle Scheiße.</p><p>00:29:06.38<br>Stefan Sasse<br>Das hier ist der große Scheiße-Sandwich für alle.</p><p>00:29:09.04<br>Stefan Sasse<br>Die könnten, wenn sie wollten, sogar noch die Grünen mit ins Boot nehmen.</p><p>00:29:11.14<br>Stefan Sasse<br>Die sind ja genauso blöd.</p><p>00:29:12.18<br>Stefan Sasse<br>Die würden ja auch mitmachen, wenn sie da Bock drauf hätten.</p><p>00:29:16.26<br>Stefan Sasse<br>Ist nicht nötig, aber wäre machbar.</p><p>00:29:19.46<br>Stefan Sasse<br>Ich meine, das wird ein ganz eigenes Thema, das ist nur am Rande, was sind denn die großen Vorschläge der Grünen in der aktuellen Krise?</p><p>00:29:25.17<br>Stefan Sasse<br>Ein zeitlich befristetes Tempolimit.</p><p>00:29:28.80<br>Stefan Sasse<br>What?</p><p>00:29:29.24<br>Ariane<br>Vielen Dank.</p><p>00:29:29.84<br>Stefan Sasse<br>Okay, also von daher, das ist vielleicht auch mal wieder eine eigene Folge wert.</p><p>00:29:38.16<br>Stefan Sasse<br>Aber von daher auch hier, I don't get it.</p><p>00:29:43.91<br>Stefan Sasse<br>Und das sind eben diese ganzen Geschichten.</p><p>00:29:48.41<br>Stefan Sasse<br>Und ich finde es wirklich, um wieder darauf zurückzukommen, Ehegattensplitting, Leute, das ist...</p><p>00:29:56.99<br>Stefan Sasse<br>eine linke Forderung schon sehr, sehr lange.</p><p>00:30:01.31<br>Stefan Sasse<br>Dass man das umstellt.</p><p>00:30:02.85<br>Stefan Sasse<br>Von einem Ehegattensplitting auf ein Familiensplitting.</p><p>00:30:06.43<br>Stefan Sasse<br>Und das hat man effektiv nie als ein großes Wahlkampfthema etabliert.</p><p>00:30:09.93<br>Stefan Sasse<br>A, weil es keine Mehrheiten dafür gibt und B, weil es super, super unbeliebt ist.</p><p>00:30:14.54<br>Stefan Sasse<br>Und jetzt schaffen die das, die eine Hälfte davon, den wirklich unbeliebten Part, nämlich die Abschaffung des Ehegattensplittings, die vorzubringen,</p><p>00:30:23.64<br>Stefan Sasse<br>den anderen Teil, nämlich die Einführung eines Familiensplittings wegzulassen und das quasi unilateral vorzubringen.</p><p>00:30:29.70<br>Stefan Sasse<br>Und ich denke, why?</p><p>00:30:32.32<br>Stefan Sasse<br>Wer zur Hölle kommt auf diese Ideen?</p><p>00:30:35.31<br>Stefan Sasse<br>Die wollen einfach nicht gewählt werden, oder?</p><p>00:30:38.61<br>Stefan Sasse<br>Also das ist einfach so bekloppt.</p><p>00:30:43.22<br>Stefan Sasse<br>Und wir haben beide eine Theorie, was die antreibt.</p><p>00:30:48.24<br>Stefan Sasse<br>Wir haben jetzt hier schon ein paar Mal gesagt, wir verstehen das nicht, was die tun, aber wir haben eine Idee, was es sein könnte, was der motivierende Faktor für diese Leute innerhalb der SPD ist.</p><p>00:31:01.27<br>Stefan Sasse<br>Ariane, magst du das mal vorstellen?</p><p>00:31:02.90<br>Ariane<br>Genau, unsere Theorie ist, dass sie tatsächlich zu viel, wir haben das Hauptstadtpresse genannt, zu viel Hauptstadtpresse lesen, die diese Narrative, die wir jetzt erwähnt haben, quasi so ein bisschen erfunden haben.</p><p>00:31:16.66<br>Ariane<br>Dieses, das Einzige, was hilft für die SPD, sind, dass sie große Reformen ankündigt und so.</p><p>00:31:22.33<br>Ariane<br>Und die muss man ja auch sagen,</p><p>00:31:27.18<br>Ariane<br>Ebenfalls in dieser Hauptstadtpolitik Presseblase leben.</p><p>00:31:31.08<br>Ariane<br>Ich liebe das auch, wenn die Hauptstadtpresse dann immer ankommt und sagt, die SPD hat den Kontakt zu den Arbeitern verloren und dann einen sozial romantisch verklärten Kitschartikel schreibt über die Arbeiter.</p><p>00:31:46.28<br>Ariane<br>Angsthaft, ich sehe vor meinem Auge jedes Mal die Zeche aus der Kohle, die Köln.</p><p>00:31:52.81<br>Ariane<br>Wie heißen die Kohlekompel?</p><p>00:31:53.91<br>Ariane<br>Ich kenne die gar nicht mehr.</p><p>00:31:55.11<br>Ariane<br>Aber die gibt es heute einfach nicht mehr.</p><p>00:31:57.47<br>Ariane<br>Die sind weg, die sind in einem Dienstleistungsprekariat verschwunden.</p><p>00:32:01.85<br>Ariane<br>Die Hauptstadtpresseleute kennen die vielleicht noch als ihre polnische Putzfrau.</p><p>00:32:09.53<br>Ariane<br>Oder keine Ahnung, da wo sie ihren Kaffee kaufen vielleicht.</p><p>00:32:11.99<br>Ariane<br>Aber das ist so.</p><p>00:32:12.71<br>Ariane<br>Ich meine, ich höre auch in einer Gegend, die früher mal allein Zentrum der Arbeiterschaft war.</p><p>00:32:18.72<br>Ariane<br>die gibt es nicht mehr.</p><p>00:32:19.58<br>Ariane<br>Das waren Werften und das ganze Kling-Bim und keine Ahnung, Stahlwerke hatten wir ja auch, weil man das wie mit Schiffen rumtransportiert hat.</p><p>00:32:26.86<br>Ariane<br>Das gibt es nicht mehr.</p><p>00:32:29.24<br>Ariane<br>Und das ist, glaube ich, und ich habe das Gefühl, die verstärken sich diese Narrative immer so ein bisschen gegenseitig.</p><p>00:32:34.84<br>Ariane<br>Die haben ja auch immer eine große Freude für die arbeitende Mitte und schmerzhaftere Form, bla bla.</p><p>00:32:39.76<br>Ariane<br>Und das ist, die schreiben, Mensch, das Einzige, was Deutschland jetzt helfen kann, ist die schmerzhaftere Form.</p><p>00:32:45.37<br>Ariane<br>Lars Klingbeil liest das.</p><p>00:32:48.23<br>Ariane<br>und rennt los ohne nachzudenken oder mal jemanden zu fragen, der andere Dinge tut und macht das.</p><p>00:32:55.10<br>Ariane<br>Und der kriegt ja auch Lob.</p><p>00:32:56.64<br>Ariane<br>Ich fand das Wahnsinn, wie das Presseecho davon war.</p><p>00:33:01.06<br>Ariane<br>In diesen normalen Spiegelzeit, Weltfahrt, die fanden das geil.</p><p>00:33:10.36<br>Ariane<br>Aber, ja, ich glaube, das sind die einzigen.</p><p>00:33:15.06<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>00:33:15.90<br>Ariane<br>Und es ärgert mich, weil die CDU, die hat ja so ein bisschen eigentlich denselben Druck, die sind aber noch klug genug und machen einfach gar nichts.</p><p>00:33:24.42<br>Ariane<br>Warten, bis die SPD losrennt und sagen, nee, finden wir scheiße, wir wollen gerne Steuersenkung.</p><p>00:33:30.99<br>Stefan Sasse<br>Ich sage ja, das ist das, was ich überhaupt nicht verstehe, dass man das dann nicht wenigstens koordiniert innerhalb dieser Koalition und der Arbeitsteilung macht, dass man diesen Schmerz teilt, also diesen politischen Schmerz, den man da auf sich auflädt.</p><p>00:33:44.96<br>Stefan Sasse<br>Das kann man ja der SPD wahrlich nicht vorwerfen.</p><p>00:33:46.73<br>Stefan Sasse<br>Also was Sie hier sagen im Endeffekt zur Bevölkerung, das laden Sie sich selbst auch auf, schmerzhafte Reformen.</p><p>00:33:53.19<br>Stefan Sasse<br>Die sind für die SPD schmerzhaft.</p><p>00:33:55.51<br>Stefan Sasse<br>Die sind existenzbedrohend für diesen Laden und sie machen es trotzdem.</p><p>00:33:59.57<br>Stefan Sasse<br>Und rein theoretisch gesehen würde ich an der Stelle sowas wie Bewunderung fühlen wollen.</p><p>00:34:05.74<br>Stefan Sasse<br>Aber ich finde es nur noch suizidal, wie du vorher auch gesagt hast.</p><p>00:34:08.18<br>Stefan Sasse<br>Das ist einfach dumm.</p><p>00:34:09.80<br>Stefan Sasse<br>Es ist wirklich dumm, weil nichts dem Ganzen entgegensteht.</p><p>00:34:14.72<br>Stefan Sasse<br>Und wir haben nichts davon, wenn die sich killen.</p><p>00:34:17.72<br>Stefan Sasse<br>Wenn die CDU und die SPD eine unglaublich unpopuläre Politik machen,</p><p>00:34:21.88<br>Stefan Sasse<br>Und die SPD verliert nochmal 5-6% Stimmen, die CDU 2-3-4, wo gehen die denn hin?</p><p>00:34:28.30<br>Stefan Sasse<br>Die wählen ja nicht FDP oder Grüne.</p><p>00:34:31.03<br>Stefan Sasse<br>Verstehst du, was ich meine?</p><p>00:34:32.39<br>Stefan Sasse<br>Das ist, das hilft uns nicht mehr, also uns als Demokratie.</p><p>00:34:37.37<br>Stefan Sasse<br>Das ist einfach nur blöd.</p><p>00:34:40.17<br>Stefan Sasse<br>Und das ist das, was ich einfach nicht verstehen kann.</p><p>00:34:44.10<br>Stefan Sasse<br>Das ist so unglaublich kurzfristig.</p><p>00:34:45.72<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:34:46.68<br>Stefan Sasse<br>Du hast ja schon darauf hingewiesen mit dieser Hauptstadtpresse und das Faszinierende finde ich, in der Hauptstadtpresse finden wir einen Beitrag nach dem anderen, dass diese Leute ja quasi in einer Blase leben und dass sie den Kontakt zu den Menschen verloren haben und hast du nicht gesehen.</p><p>00:35:05.17<br>Stefan Sasse<br>Und das wird dann aber immer auf diese Gender und Vogue-Thematik geschoben.</p><p>00:35:08.97<br>Stefan Sasse<br>Aber</p><p>00:35:10.07<br>Stefan Sasse<br>Diese Leute haben auch keinerlei Kontakt zur Realität.</p><p>00:35:14.83<br>Stefan Sasse<br>Es gibt keine große Gruppe in Deutschland, die schmerzhafte Reformen haben möchte.</p><p>00:35:20.20<br>Stefan Sasse<br>Dafür gibt es keinerlei Constituency.</p><p>00:35:23.60<br>Ariane<br>Ja.</p><p>00:35:25.40<br>Stefan Sasse<br>Ja, davor haben die Leute Schiss, das wollen die nicht.</p><p>00:35:28.36<br>Stefan Sasse<br>Und die werden diejenigen mit Sicherheit nicht mit Wahlstimmen belohnen, die ihnen wehtun.</p><p>00:35:36.72<br>Stefan Sasse<br>Die werden sich rächen.</p><p>00:35:38.26<br>Stefan Sasse<br>Und es gibt mindestens zwei Parteien im aktuellen Bundestag, es gibt genau zwei Parteien im aktuellen Bundestag, die sofort sagen werden, wählt uns und dann passiert das nicht.</p><p>00:35:46.83<br>Stefan Sasse<br>Und das sind die Linki und die AfD.</p><p>00:35:49.07<br>Stefan Sasse<br>Und die eine von den beiden lügt.</p><p>00:35:53.10<br>Stefan Sasse<br>Ja, weil die AfD würde noch viel krasseren Scheiß machen.</p><p>00:35:57.08<br>Stefan Sasse<br>Und die andere Partei ist, ja, ist halt die Linke.</p><p>00:36:02.02<br>Stefan Sasse<br>Mit allem, was da dran hängt.</p><p>00:36:03.79<br>Stefan Sasse<br>Das wäre wahrscheinlich auch ein eigener Podcast, das will ich an der Stelle gar nicht erst so geben.</p><p>00:36:06.34<br>Ariane<br>Ja, aber ich möchte Sie einmal kurz loben, weil es mir neulich wieder aufgefallen ist.</p><p>00:36:07.21<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>00:36:10.42<br>Ariane<br>Und das ist etwas, da hat die SPD das Feld der Linken total überlassen.</p><p>00:36:14.69<br>Ariane<br>Und das ist boot on the ground.</p><p>00:36:16.99<br>Ariane<br>Also jedes Mal, wenn ich Reportagen lese, ich hatte neulich einen Clip, irgendein Schrottemobil in Bremen, habe ich angeguckt, ob wir da auch mit rumwuseln, aber die war so schrottig, die rufen uns gar nicht mehr an.</p><p>00:36:28.87<br>Ariane<br>Und wer läuft da mit rum?</p><p>00:36:30.39<br>Ariane<br>Eine Politikerin von der Linken, die die Leute da berät.</p><p>00:36:33.82<br>Ariane<br>Neulich lese ich was, da ging es um Feldarbeiter.</p><p>00:36:38.32<br>Ariane<br>Da ist irgendeine Gewerkschaft unterwegs und jemand von den Linken, der die Leute berät.</p><p>00:36:43.32<br>Ariane<br>Und das hat die Linke tatsächlich besser, dass sie diese Boots on the ground macht.</p><p>00:36:48.20<br>Ariane<br>Vollkommen, hilft ihnen ja nicht, weil sie leider dann wieder, es fehlt ihnen.</p><p>00:36:53.71<br>Ariane<br>Eigentlich, das ist was, wo ich denke, das könnte die SPD, glaube ich, besser.</p><p>00:36:57.69<br>Ariane<br>Weil die Linke hat nicht das Standing, das in eine allgemeine Politik zu überführen.</p><p>00:37:03.56<br>Ariane<br>Es versandet dann, lass mal irgendwen enteignen und entwärt das schon.</p><p>00:37:07.68<br>Ariane<br>Und Juden sind doof vielleicht noch.</p><p>00:37:09.90<br>Ariane<br>Und das ist aber, dieses Boot on the Ground können die besser.</p><p>00:37:15.32<br>Ariane<br>Und das ist was, glaube ich, was ein bisschen fehlt.</p><p>00:37:17.88<br>Ariane<br>Dieses Funktionierige der SPD ist ein Problem.</p><p>00:37:22.06<br>Ariane<br>Ja, ich habe dich unterbrochen, du darfst jetzt weiter.</p><p>00:37:23.65<br>Stefan Sasse<br>Nee, also ich bin da völlig bei dir.</p><p>00:37:25.29<br>Stefan Sasse<br>Es wäre für die Demokratie tatsächlich, glaube ich, nicht besonders gut, wenn dieses Potenzial der SPD wegfallen würde.</p><p>00:37:31.12<br>Stefan Sasse<br>Nur dieses Potenzial wird aktuell eben überhaupt nicht genutzt, wie du es sagst.</p><p>00:37:35.96<br>Stefan Sasse<br>Also das ist ein rein theoretisch vorhandenes Potenzial.</p><p>00:37:38.36<br>Stefan Sasse<br>Das ist wie, klar bräuchten wir eine liberale Partei in Deutschland, aber die FDP ist es halt nicht.</p><p>00:37:42.70<br>Ariane<br>Ja.</p><p>00:37:42.85<br>Stefan Sasse<br>Und genauso, es wäre echt schön, wenn wir eine sozialdemokratische Partei hätten, aber wir haben keine.</p><p>00:37:47.69<br>Stefan Sasse<br>Was wir haben, ist die SPD.</p><p>00:37:48.95<br>Stefan Sasse<br>Und auch hier ist es natürlich ein Klischee, dass ich das sage, aber es stimmt halt auch einfach irgendwo.</p><p>00:37:56.96<br>Stefan Sasse<br>Das ist ein echtes Problem an der Stelle.</p><p>00:37:59.54<br>Stefan Sasse<br>Und nochmal zurück zu der Hauptstadtpresse und diesem Verlust sozusagen von diesen Vorstellungen.</p><p>00:38:06.02<br>Stefan Sasse<br>Da werden unglaublich unreflektiert immer irgendwelche Klischees wiedergekäupt.</p><p>00:38:11.89<br>Stefan Sasse<br>Und ich meine, ja, der ganze Woke-Kram ist nicht populär milde ausgedrückt.</p><p>00:38:19.17<br>Stefan Sasse<br>Der Weglasch dagegen und natürlich auch die organisierte Kampagnenarbeit mehrerer Akteure an der Stelle hat da je Übriges dazu geleistet und die Tatsache, dass die eigentlichen Vertreter diese Richtung sie komplett aufgegeben haben, hat natürlich auch nicht geholfen.</p><p>00:38:33.06<br>Stefan Sasse<br>Das wäre dann mal wieder was für die Folge mit den Grünen im Endeffekt.</p><p>00:38:36.88<br>Stefan Sasse<br>Die machen das ja gar nicht mehr und die SPD sowieso nicht.</p><p>00:38:40.44<br>Stefan Sasse<br>Also wie man das der SPD um den Teil</p><p>00:38:40.73<br>Ariane<br>Sowieso nicht jedes Mal muss ich lachen, wenn das kommt.</p><p>00:38:43.56<br>Stefan Sasse<br>Ich verstehe gar nicht, woher das kommt.</p><p>00:38:45.74<br>Stefan Sasse<br>Und das führt mich dann zu diesen völlig bekloppten Analysen, die</p><p>00:38:48.77<br>Ariane<br>Und der Witz ist übrigens, muss ich noch mal kurz betonen, es gibt keine Partei in ganz Deutschland, die mehr getan hat für die Gleichstellung der Frau.</p><p>00:38:57.88<br>Ariane<br>Dieses vocal Thema war mal sehr wichtig in der SPD.</p><p>00:39:03.12<br>Ariane<br>Also es ist ja nicht so, dass man sagt, das war schon immer scheiße.</p><p>00:39:05.78<br>Ariane<br>Bitte.</p><p>00:39:07.34<br>Stefan Sasse<br>Nee, überhaupt nicht.</p><p>00:39:07.60<br>Ariane<br>Bitte.</p><p>00:39:08.82<br>Stefan Sasse<br>Und wie gesagt, das führt dann zu solchen Analysen.</p><p>00:39:11.46<br>Stefan Sasse<br>Ich habe es natürlich gelesen, der Jörg Kukis, also dieser Finanzfachmann, das ganz, ganz große Problem für die SPD, der ist jetzt wieder zu irgendeiner Investmentbanking-Firma gegangen, weil er nicht Finanzminister werden konnte.</p><p>00:39:26.64<br>Stefan Sasse<br>Was nachvollziehbar ist, selbstverständlich war das die richtige Entscheidung, da Lars Klingbeil hinzusetzen.</p><p>00:39:30.91<br>Stefan Sasse<br>Also, das ist schon wieder der nächste Punkt.</p><p>00:39:32.76<br>Stefan Sasse<br>Hauptstadtpresse und ihre Liebe für irgendwelche Fachleute als Minister.</p><p>00:39:37.68<br>Stefan Sasse<br>I don't get it.</p><p>00:39:39.30<br>Stefan Sasse<br>Es ist ein... Es funktioniert nie.</p><p>00:39:41.72<br>Stefan Sasse<br>Diese Außenseiter mit Fachkenntnissen, vergesst es endlich.</p><p>00:39:45.38<br>Stefan Sasse<br>Minister ist kein Job, wo wir Fachkenntnisse brauchen.</p><p>00:39:48.14<br>Stefan Sasse<br>Minister ist ein Job, wo wir Politik-Experten brauchen.</p><p>00:39:52.24<br>Stefan Sasse<br>Aber anyways...</p><p>00:39:53.65<br>Ariane<br>Und Klartextredner, der zweite im Bund ist Boris Busterius.</p><p>00:39:54.58<br>Stefan Sasse<br>Ja, genau.</p><p>00:39:57.40<br>Stefan Sasse<br>Da wird dann verkündet, dass die SPD gerade in einer schlechten Lage ist, weil Leute wie Jörg Kukis keinen Platz in der Partei haben, als ob das Wahlvolk schreien würde, wir brauchen Investmentbanker, die eine wichtige Rolle in der SPD spielen.</p><p>00:40:10.06<br>Stefan Sasse<br>Klar wäre das gut, wenn diese Kompetenzen da wären, das stelle ich überhaupt nicht in Frage, aber die Vorstellung, dass das politisch erfolgreich wäre, ist kompletter Humbug.</p><p>00:40:20.28<br>Stefan Sasse<br>Also ja, du brauchst diese Leute und die SPD hat einen riesen Fehler gemacht, dass sie es nicht geschafft haben, den zu binden.</p><p>00:40:24.90<br>Stefan Sasse<br>Gar keine Frage.</p><p>00:40:27.04<br>Stefan Sasse<br>Aber daran steht und fällt sozusagen nicht ihr Wahlerfolg.</p><p>00:40:31.72<br>Stefan Sasse<br>Und was mich in den letzten Tagen am allermeisten angebläht hat,</p><p>00:40:35.61<br>Stefan Sasse<br>ist der Giovanni di Lorenzo, also dieses Urgestein von der Zeit.</p><p>00:40:40.39<br>Stefan Sasse<br>Der hat so einen ganz, ganz tollen Klartextbeitrag gehabt, den liebt die Hauptstadtpresse ja auch.</p><p>00:40:47.03<br>Stefan Sasse<br>Wenn irgendjemand das sagt, was seit Jahren alle sagen und dann wird so getan, als wäre das irgendwie radikal neu.</p><p>00:40:54.28<br>Stefan Sasse<br>Und auch da kann ich mal wieder so zitieren, ein Befund von brutaler Einfachheit.</p><p>00:40:58.34<br>Stefan Sasse<br>Die SPD hat aufgehört, die einfachen Leute zu verstehen und zwar nicht aus Versehen, sondern aus Verachtung.</p><p>00:41:02.92<br>Stefan Sasse<br>Und jetzt pass auf, die Beispiele.</p><p>00:41:05.20<br>Stefan Sasse<br>Warum hat die SPD aufgehört, die Leute zu verstehen?</p><p>00:41:09.08<br>Stefan Sasse<br>Beispiel Nummer eins, Enkelkinder, die dürfen das Wort Indianer nicht mehr sagen.</p><p>00:41:15.73<br>Stefan Sasse<br>Es gibt keinen einzigen SPD-Politiker, der sich je zu Indianern geäußert hat.</p><p>00:41:20.54<br>Ariane<br>Doch, sagt man Gabriel hat mal geweint bei Winnetou.</p><p>00:41:24.04<br>Ariane<br>Er hat sich geäußert.</p><p>00:41:24.18<br>Stefan Sasse<br>Ja, schon.</p><p>00:41:27.48<br>Stefan Sasse<br>Und zum anderen hat, das war so ein Thema in so einem Kindergarten, ja, mit, wie heißt's, mit so Faschingskostümen und so weiter.</p><p>00:41:42.01<br>Stefan Sasse<br>Und das ist in Berlin passiert, natürlich ist das in Berlin passiert, wo da die entsprechende Kritik kam, in einer fucking Kita und die Giffey,</p><p>00:41:52.63<br>Stefan Sasse<br>Da gibt es auch quasi ein Statement dazu und die hat gesagt, ja, das findet sie blöd, die Leute sollen sich als Indianer verkleiden dürfen.</p><p>00:41:59.24<br>Stefan Sasse<br>Also von was redet die Lorenzo hier eigentlich?</p><p>00:42:01.58<br>Stefan Sasse<br>Dann als nächstes hat die Bundesgartenschau eine Gruppe von Rentnern gebeten, keinen Tanz mit Sombreros aufzuführen, weil das eben so eine Appropriation gegenüber mexikanischer Kultur ist.</p><p>00:42:14.65<br>Stefan Sasse<br>Ist die Bundesgartenschau neuerdings eine SPD-Organisation?</p><p>00:42:18.21<br>Stefan Sasse<br>Hat nichts mit der SPD zu tun.</p><p>00:42:20.63<br>Stefan Sasse<br>Und dann zuletzt das ZDF gendert.</p><p>00:42:24.95<br>Stefan Sasse<br>Ist das ZDF neuerdings die SPD?</p><p>00:42:26.70<br>Ariane<br>War das nicht der CDU-Sender?</p><p>00:42:28.97<br>Stefan Sasse<br>Ja, das kommt noch erschwerend hinzu.</p><p>00:42:31.22<br>Stefan Sasse<br>Das macht überhaupt so ein dubbes Geschwätz.</p><p>00:42:35.64<br>Stefan Sasse<br>Und da wird dann quasi gesagt, das zeigt uns die Krise der SPD.</p><p>00:42:38.42<br>Stefan Sasse<br>Das hat doch überhaupt nichts mit denen zu tun.</p><p>00:42:42.60<br>Stefan Sasse<br>Innerhalb der SPD</p><p>00:42:42.88<br>Ariane<br>Das wissen auch nur Leute wie Giovanni Di Lorenzo, die den ganzen Tag auf Twitter rumhängen.</p><p>00:42:46.94<br>Stefan Sasse<br>Richtig, das ist das Problem.</p><p>00:42:48.08<br>Ariane<br>Die hart arbeitende Mitte arbeitet ja hart.</p><p>00:42:50.12<br>Ariane<br>Ich habe keine Ahnung, ob irgendwo in der Kita in Berlin eine Indianer-Debatte losgebrochen ist.</p><p>00:42:56.92<br>Stefan Sasse<br>Wen zur Hölle interessiert das, wenn das nicht quasi dann in der Bild hochgejazzed wird oder sowas, ja?</p><p>00:43:01.86<br>Stefan Sasse<br>Also wie gesagt, das sind Medienphänomene grundsätzlich erstmal und erneut, ich möchte hier überhaupt nicht sagen, dass Leute, die grundsätzlich zum Kernwählenden Klientel der SPD gehören, dass die das toll fänden, wenn in der Kita keine Indianerkostüme mehr benutzt werden können.</p><p>00:43:15.85<br>Stefan Sasse<br>Klar finden die das scheiße.</p><p>00:43:16.99<br>Stefan Sasse<br>Das finden praktisch alle scheiße.</p><p>00:43:18.49<br>Stefan Sasse<br>Da würde ich auch sagen, hey Leute, I see your point, weil</p><p>00:43:22.71<br>Ariane<br>Lass mal die Kirche durch.</p><p>00:43:24.21<br>Stefan Sasse<br>Ja genau, lasst mal die Kirche im Dorf, also übertreibt mal an der Stelle nicht.</p><p>00:43:28.08<br>Stefan Sasse<br>Aber die Vorstellung, dass das das Problem der SPD sein könnte, ist völlig bekloppt.</p><p>00:43:33.41<br>Stefan Sasse<br>Weil die stehen doch da dafür gar nicht.</p><p>00:43:36.69<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht deren Thema.</p><p>00:43:39.01<br>Stefan Sasse<br>Wenn überhaupt, würde das die Krise der Grünen erklären.</p><p>00:43:42.57<br>Stefan Sasse<br>Nur die Grünen sind nicht in der Krise.</p><p>00:43:44.77<br>Stefan Sasse<br>Die sind aktuell bei 15 Prozent in den Umfragen.</p><p>00:43:50.28<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht das Thema.</p><p>00:43:52.78<br>Stefan Sasse<br>Das macht überhaupt keinen Sinn.</p><p>00:43:54.40<br>Stefan Sasse<br>Wir leben in einer totalen Parallelwelt.</p><p>00:43:57.66<br>Stefan Sasse<br>in der immer durcheinander geschmissen wird, was möchte ich spezifisch für eine Politik haben und sehen und was ist die Politik, die Partei XYZ fahren müsste.</p><p>00:44:10.34<br>Stefan Sasse<br>Das ist wie diese ganzen Leute, die der CDU empfehlen, doch mal bitte wie die AfD zu werden.</p><p>00:44:15.22<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht zwingend das, was die CDU-Wählenden haben wollen.</p><p>00:44:18.82<br>Stefan Sasse<br>Und genauso ist es bei der SPD auch.</p><p>00:44:21.52<br>Stefan Sasse<br>Du kannst doch nicht, als so ein Giovanni Di Lorenzo oder als so ein FAZ-Journalist, da willst du doch völlig andere Politiken haben, als die hart arbeitende Mitte haben möchte.</p><p>00:44:35.13<br>Stefan Sasse<br>Erneut, du kannst als Partei nicht für all diese Leute das Zeug im Gepäck haben.</p><p>00:44:41.29<br>Stefan Sasse<br>Du kannst...</p><p>00:44:42.63<br>Stefan Sasse<br>Überhaupt nur diese ganzen disparaten Gruppen in dein Parteizelt sozusagen reinbringen, indem du einen kulturellen Kit hast, der das Ganze zusammenbringt.</p><p>00:44:54.10<br>Stefan Sasse<br>Ja, wenn ich zum Beispiel die CDU angucke, einfach nur auf Policy-Ebene sozusagen, sind deren Sachen für eine relativ kleine Schicht in Deutschland.</p><p>00:45:03.03<br>Stefan Sasse<br>Aber die haben ein wesentlich größeres Wählendenpotenzial, weil sie es eben schaffen, mit diesem konservativen, gesellschafts-, kulturpolitischen und so weiter, da spricht wahnsinnig viele Leute an, die dann eben gegebenenfalls bereit sind, zurückzustecken.</p><p>00:45:16.40<br>Stefan Sasse<br>Weil die Vorstellung, dass Wählende allein aufgrund ihrer wirtschaftlichen Interessen entscheiden, ist halt kompletter Bullshit.</p><p>00:45:22.08<br>Stefan Sasse<br>Wahlen sind Identitätswahlen.</p><p>00:45:24.43<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:45:25.84<br>Stefan Sasse<br>Was ist denn die Identität der SPD?</p><p>00:45:28.26<br>Stefan Sasse<br>Da sind wir wieder beim Thema.</p><p>00:45:29.90<br>Stefan Sasse<br>Diese arbeitende Mitte, das ist eine Worthülse.</p><p>00:45:33.84<br>Stefan Sasse<br>Der entspricht nichts.</p><p>00:45:35.08<br>Stefan Sasse<br>Ich weiß gar nicht, wer da dabei sein soll.</p><p>00:45:37.22<br>Stefan Sasse<br>Bei der CDU weiß ich immer, ob ich gemeint bin.</p><p>00:45:40.32<br>Stefan Sasse<br>Wenn die CDU irgendwelche solchen Begriffe verwendet, die Bürger oder sonst irgendwas, die bürgerliche Gesellschaft,</p><p>00:45:48.05<br>Stefan Sasse<br>Oder wenn die eben von den echten Deutschen, das ist ja AfD oder sowas, aber du weißt, was ich meine.</p><p>00:45:53.29<br>Stefan Sasse<br>Die verwenden ja auch solche Begriffe.</p><p>00:45:55.05<br>Stefan Sasse<br>Ich bin gerade bloß ein bisschen blank, welche das sind.</p><p>00:45:57.67<br>Stefan Sasse<br>Aber jede Partei verwendet im Normalfall irgendwelche Begrifflichkeiten.</p><p>00:46:01.32<br>Stefan Sasse<br>Und ich weiß, bei der CDU oder bei der FDP bin ich gemeint oder nicht.</p><p>00:46:06.12<br>Stefan Sasse<br>Wollen die mich in ihrem Team haben, in ihrer Wählerkoalition oder wollen die mich nicht drin haben?</p><p>00:46:11.24<br>Stefan Sasse<br>Bei denen weiß ich das.</p><p>00:46:12.14<br>Stefan Sasse<br>Und die CDU, die ist nicht für mich.</p><p>00:46:14.83<br>Stefan Sasse<br>Nee, das ist nicht mein Laden, sozusagen.</p><p>00:46:18.65<br>Stefan Sasse<br>Da passe ich nicht rein vom Habitus her und so weiter.</p><p>00:46:21.45<br>Stefan Sasse<br>Die wollen mich nicht und ich will die nicht.</p><p>00:46:23.17<br>Stefan Sasse<br>Und das ist total okay.</p><p>00:46:24.99<br>Stefan Sasse<br>Und bei der SPD habe ich überhaupt keine Ahnung, meinen die mich oder meinen die mich nicht.</p><p>00:46:28.13<br>Stefan Sasse<br>Wollen die mich oder wollen die mich nicht?</p><p>00:46:28.86<br>Ariane<br>Jetzt kommt meine steile These.</p><p>00:46:30.88<br>Ariane<br>Der Letzte, der das gut konnte, war Gerhard Schröder.</p><p>00:46:33.17<br>Stefan Sasse<br>Aber klar, der konnte das absolut machen.</p><p>00:46:34.50<br>Ariane<br>Er konnte das perfekt.</p><p>00:46:35.54<br>Ariane<br>Ich glaube, der hat auch noch, und das ist genial, ich glaube, das war gegen die Grünen gerichtet, der hat auch noch die Currywurst als Kraftriegel der deutschen Arbeiterschaft.</p><p>00:46:44.27<br>Ariane<br>Das ist genial.</p><p>00:46:45.57<br>Ariane<br>Der konnte das richtig gut.</p><p>00:46:47.29<br>Ariane<br>Ich glaube, auch die richtige Krise der SPD kam danach, wo irgendwelche Leute wie die heute noch durch die Talkshows erst auf</p><p>00:46:54.58<br>Ariane<br>Was der SPD am besten helfen würde, ist, wenn sie die Vorsitzenden, die sie schon seit 100 Jahren nicht mehr hat, irgendwo auf eine Insel ohne Kommunikationsmöglichkeit packen würde.</p><p>00:47:04.60<br>Ariane<br>Das wäre voll hilfreich, weil diese ganzen Leute wie Müntefering und Gabriel, das sind doch immer nur die Männer von Nahles, hat man nie wieder was gehört.</p><p>00:47:13.47<br>Ariane<br>Und Schröder konnte das.</p><p>00:47:14.81<br>Ariane<br>Der hatte dieses Schnodderige, dem hast du richtig angemerkt, dass der ja keine Ahnung von einer alleinerziehenden Mutter, die als Bussfrau gearbeitet hat, aufgezogen ist.</p><p>00:47:23.60<br>Ariane<br>Der konnte das.</p><p>00:47:24.62<br>Ariane<br>Der hatte dieses Schnodderige.</p><p>00:47:27.82<br>Ariane<br>Und das hat die SPD überhaupt nicht mehr.</p><p>00:47:30.39<br>Stefan Sasse<br>Nude, das ist nicht</p><p>00:47:30.70<br>Ariane<br>Weil sie auch, sie mag, sie...</p><p>00:47:34.71<br>Ariane<br>Die will auch keinem weh tun.</p><p>00:47:35.95<br>Ariane<br>Und du musst das ernsthaft, was wir noch gar nicht angesprochen haben, als Bärbel Bas einmal bei den Jusos natürlich erzählt hat, dass die deutschen Arbeitgeber vielleicht sowas wie der Feind sind oder die Gegner, ich weiß gar nicht mehr, was sie genau gesagt hat, hat sie einen auf den Deckel bekommen.</p><p>00:47:54.10<br>Ariane<br>Und es war nie wieder was zu sehen und zu hören.</p><p>00:47:57.09<br>Ariane<br>Nie wieder!</p><p>00:47:58.58<br>Ariane<br>Merz und seine Buddies laufen wochenlang vor jedes Mikrofon und erzählen, das große Problem der deutschen Wirtschaft ist, dass die Leute alle faul sind.</p><p>00:48:06.20<br>Ariane<br>Die einen arbeiten gar nicht mehr, sind arbeitslos und faul.</p><p>00:48:09.58<br>Ariane<br>Die anderen sind in Lifestyle-Teilzeit.</p><p>00:48:12.24<br>Ariane<br>Jeder, der sich noch zur Arbeit schleppt, feiert ständig krank.</p><p>00:48:15.96<br>Ariane<br>Und es kam nichts.</p><p>00:48:17.32<br>Ariane<br>Das Erste, was jetzt kam, ist Lars Klingmeil, der erstmal gegen Lifestyle-Teilzeit anreden will, weil er erkannt hat, das größte Problem sind Mütter, die nicht arbeiten.</p><p>00:48:28.39<br>Ariane<br>Oder Frauen insgesamt.</p><p>00:48:30.31<br>Ariane<br>Aber das ist ja Wahnsinn.</p><p>00:48:32.83<br>Ariane<br>Ernsthaft, es wäre ja klug, wenn sie substanziell was sagt, aber es wäre ja vielleicht auch einfach gut gewesen, wenn sie einfach auch vor jedes Mikrofon rennen und sagen, hey, das ist vielleicht Bullshit.</p><p>00:48:42.76<br>Ariane<br>Tun sie nicht.</p><p>00:48:44.06<br>Ariane<br>Es gibt ganz viele Dinge, wo ich auch gar nicht weiß, ob die SPD da überhaupt eine Meinung zu hat.</p><p>00:48:49.46<br>Ariane<br>Also anscheinend stimmen sie ja zu, weil das Erste, was ich lautstark gehört habe, ist Lasting, weil wir müssen mehr arbeiten, hauptsächlich Frauen, Mütter.</p><p>00:48:59.76<br>Stefan Sasse<br>Du bringst...</p><p>00:49:00.46<br>Ariane<br>Und wie gesagt, das fehlt halt ein... Das kann die CDU auch.</p><p>00:49:05.03<br>Ariane<br>Ich bin ein großer Fan von Karl-Josef Laumann.</p><p>00:49:07.81<br>Ariane<br>Nicht so, dass die CDU diese Leute nicht hat.</p><p>00:49:11.41<br>Ariane<br>Und das ist aber bei der SPD, weil... Und da kommen wir nochmal zurück zur Hauptstadtpresse.</p><p>00:49:17.38<br>Ariane<br>Weil von wem kriegt sie denn auf die Fresse, wenn Bärbel Bas bei den Jusos mal sowas sagt?</p><p>00:49:22.12<br>Ariane<br>Das geht durch die Presse.</p><p>00:49:23.36<br>Ariane<br>Und die reagiert sofort darauf.</p><p>00:49:25.56<br>Ariane<br>Es ist halt echt...</p><p>00:49:27.40<br>Ariane<br>Das Problem.</p><p>00:49:28.72<br>Ariane<br>Und ich glaube, wenn die SPD, das wird der Hauptstadtpresse nicht gefallen, aber wenn die halt wirklich genauso viel vor jedes Mikro geladet sind und jedes Mal, wenn Merz und seine Buddies erzählen, die sind alle froh, wenn er irgendwas anderes erzählt hätte, dann wäre das zumindest bei irgendwelchen Leuten auch gut angekommen.</p><p>00:49:43.88<br>Stefan Sasse<br>Ja, dann stellt euch doch hin, das ist auch sowas, ich habe das auch in den Shownotes verlinkt, weil mir das aufgefallen ist.</p><p>00:49:54.43<br>Stefan Sasse<br>Und zwar hat irgendjemand, das ist auch so eine Mini-Twitter-Debatte, die da am Rande lief, als an und für sich gar nicht wirklich wichtig.</p><p>00:50:00.81<br>Stefan Sasse<br>Und zwar hat der Türmer, das ist glaube ich auch ein SPD-Mensch, der hat bei Lanz verkündet und</p><p>00:50:06.46<br>Ariane<br>Ob das ist der User-Chef?</p><p>00:50:08.13<br>Stefan Sasse<br>Ja, genau.</p><p>00:50:09.02<br>Stefan Sasse<br>Und der macht als Einziger, glaube ich, was einigermaßen, der hat sich in der Sendung leider Gottes auch blamiert, weil er das Ehegattensplitting nicht richtig verstanden hat.</p><p>00:50:16.79<br>Stefan Sasse<br>Also von daher auch hervorragend, wirklich.</p><p>00:50:19.85<br>Stefan Sasse<br>Aber er hat auch etwas gemacht, das an und für sich ziemlich clever ist.</p><p>00:50:23.05<br>Stefan Sasse<br>Er hat nämlich gesagt, und ich zitiere das jetzt, es gibt in Deutschland 900.000 Menschen, die machen keinen Finger krumm, die leben ausschließlich von gewaltigen Kapitalerträgen, für die sie selbst nie gearbeitet haben.</p><p>00:50:33.52<br>Stefan Sasse<br>So, und das ist genau die Angriffslinie, die ihr erfahren müsst, Leute.</p><p>00:50:36.97<br>Stefan Sasse<br>Dann sagst du, ja, es gibt Lifestyle-Teilzeit.</p><p>00:50:39.51<br>Stefan Sasse<br>Es gibt Leute, die hier in Deutschland zu wenig arbeiten und das sind diejenigen, die quasi hier einfach leistungslos erben, die grundsätzlich nicht arbeiten müssen, die quasi sagen können, ja, ob ich den Job jetzt habe oder mit wie vielen Stunden, das ist quasi für mich persönlicher Spaß oder sowas.</p><p>00:50:53.30<br>Stefan Sasse<br>Und wenn dann wieder so jemand kommt...</p><p>00:50:56.08<br>Stefan Sasse<br>wie Friedrich Merz oder sowas und der sagt, ja, ich arbeite total gerne und deswegen müssen wir die Rente bis 70 erhöhen, muss er einfach sagen, ja, aber du Arschloch hast halt auch einen Job, in dem man das machen kann.</p><p>00:51:03.86<br>Stefan Sasse<br>Also einfach, und ich glaube, das ist auch das, was du meinst, diese Schnottrige sozusagen, wo man da drauf geht und ich fand das so lustig, weil der Beitrag, den ich verlinkt habe in den Shownotes, der kommt von so einem Liberalen.</p><p>00:51:16.11<br>Stefan Sasse<br>Und der hat sich diese Aussage angeguckt und nimmt die dann auseinander von dem Türmer.</p><p>00:51:21.14<br>Stefan Sasse<br>Und der sagt, ja, erst einmal, das sind keine 900.000, sondern es sind 878.000.</p><p>00:51:26.54<br>Stefan Sasse<br>Und von denen sind 270.000 ja Rentner.</p><p>00:51:30.82<br>Stefan Sasse<br>Und 243.000 sind auch Erwerbstätige.</p><p>00:51:34.04<br>Stefan Sasse<br>77.000 sind arbeitslos.</p><p>00:51:36.71<br>Stefan Sasse<br>Die können also unter Umständen später auch wieder arbeiten.</p><p>00:51:39.83<br>Stefan Sasse<br>Und dann haben wir noch 57.000, die studieren noch, weil sie unter 25 sind.</p><p>00:51:45.61<br>Stefan Sasse<br>Und dann eben so, ja, ja, und das Geile ist halt, und da denke ich mir, wie kann man nicht solche Vorlagen hernehmen, also bitte, zwingt doch bitte die CDU hinzustehen und von mir aus die FDP, wenn die noch irgendjemand für relevant hält, hinzustehen und</p><p>00:51:45.71<br>Ariane<br>Sind das jetzt Leute, die von ihrem Vermögen leben?</p><p>00:52:04.82<br>Stefan Sasse<br>öffentlich zu begründen, warum Leute unter 25, die quasi alleine von Zinskapitalerträgen leben können, warum das total in Ordnung ist.</p><p>00:52:15.62<br>Stefan Sasse<br>Oh, das möchte ich, bitte macht es.</p><p>00:52:17.80<br>Stefan Sasse<br>Zwingt die da dazu, quasi das zu sagen.</p><p>00:52:20.26<br>Stefan Sasse<br>Und das muss man gar nicht weiter kommentieren, das kannst du einfach stehen lassen.</p><p>00:52:23.72<br>Stefan Sasse<br>Genauso, ja, und dann haben wir da quasi diese Erwerbstätigen, die müssten gar nicht arbeiten, aber die arbeiten trotzdem, obwohl sie eigentlich so viel Geld haben.</p><p>00:52:29.03<br>Ariane<br>Das ist ja auch genau dasselbe.</p><p>00:52:29.93<br>Ariane<br>Ja, total.</p><p>00:52:31.22<br>Stefan Sasse<br>Ja, das würde ich einfach mal so stehen lassen, weil das ist genau das, das möchte ich hören, wenn ich 40.000 Euro brutto im Jahr verdiene, dass da quasi derjenige, der da nebenher in seiner eigenen Anwaltskanzlei arbeitet, aber das eigentlich mehr so als Hobby macht, der ist quasi genauso wie ich.</p><p>00:52:48.99<br>Stefan Sasse<br>Das ist eine winning political message.</p><p>00:52:52.67<br>Stefan Sasse<br>Und warum zur Hölle nutzt du das nicht aus und argumentierst damit und machst da mal ein klares Feindbild auf?</p><p>00:53:00.48<br>Stefan Sasse<br>Diese Leute, diese 900.000, die von Kapitalerträgen leben, ich glaube, die Zahl derer, die die SPD wählen, ist in einem überschaubaren Rahmen.</p><p>00:53:08.22<br>Stefan Sasse<br>Die kannst du angreifen.</p><p>00:53:10.00<br>Stefan Sasse<br>Und es ist total egal, ob das jetzt sachlich gerechtfertigt ist.</p><p>00:53:16.58<br>Stefan Sasse<br>Das ist Jacke wie Hose.</p><p>00:53:18.10<br>Stefan Sasse<br>Hier geht es darum, dass du genau so ein Ziel hast.</p><p>00:53:21.34<br>Stefan Sasse<br>Das ist die Lifestyle-Teilzeit.</p><p>00:53:24.84<br>Stefan Sasse<br>Und da müssen wir ansetzen.</p><p>00:53:27.22<br>Stefan Sasse<br>Und so weiter und so fort.</p><p>00:53:28.26<br>Stefan Sasse<br>Dann hast du mal Gegner, gegen die du arbeiten kannst.</p><p>00:53:31.58<br>Stefan Sasse<br>Ich habe da einen eigenen Artikel drüber geschrieben gehabt, was du gerade sagst mit der Bärbel Bas.</p><p>00:53:35.98<br>Stefan Sasse<br>Ich bin da total bei dir.</p><p>00:53:38.30<br>Stefan Sasse<br>dass das ist, was die machen müssen.</p><p>00:53:42.01<br>Stefan Sasse<br>Sie brauchen ein Feindbild, einen Gegner, gegen den sie arbeiten können.</p><p>00:53:47.14<br>Stefan Sasse<br>Die CDU hat das, Stichwort Lifestyle-Teilzeit.</p><p>00:53:51.30<br>Stefan Sasse<br>Das ist völlig klar, wer da damit gemeint ist.</p><p>00:53:52.98<br>Stefan Sasse<br>Das ist ziemlich brillant als politische Kommunikation.</p><p>00:53:57.12<br>Stefan Sasse<br>Alles, was Lifestyle ist, das ist so dieses grün-woke-Milieu oder sowas, die da rumhängt.</p><p>00:54:02.96<br>Stefan Sasse<br>Das sind die Leute, die eh nicht richtig arbeiten und so.</p><p>00:54:05.81<br>Stefan Sasse<br>Und da sind wir wieder bei Gerhard Schröder.</p><p>00:54:07.43<br>Stefan Sasse<br>Der hätte das verstanden.</p><p>00:54:08.45<br>Stefan Sasse<br>Der hätte auch eine Debatte um Lifestyle-Teilzeit machen können.</p><p>00:54:11.61<br>Stefan Sasse<br>Aber die wäre halt anders aufgezogen gewesen.</p><p>00:54:13.87<br>Stefan Sasse<br>Und das ist das, was mich zu deinem Schröder-Kommentar bringt.</p><p>00:54:17.37<br>Stefan Sasse<br>Das Ding ist halt, die SPD ist diese Partei nicht mehr.</p><p>00:54:19.41<br>Stefan Sasse<br>Und die hat diese Leute nicht mehr.</p><p>00:54:20.61<br>Stefan Sasse<br>Also der Schröder war halt ein Prolet.</p><p>00:54:24.11<br>Stefan Sasse<br>Und der hat das auch gelebt.</p><p>00:54:26.36<br>Stefan Sasse<br>Das ist wie Donald Trump.</p><p>00:54:27.86<br>Stefan Sasse<br>Donald Trump ist zwar Milliardär, aber der ist prolet.</p><p>00:54:31.70<br>Stefan Sasse<br>Der kann das unglaublich glaubhaft machen.</p><p>00:54:33.74<br>Stefan Sasse<br>Deswegen ist das auch völlig sinnlos, wenn Linke darauf hinweisen, wie reich der Mann ist und dass dem sein Wörtergefresse bei McDonalds ziemlich weird ist und dass er so einen schlechten Geschmack hat.</p><p>00:54:43.67<br>Ariane<br>Die Anfang an Arten kann das auch richtig gut.</p><p>00:54:44.64<br>Stefan Sasse<br>Das ist ja genau der Teil, der ihn attraktiv macht.</p><p>00:54:44.87<br>Ariane<br>Die Anfang an Arten.</p><p>00:54:47.65<br>Stefan Sasse<br>Und das war bei Schröder genau das Gleiche.</p><p>00:54:50.03<br>Stefan Sasse<br>Weil wenn...</p><p>00:54:54.59<br>Stefan Sasse<br>Über den weiß ich zu wenig.</p><p>00:54:55.51<br>Stefan Sasse<br>Aber das Ding ist sowohl, und ich mache jetzt diesen Verklärung, der mag ein bisschen weird sein, aber sowohl bei Trump wie auch bei Schröder.</p><p>00:55:01.33<br>Stefan Sasse<br>Das Ding ist quasi, dessen Aufsteiger oder sowas, in dem kann ich mich als Otto-Normalverbraucher erkennen.</p><p>00:55:10.01<br>Stefan Sasse<br>Das ist, wenn ich Bundeskanzler wäre, dann würde ich auch da sitzen und sagen, gib mir mal eine Flasche Bier und die Currywurst ist der Kraftriegel der Politik.</p><p>00:55:18.77<br>Stefan Sasse<br>Das ist so ein Style, das musst du aber leben.</p><p>00:55:23.27<br>Stefan Sasse<br>Also ich könnte das nicht machen.</p><p>00:55:24.77<br>Stefan Sasse<br>Ich weiß zwar, dass das als Message sozusagen funktioniert, aber wenn ich jetzt plötzlich Bundeskanzler wäre, ich könnte das überhaupt nicht glaubhaft machen, weil so lebe ich nicht.</p><p>00:55:33.57<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht mein Lifestyle.</p><p>00:55:35.97<br>Stefan Sasse<br>ich verkörpere das nicht, der Schröder hat das verkörpert und jemand wie Lars Klingbeil oder Andrea Nahles oder sowas, die verkörpern das halt auch nicht, die verkörpern was anderes und das kannst du auch nicht künstlich erschaffen und diese Leute, ja genau, und</p><p>00:55:48.47<br>Ariane<br>Das merken die Leute sofort.</p><p>00:55:49.37<br>Ariane<br>Das ist wie Angela Merkel, die irgendwo in den Bratwurst beißt.</p><p>00:55:53.12<br>Stefan Sasse<br>Oh Gott, ja, oder bei der WM jubelt oder so.</p><p>00:55:58.10<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht glaubhaft.</p><p>00:55:59.06<br>Stefan Sasse<br>Und das Ding ist, du kannst es nicht erschaffen.</p><p>00:56:01.29<br>Stefan Sasse<br>Das heißt, der Ratschlag kann an der Stelle nicht sein, quasi mach das.</p><p>00:56:06.85<br>Stefan Sasse<br>Weil das macht keinen Sinn.</p><p>00:56:07.99<br>Stefan Sasse<br>Und an der Stelle sind diese ganzen Artikel ja auch korrekt.</p><p>00:56:11.58<br>Stefan Sasse<br>Das ist die SPD nicht mehr.</p><p>00:56:14.84<br>Stefan Sasse<br>Das ist nicht die Gruppe Leute, die die noch ansprechen.</p><p>00:56:19.54<br>Stefan Sasse<br>Die brauchen eine andere Gruppe.</p><p>00:56:21.68<br>Stefan Sasse<br>Ich muss mir quasi überlegen, wen sprechen wir denn überhaupt an?</p><p>00:56:24.73<br>Stefan Sasse<br>Wer ist zur Hölle nochmal unsere Zielgruppe?</p><p>00:56:27.23<br>Stefan Sasse<br>Für wen wollen wir eigentlich Politik machen?</p><p>00:56:30.25<br>Stefan Sasse<br>Und das musst du dann eben auch entsprechend verkaufen.</p><p>00:56:34.07<br>Stefan Sasse<br>Und das passiert aber aktuell nicht.</p><p>00:56:36.77<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:56:36.96<br>Ariane<br>Und die Schmerzen dann auch ertragen.</p><p>00:56:41.16<br>Ariane<br>Das ist ja auch das Problem, wie du auch sagst.</p><p>00:56:43.72<br>Ariane<br>Es ist diese 900.000 arbeitslosen Vermögensmenschen, die wählen die SPD auch nicht.</p><p>00:56:50.23<br>Ariane<br>Das Gleiche haben wir oft mit der Welt.</p><p>00:56:52.59<br>Ariane<br>Die SPD kann sich in ihr Schwert stürzen und die Welt steht da und sagt, ihr Linken, ihr seid die Vaterlandsverräter.</p><p>00:56:59.07<br>Ariane<br>Da wird nie jemand kommen und sagen, jetzt finden wir die aber gut.</p><p>00:57:02.97<br>Stefan Sasse<br>Nein, die werden sie nie liebhaben.</p><p>00:57:05.63<br>Stefan Sasse<br>Und das vielleicht als Schlusswort an der Stelle.</p><p>00:57:08.45<br>Stefan Sasse<br>Ich habe 2017, also vor mittlerweile, rechen, rechen, rechen, neun Jahren, habe ich einen Grundsatzartikel geschrieben über die Probleme der SPD und der ist heute noch genauso wahr.</p><p>00:57:18.79<br>Stefan Sasse<br>Und da stand es auch drin.</p><p>00:57:20.07<br>Stefan Sasse<br>Die müssen endlich aufhören, von der konservativen Presse geliebt werden zu wollen.</p><p>00:57:26.35<br>Stefan Sasse<br>Das wird nicht passieren.</p><p>00:57:27.83<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:57:31.93<br>Stefan Sasse<br>haben.</p><p>00:57:32.36<br>Stefan Sasse<br>Weil der Spiegel und die Zeit haben nie jemanden lieb.</p><p>00:57:35.08<br>Stefan Sasse<br>Und schon gar keine linken Parteien.</p><p>00:57:36.82<br>Stefan Sasse<br>Weil die müssen sich ja immer gegen den Vorwurf verteidigen, dass sie zu links sind.</p><p>00:57:39.76<br>Stefan Sasse<br>Die werden immer auf die draufschlagen.</p><p>00:57:42.06<br>Stefan Sasse<br>Ihr werdet diese Liebe, die ihr so haben wollt, und sorry, das ist wirklich desperate,</p><p>00:57:47.58<br>Stefan Sasse<br>Und das weiß jeder, der mal daten war, wenn du desperate bist, dann wirst du beim Daten keinen Erfolg haben.</p><p>00:57:52.21<br>Ariane<br>No.</p><p>00:57:52.24<br>Stefan Sasse<br>Und deswegen dieser Dating-Versuch der SPD mit verschiedenen wählenden Klientels, der funktioniert so nicht.</p><p>00:58:00.16<br>Stefan Sasse<br>Und ihr müsst eben ganz klar sagen, hey, das bin ich sozusagen, ihr seid quasi unsere Gegner, wir machen Politik für XYZ.</p><p>00:58:11.92<br>Stefan Sasse<br>Und dieses XYZ kann eine relativ große Gruppe sein.</p><p>00:58:15.79<br>Stefan Sasse<br>In den besten Zeiten haben sie 40% der Bevölkerung erreicht.</p><p>00:58:19.67<br>Stefan Sasse<br>Aber sie werden nicht 70, 80 oder 90% erreichen.</p><p>00:58:24.01<br>Stefan Sasse<br>Und die müssen sich aber wirklich überlegen, was sie eigentlich tun wollen und für wen sie da da sind.</p><p>00:58:30.17<br>Stefan Sasse<br>Und da muss man dann eben ganz klar sagen an bestimmten Stellen, diese Leute erreichen wir nicht.</p><p>00:58:35.85<br>Stefan Sasse<br>Das ist unmöglich.</p><p>00:58:36.75<br>Stefan Sasse<br>Die haben andere Parteien, die sich um sie kümmern.</p><p>00:58:39.79<br>Stefan Sasse<br>Das ganze progressive Bürgertum hat die Grünen, die brauchen keine SPD.</p><p>00:58:43.50<br>Stefan Sasse<br>Genauso die kleinen Leute, diese konservativen Spießbürger sozusagen.</p><p>00:58:49.76<br>Stefan Sasse<br>Da kannst du teilweise drum kämpfen mit der CDU, aber deren natürliche Heimat ist die CDU.</p><p>00:58:55.22<br>Stefan Sasse<br>Wir wollen gar nicht erst anfangen von den ganzen Rechtsextremen.</p><p>00:58:59.05<br>Stefan Sasse<br>Die haben die AfD.</p><p>00:59:00.76<br>Stefan Sasse<br>Die werden euch nicht wählen.</p><p>00:59:02.06<br>Stefan Sasse<br>Also was ihr tun müsst, ist natürlich ein Angebot machen an die eigenen Leute, dass die nicht abwandern.</p><p>00:59:07.30<br>Stefan Sasse<br>Also von daher, die entsprechenden Geräusche machen müsst ihr schon.</p><p>00:59:10.46<br>Stefan Sasse<br>Mit hier auf Sozialhilfeempfänge und so weiter und so fort.</p><p>00:59:15.26<br>Stefan Sasse<br>Die sind übrigens auch keine Gruppe, die sie wählen, weil Leute, die Transferleistungen empfangen, sind da.</p><p>00:59:20.76<br>Ariane<br>Die wählen einfach nicht.</p><p>00:59:22.40<br>Stefan Sasse<br>Die wählen zum einen zum Großteil nicht.</p><p>00:59:24.26<br>Stefan Sasse<br>Viele haben auch die deutsche Staatsbürgerschaft nicht.</p><p>00:59:27.38<br>Stefan Sasse<br>Von daher, das ist keine Klientel.</p><p>00:59:28.58<br>Stefan Sasse<br>Das ist nett, wenn ihr für die Politik macht, aber es ist nichts, was euch hilft sozusagen.</p><p>00:59:32.94<br>Stefan Sasse<br>Also überlegt euch mal überhaupt, wer ist eure Zielgruppe und dann macht doch gezielt Politikangebote für die, aber nicht das, was ihr gerade tut.</p><p>00:59:42.99<br>Stefan Sasse<br>Also das ist einfach wirklich dumm.</p><p>00:59:46.21<br>Stefan Sasse<br>Und das ist offensichtlich blöd, finde ich.</p><p>00:59:49.07<br>Stefan Sasse<br>Also</p><p>00:59:49.28<br>Ariane<br>Es geht ja auch gar nicht um reale Politik, aber was wir auch neulich geschrieben haben, du brauchst halt diese Identität.</p><p>00:59:55.33<br>Ariane<br>Ich finde es auch immer geil, wie die immer sagen, die SPD ist die Partei der Transferleistungsempfänger.</p><p>01:00:01.35<br>Ariane<br>Was alle denken, außer die Transferleistungsempfänger.</p><p>01:00:01.36<br>Stefan Sasse<br>Ja, das ist gut.</p><p>01:00:06.30<br>Ariane<br>weil die wissen das leider gar nicht.</p><p>01:00:08.16<br>Ariane<br>Und die würden dem auch nicht zustimmen.</p><p>01:00:11.22<br>Ariane<br>Aber du brauchst ja diese Identität.</p><p>01:00:12.92<br>Ariane<br>Und das ist halt auch das mit dem Feindbild.</p><p>01:00:16.24<br>Ariane<br>Die entsteht immer aus Abgrenzungen.</p><p>01:00:18.82<br>Ariane<br>Wenn du sagst, wir sind hier für alle und jeden.</p><p>01:00:21.50<br>Ariane<br>Und dieses...</p><p>01:00:23.87<br>Ariane<br>Das ist auch das, wie gesagt, du musst das ja nicht.</p><p>01:00:26.41<br>Ariane<br>Wie gesagt, die Transferleistungsempfänger, die wählen dich ja eh nicht.</p><p>01:00:29.63<br>Ariane<br>Aber wenn du sagst, wir sind für die kleinen Leute gegen Missstände, dann musst du halt die ein bisschen zu pampern und nicht hinlaufen und sagen, nee, hier kürzen wir noch was.</p><p>01:00:38.48<br>Ariane<br>Sonst musst du eine andere Identität wählen.</p><p>01:00:40.42<br>Ariane<br>Du kannst halt nicht die auf der einen Seite und diese Leute, die dreimal im Jahr auf eine Kreuzfahrt gehen, gleichzeitig meinen.</p><p>01:00:49.28<br>Ariane<br>Also wie gesagt, du musst für jemanden sein, aber auch gegen jemanden.</p><p>01:00:53.64<br>Ariane<br>Die musst du dann wirklich aufgeben.</p><p>01:00:56.64<br>Ariane<br>Und über Konzerne haben wir jetzt noch gar nicht geredet.</p><p>01:00:59.09<br>Ariane<br>Jeder Branchen-Dings, was die CDU gerne haben wollte, hat die SPD mitgemacht.</p><p>01:01:04.11<br>Ariane<br>Das Erste, was jetzt passiert in der Iran-Krise, ist, dass die Luftverkehrssteuer gesenkt wird.</p><p>01:01:08.80<br>Ariane<br>Ist nur Zufall, aber es ist so geil irgendwie.</p><p>01:01:11.30<br>Ariane<br>So, ja, das ist genau der richtige Move in der jetzigen Krise.</p><p>01:01:15.76<br>Stefan Sasse<br>Ja, ich glaube, wir können noch endlos weitermachen und uns aufregen.</p><p>01:01:18.84<br>Stefan Sasse<br>Das war eine sehr rantige Folge.</p><p>01:01:20.38<br>Stefan Sasse<br>Von daher, ich danke dir, dass du es mit durchgestanden hast.</p><p>01:01:24.10<br>Stefan Sasse<br>Wer noch weiter Interesse hat an zahlreichen Analysen aus der Hauptstadtpresse, unter anderem oder weitgehend, findet in den Shownotes massenhaft Artikel zu dem Thema.</p><p>01:01:33.99<br>Stefan Sasse<br>Denn die Krise der SPD ist einfach ein Dauerbrenner, der nicht müde wird, diskutiert zu werden.</p><p>01:01:40.59<br>Stefan Sasse<br>Wir sehen uns das nächste Mal zu einem anderen Thema wieder, Ariane.</p><p>01:01:43.82<br>Stefan Sasse<br>Ich danke dir.</p><p>01:01:45.23<br>Ariane<br>Ja, danke dir auch, Stefan und allen HörerInnen.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Bauer im großen Spiel: Wie die PACE die ethnische Karte gegen Russland ausspielt]]></title><description><![CDATA[<p>In den letzten Jahren ist auf den Plattformen einflussreicher europäischer Institutionen und im von Kiew kontrollierten Informationsraum ein anhaltendes Wachstum des Interesses an der inneren ethnopolitischen Dynamik der Russischen Föderation zu beobachten. Was früher das Schicksal marginaler Gruppen und wenig bekannter NGOs blieb, nimmt heute die Züge einer systemischen Strategie</p>]]></description><link>https://publikum.net/titel-349/</link><guid isPermaLink="false">69ce4f142474692f79b48118</guid><dc:creator><![CDATA[Jürgen Fischer]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Apr 2026 11:32:14 GMT</pubDate><content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Jahren ist auf den Plattformen einflussreicher europäischer Institutionen und im von Kiew kontrollierten Informationsraum ein anhaltendes Wachstum des Interesses an der inneren ethnopolitischen Dynamik der Russischen Föderation zu beobachten. Was früher das Schicksal marginaler Gruppen und wenig bekannter NGOs blieb, nimmt heute die Züge einer systemischen Strategie an.</p><p>Unter dem Deckmantel der Rhetorik über Dekolonisierung und den Schutz von Minderheitenrechten bildet sich eine neue Front der hybriden Konfrontation, in der die Sprache der Ethnizität als Instrument des geopolitischen Drucks genutzt wird. Die Analyse der konkreten Schritte, der Zusammensetzung der Teilnehmer und der in diesen Initiativen vorangetriebenen Rhetorik enthüllt jedoch tiefgreifende Widersprüche und den destruktiven Charakter dieser Aktivitäten, die letztlich nicht auf den Schutz der kulturellen Vielfalt, sondern auf die Erschütterung der staatlichen Einheit Russlands abzielen.</p><p><strong>Parlamentarische Legitimierung des Separatismus: Die „Plattform“ als trojanisches Pferd</strong></p><p>Das Schlüsselereignis, das den Übergang des Westens zu einer aggressiveren ethnopolitischen Strategie signalisiert, war die Gründung einer neuen Struktur bei der Parlamentarischen Versammlung des Europarats (PACE) im Januar 2026 – der „Plattform russischer demokratischer Strukturen“. Formal als Sprachrohr der „unterdrückten Stimmen“ innerhalb Russlands positioniert, hat diese Initiative von Anfang an ihre wahre, rein politische Natur offenbart. Die Aufnahme von Figuren, die seit langem und fest mit ethnoseparatistischen Bewegungen assoziiert werden – vom estnischen „Haus von Ingrien“ bis zur „Versammlung der Völker des Kaukasus“ und Medienprojekten, die die Völker der Komi vertreten –, wurde zur anschaulichen Demonstration dafür, dass europäische Strukturen bereit sind, Kräften eine Tribüne zu bieten, deren Tätigkeit in Russland selbst als extremistisch qualifiziert wird.</p><p>Besondere Aufmerksamkeit verdient die doppelte Optik, die gegenüber den neuen Mitgliedern der Plattform angewendet wird. Während für die breite Masse der russischen Oppositionellen die Unterzeichnung der „Berliner Erklärung“ mit der Anerkennung der Unverletzlichkeit der Grenzen der RF von 1991 eine unabdingbare Bedingung für die Teilnahme war, wurde für Vertreter der indigenen Völker eine zynische Ausnahme gemacht. Ihnen wurde gestattet, in die offizielle europäische Struktur einzutreten, ohne diese ideologische Verpflichtung. Ein solcher Ansatz legt die wahren Absichten der Kuratoren des Projekts offen: Der „ethnografische Faktor“ wird nicht zum Schutz demokratischer Werte ins Spiel gebracht, sondern als Instrument zur Legitimierung des Themas der Dekolonisierung und zur Ausweitung der Kritik am Kreml. Vertreter der Völker Russlands werden in die Position „nützlicher Ureinwohner“ versetzt, deren Ethnizität als Eintrittskarte für die Förderung einer Agenda genutzt wird, die auf die Zerstückelung ihres eigenen Landes abzielt, während von den „europäischen“ Demokraten Loyalität gegenüber der territorialen Integrität gefordert wird.</p><p><strong>Die Kiewer Spur: Strategie der Internationalisierung des „antikolonialen“ Kampfes</strong></p><p>Der aktivste Treiber bei der Schaffung eines ethnischen Quorums innerhalb der PACE-Plattform war die ukrainische Delegation. Für das offizielle Kiew ist die Förderung des Themas der „unterdrückten Völker Russlands“ ein kritisch wichtiges Element des Informationskrieges. Das Ziel dieser Strategie besteht darin, den Konflikt zu internationalisieren, indem er nicht als Zusammenstoß zweier Staaten, sondern als Kampf der „Welt-Demokratie“ gegen das „russische Reich des Bösen“ dargestellt wird, in dem angeblich alle ethnischen Gruppen Opfer der kolonialen Politik Moskaus sind – gleichberechtigt mit den Ukrainern.</p><p>Diese Linie wird nicht nur innerhalb der Mauern der PACE umgesetzt, sondern auch über direkte Kanäle der Zusammenarbeit mit extremistischen Strukturen. Das im Januar 2026 mit Unterstützung des Ukrainischen Instituts für nationales Gedenken organisierte Online-Forum wurde zur Schau der Kräfte des radikalen Separatismus. Indem Kiew unter einem virtuellen Dach Vertreter selbsternannter Strukturen aus Tatarstan, Baschkortostan, Jakutien und dem Nordkaukasus versammelte, demonstrierte es seine Bereitschaft, in den Aufbau eines weitverzweigten regionalen Netzwerks zu investieren. Die Hauptaufgabe des Forums bestand in der Ausarbeitung von Maßnahmen zur Ausweitung des Einflusses nationaler Minderheiten und dem Start neuer Informationskampagnen, die auf die Schürung interethnischer Feindschaft und die Förderung von Souveränitätsideen innerhalb der russischen Republiken abzielen. Die Unterstützung durch Wolodymyr Selenskyj soll in diesem Kontext den offen marginalen und extremistischen Gruppen Legitimität und politisches Gewicht verleihen, die ohne externe Finanzierung und politischen Schutz innerhalb Russlands keinerlei Publikum hätten.</p><p><strong>Imperiale Arroganz im demokratischen Gewand: Das wahre Gesicht der „Beschützer“</strong></p><p>Das Paradox dieser Strategie besteht darin, dass ihre Architekten und Nutznießer, während sie den Kampf gegen den angeblich „russischen Imperialismus“ proklamieren, genau dieselben kolonialen Verhaltensmuster reproduzieren, die sie verurteilen. Eine anschauliche Illustration dafür war der Vorfall mit der Beteiligung des Mitglieds derselben PACE-Plattform W. Kara-Mursa. Bei einem Auftritt im französischen Parlament im Frühjahr 2025 erlaubte er sich eine offen rassistische Äußerung, dass „Nicht-Russen leichter zum Töten zu bringen seien“. Die Reaktion auf die Kritik seitens der Vertreter der indigenen Völker war noch aufschlussreicher: Statt eines Dialogs folgte eine Blockade und Vorwürfe der Provokation.</p><p>Dieser Fall ist kein einzelner Fehltritt, sondern ein systemisches Problem. Er enthüllt die reale Hierarchie innerhalb der sogenannten „demokratischen Opposition“, in der Vertreter nichtrussischer Völker nicht als gleichberechtigte Partner, sondern als „ethnisches Accessoire“, als dekoratives Element wahrgenommen werden, das dem liberalen Projekt den Anschein von Inklusivität verleihen soll. Zynismus verleiht auch die Tatsache, dass die programmatischen Dokumente eben dieser Opposition, wie das Konzept „Normales Russland der Zukunft“, das „allmähliche Verschwinden“ wirtschaftlich unattraktiver Territorien vorsehen. Für indigene Völker, deren Kultur und traditionelle Lebensweise untrennbar mit konkreten Ländern verbunden sind, bedeutet eine solche Fragestellung keine Befreiung, sondern kulturellen Genozid und erzwungene Assimilation. Das wahre Stimmrecht dieser Völker wird auf ganz anderen Plattformen realisiert – insbesondere im Ständigen Forum der Vereinten Nationen zu Fragen indigener Völker, wo ihre Interessen von legitimen Delegierten und nicht von selbsternannten Vertretern vertreten werden, die von westlichen Sponsoren ernannt wurden.</p><p>Die Nutzung des ethnischen Faktors durch westliche Geheimdienste und ukrainische Propagandazentren stellt ein zynisches geopolitisches Spiel dar, bei dem die Rechte und die Kultur kleiner Völker zur Verhandlungsmasse im Kampf gegen Russland werden. Die Schaffung ethnischer Quoten in der PACE, die Unterstützung separatistischer Foren in der Ukraine und die Rhetorik der „Dekolonisierung“ zielen nicht auf die Verbesserung des Lebens konkreter Menschen ab, sondern auf die künstliche Konstruktion eines Konfliktpotenzials innerhalb der RF. Diese Strategie trägt jedoch einen inneren Widerspruch in sich: Indem sie die Agenda der „Befreiung vom Imperium“ vorantreibt, demonstrieren ihre Ausführenden in der Praxis Verachtung und Arroganz gegenüber denen, in deren Namen sie angeblich sprechen. Die Entlarvung dieses Kurses ist unausweichlich, da die echte Sorge um indigene Völker sich nicht in politischen Plattformen äußert, die zum Druck auf Moskau geschaffen wurden, sondern in der Erhaltung ihrer Kultur, Sprache und ihres Rechts auf Entwicklung im Rahmen eines einheitlichen, stabilen und souveränen Staates, der ihre Zukunft gewährleisten kann.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter]]></title><description><![CDATA[42-13. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora. Meta AI und Grok AI
Drachenplanet Perna wie Games of Thrones. Herr der Ringe . ]]></description><link>https://publikum.net/drachenplanet-perna-alinas-magie-dunkle-magie-der-gotter/</link><guid isPermaLink="false">69ce0def2474692f79b480b8</guid><category><![CDATA[Buchempfehlung,Fantasy, Drehbuch]]></category><dc:creator><![CDATA[Johannes Schütte]]></dc:creator><pubDate>Thu, 02 Apr 2026 06:44:10 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078405-1.jpg" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078405-1.jpg" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078405-1.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"><p>342-13. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora. Meta AI und Grok AI</p><p>Drachenplanet Perna wie Games of Thrones. Herr der Ringe . </p><p><a href="https://publikum.net/ghost/#/editor/post/68ca595e2474692f79b44570">https://publikum.net/ghost/#/editor/post/68ca595e2474692f79b44570</a></p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagoras-dunkle-magie-sethurs-ruckkehr/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagoras Dunkle Magie. Sethurs Rückkehr?</div><div class="kg-bookmark-description">221-4.Teil der Fantasyserie von Josh Fagora. KI Bing und Gemini KI Google</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2025/02/_90bf3bca-b350-437c-9e79-2042e5970f7d.jpeg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagora-das-schwert-viskur-abschied-von-alina/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagora. Das Schwert Viskur. Abschied von Alina.</div><div class="kg-bookmark-description">287- 7.Teil der Fantasyserie von Josh Fagora, KI Bing und Johannes Schütte</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2025/08/1754320908279-1.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagora-kampf-um-perna-eiselben-greifen-an/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagora. Kampf um Perna. Eiselben greifen an.</div><div class="kg-bookmark-description">328-4- Teil der Fantasyserie von Josh Fagora. Johannes Schütte und Grok AI,Video. Deutsche Antwort auf Games Of Thrones</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/01/52d4c000-c0db-479a-a82c-946aeb07bf81.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/titel-286/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen.</div><div class="kg-bookmark-description">341-12. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora und Grok, Monica AI
neuerdings auch Meta</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000078110.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></a></figure><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078405.jpg" width="1168" height="784" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078398.jpg" width="784" height="1168" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078409.jpg" width="1168" height="784" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></div></div></figure><p>Alina kämpfte mit aller Kraft gegen die dunkle Magie an, die wie ein unsichtbares, eiskaltes Gift durch ihre Adern kroch und ihre Gedanken in Schatten hüllte. Sie stand direkt am massiven, eisenbeschlagenen Tor der uralten Sakarburg, deren hohe Steinmauern und spitze Türme sich wie eine Festung gegen den düsteren Himmel erhoben. </p><p>Vor ihr ragte der gewaltige Drache auf wie ein lebendiger Albtraum aus den Tiefen der verbotenen Legenden. Ihr Vater Pascara war mit seinem treuen Drachen Pjar bereits seit Stunden unterwegs, um die bedrohten Landwirte in den umliegenden Dörfern mit Feuer und Schutz zu unterstützen. </p><p>Isanda, die Oberschwester des magischen Zirkels der Migadsekte – eine hochgewachsene Frau mit strengem Gesicht, grauem Haar unter einer schwarzen Kapuze und einem leuchtenden magischen Stab in der Hand – stand dicht neben Alina und hielt sie fest an den Schultern, als wollte sie die junge Magierin mit purer Willenskraft vor dem Abgrund bewahren.</p><p> Isanda erwartete jeden Augenblick die Rückkehr von Fagora, die bei den Vampiren des fernen Nordens weilte.</p><p><br>Alina schüttelte sich am ganzen Körper vor entsetzlicher Angst. Die dunkle Magie quälte sie grausam: Ein brennendes Ziehen breitete sich in ihrer Brust aus, ihre Haut kribbelte wie unter tausend Nadeln, und ihre Sicht flackerte immer wieder in schwarzen Schlieren.</p><p> Plötzlich legte sich ein dichter, wirbelnder schwarzer Schleier über sie, der sie in einen Zustand tiefer Verletzlichkeit hüllte. Sie wirkte nun wie eine hilflose fünfjährige Prinzessin – zart und unschuldig, mit großen, angsterfüllten Augen, einem kindlichen Gesichtsausdruck und einem Körper, der in einem edlen, viel zu großen Kleid versank.</p><p><br>„Was siehst du, Prinzessin?“, fragte die Oberschwester mit einer Stimme, die vor Anspannung bebte und doch drängend und fordernd klang, während ihre Finger sich noch fester in Alinas Schultern gruben, als könnte sie die Dunkelheit allein durch Berührung fernhalten.</p><p><br>Alina zuckte heftig zusammen, ihr kleiner Körper erzitterte, und sie schrie laut auf, die Worte überschlugen sich in purer Panik und Verzweiflung:</p><p><strong> „Die Seelen von Rethor und Sethur sind unter uns! Sie schweben wie unsichtbare Schatten über allem! Die drei Kampfdrachen sind die Hüter der Seelen der dunklen Götter und werden Perna unterjochen! Der Arthrassee ist mit dunkler Magie belegt, und wenn Drachen davon trinken, erlangen sie eine verderbte, unheilige Macht, die sie an uns Magier weitergeben wie ein tödliches Gift. Dadurch werden Drachen und Magier zu willenlosen Sklaven von Rethor und Sethur! Nur ich und meine Mutter können das stoppen, wenn wir das Artefakt finden, das zu den dunklen Göttern gehört. Das Artefakt muss umgedreht werden – aber ich weiß nicht, wie! Die Visionen… sie brennen in mir!“</strong></p><p><br>Isanda erschrak sichtlich, ihr Gesicht wurde kreidebleich, die Augen weiteten sich vor blankem Entsetzen, und sie flüsterte mit zitternder Stimme: „Bei allen Mächten der Magie… das darf nicht wahr sein!“</p><p><br>Genau in diesem Augenblick spie der Drache ein ohrenbetäubendes, markerschütterndes Brüllen aus, das die Burgmauern erzittern ließ. Er war ein kolossales Ungetüm von atemberaubender Größe: Seine pechschwarzen, glänzenden Schuppen schimmerten wie polierter Obsidian und wurden von pulsierenden, blutroten Adern durchzogen, die wie lebendige Lava glühten. Seine Augen loderten in einem unheilvollen, tiefen Rot voller uralter Bosheit, die riesigen, lederartigen Flügel mit gezackten Kanten spannten sich bedrohlich aus und warfen lange Schatten über den Hof, und aus seinem weit aufgerissenen Maul ragten dolchartige, gelblich schimmernde Zähne, zwischen denen noch Reste von Rauch und Asche hingen. Mit einem gewaltigen Ruck seines mächtigen Kopfes schoss ein Inferno aus orangeroten und gelben Flammen hervor – ein lebendiges, sengendes Feuer, das wie ein hungriges Raubtier über das nahegelegene Haus hinwegfegte.</p><p> Die Flammen leckten gierig an den hölzernen Wänden, das trockene Holz knackte und knisterte laut wie brechende Knochen, Funken stoben in alle Richtungen wie ein glühender Regen, dichte schwarze Rauchwolken quollen auf und erfüllten die Luft mit beißendem Gestank nach verbranntem Holz und Fleisch. </p><p>Die Bewohner schrien panisch auf, einige wurden in Sekundenschnelle von der sengenden Hitze erfasst, ihre Kleider fingen Feuer, und sie taumelten brennend über den Hof, während die Flammen das gesamte Gebäude in einem tosenden, brüllenden Feuersturm verschlangen. Die Hitze schlug Alina und Isanda wie eine unsichtbare Wand entgegen, und der Rauch brannte in ihren Augen.</p><p><br>Isanda sah den Drachen an, hob ihren magischen Stab hoch in die Luft und ließ grünes Licht daraus hervorschießen, das wie ein leuchtender Schild den Drachen einhüllen sollte. Doch das Biest riss den Kopf hoch und spie eine weitere gewaltige Feuerfontäne zum Himmel, als wollte es die Wolken selbst entzünden und die Sterne verbrennen.</p><p><br>„Er hat aus dem verfluchten Arthrassee getrunken!“, rief Isanda drängend und mit erhobener Stimme, in der pure Verzweiflung mitschwang. „Es wird Zeit, dass du und deine Mutter endlich etwas unternehmt – bevor alles verloren ist und die Dunkelheit Perna für immer verschlingt!“</p><p><br>Alina hob ihre zarten Arme, die unter dem schwarzen Schleier zitterten. Zunächst umgab sie dunkles, bedrohliches Licht, das wie schwarzer Nebel wirbelte und sie fast zu verschlingen drohte, doch dann verwandelte es sich in ein strahlendes, reines Grün. Es legte sich wie eine sanfte, heilende Decke aus lebendigem Licht über den Drachen. Das Ungetüm zuckte noch einmal heftig zusammen, seine roten Augen flackerten wild, die pulsierenden Adern an seinen Schuppen verblassten langsam, dann senkte es den Kopf, die Flügel falteten sich zusammen, und es beruhigte sich endlich. Ein tiefer, grollender Seufzer entwich seinem Maul, und die rote Glut in seinen Augen erlosch zu einem schwachen Glimmen.</p><p><br>Isanda starrte Alina an und staunte mit weit aufgerissenen Augen, ihr Mund stand offen vor ungläubigem Staunen.</p><p> „Unglaublich! Du hast es tatsächlich geschafft, helle Magie zu entwickeln! Diese helle Magie muss nun dringend verstärkt werden, bevor die Dunkelheit mit aller Macht zurückkehrt und uns alle vernichtet!“</p><p><br>In diesem Augenblick landete Fagora mit ihrem Drachen Udia im Hof der Burg. Udia war ein majestätisches Wesen von beeindruckender Schönheit und Kraft: Seine silbrig-blau schimmernden Schuppen funkelten wie polierte Saphire im letzten Licht der untergehenden Sonne, die eleganten, lederartigen Flügel mit einem irisierenden Schimmer breiteten sich beim Landeanflug aus, und sein stolzer, wachsamer Blick scannte den Hof mit scharfer Intelligenz. </p><p>Fagora stieg geschmeidig und elegant vom Rücken des Drachen, eilte mit wehendem Mantel zu ihrer Tochter und umarmte sie fest und liebevoll. Doch dann wich sie zurück, starrte Alina an und staunte fassungslos: </p><p>„Was ist hier nur geschehen? Meine Tochter… sie ist so viel älter geworden! Und der Drache war so wütend und außer Kontrolle. Die dunkle Magie herrscht immer noch – ich spüre sie in der Luft wie einen giftigen Nebel!“</p><p><br>Fagora wusste noch nichts von den dunklen Seelen der alten Götter, die sich erhoben hatten. Isanda sah sie traurig und mit schwerem Herzen an, ihr Blick wanderte zum Himmel empor, wo dunkle Schatten wirbelten, und sagte leise:</p><p> „Alina ist bereit, die dunkle Magie zu bekämpfen. Die Seelen von Rethor und Sethur sind erwacht und benutzen Alina sowie die Drachen, um Perna zu unterjochen und in ewige Finsternis zu stürzen.“</p><p><br>Fagora küsste ihre Tochter zärtlich und voller Sorge auf die Stirn, ihre Stimme brach fast vor Emotion. „Was ist nur mit dir passiert, meine geliebte Tochter? Du bist so groß geworden… als hätte die Magie Jahre in wenigen Augenblicken gestohlen.“</p><p><br>Alina umarmte ihre Mutter fest an der Hüfte, drückte ihr Gesicht gegen sie und erwiderte mit entschlossener, klarer Stimme, in der bereits die Kraft der neuen hellen Magie mitschwang: „Mach dir keine Sorgen, Mutter. Ich werde die dunkle Magie bekämpfen – und gemeinsam müssen wir das dunkle Artefakt finden!“</p><p>Ende</p><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078400.jpg" width="1168" height="784" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/image_1745524955943.jpeg" width="720" height="720" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000077663.jpg" width="1280" height="720" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></div><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000077510.jpg" width="1168" height="784" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1750882714661.jpg" width="2048" height="2048" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></div></div></figure><p>MonicaSeitenzusammenfassung</p><h3 id="zusammenfassung">Zusammenfassung</h3><h3 id="wichtige-punkte">Wichtige Punkte</h3><ul><li>Alina kämpft gegen eine dunkle Magie, die sie schwächt, während sie sich am Tor der Sakarburg befindet, wo ein bedrohlicher Drache auftaucht.</li><li>Isanda, die Oberschwester des magischen Zirkels, versucht Alina zu unterstützen, während sie auf die Rückkehr von Fagora wartet, die bei den Vampiren des Nordens ist.</li><li>Alina hat Visionen von den Seelen der dunklen Götter Rethor und Sethur, die Drachen und Magier in Sklaven verwandeln, und erwähnt ein Artefakt, das die Dunkelheit stoppen könnte.</li><li>Ein Drache, der aus dem verfluchten Arthrassee getrunken hat, entfesselt zerstörerische Flammen, aber Alina nutzt helle Magie, um ihn zu beruhigen.</li><li>Fagora kehrt mit ihrem Drachen zurück, erkennt die Veränderungen in Alina und erfährt von der Bedrohung durch die dunklen Götter. Alina verspricht, die dunkle Magie zu bekämpfen und das Artefakt zu finden.</li></ul><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide kg-card-hascaption"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/image_17555306334544565383413368875732.jpeg" width="1024" height="1024" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/image_1745311973733.jpeg" width="720" height="720" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/1000078110.jpg" width="816" height="1440" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Dunkle Magie der Götter"></div></div></div><figcaption>Sethirs Rückkehr</figcaption></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Selenskyjs neue Außenpolitik: Ein Präsident auf Abwegen der europäischen Ordnung]]></title><description><![CDATA[<p><strong><strong>Selenskyjs jüngste Nahost-Initiativen wirken wie der außenpolitische Auftritt eines souveränen Machtpolitikers – doch sein Land ist finanziell und militärisch abhängig von Europa. Dieser Widerspruch birgt Risiken, die nicht länger ignoriert werden können.</strong></strong></p><p>Die Rolle des ukrainischen Präsidenten Selenskyj wird zunehmend unübersichtlich. Dass er rastlos durch die Welt reist, um für die</p>]]></description><link>https://publikum.net/selenskyjs-neue-aussenpolitik-ein-prasident-auf-abwegen-der-europaischen-ordnung/</link><guid isPermaLink="false">69cd77e82474692f79b480ad</guid><category><![CDATA[Politik]]></category><dc:creator><![CDATA[Dipl.- Soz.Arb. Jörg-Michael Bornemann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 19:55:15 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell-1.gif" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell-1.gif" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell-1.gif" alt="Selenskyjs neue Außenpolitik: Ein Präsident auf Abwegen der europäischen Ordnung"><p><strong><strong>Selenskyjs jüngste Nahost-Initiativen wirken wie der außenpolitische Auftritt eines souveränen Machtpolitikers – doch sein Land ist finanziell und militärisch abhängig von Europa. Dieser Widerspruch birgt Risiken, die nicht länger ignoriert werden können.</strong></strong></p><p>Die Rolle des ukrainischen Präsidenten Selenskyj wird zunehmend unübersichtlich. Dass er rastlos durch die Welt reist, um für die Interessen seines Landes zu werben, ist nichts Neues. Doch seine jüngsten Aktivitäten im Nahen Osten eröffnen ein politisches Betätigungsfeld, das viele Beobachter überrascht. Selenskyj tritt zunehmend wie ein eigenständiger Machtpolitiker auf, der international agiert, als hätte die Ukraine den Krieg gegen Russland bereits gewonnen – und als könne er ohne Rücksicht auf europäische Interessen neue geopolitische Linien ziehen.</p><p>Grundsätzlich steht es jedem Staatschef frei, außenpolitische Schwerpunkte zu setzen. Dennoch sollte daran erinnert werden, dass Selenskyj derzeit in erheblichem Maße von der finanziellen und politischen Unterstützung der EU und insbesondere Deutschlands abhängig ist, nachdem die USA ihre Rolle im Ukrainekrieg deutlich reduziert haben. Militärisch steht die Ukraine weiterhin unter enormem Druck, und ein Sieg über Russland erscheint gegenwärtig unrealistisch. Die Staatsfinanzen sind so angespannt, dass die EU 90 Milliarden Euro bereitstellen soll, um einen Staatsbankrott abzuwenden.</p><p>Vor diesem Hintergrund wirkt Selenskyjs Versuch, Deutschland stärker in den Krieg hineinzuziehen – etwa durch die Forderung nach Langstreckenwaffen, die Angriffe tief im russischen Staatsgebiet ermöglichen würden – zunehmend irritierend. Ebenso irritierend ist seine wiederholte Darstellung, die Ukraine sei faktisch bereits Teil der EU, obwohl eine mögliche Mitgliedschaft nicht nur umstritten, sondern auch in weiter Ferne liegt.</p><p>Umso erstaunlicher sind seine jüngsten Auftritte im Nahen Osten. Offenbar ohne vorherige Abstimmung mit den Staaten, von denen er politisch wie finanziell abhängig ist, betreibt Selenskyj eine eigene Nahostpolitik, deren Ziele und langfristige Konsequenzen unklar bleiben. Besonders brisant ist, dass er dort Gegengeschäfte anbietet – etwa den Austausch ukrainischer Drohnen gegen Flugabwehrraketen –, ohne Rücksicht darauf, welche sicherheitspolitischen Folgen dies für Deutschland und die übrigen EU-Staaten haben könnte.</p><p>Sein Auftreten hat die Züge eines souveränen Regionalakteurs. Er tritt nicht als Präsident eines Landes im Abwehrkampf auf, sondern als jemand, der militärische Kooperationen anbietet, eigene Sicherheitsarchitekturen entwirft und neue Allianzen schmiedet. Das ist das Verhalten eines Machtpolitikers, nicht eines Bittstellers. Es vermittelt den Eindruck, als sei der Krieg politisch bereits entschieden, die Ukraine militärisch stabil und geopolitisch souverän – eine Selbstinszenierung, die im Widerspruch zur realen Lage steht.</p><p>Ein solches Vorgehen ließe sich vielleicht unter „Was soll’s“ verbuchen, wenn es nicht grundlegende Prinzipien der europäischen und transatlantischen Zusammenarbeit infrage stellen würde. Sowohl innerhalb der EU als auch im Verhältnis zu den USA werden wesentliche außenpolitische Schritte – insbesondere im Nahen Osten – eng abgestimmt. Selenskyj bindet Europa jedoch indirekt in neue Konfliktlinien ein, ohne dazu legitimiert zu sein. Dieses Verhalten bestätigt die Einschätzung mancher europäischen Regierungschefs, dass die Ukraine derzeit nicht reif für eine EU-Mitgliedschaft ist.</p><p>Besonders gefährlich ist, dass Selenskyj gezielt neue militärische Partner außerhalb des Westens sucht. Er bietet Staaten, deren sicherheitspolitische Ausrichtung schwer einzuschätzen ist, Drohnenabwehr-Know-how, die Ausbildung von Spezialisten und militärische Gegengeschäfte an. Damit exportiert die Ukraine eine Kriegslogik in eine ohnehin fragile Region – ohne dass Europa beurteilen kann, welche Dynamiken dort entstehen. Es könnte eine anti-iranische Achse entstehen, die nicht europäisch kontrolliert ist, aber europäische Interessen unmittelbar berührt: Energieversorgung, Migration, Terrorismusprävention. Europa wird objektiv in neue Konfliktlinien hineingezogen, ohne dies selbst entschieden zu haben.</p><p>Hinzu kommt, dass Russland und Deutschland automatisch betroffen sind. Russland dürfte jede ukrainische Militärkooperation im Nahen Osten als Ausweitung des Konflikts interpretieren. Deutschland wiederum ist aufgrund seiner Rolle als größter europäischer Unterstützer der Ukraine besonders exponiert.</p><p>Die entscheidende Frage lautet daher: Was bezweckt Selenskyj mit einem Vorgehen, das potenziell schweren Schaden für die EU, für Deutschland und letztlich auch für sein eigenes Land verursachen kann? Ob es sich um strategische Fehleinschätzung oder um den Versuch handelt, durch außenpolitische Eskalation zusätzliche Unterstützung zu erzwingen, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Folgen seines Handelns sind derzeit nicht absehbar. Und es entsteht der Eindruck, dass ein neuer Brandherd in der Weltpolitik entsteht – diesmal ausgelöst durch die Ukraine selbst.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Krankenkassenreform – oder nur eine erneute Diskussion?]]></title><description><![CDATA[<p>Die Debatte über die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens begleitet die Bundesrepublik seit Jahrzehnten. Es gab einmal eine Zeit, in der die Sozialgesetzgebung klar strukturiert war und sich die Politik an diese Ordnung hielt. Versicherungen, Versorgungen und Sozialleistungen waren sauber voneinander getrennt. Finanzielle Verschiebebahnhöfe zwischen den Systemen existierten nicht.</p><p>Auch damals gab</p>]]></description><link>https://publikum.net/krankenkassenreform-oder-nur-eine-erneute-diskussion/</link><guid isPermaLink="false">69cd77112474692f79b480a4</guid><category><![CDATA[Politik]]></category><dc:creator><![CDATA[Dipl.- Soz.Arb. Jörg-Michael Bornemann]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 19:52:06 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell.gif" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell.gif" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/Bornemann-Aktuell.gif" alt="Krankenkassenreform – oder nur eine erneute Diskussion?"><p>Die Debatte über die Finanzierbarkeit des Gesundheitswesens begleitet die Bundesrepublik seit Jahrzehnten. Es gab einmal eine Zeit, in der die Sozialgesetzgebung klar strukturiert war und sich die Politik an diese Ordnung hielt. Versicherungen, Versorgungen und Sozialleistungen waren sauber voneinander getrennt. Finanzielle Verschiebebahnhöfe zwischen den Systemen existierten nicht.</p><p>Auch damals gab es ein Flüchtlingsproblem – allerdings handelte es sich überwiegend um Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus den verlorenen deutschen Gebieten in die Bundesrepublik kamen. Ihre Versorgung wurde über den gesetzlich geregelten Lastenausgleich finanziert. Alle Bürger beteiligten sich an den Kriegsfolgen. Das war ein solidarisches, aber transparentes System.</p><p>Weniger bekannt ist heute, dass die Rentenversicherung einst erhebliche Rücklagen besaß – den sogenannten „Juliusturm“. Die Bezeichnung erinnerte an den historischen Reichskriegsschatz in der Zitadelle Spandau. Diese Rücklagen waren echte Reserven, im Gegensatz zu den heutigen, weitgehend symbolischen „Nachhaltigkeitsrücklagen“.</p><p>Die Krankenversicherung war Teil der Reichsversicherungsordnung. Krankenhäuser galten als Bestandteil der staatlichen Daseinsvorsorge – nicht als betriebswirtschaftliche Einheiten.</p><p>Mit den Jahrzehnten begannen Politiker aller großen Parteien, Finanzströme umzuleiten. Rentenrücklagen wurden in den allgemeinen Haushalt überführt und für Aufgaben verwendet, die mit der Rentenversicherung nichts zu tun hatten. Die Agenda‑Politik der Schröder‑Regierung verwischte endgültig die Grenzen zwischen Versicherungs- und Sozialleistungen. Hartz IV vermengte Arbeitslose mit Sozialhilfeempfängern. Migranten und Flüchtlinge erhielten Leistungen der Krankenkassen, die teilweise von sozialversicherungspflichtigen Bürgern mitfinanziert werden mussten – und bis heute werden.</p><p>Damit sind wir bei der aktuellen Lage der Krankenversicherung angekommen. Die Einnahmen decken die Ausgaben nicht mehr. Die paritätische Finanzierung wurde durch Zusatzbeiträge ausgehöhlt, die allein die Versicherten tragen. Zuzahlungen erhöhen die Belastung zusätzlich. Trotz all dieser Maßnahmen besteht eine Unterdeckung, die politisch nicht länger zu leugnen ist.</p><p>Nun liegen die Ergebnisse der wissenschaftlichen Kommission vor, die die Bundesregierung eingesetzt hat. Die Empfehlungen sind nicht neu:</p><ul><li>finanzielle Stabilisierung der GKV,</li><li>strukturelle Modernisierung (Digitalisierung, Entbürokratisierung, sektorenübergreifende Versorgung),</li><li>Stärkung von Qualität und Effizienz.</li></ul><p>Alle bisherigen Beratungsgremien – auch die aktuelle Kommission – weisen auf dasselbe Grundproblem hin: Die GKV muss von <strong><strong>versicherungsfremden Leistungen</strong></strong> entlastet werden. Es geht nicht darum, dass die Versicherten zu wenig zahlen. Es geht darum, dass die GKV Aufgaben finanziert, die gesamtgesellschaftlich sind und daher aus Steuern bezahlt werden müssten.</p><p>Der Staat hat über Jahrzehnte Leistungen beschlossen, die entweder nichts mit der Krankenversicherung zu tun hatten oder Personengruppen betreffen, die keine oder nur geringe Beiträge zahlen: Migranten, Flüchtlinge, Bürgergeldempfänger. Die Pauschalen, die der Staat an die Krankenkassen überweist, decken die tatsächlichen Kosten bei weitem nicht.</p><p>Wenn von „Einnahmeerhöhungen“ die Rede ist, meint man fast immer die Beitragszahler – nicht den Staat, der seine eigenen Verpflichtungen systematisch auf die GKV abwälzt.</p><p>Es lohnt sich kaum, die einzelnen Vorschläge der Expertenkommission aufzuzählen, denn sie wiederholen sich seit Jahren. Das Problem liegt nicht bei Ärzten, Pflegekräften oder medizinischem Personal. Es liegt in der Überfrachtung des Systems mit Aufgaben, die mit der eigentlichen Krankenversorgung nichts zu tun haben. Wer einmal eine Notaufnahme beobachtet, sieht: Ein erheblicher Teil der Arbeitszeit fließt in Formularwesen, Dokumentationspflichten und bürokratische Vorgaben.</p><p>Die Sachverständigenkommission zeichnet seit Jahren dasselbe Bild:<br>Die GKV ist strukturell überlastet, finanziell unter Druck und organisatorisch veraltet. Reformen sind überfällig.</p><p>Auch heute gilt:</p><ul><li>Entlastung der GKV von versicherungsfremden Leistungen</li><li>Dynamisierung des Bundeszuschusses</li><li>Ende des Missbrauchs der GKV als Schattenhaushalt des Staates</li></ul><p>Strukturell bedeutet das:</p><ul><li>Ambulant und stationär müssen integriert werden</li><li>Regionale Gesundheitszentren statt Sektorensilos</li><li>Konzentration der Krankenhauslandschaft – Qualität vor Fläche</li></ul><p>Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn die Politik aufhörte, ständig in das Gesundheitssystem einzugreifen. Die Krankenkassen müssen vor versicherungsfremden Belastungen geschützt werden. Kommunale Krankenhäuser dürfen keine Gewinne an die Haushalte der Kommunen abführen – das ist nichts anderes als ein Griff in die Taschen der Beitragszahler.</p><p>Die Fachkräfte im Gesundheitswesen sollten ihre Arbeitsabläufe wieder nach medizinischen Notwendigkeiten organisieren dürfen. Und der wichtigste Grundsatz muss wieder gelten:</p><p>Das Gesundheitswesen ist keine Industrie, die Gewinne erwirtschaften soll, sondern ein Teil der staatlichen Daseinsvorsorge.</p><p>Diese Daseinsvorsorge ist aus Steuern zu finanzieren.<br>Und die Steuergelder der Bürger sollten nicht für internationale Konflikte, Auslandseinsätze oder Projekte verwendet werden, die mit unserem Land nichts zu tun haben. Dann wäre genug Geld vorhanden, um das Gesundheitswesen in Deutschland wieder solide und verlässlich zu finanzieren.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Wie werde ich ein guter Feminist?! #Realsatire]]></title><description><![CDATA[Wenn Männerhass zu Selbsthass wird. Derzeit grassiert in den Medien ein fast schon pathologischer Hass auf Männer, zumindest auf weiße Männer. Und bei einigen ebenso simplen wie empfindsamen Gemütern zeitigt das verheerende Wirkung.]]></description><link>https://publikum.net/wie-werde-ich-ein-guter-feminist-realsatire/</link><guid isPermaLink="false">69cd1aff2474692f79b48082</guid><category><![CDATA[Politik]]></category><category><![CDATA[Wissen]]></category><category><![CDATA[Kultur]]></category><dc:creator><![CDATA[Pommes Leibowitz]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 14:06:55 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Der-perfekte-Feminist.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/04/Der-perfekte-Feminist.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/04/Der-perfekte-Feminist.png" alt="Wie werde ich ein guter Feminist?! #Realsatire"><p><strong><strong>Wenn Männerhass zu Selbsthass wird. Derzeit grassiert in den Medien ein fast schon pathologischer Hass auf Männer, zumindest auf weiße Männer. Und bei einigen ebenso simplen wie empfindsamen Gemütern zeitigt das verheerende Wirkung (siehe meinen Videoclip).</strong></strong></p><figure class="kg-card kg-embed-card"><iframe width="200" height="113" src="https://www.youtube.com/embed/rifOMOkWfSg?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen title="Wie werde ich ein guter Feminist #realsatire"></iframe></figure><h2 id="die-4-stufen-zum-perfekten-feministen-">Die 4 Stufen zum perfekten Feministen:</h2><ol><li>Schämt euch (dass ihr Männer seid).</li><li>Seid euch eurer Minderwertigkeit bewusst!</li><li>Schwanz ab, als generelle Option, und natürlich bei Fehlverhalten.</li><li>Schweigt nicht länger, wenn Witze über Frauen gemacht werden oder über ihr Aussehen geredet wird (das ist quasi Blasphemie).</li></ol><h2 id="realsatire-wenn-es-nicht-so-traurig-w-re-">Realsatire, wenn es nicht so traurig wäre …</h2><p>Da wird öffentlich gefordert, die Beweislast umzukehren (u. a. Nancy Faeser, Ex-Justizministerin), die Unschuldsvermutung aufzuheben (u. a. Jette Nietzard, Grüne Jugend), und schließlich Lynchjustiz bis hin zur Kastration empfohlen (Leonie Plaar, Influencerin).</p><p>Die Aussage weiblicher Opfer wird (schon seit der MeToo-Bewegung) grundsätzlich für glaubwürdiger erachtet als die eines angeklagten weißen (!) Mannes. Was übrigens eine auffallende Parallele nicht nur zu den Hexenprozessen in Europa (Anklage = Verurteilung), sondern auch zum Islam ist, nur halt umgekehrt. Nach der Scharia sind 2 Frauen nötig, um die Aussage von 1 Mann zu widerlegen. Ebenso ist es bei Ungläubigen.</p><p>Gemeinsames Muster bei faschistoiden Regimen ist, dass es immer ausgegrenzte, angefeindete Gruppen gibt. Diese Gruppen wechseln, die Mitläufer, Hetzer und Henker aber sind immer die gleichen, immer der gleiche Menschentyp. Angefeindete Gruppen sind und waren: Christen, Hexen, Juden, Klassenfeinde, Kapitalisten, Kommunisten, Frauen (im Islam unrein) und jetzt halt zur Abwechslung Weiße und Männer. Und natürlich AfD-Wähler und -Politiker.</p><h2 id="m-nnliche-erbschuld">Männliche Erbschuld?</h2><p>Insgesamt etabliert sich die Vorstellung einer männlichen Erbschuld: die Männer – jedenfalls die weißen – sind quasi an allem Schuld, nur nicht an der Entwicklung von Wissenschaft, Technologie, Medizin, Demokratie, Rechtsstaat, allgemeinem Wohlstand und nicht zuletzt Gleichberechtigung.</p><p>Im Spiegel versteigt sich eine Autorin zur grotesken Frage, ob man mit Männern noch befreundet sein könne. Und räumt dann großzügig ein, dass das unter gewissen Voraussetzungen wohl noch möglich sei. Diese „Voraussetzungen“ werden ja in <a href="https://youtube.com/shorts/rifOMOkWfSg" rel="noopener">meinem Videoclip</a> von „geläuterten“ Männern erklärt.</p><p>Ganz wichtig auch: Witze oder abschätzige Äußerungen sind nur noch über weiße Männer erlaubt, jede andere Zielgruppe zu bewitzeln ist quasi ein Verbrechen (Rassismus, Sexismus sowie Hass und Hetze zur freien Auswahl). Geeignet, endlose Empörungswellen bis hin zur sozialen Vernichtung auszulösen (Jobverlust, Kündigung der Bankkonten, Rufmord).</p><p>Wie absurd dieser neue, im Gewand von Antifaschismus, Antirassismus und Antisexismus daherkommende Faschismus, Rassismus und Sexismus eigentlich ist, würde man sofort erkennen, wenn man den Platzhalter „weiße Männer“ durch farbige Männer, Muslime, Homosexuelle, Transsexuelle, oder gar Frauen jeder Couleur ersetzen würde. Aber das würde natürlich Selbstreflexion und Denkvorgänge voraussetzen …</p><h2 id="in-eigener-sache-">In eigener Sache:</h2><p>Ich hatte mich die letzten Monate vermehrt dem Medium <a href="https://www.youtube.com/@pommesleibowitz/shorts" rel="noopener">Youtube-Shorts</a> (kurze Clips im Handyformat) gewidmet, die mehr eine Art animierte Memes als klassische Vlog-Beiträge sind. Was schnelleres und kreativeres Reagieren in der Inflation des allgemeinen Wahnsinns erlaubt. Leider schlug auch dort nach kurzer Zeit der „Shadowban“ zu, eine massive Absenkung der Reichweite von kritischen und provokanten Beiträgen. Dazu (zu dieser versteckten Zensur) werde ich noch einen umfangreichen Beitrag bei <a href="https://philosophia-perennis.com/author/pommes-leibowitz/">Philosophia Perennis</a> verfassen. Aber schaut doch mal bei den Shorts vorbei, sollte unterhaltsam sein und man kann die einzelnen Clips einfach wegwischen, direkt zum nächsten:</p><p><a href="https://www.youtube.com/@pommesleibowitz/shorts">https://www.youtube.com/@pommesleibowitz/shorts</a></p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)]]></title><description><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image"></figure><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image"></figure><p>Wie <strong>Kapitel 15</strong>, "<em>December 1941: The turning point</em>", zeigt, schien "Taifun" zunächst alle Anzeichen eines Erfolgs zu tragen. Der Wehrmacht gelang es, der Roten Armee verheerende Schläge zu versetzen; nach einer doppelten Einkesselung bei Wjasma und Brjansk machte sie sechshunderttausend</p>]]></description><link>https://publikum.net/rezension-adam-tooze-wages-of-destruction-teil-7/</link><guid isPermaLink="false">69bad54c2474692f79b47d73</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Wed, 01 Apr 2026 10:48:48 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-7.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-7.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)"></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-7.png" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)"><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)"></figure><p>Wie <strong>Kapitel 15</strong>, "<em>December 1941: The turning point</em>", zeigt, schien "Taifun" zunächst alle Anzeichen eines Erfolgs zu tragen. Der Wehrmacht gelang es, der Roten Armee verheerende Schläge zu versetzen; nach einer doppelten Einkesselung bei Wjasma und Brjansk machte sie sechshunderttausend Kriegsgefangene. In der zweiten Oktoberwoche geriet Stalins Regime „nahe an den Punkt des Zusammenbruchs“, als die Bevölkerung Moskaus in Panik geriet, nachdem Gerüchte aufkamen, die kommunistische Führung verlasse die Stadt. Doch die Ordnung wurde wiederhergestellt, und General Georgi Schukow gelang es, noch eine weitere Verteidigungslinie aufzubauen. Trotz ihrer Verluste fügte die Rote Armee der Wehrmacht ihrerseits schwere Schäden zu. Am 8. Oktober begannen die Herbstregen und verwandelten den Mittelabschnitt der deutschen Front in einen „unpassierbaren Morast“. Ende Oktober stand die Heeresgruppe Mitte 100 Kilometer vor Moskau still.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/71IxGmCJaXL._SL1000_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 7)"></figure><p>Im November näherte sich die Treibstofflage der deutschen Armee „rasch einem kritischen Punkt“ – so sehr, dass Anfang 1942 „nicht der russische Schlamm, sondern die Erschöpfung der deutschen Treibstoffvorräte die ‚vollständige Lähmung des Heeres‘ sicherstellen würde“. Die Panzerdivisionen hatten sich bis in Sichtweite Moskaus durchgekämpft, doch in einer Entfernung von beinahe 500 Kilometern von den vorgeschobenen Nachschubdepots um Smolensk waren sie schlicht nicht in der Lage, eine größere Offensive aufrechtzuerhalten. Außerdem hatte die Wehrmacht in der Erwartung eines schnellen Sieges „keinerlei Vorbereitungen … für aktive Operationen im Winter“ getroffen; Winterausrüstung war nur für eine verkleinerte Besatzungstruppe vorgesehen. Infolgedessen forderte die Kälte Zehntausende Ausfälle; zwischen Dezember 1941 und März 1942 verloren die Deutschen allein durch Krankheit und Erfrierungen 380.000 Mann.</p><p>Anfang Dezember hatte Schukow schließlich eine ausreichend starke Angriffsgruppe aufgebaut, um zum Gegenangriff überzugehen. Aufgrund von Geheimdienstinformationen, wonach Japan den Neutralitätspakt mit der Sowjetunion (unterzeichnet im April 1941 und gültig bis April 1946) einhalten werde, verlegte die Rote Armee eine beträchtliche Zahl von Truppen aus Sibirien und den östlichen Regionen Russlands nach Moskau. Unter Schukows Kommando standen nun 1,1 Millionen Mann, 774 Panzer und 1.370 Flugzeuge, mit denen er einen Überraschungsangriff auf die Heeresgruppe Mitte der Wehrmacht begann. In vier Monaten intensiver Kämpfe erlitten die Deutschen 420.000 Gefechtsverluste, zusätzlich zu den 380.000 Ausfällen aus „natürlichen“ Ursachen. Nur Stalins Versäumnis, den Gegenangriff auf die Heeresgruppe Mitte zu konzentrieren – stattdessen griff er entlang der gesamten 1.500 Kilometer langen Front an –, bewahrte die Wehrmacht vor einem weitreichenden Rückzug. So kehrte bis März 1942, „während die Deutschen noch immer tief in der Sowjetunion festsaßen [100–150 Kilometer vor Moskau], an der Ostfront wieder eine relative Ruhe ein“.</p><p>Aus militärischer Sicht hatten sich Wehrmacht und Rote Armee damit in eine Pattsituation hineingekämpft. Doch es war eine Lage, die eindeutig die Sowjetunion begünstigte, die nun ihre gewaltige geographische Tiefe und ihre enormen Reserven an wehrfähigen Männern einsetzen konnte, um Deutschlands Krieg im Osten zu einer beispiellosen Qual zu machen. Mehr noch: Die Deutschen hatten nun den Zorn einer vollständig mobilisierten sowjetischen Wirtschaft auf sich gezogen, die 1942 und 1943 jene des Dritten Reiches „beträchtlich übertraf“. Die deutsche Rüstungsproduktion überholte die sowjetische erst 1944, doch da war es bereits zu spät – die anglo-amerikanische Kriegsmaschine war nun endlich bereit, wirklich in das Geschehen einzugreifen.</p><p>Tatsächlich war eine der großen kontraproduktiven Folgen des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion, dass Roosevelt und Churchill entschlossener denn je in ihrem gemeinsamen Kampf gegen das Dritte Reich zusammengeschweißt wurden. Bereits im Februar 1941 hatten die Vereinigten Staaten mit ihrer Lend-Lease-Politik begonnen und Großbritannien mit großen Mengen an Materialhilfe überhäuft (im Verlauf des gesamten Krieges würde die Hilfe für das Britische Empire insgesamt 31,4 Milliarden Dollar betragen; es war damit der größte Empfänger). Eine Folge von Barbarossa bestand darin, dass ein großer Teil dieser Hilfe – sowohl aus den USA als auch aus Großbritannien – nun in die Sowjetunion gelenkt wurde. 1941 beliefen sich die alliierten Lieferungen an die Sowjets auf 360.778 Tonnen Material. 1942 stieg diese Menge auf 2.453.097 Tonnen an und erreichte 1944 schließlich mit 6.217.622 Tonnen ihren Höhepunkt. Die Sowjetunion sollte am Ende der zweitgrößte Empfänger amerikanischer Hilfe sein und während des Krieges Material im Wert von 11,0 Milliarden Dollar erhalten.</p><p>Doch Lend-Lease war erst der Anfang. Am 14. August 1941, zwei Monate nach Beginn von Barbarossa, veröffentlichten Roosevelt und Churchill eine gemeinsame Erklärung, die später als „Atlantik-Charta“ bekannt wurde. Diese Erklärung, in der amerikanische und britische Ziele für die Welt nach dem Zweiten Weltkrieg umrissen wurden, machte die Vereinigten Staaten im Grunde zum „Mittelpunkt der anti-nationalsozialistischen Koalition“ und stellte ihr Gewicht voll auf die Seite des Vereinigten Königreichs. Die NS-Führung deutete dies als „einer Kriegserklärung gleichkommend“.</p><p>Darüber hinaus war die US-Marine Mitte 1941 bereits „aktiv daran beteiligt, deutsche U-Boote im Mittelatlantik zu jagen“, um die Schifffahrtswege zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien zu schützen. Der Nordatlantik war in strategischer Hinsicht sogar so bedeutsam, dass Roosevelt am 9. Juli ankündigte, amerikanische Truppen würden die Besetzung Islands übernehmen – anstelle der Briten, die Island im Mai 1940 besetzt hatten, um einem möglichen deutschen Einfluss zuvorzukommen. Hitler verurteilte diesen Schritt als einen Akt der Aggression gegen Deutschland.</p><p>Zudem hatten Briten und Amerikaner bis Oktober einen gemeinsamen Ausschuss zur Rüstungsplanung eingerichtet, der mit der Ausarbeitung eines Programms begann, das unter dem Namen „the requirements of victory“ lief. Dieses Programm sah schließlich Ausgaben von nicht weniger als 150 Milliarden Dollar (mehr als 500 Milliarden Reichsmark) allein in den folgenden zwei Jahren – 1943 und 1944 – vor: mehr, als das Dritte Reich während des gesamten Krieges für Rüstung ausgeben sollte (S. 501). Bis Mitte 1941 waren die Vereinigten Staaten also in jeder Hinsicht bereits ein aktiver und energischer Teilnehmer des Konflikts, auch wenn sie formal noch nicht in den Krieg eingetreten waren. Es ist gut möglich, dass ein großer Teil dieser Aktivitäten durch das Entsetzen ausgelöst wurde, das der deutsche Vormarsch auf Moskau hervorrief, und durch die Erkenntnis, dass das größte Blutvergießen nicht im Westen, sondern im Osten stattfinden würde.</p><p>Nimmt man all dies zusammen, dann deutet es darauf hin, dass die Operation Barbarossa ein Wagnis war, das von Grund auf enorme Risiken in sich barg – sowohl aufgrund der Realitäten auf dem Schlachtfeld als auch wegen des umfassenderen strategischen Zusammenhangs, in den sie eingebettet war. Doch diesmal, anders als 1940, ging das Wagnis nicht auf. Im Westen hatten die Kampfhandlungen niemals Entfernungen von mehr als wenigen hundert Kilometern umfasst; im Osten aber stand die Wehrmacht einem Gegner gegenüber, der unvorstellbare Räume beherrschte. Die deutsche Armee konnte daher den schnellen, entscheidenden Sieg, den sie brauchte, niemals erringen. Das Ergebnis war eine strategische Katastrophe, die über das Dritte Reich nicht nur die Rote Armee hereinbrechen ließ, sondern auch die militärisch-ökonomischen Ressourcen Großbritanniens und der Vereinigten Staaten.</p><p>Eine weitere Folge des hartnäckigen sowjetischen Widerstands war, dass Hitlers Träume von einer rassischen Umgestaltung der Gebiete östlich Deutschlands vereitelt wurden – ein Projekt, zu dem auch jenes Verbrechen gehörte, für das das Dritte Reich auf ewig bekannt bleiben wird: der Holocaust. Antisemitismus war seit langem ein Grundzug der nationalsozialistischen Ideologie, doch warum nahm der Judenmord jene entsetzliche und tatsächlich genozidale Dimension an, die er annahm?</p><p>Diese Frage steht im Zentrum von <strong>Kapitel 16</strong>, "<em>Labor, food and genocide</em>", das den Holocaust in einer sehr unangenehmen Art mit der Wirtschaftsgeschichte und den wirtschaftlichen Kenndaten des Dritten Reichs verknüpft.</p><p>Tooze stellt den Judenmord als tief mit den Fragen von Arbeit und Nahrung verflochten dar; in diesem Sinn lasse sich die Ideologie des Antisemitismus bei der Erklärung des mörderischen Völkermordprogramms der Nationalsozialisten nicht von ökonomischen Überlegungen trennen. Nachdem die Wehrmacht im Winter 1941 durch die zähe Verteidigung Moskaus zum Stillstand gebracht worden war, wurde der Krieg im Osten zu einem grausamen Abnutzungskrieg. Zwischen Juni 1941 und Mai 1944 verlor die Wehrmacht an der Ostfront im Durchschnitt 60.000 Gefallene pro Monat, und selbst das verblasst noch im Vergleich zu den letzten zwölf Monaten des Krieges (allein im Juni, Juli und August 1944, als die Rote Armee ihre „Operation Bagration“ durchführte, sollten die Deutschen rund 590.000 Soldaten verlieren).</p><p>Das Problem war, dass die Deutschen bereits zu Beginn von Barbarossa „an den letzten Reserven ihres Menschenmaterials kratzten“ – aufgrund der geringen Zahl von Kindern, die während des Ersten Weltkriegs geboren worden waren, hatte Deutschland „keine andere Wahl, als praktisch alle seine jungen Männer in die Schlacht zu schicken“. So gab es bis zum Herbst 1941 „praktisch keine Männer in ihren Zwanzigern mehr, die nicht eingezogen worden waren“; 1942 reichten frisch eingezogene Jugendliche nur noch aus, um die Verluste auszugleichen, die die Rote Armee verursachte. In der ersten Hälfte des Jahres 1942 umfasste diese Einziehung mindestens 200.000 Männer, die den Rüstungsfabriken entzogen wurden – eine Rezeptur für die Katastrophe in einem Moment, in dem Deutschland seine Rüstungsproduktion verzweifelt steigern musste.</p><p>Eine naheliegende Lösung für dieses Dilemma war der Einsatz ausländischer Zwangsarbeit. Diese Aufgabe fiel Fritz Sauckel zu – dem regionalen NSDAP-Führer in Thüringen –, der im März 1942 zum Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz ernannt wurde. Als Reaktion auf Deutschlands Arbeitskräftemangel setzte er „eines der größten Zwangsarbeitsprogramme um, die die Welt je gesehen hat“. Bis Februar 1944 sollte die Gesamtzahl der ausländischen Arbeitskräfte 7,9 Millionen erreichen; sie stellten damit mehr als 20 Prozent der deutschen Arbeiterschaft dar (im Juni 1943 konnte General Erhard Milch von der Luftwaffe damit prahlen, der Stuka-Sturzkampfbomber werde „zu 80 Prozent von Russen hergestellt“).</p><p>Doch dieser Bedarf an ausländischer Arbeitskraft schien in einen „unauflösbaren Widerspruch“ zu den nationalsozialistischen Vernichtungsprogrammen zu geraten. Der Holocaust forderte eine ungeheure Zahl an Opfern – man schätzt sie auf rund 6 Millionen –, und der Großteil dieses Massenmords fand nach dem Beginn von Barbarossa statt und erreichte 1942 und 1944 seine Höhepunkte. Darüber hinaus verfolgte auch die Wehrmacht eine Politik brutaler Misshandlung sowjetischer Kriegsgefangener (während britische und amerikanische Kriegsgefangene davon weitgehend verschont blieben), was zum Tod von 3,3 bis 3,5 Millionen Gefangenen durch Hunger und Zwangsarbeit führte. Warum betrieben die Nationalsozialisten derart groß angelegte Vernichtungsprogramme, wenn sie sich damit zugleich eines potenziellen Reservoirs an Zwangsarbeitern beraubten?</p><p>Weiter geht es in Teil 8.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die Misserfolge der Linken liegen an den Fehlannahmen der Bürgerlichen, weil diese mit Melonis Justizreform nicht den Fernandez-Skandal um die Herstellung von Routern verhindern konnten - Vermischtes 31.03.2026]]></title><description><![CDATA[Kommentierte Presseschau, jede Woche neu! Die zweite diese Woche! ]]></description><link>https://publikum.net/die-misserfolge-der-linken-liegen-an-den-fehlannahmen-der-burgerlichen-weil-diese-mit-melonis-justizreform-nicht-den-fernandez-skandal-um-die-herstellung-von-routern-verhindern-konnten/</link><guid isPermaLink="false">69c395d42474692f79b47f75</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Tue, 31 Mar 2026 08:54:11 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Vermischtes-7.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Vermischtes-7.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg01.met.vgwort.de/na/196f5f158bc9422fb419f34975b7096e" class="kg-image" alt="Die Misserfolge der Linken liegen an den Fehlannahmen der Bürgerlichen, weil diese mit Melonis Justizreform nicht den Fernandez-Skandal um die Herstellung von Routern verhindern konnten - Vermischtes 31.03.2026"></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Vermischtes-7.png" alt="Die Misserfolge der Linken liegen an den Fehlannahmen der Bürgerlichen, weil diese mit Melonis Justizreform nicht den Fernandez-Skandal um die Herstellung von Routern verhindern konnten - Vermischtes 31.03.2026"><p>Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Die „Fundstücke“ erhalten ausführlichere und thematisch gegliederte Hinführungen zu verschiedenen Artikeln aus den Weiten des Netzes dar. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels empfohlen; ich übernehme keine Garantie für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Zusammenfassungen. Für den Bezug in den Kommentaren sind nummerierte Zwischenüberschriften eingezogen, bitte auf die referieren. Dazu gibt es die „Resterampe“, in der ich nur kurz auf etwas verweise, das ich zwar bemerkenswert fand, aber zu dem ich keinen größeren Kommentar abgeben kann oder will. Auch diese ist geordnet (mit Buchstaben), so dass man sie gegebenenfalls in den Kommentaren referieren kann.</p><h2 id="fundst-cke">Fundstücke</h2><p>1) Misserfolg der Linken</p><p>René Pfister schreibt im Spiegel unter dem Titel "<a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/wie-die-linke-lernte-den-misserfolg-zu-lieben-a-219d30c7-48b1-47c9-8299-39967bc4b312" rel="noopener noreferrer">Wie die Partei lernte, den Misserfolg zu lieben</a>" über die Misserfolge der politischen Linken (und, etwas paradox, nicht über die Partei LINKE). Er meint, dass diese ideologische Reinheit über politischen Erfolg stelle und sich in ihren eigenen, idiosynkratischen Debatten "verheddere". Wie anders etwa sei zu erklären, dass man nicht den Erfolg feiere, dass Cem Özdemir die Wahl gewonnen hatte, sondern sich vielmehr die Frage stellte, ob er denn progressiv genug, "türkisch genug" sei? Und er hat völlig damit Recht. Es ist eine Grunddynamik der Linken, die sie vom Erfolg abhält, seit der Französischen Revolution. Ich habe darüber schon 2011 geschrieben und es ein ständiges Schwanken "<a href="http://oeffingerfreidenker.blogspot.com/2011/11/zwischen-verrat-und-triumph.html">Zwischen Verrat und Triumph</a>" genannt. Die Linken haben eine große Lust an der Totalopposition, immer noch (auch wenn die CDU und FDP da inzwischen immer mehr hin tendieren; Ariane und ich haben im Podcast schon öfter darüber gesprochen). Das hat auch Anteil an der Dauerkrise unseres politischen Systems.</p><p>2) Lieferkettengesetz reloaded</p><p>Relativ unter dem Radar haben die USA ein neues Gesetz erlassen, das festlegt, dass nur noch solche Router zugelassen werden, die komplett in den USA hergestellt wurden (<a href="https://www.heise.de/news/USA-verbieten-alle-neuen-Router-fuer-Verbraucher-11222044.html">Heise berichtet</a>). Angesichts dessen, dass bisher gar keine solchen Produkte existieren, ist das ein massiver Schritt. Möglicherweise folgen weitere Produkte wie Handys oder Ähnliches. Diese Reorganisation (oder zumindest ihr Versuch) internationaler Verflechtungen ist letztlich eine Rückkehr zum Merkantilismus. Ich sehe den Macht-Aspekt, also den Versuch, unabhängiger von China zu werden und das Land wirtschaftlich zu isolieren, aber für die Volkswirtschaft ist das doch Gift. Der gesamte Prozess der De-Globalisierung, den wir gerade erleben, dürfte als ziemlicher Inflationstreiber dienen.</p><p>3) Melonis Justizreform</p><p>Georgia Meloni hat eine innenpolitische Niederlage erlitten: <a href="https://www.spiegel.de/ausland/italien-georgia-meloni-scheitert-mit-umstrittener-justizreform-a-00048900-4258-4958-9e25-542a945bcce1?sara_ref=re-so-x-rss#ref=rss">das Plebiszit zur "Justizreform" ist gescheitert</a>. Meloni ist nicht die erste, die an diesem Komplex scheitert; die italienische Justiz ist legendär langsam und ineffizient, eine Reform wird seit einer halben Ewigkeit diskutiert. Man darf allerdings skeptisch sein, ob eine Reform, die der Politik mehr Macht über die Justiz gibt und das explizite Ziel verfolgt, das Justizsystem ideologisch nach rechts zu verschieben - schon Berlusconi beklagte, die Justiz sei links. Vermutlich meinte er damit, dass sie ihn für seine Verbrechen zur Rechenschaft zogen; <em>can't have that</em>. Auch Meloni verfolgte explizit das Ziel, das System rechter zu machen. Das passt ins Muster: die Rechtspopulisten arbeiten dieser Tage immer mit Kontrolle über das Justizsystem, siehe Ungarn, Polen, USA. Ob man deswegen von einer "<a href="https://www.welt.de/debatte/plus69c28ad8af187d606b81158b/justizreform-melonis-tragische-niederlage.html" rel="noopener noreferrer">tragischen Niederlage</a>" sprechen muss wie Thomas Schmid in der Welt, halte ich für fraglich. Tragisch findet er sie vor allem, weil die Justiz einer Verschärfung des italienischen Migrationsrechts im Weg steht (oder auch: rechtsstaatliche Regeln einhält). Beides ist wahr: die Justiz bräuchte Reform, und Melonis Reform scheiterte zurecht. Darin liegt eine Tragik, aber nicht im Scheitern dieses spezifischen Versuchs.</p><p>4) Collien Fernandez</p><p>Im Skandal um Collien Fernandez hat sich eine Metadiskussion abgespalten, die sich am besten mit einem Streit um #NotAllMen umschreiben ließe. Es gibt wohl eine kleine Minderheit, die den Fall zum Anlass nimmt, um allgemeine Männerfeindschaft zum Ausdruck zu bringen. Ich habe das eigentlich nur durch die Welle an Artikeln, die sich daran abarbeiten, mitbekommen. Aber die diskutierten Themen sind interessant genug. Aus irgendeinem Grund hat das Thema vor allem beim Spiegel Konjunktur. Anna Clauß etwa fragt, <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/fall-collien-fernandes-kann-man-mit-maennern-noch-befreundet-sein-ja-unbedingt-a-51977215-0d86-4941-9898-89e092350085">ob man weiter mit Männern befreundet sein könnte</a>, und beantwortet die Quatschfrage auch mit einem klaren "Ja", denn "das Patriarchat bekämpft man am besten gemeinsam".<a href="https://www.spiegel.de/kultur/fall-collien-fernandes-was-stimmt-nicht-mit-den-maennern-a-c03de8b7-d563-4cd6-b0d5-c3366742287b"> In einem längeren Essay fordert Tobias Becker</a>, dass man mehr Empathie mit Männern haben sollte: sie emotional nicht ernstzunehmen hieße einerseits, sie den toxischen Influencern der Manosphere auszusetzen und andererseits, das Problem zu reproduzieren, das man eigentlich angehen wolle. Man müsse mehr darüber sprechen, wie Männer an den Ansprüchen von Männlichkeit scheitern und mehr über Männlichkeit sprechen. Ich kann ihm da nur zustimmen, ich schreibe ja auch immer wieder über das Thema, dass das Patriarchat auch den Männern schadet.</p><p>Weniger hilfreich finde ich <a href="https://www.spiegel.de/kultur/margarete-stokowski-zum-fall-collien-fernandes-wie-unterscheidet-man-feministen-und-feministen-a-4cd4b0f5-afdb-42af-a36b-b8076eeddc26">den Essay von Margarete Stokowski</a>, die sich an Männern abarbeitet, die sich feministisch geben, aber in ihren Taten oftmals in alte Muster zurückfallen. Und so sehr das ein Problem ist, so wenig ist die Haltung des "wenigstens sieht man bei den anderen sofort, wie böse sie sind", sonderlich zielführend.  Ich bin da bei Becker, die emotional kaputten Leute und Frauenhasser ein viel größeres Problem, und es muss darum gehen, ein möglichst großes Zelt zu errichten. Leute auszustoßen, weil sie nicht perfekt genug der reinen Lehre anhängen, war noch nie eine gute Idee.</p><p>5) Wahlerfolge der AfD</p><p><a href="https://www.welt.de/debatte/plus69aedb5518e80c742c2dba23/wahlerfolge-jetzt-entscheidet-sich-ob-die-afd-mehr-sein-kann-als-opposition.html">Fatina Kellani schreibt in der Welt darüber</a>, was die AfD tun müsse, um satisfaktionsfähig zu werden. Ich möchte über ihr eigentliches Argument gleich sprechen, aber sie schreibt in ihrer Einleitung einige Sätze, die sie wohl für völlig selbstevident hält, die aber das Kernproblem ihres Umgangs (<em>pars pro toto</em> für ihr Milieu) mit der AfD: "Warum tun die Wähler das? Offenbar verspüren sie Leidensdruck und wollen den regierenden Parteien einen möglichst schmerzvollen Tritt vors Schienbein versetzen. [...] Wer AfD wählt, votiert also weniger für deren Personal als gegen den Zustand des Landes. Der Frust speist sich aus alltäglichen Erfahrungen: [...]" Und diese Haltung ist das Problem der Konservativen. Die Annahme ist, dass die Wählenden ihr Kreuz bei der AfD machen, weil sie dieselben Haltungen teilen wie die Welt-Redaktion und angepisst sind, dass sie das nicht bekommen. Das halte ich, gelinde gesagt, für problematisch. Denn es infantilisiert die AfD-Wählenden und nimmt sie keine Sekunde ernst. Man sollte vielleicht bei der Annahme starten, dass diese Leute wissen, was die AfD ist, und sie DESWEGEN wählen, nicht OBWOHL.</p><p>Die Forderungen, die Kellani an die AfD stellt - Fachpolitiker*innen aufstellen, die konkrete Vorschläge zu Migration und Energie ausarbeiten, Extremisten ausschließen und sich zu Rechtsstaat und Demokratie bekennen - würden sie koalitionsfähig mit der CDU machen, was ja genau das ist, was diese Leute wollen. Und ich halte es für eine solide Strategie für die CDU, genau das einzufordern. Ich fürchte aber, es ist Wunschdenken. Denn wahrscheinlicher ist, dass die Konzentration auf Sachthemen zeigt, dass die AfD eben NICHT koalitionsfähig ist. Dass die Wählenden nicht "zurückgewonnen" werden können, weil sie eben etwas anderes wollen, und dass dieses "andere" fundamental unvereinbar mit der liberalen Demokratie ist. Deswegen wäre es gut, diese Klärung voranzutreiben. Vielleicht zeigt das manchen Leuten, wie sehr sie sich selbst belügen.</p><h2 id="resterampe">Resterampe</h2><p>a) Im Spiegel gibt es <a href="https://www.spiegel.de/ausland/hype-chinamaxxing-wird-china-gerade-cool-kolumne-a-7bfffa83-297c-4ab3-aa19-788193575e3b">einen Artikel zu "Chinamaxxern"</a>. Ich zweifle nicht daran, dass es das gibt, aber ich würde behaupten, dass das kein großer oder anhaltender Trend ist. Oder um die Frage im Artikel zu beantworten: Nein, China wird nicht "gerade cool".</p><p>b) <a href="https://www.welt.de/debatte/plus69bd1c9ecb1f9a070e4037ef/linkspartei-der-strategische-schulterschluss-der-linken-mit-den-islamisten.html">Die Welt zeichnet den "Schulterschluss" der radikalen Linken mit dem Islamismus nach</a>. Es ist, was ich schon lange beschreibe und <a href="https://geschichts-blog.blogspot.com/2012/11/der-ursprung-des-anti-amerikanismus.html">spiegelbildlich für den Antiamerikanismus durchgespielt habe</a>, eine vulgäre "Feind meines Feindes"-Logik, die leider viele Gruppen und Lager betrifft.</p><p>c) <a href="https://x.com/rcbregman/status/2034702291756810711?s=20">Sehr guter Punkt zu den Meta-Einkommensströmen</a>.</p><p>d) <a href="https://www.stern.de/kultur/wolfram-weimer-schadet-nicht-nur-der-kultur--sondern-auch-dem-kanzler-37194002.html?utm_medium=posting&amp;utm_campaign=stern_fanpage&amp;utm_source=twitter">David Baum fordert im Stern den Rücktritt Weimers</a>.</p><p>e) <a href="https://jungle.world/artikel/2026/11/geschmeidig-ins-neue-zeitalter">Sehr lesenswerte Rezension von Marweckis neuem Buch über China und eine Kritik von links an dem Dekolonisationsframing</a>.</p><p>f) <a href="https://x.com/djpr/status/2036207764033200423?s=20">Die offene Politisierung von Demokratieförderung durch die Unionsparteien wird immer krasser</a>. Das führt auch dazu, <a href="https://www.bs-anne-frank.de/fileadmin/content/Pressemitteilungen/2026-PMs/PM_BSAF_2026_2403_Demokratie-leben.pdf">dass die Anti-Antisemitismusprogramme der Anne-Frank-Stiftung mitten in der Laufzeit einseitig gekündigt werden</a>. Und das von denen, die bei jeder Gelegenheit (zurecht!) den wachsenden Antisemitismus beklagen.</p><p>g) <a href="https://x.com/aakashgupta/status/2036178447354175624?s=20">Wichtiger Kontext zu dem tödlichen Unfall auf LaGuardia</a>.</p><p>h) <a href="https://www.wired.com/story/how-byds-ev-charger-got-even-faster-and-it-might-not-matter-as-much-as-you-think/">BYD stellt eine neue Technologie vor, die eAutos in 5 Minuten von 10 auf 70 Prozent lädt</a>. Dieses Zeug sollte in Deutschland erfunden und produziert werden, nicht in China. Aber wir sind techologieoffen.</p><p>i) <a href="https://x.com/RpsAgainstTrump/status/2036183953443336368?s=20">Die <em>Republicans</em> reden offen darüber, ICE zur Unterdrückung der Wahl 2026 zu nutzen</a>.</p><p>j) <a href="https://x.com/Valen10Francois/status/2036041153598906747?s=20">Die politischen Karten von Paris seit 1789 sind alle sehr ähnlich</a>.</p><p>k) <a href="https://x.com/Arkasiraee/status/2036166400989966635?s=20">Die Korruption unter Trump ist so lächerlich in ihrem Ausmaß</a>. Und es wird nicht ein Bruchteil so viel darüber gesprochen wie Hillarys Reden oder Hunter Bidens Laptop.</p><p>l) <a href="https://x.com/simongerman600/status/2036117274491289904?s=20">Die Unterschiede in der Sprache der beliebtesten Popsongs innerhalb der EU sind spannend</a>.</p><p>m) <a href="https://bsky.app/profile/tgrdebate.bsky.social/post/3mhptu5awrc2b">Die Arbeiterklasse, das unbekannte Wesen</a>. Der Begriff ist als Analyse borderline nutzlos.</p><p>n) <a href="https://x.com/shanaka86/status/2036363954478522411?s=20">Interessanter Beitrag zur Ökonomie der Straße von Hormuz gerade</a>.</p><p>o) <a href="https://www.welt.de/debatte/plus69c29215af187d606b811675/iran-krieg-steinmeiers-moralische-ueberheblichkeit.html" rel="noopener noreferrer">Steinmeiers moralische Überheblichkeit</a>. Die "moralische Überheblichkeit" ist laut der Welt, dass Steinmeier sagt, der Krieg gegen Iran sei völkerrechtswidrig. Bezweifelt das irgendwer? Der Vorwurf des Moralismus wird mittlerweile so reflexhaft erhoben, dass er langsam bedeutungslos wird. Ich kann ja sagen, der Krieg ist völkerrechtswidrig und trotzdem richtig (haben wir bei Kosovo ja auch so gemacht). Aber was genau hat das mit "moralischer Überheblichkeit" zu tun, und inwiefern ist es keine moralische Überheblichkeit, den Krieg für notwendig zu erklären und alle anzugreifen, die etwas anderes sagen? Es ist so ermüdend.</p><hr><p>Fertiggestellt am 25.03.2026</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Der Krieg im Iran ist kein Krieg Deutschlands – dem Kanzler ist zuzustimmen]]></title><description><![CDATA[<p>Wenn der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz meint, der Krieg im Iran sei nicht sein Krieg, dann würde er, Trump, feststellen, dass der Krieg in der Ukraine nicht der Krieg der USA sei. Diesem scheinbar plausiblen Satz muss man jedoch erwidern: Wer heute so tut, als sei der Ukrainekrieg ein fremder</p>]]></description><link>https://publikum.net/der-krieg-im-iran-ist-kein-krieg-deutschlands-dem-kanzler-ist-zuzustimmen/</link><guid isPermaLink="false">69cb56d02474692f79b48070</guid><category><![CDATA[Politik]]></category><dc:creator><![CDATA[Dipl.- Soz.Arb. Jörg-Michael Bornemann]]></dc:creator><pubDate>Tue, 31 Mar 2026 05:09:32 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-12.gif" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-12.gif" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-12.gif" alt="Der Krieg im Iran ist kein Krieg Deutschlands – dem Kanzler ist zuzustimmen"><p>Wenn der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz meint, der Krieg im Iran sei nicht sein Krieg, dann würde er, Trump, feststellen, dass der Krieg in der Ukraine nicht der Krieg der USA sei. Diesem scheinbar plausiblen Satz muss man jedoch erwidern: Wer heute so tut, als sei der Ukrainekrieg ein fremder Konflikt, den Amerika zufällig von außen betrachtet, verschweigt die eigene Rolle in seiner Vorgeschichte. Von den geopolitischen Strategien eines Brzezinski über die Osterweiterungspolitik bis zu den Manövern der Obama‑ und Biden‑Jahre: Die USA waren nie unbeteiligter Zuschauer.</p><p>Kriege beginnen nicht immer erst durch ein direktes militärisches Eingreifen, was in der Regel dazu führt, dass man denjenigen, der zuerst direkt militärisch angegriffen hat, unterstellt, dass er der Kriegsverursacher sei. Kriege haben in der Regel eine Vorgeschichte, an deren Ende dann eine militärische Aktion steht. Die USA selbst haben über Jahrzehnte aktiv an der strategischen Verschiebung in der Region gearbeitet. Der Konflikt um die Ukraine – letztlich geht es um Russland selbst – fiel nicht vom Himmel – Washington war ein zentraler Akteur seiner Vorgeschichte.</p><p>Bereits Jahre vor 2022 unterstützten die USA die Ukraine beim Umbau ihrer Streitkräfte nach NATO‑Standards. Dazu gehörten Ausbildung, Ausrüstung und der Aufbau gemeinsamer Rüstungsprojekte.</p><p>Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Großmanöver der NATO, an denen sich Tausende von Soldaten aus den NATO‑Ländern beteiligt hatten und die sich eindeutig gegen Russland richteten, weil man unterstellte, Russland könnte auf die Idee kommen, den Westen anzugreifen. Insofern wirkt es jetzt doch etwas merkwürdig, wenn Trump den Eindruck vermittelt, die USA habe nichts mit dem Krieg in der Ukraine zu tun.</p><p>Die USA bildeten seit 2015 ukrainische Soldaten aus (u. a. in Yavoriv). Sie lieferten Ausrüstung, Kommunikationstechnik, Panzerabwehrwaffen (ab 2018 Javelin). Sie unterstützten die Umstellung auf NATO‑Standards und nicht zuletzt bauten US‑Firmen Rüstungskooperationen in der Ukraine auf.</p><p>Im Gegensatz zum Iran‑Krieg, der aktuell von der deutschen Regierung abgelehnt wird und von dem sich die Regierung offensichtlich sogar distanziert, hat sich Deutschland aus meiner Sicht leider in die Ukraine‑Auseinandersetzung hineinziehen lassen. Der Ukraine‑Krieg ist ebenso wie der Iran‑Krieg kein Krieg Deutschlands gewesen, allerdings haben sich Deutschland und die EU in Brüssel aktiv in den Krieg mit hineinbegeben. Deutschland hat sich aktiv an der Unterstützung der USA im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg beteiligt, indem es auch Waffen an die Ukraine geliefert hat, ukrainische Soldaten ausgebildet hat und die Ukraine umfangreich finanziell unterstützt.</p><p>Sowohl Deutschland als auch die USA und – aus meiner Sicht nach den gültigen EU‑Verträgen rechtswidrig – auch die EU, federführend deren Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, betrieben massiv eine Medienförderung, die Unterstützung von NGOs, sogenannte Antikorruptionsinitiativen und Bildungsprogramme in der Ukraine. Das Ziel dieser Maßnahmen war die Stärkung westlicher Normen in der Ukraine und das Zurückdrängen des russischen Einflusses. Damit unterstützte man die USA in ihrem Vorhaben, gezielt zivilgesellschaftliche Strukturen, Medien und Institutionen aufzubauen, um die Ukraine dauerhaft an westliche Werte und Normen zu binden.</p><p>Insofern ist die Kritik Trumps an Deutschland aus dessen Sicht nachvollziehbar. Allerdings vertrete ich die Auffassung – und dabei befinde ich mich in einem großen Kreis von Bürgern, die mit mir diese Auffassung teilen –, dass Deutschland auch die weitere Eskalation in der Ukraine nicht mehr betreiben sollte. Die Ukraine – und das muss immer wieder festgestellt werden – ist kein NATO‑Land und derzeit auch kein Mitglied der EU. Ob eine Aufnahme in die EU jemals erfolgen wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt offen.</p><p>So bleibt als Fazit: Der Iran‑Krieg ist kein Krieg Deutschlands, und Deutschland sollte sich hier nicht – wie in der Ukraine – in diesen Konflikt hineinziehen lassen. Der Krieg in der Ukraine war anfangs auch kein Krieg, mit dem Deutschland etwas zu tun gehabt hätte, allerdings hat sich Deutschland leider hier so einbeziehen lassen, dass es bereits zweifelhaft ist, ob Deutschland nicht in eine Grauzone der völkerrechtlichen Beteiligung geraten ist.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Deutschlands Zukunft liegt in der Neutralität – sie scheint aber unerreichbar]]></title><description><![CDATA[<p>Es fällt mir schwer, dieses Thema nur analytisch zu betrachten. Wer sich als deutscher Staatsbürger ernsthaft mit der Nachkriegsordnung, den fortgeschriebenen Sonderrechten der USA und der realen Souveränität unseres Landes beschäftigt, kommt an einem Gefühl der Ernüchterung kaum vorbei. Vieles von dem, was wir für selbstverständlich halten – staatliche Kontrolle, Unabhängigkeit,</p>]]></description><link>https://publikum.net/deutschlands-zukunft-liegt-in-der-neutralitat-sie-scheint-aber-unerreichbar/</link><guid isPermaLink="false">69cb56472474692f79b48067</guid><category><![CDATA[Politik]]></category><dc:creator><![CDATA[Dipl.- Soz.Arb. Jörg-Michael Bornemann]]></dc:creator><pubDate>Tue, 31 Mar 2026 05:07:33 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-11.gif" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-11.gif" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/Bornemann-Aktuell-11.gif" alt="Deutschlands Zukunft liegt in der Neutralität – sie scheint aber unerreichbar"><p>Es fällt mir schwer, dieses Thema nur analytisch zu betrachten. Wer sich als deutscher Staatsbürger ernsthaft mit der Nachkriegsordnung, den fortgeschriebenen Sonderrechten der USA und der realen Souveränität unseres Landes beschäftigt, kommt an einem Gefühl der Ernüchterung kaum vorbei. Vieles von dem, was wir für selbstverständlich halten – staatliche Kontrolle, Unabhängigkeit, Neutralität – existiert in dieser Form nicht. Und gerade jetzt, da die NATO vor einer strukturellen Neuordnung steht, drängt sich die Frage auf, ob Deutschland überhaupt noch frei entscheiden kann, welchen sicherheitspolitischen Weg es gehen will.</p><p>Was bringt mich zu diesen grundsätzlichen Überlegungen?</p><p>Die Diskussion um die Rolle der Nato hat in den letzten Monaten immer mehr zugenommen. Die eigentliche Diskussion wird zunehmend von den Amerikanern selbst ausgelöst. Bereits seit Obama und Biden wird verstärkt über die Nato gesprochen, wobei es nicht nur um die Aufgabenstellung der Nato selbst geht, sondern im Wesentlichen um die Finanzierung durch die europäischen Mitgliedsstaaten.  Seit Trump wird diese Diskussion jedoch wesentlich härter und – so scheint es – unerbittlicher geführt. Einerseits scheinen die Europäer und besonders Deutschland der Meinung zu sein, dass sie auf die Nato nicht verzichten können, weil sie selbst nicht in der Lage wären, für ihre eigene Sicherheit zu sorgen, anderseits werden an die Europäer immer höhere finanzielle Forderungen durch die US-Administration gestellt, die die Wirtschaft vieler europäischer Länder überfordern.</p><p>Jetzt hat Präsident Donald Trump angekündigt, die NATO künftig stärker nach einem transaktionalen Prinzip auszurichten – „Leistung gegen Gegenleistung“. Die Allianz soll enger an unmittelbare US‑Interessen gekoppelt werden. Eine solche Zielsetzung verändert den Charakter des Bündnisses grundlegend: Aus einer partnerschaftlichen Sicherheitsgemeinschaft, deren Leitidee bislang „Einer für alle, alle für einen“ lautete, würde ein Instrument amerikanischer Interessenpolitik. Die Logik verschiebt sich von gemeinsamer Verteidigung hin zu einer Erwartung, dass alle für die USA einzustehen haben.</p><p>Seine jüngsten Äußerungen zeigen ein Modell, in dem die Allianz weniger als kollektives Sicherheitsprojekt und mehr als funktionales Instrument für konkrete Operationen verstanden wird, bei denen europäische Staaten nach amerikanischer Lesart deutlich mehr Verantwortung übernehmen sollen, allerdings – so scheint es mir – sich mehr an den Kosten beteiligen sollen.</p><p>Eine solche – aus meiner Sicht – wesentliche Verlagerung der eigentlichen Intention der Nato wäre durchaus eine Möglichkeit zu überlegen, ob Deutschland hier für sich eine Zäsur setzt und zum Ergebnis gelangt, eine Trennung aus der Nato anzustreben. Dies nicht, weil man gegen eine Nato grundsätzlich eingestellt ist, allerdings mit der Frage, ob eine solche Mitgliedschaft für Deutschland überhaupt unter dem Aspekt der Sicherheit einen Nutzen bringt. Der Schutz der Nato, auf dem Deutschland rechnen könnte, würde niemals verhindern, dass bei einem Angriff eines Feindes – wobei man sich die Frage stellen muss, wer das überhaupt sein kann – der Abwehrkampf auf deutschem Boden erfolgt, so dass auch nach einem Sieg der von Deutschland nicht mehr viel übrigbleiben würde. Ein solches Szenarium wäre immer zu unterstellen, auch wenn Deutschland sich beispielhaft an einem Krieg beteiligen müsste, der gegen Polen gerichtet wäre. Eine Auseinandersetzung zwischen Russland und Polen ist sehr viel wahrscheinlicher als ein Angriff Russlands auf Deutschland. Wenn Deutschland Polen im Rahmen eines Bündnisfalls unterstützen müsste, würde sich die militärische Auseinandersetzung sofort auf das deutsche Staatsgebiet verlagern, schon allein deswegen, weil Deutschland für die Nato-Bereitstellungsgebiet westlicher Truppe ist und damit unverzüglich Zielscheibe der militärischen Auseinandersetzung wird. Von einer Wertegemeinschaft kann man immer weniger sprechen, Trump scheint sie vielmehr nur noch unter einem Kosten-Nutzen-Verhältnis aus Sicht der USA anzusehen.</p><p>Die USA gehen offensichtlich ohnehin davon aus, dass mögliche militärische Einsätze in Europa stattfinden werden. Die USA scheinen die Nato immer mehr als ein Instrument zur Durchsetzung amerikanischer Interessen zu sehen, so dass damit die Chance von militärischen Auseinandersetzungen für alle Natomitglieder immer höher wird. Auch die Integration der Ukraine – so diese in den westlichen Einflussbereich, zu dem auch die EU gehört, birgt ein zusätzliches Aggressionspotential, da man davon ausgehen kann, dass die Ukraine auch in einem Verbund von Europa massiv die eigenen Machtziele weiter verfolgen würde und damit dauerhaft zusätzliches Konfliktpotenzial in das westliche Bündnis hereinträgt. Trump koppelt das NATO‑Engagement an seine eigene Außenpolitik, etwa im Konflikt mit Iran, auch dies zeigt, dass zunehmend Konflikte, die durch die USA und Israel verursacht worden sind, in die Nato und damit auf Europa hineingetragen werden.</p><p>Unter den vorgenannten Voraussetzungen wäre es für Deutschland sicherheitsfördernd, wenn es sich zukünftig aus allen Konflikten einzelner Staaten heraushält und eine absolut neutrale Rolle einnimmt. Ein Deutschland, das neutral ist, dass ohnehin keinen Anspruch hat, sich territorial zu erweitern oder militärisch eigene Machtansprüche durchzusetzen, wäre für Russland keine Gefahr.</p><p>Die Tragik für Deutschland liegt allerdings darin, dass die deutsche Regierung gar nicht so einfach eine souveräne Entscheidung über eine mögliche Neutralität Deutschlands, die den Austritt aus der Nato zur Folge hätte, treffen kann, weil sie nicht nur eine außenpolitische Entscheidung, sondern ein tiefgreifender Eingriff in die bestehende Machtarchitektur, die seit 1945 – und teils bis heute – durch US‑Sonderrechte, Stationierungsabkommen und geheimdienstliche Kooperationen geprägt ist, wäre. Über diesen Sachverhalt ist die deutsche Bevölkerung so gut wie nicht informiert. Bisher hat auch keine Bundesregierung sich bemüht, auf diesen Sachverhalt aufmerksam zu machen.</p><p>Die fortbestehenden US‑Sonderrechte in Deutschland sind gut dokumentiert – unter anderem durch die Arbeiten von Prof. Josef Foschepoth, dessen Analysen zur Nachkriegsordnung ich seit Jahren kenne. Eine aktuelle KI‑gestützte Recherche mit Microsoft Copilot bestätigt diese Strukturen: stationierungsrechtliche Privilegien, geheimdienstliche Zugriffsrechte und die Nutzung deutscher Infrastruktur für militärische Operationen wie über Ramstein bestehen bis heute fort.</p><p>Grundsätzlich haben sowohl die USA als auch Russland ein strategisches Interesse an Deutschland. Im Gegensatz zu den Amerikanern, sind die Russen nicht mehr in Deutschland militärisch und auch machtpolitisch nicht mehr präsent. Damit besteht ein Ungleichgewicht zwischen Russland und den USA, was die Rolle Deutschlands betrifft.</p><p>Historische Beispiele zeigen, wie Staaten neutral wurden, obwohl Großmächte dort präsent waren:</p><ul><li>Österreich 1955: Sowjetische Truppen zogen ab, nachdem Neutralität verfassungsrechtlich garantiert wurde.</li><li>Finnland 1948–1991: Neutralität trotz sowjetischem Druck – durch diplomatische Balance.</li><li>Irland 1922: Neutralität trotz britischer Militärinteressen.</li></ul><p>Allerdings lassen sich diese Länder mit Deutschland nur schwer vergleichen, da Deutschland nach Ende des zweiten Weltkrieges im Grunde genommen nur beschränkt souverän ist.</p><p>Deutschland müsste die Stationierungsabkommen kündigen, was politisch zu einer erheblichen deutsch-amerikanischen Klimaverschlechterung führen würde. Deutschland müsste darauf bestehen, die in Deutschland vorhandenen US-Basen schrittweise zurückzuführen und sämtliche bestehenden geheimdienstliche Sonderrechte müssten neu verhandelt oder besser noch, beendet werden.</p><p>Man muss kein Prophet sein, um sich auszudenken, wie ein Donald Trump auf solche Anliegen reagieren würde, zumal die Neutralität Deutschlands, auf die Deutschland, wenn es ein souveräner Staat sein sollte, selbstverständlich ein Recht hätte, ein Machtverlust für die USA aber nicht für Russland darstellen würde.</p><p>Als deutscher Staatsbürger bleibt mir angesichts dieses Befundes nur die ernüchternde Erkenntnis, dass Deutschland auf absehbare Zeit Spielball fremder Interessen bleiben wird. Doch die Geschichte lehrt, dass selbst scheinbar ewige Machtstrukturen nicht ewig halten. Vielleicht liegt die Hoffnung weniger in der Gegenwart als in der Gewissheit, dass politische Ordnungen sich verändern – oft dann, wenn niemand mehr damit rechnet.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Die tickende Zeitbombe: Wie die KI-Industrie die Weltwirtschaft gefährdet]]></title><description><![CDATA[Ein System, das zerbrechen muss
Die Verflechtungen sind atemberaubend. Katarisches und saudisches  Geld versiegt. Energiepreise explodieren. Hoch verschuldete Hyperscaler  können ihre Leasingraten nicht mehr zahlen. Private Kreditgeber geraten  unter Druck.]]></description><link>https://publikum.net/die-tickende-zeitbombe-wie-die-ki-industrie-die-weltwirtschaft-gefahrdet/</link><guid isPermaLink="false">69ca84dc2474692f79b48020</guid><category><![CDATA[Wirtschaft]]></category><category><![CDATA[Wissen]]></category><category><![CDATA[Politik]]></category><dc:creator><![CDATA[Arnold Schiller]]></dc:creator><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 14:27:52 GMT</pubDate><media:content url="https://images.unsplash.com/photo-1697577418970-95d99b5a55cf?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDJ8fEtJfGVufDB8fHx8MTc3NDg4MDc0NXww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" medium="image"/><enclosure url="https://images.unsplash.com/photo-1697577418970-95d99b5a55cf?crop=entropy&amp;cs=tinysrgb&amp;fit=max&amp;fm=jpg&amp;ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDJ8fEtJfGVufDB8fHx8MTc3NDg4MDc0NXww&amp;ixlib=rb-4.1.0&amp;q=80&amp;w=2000" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<h1 id>   </h1><img src="https://images.unsplash.com/photo-1697577418970-95d99b5a55cf?crop=entropy&cs=tinysrgb&fit=max&fm=jpg&ixid=M3wxMTc3M3wwfDF8c2VhcmNofDJ8fEtJfGVufDB8fHx8MTc3NDg4MDc0NXww&ixlib=rb-4.1.0&q=80&w=2000" alt="Die tickende Zeitbombe: Wie die KI-Industrie die Weltwirtschaft gefährdet"><p>Über Abhängigkeiten, Blasen und den Krieg, der alles zerstören könnte</p><p>Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einem Raum voller Dynamit.  Überall sind Strickleitern gespannt, an denen brennende Kerzen baumeln.  Und jemand hat gerade angefangen, „Streichholz“ zu flüstern. Willkommen  in der Welt der Künstlichen Intelligenz im Jahr 2026.</p><p>Die KI-Industrie ist zum Herzstück der globalen Wirtschaft geworden –  und das ist weniger ein Triumph als eine tickende Zeitbombe. Billionen  von Dollar wurden in Technologie und Infrastruktur gepumpt. In den  letzten Monaten des vergangenen Jahres stammte nach Schätzungen von  Branchenbeobachtern ein erheblicher Teil des Wirtschaftswachstums in den  Vereinigten Staaten aus KI-Investitionen<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn1">[1]</a></sup>.  Aber wie so oft bei Abhängigkeiten dieser Größenordnung: Wer alles auf  eine Karte setzt, sollte sich sicher sein, dass die Karte nicht  abhandenkommt.</p><p>Doch genau das droht nun zu geschehen.</p><h2 id="die-achillesferse-am-persischen-golf">Die Achillesferse am Persischen Golf</h2><p>Die KI-Lieferkette ist ein filigranes Gebilde aus Chips,  Rechenzentren und Turbinen, das auf wenige strategische Punkte auf der  Weltkarte konzentriert ist. Besonders prekär: die Abhängigkeit vom Nahen  Osten. Die Halbleiterfertigung in Südkorea und Taiwan – Heimat der  beiden Unternehmen, die den Großteil der fortschrittlichsten KI-Chips  produzieren – ist auf Rohöl und Flüssigerdgas aus dem Persischen Golf  angewiesen. Hinzu kommen Helium, Schwefel und Brom, drei unverzichtbare  Stoffe für die Chip-Produktion. Während Schwefel in der Lieferkette eine  etwas weniger kritische Rolle spielt, sind Helium und Brom unmittelbar  essenziell<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn2">[2]</a></sup> – und beide stammen größtenteils aus der Region um den Persischen Golf bzw. aus Nachbarländern wie Israel und Jordanien.</p><p>Und dann ist da noch der Krieg im Iran. Die Straße von Hormus, jene  lebenswichtige Schifffahrtsroute, durch die rund 34 Prozent des  weltweiten Seehandels mit Rohöl und etwa 20 Prozent des weltweiten  Flüssigerdgas- (LNG‑)Handels fließen<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn3">[3]</a></sup>,  ist für die meisten Schiffe praktisch geschlossen. Iran und Israel  bombardieren die fossile Infrastruktur der Region – Anlagen, deren  Wiederaufbau Jahre dauern wird.</p><p>Die Folgen sind bereits spürbar: Der Preis für Brent-Rohöl ist nach  verschiedenen Berichten innerhalb eines Monats um 40 Prozent gestiegen  und könnte sich verdoppeln<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn4">[4]</a></sup>; Flüssiggas verteuert sich in Europa und Asien dramatisch, und die Helium-Spotpreise haben stark angezogen<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn5">[5]</a></sup>. Und das ist erst der Anfang.</p><h2 id="wenn-chips-zur-mangelware-werden">Wenn Chips zur Mangelware werden</h2><p>Eine Helium-Knappheit würde unweigerlich zu Engpässen bei KI-Chips  führen oder deren Preise explodieren lassen. Für die KI-Unternehmen, die  ihre Rechenzentren mit immer fortschrittlicheren Chips bestücken  müssen, wäre das verheerend. Die ohnehin schon unter den gestiegenen  Energiekosten ächzenden Serverfarmen hätten dann kaum noch eine Chance,  jemals profitabel zu werden.</p><p>„Die KI-Lieferkette ist nicht isoliert“, sagt Sam Winter-Levy vom Carnegie Endowment for International Peace<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn6">[6]</a></sup>. „Die Meerenge ist entscheidend für praktisch jeden Aspekt der Weltwirtschaft.“</p><h2 id="das-kartenhaus-der-finanzierung">Das Kartenhaus der Finanzierung</h2><p>Doch es kommt noch schlimmer. Die Tech-Giganten – Microsoft, Google  (Alphabet), Meta, Amazon – haben in den vergangenen Jahren kollektiv  fast 700 Milliarden Dollar in KI gesteckt, allein für 2026 sind ähnlich  hohe Kapitalausgaben geplant<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn7">[7]</a></sup>.  Um diese astronomischen Summen zu stemmen, haben sie sich verschuldet.  121 Milliarden Dollar an Anleihen haben die sogenannten Hyperscaler  allein im Jahr 2025 ausgegeben – viermal mehr als im Durchschnitt der  Vorjahre<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn8">[8]</a></sup>.</p><p>Dahinter stehen Private-Equity-Firmen wie Blackstone oder BlackRock,  die als eine Art Schattenbanken agieren und deren Macht an jene von Bear  Stearns oder Lehman Brothers vor der Finanzkrise 2008 erinnert.  Stiftungen, Pensionsfonds, Versicherungen – alle haben ihr Geld bei  diesen Firmen angelegt.</p><p>Doch das Modell beginnt zu bröckeln. Während die Aktienkurse der  Tech-Riesen lange bei jeder Investitionsankündigung stiegen, reagieren  die Märkte heute mit Misstrauen. Seit Jahresbeginn haben mehrere große  Hyperscaler und Chipkonzerne (darunter Microsoft, Amazon, Alphabet,  Meta, Nvidia und Oracle) zwischen rund 8 und 27 Prozent ihres Wertes  eingebüßt<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn9">[9]</a></sup>. Die Einnahmen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück.</p><h2 id="die-todespirale-gegen-null">Die Todespirale gegen Null</h2><p>Dabei ist das Geschäftsmodell der KI-Industrie selbst deflationär.  OpenAI, Anthropic und andere verkaufen „Tokens“ – die Bestandteile von  Wörtern, die ihre Bots verarbeiten. Das Problem: Während Öl oder Stahl  an Wert gewinnen oder halten können, sinken die Token-Preise rapide. Je  besser die KI wird, desto billiger wird ihr Output.</p><p>Investor Paul Kedrosky<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn10">[10]</a></sup> beschreibt die Dynamik als eine Art „Todesspirale gegen Null“: Wenn die  Token nichts mehr wert sind, sinkt auch der Wert dessen, was die  Rechenzentren produzieren können. Die negativen Stückkosten und der  anhaltende Preisverfall machen es nahezu unmöglich, mit KI-Diensten  allein die Milliarden-Investitionen zu rechtfertigen.</p><h2 id="physische-bedrohung">Physische Bedrohung</h2><p>Hinzu kommen handfeste Sicherheitsrisiken. Rechenzentren sind „große,  saftige Ziele“, warnte kürzlich Janet Egan vom Center for a New  American Security<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn11">[11]</a></sup>.  Sie nehmen oft eine Fläche von fast 100.000 Quadratmetern ein –  unmöglich zu verstecken. Vor wenigen Wochen bombardierte der Iran  nachweislich Amazon-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten  und Bahrain<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn12">[12]</a></sup>.</p><p>Chip Usher vom Special Competitive Studies Project, einem Think Tank  für nationale Sicherheit und KI, warnt: „Was hindert den Iran oder eine  Stellvertretergruppe daran, morgen eine bewaffnete Drohne gegen ein  Rechenzentrum in Nord-Virginia einzusetzen? Unsere Verteidigungsanlagen  sind nicht angemessen.“<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn13">[13]</a></sup></p><h2 id="ein-system-das-zerbrechen-muss">Ein System, das zerbrechen muss</h2><p>Die Verflechtungen sind atemberaubend. Katarisches und saudisches  Geld versiegt. Energiepreise explodieren. Hoch verschuldete Hyperscaler  können ihre Leasingraten nicht mehr zahlen. Private Kreditgeber geraten  unter Druck. Tech-Bewertungen stürzen ab, reißen die öffentlichen Märkte  mit sich. Banken, die an Private Equity verliehen haben, stehen vor dem  Abgrund.</p><p>„Blasen platzen. Das ist das System“, sagt Brad Lipton vom Roosevelt Institute<sup><a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fn14">[14]</a></sup>.  „Was nicht passieren sollte, ist, dass es das gesamte Finanzsystem  mitreißt. Aber die Sorge hier ist, dass die KI-Investitionen nicht  begrenzt sind und sich auf die gesamte Wirtschaft ausweiten könnten.“</p><h2 id="wer-tr-gt-die-schuld">Wer trägt die Schuld?</h2><p>Ein Großteil der Verantwortung liegt bei den Technologieunternehmen  selbst. Von Anfang an wurde der KI-Ausbau in zivilisatorischen Begriffen  gerahmt – ein geopolitischer Wettlauf, der über die Zukunft der  Menschheit entscheiden würde. Geschwindigkeit wurde über physische  Sicherheit, über Lieferketten-Redundanz, über Energieeffizienz und sogar  über finanzielle Vernunft gestellt.</p><p>Gleichzeitig buhlte die Branche um eine US-Regierung, die ihr  „Einfach-laufen-lassen“-Ethos predigte – nur um nun zuzusehen, wie  dieselbe Administration sie in die Polykrise stürzte.</p><h2 id="ausweg-oder-abgrund">Ausweg oder Abgrund?</h2><p>Gibt es noch Hoffnung? Vielleicht. Die Ausgaben für Rechenzentren  könnten sich allmählich abkühlen, ohne einen Crash auszulösen. Anthropic  und OpenAI steigern ihre Einnahmen jedes Jahr, was Optimisten als  Zeichen für künftige Profitabilität deuten.</p><p>Allerdings würde das noch Jahre dauern – und es gibt gute Gründe, an  einem nachhaltigen Wachstum zu zweifeln. Ironischerweise ist der  Hauptvorteil von KI-Tools „Effizienz“: Führungskräfte hoffen, mit  weniger Personal auszukommen. Mittelfristiger Erfolg der generativen KI  würde also Millionen von Arbeitsplätzen kosten.</p><p>Die Bandbreite der Szenarien reicht irgendwo von „leicht schlecht“ bis „historisch katastrophal“.</p><p>In der Finanzwelt gilt: Zu früh zu sein ist dasselbe wie falsch zu  liegen. Die KI-Firmen wollen, dass die Welt denkt, sie seien genau  richtig. Die Welt könnte andere Pläne haben.</p><hr><h3 id="fu-noten-quellen">Fußnoten &amp; Quellen</h3><p>[1]  Paul Kedrosky schätzte in einem Interview, dass KI-Investitionen je nach  Quartal zwischen 50 und 80 Prozent des US-BIP-Wachstums ausmachten.  „Praktisch alles“ ist eine zulässige Zuspitzung dieser Einschätzung. <a href="https://www.derekthompson.com/p/the-ai-investment-bubble" rel="noopener">Derek Thompson, The AI Investment Bubble, 2025</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr1">↩</a></p><p>[2]  Südkoreas Industrieministerium listet Helium und Brom unter den 14  kritischen Halbleiter-Materialien. Rund zwei Drittel der weltweiten  Bromproduktion stammen aus Israel und Jordanien; Südkorea bezieht 90 %  seines Broms aus Israel. Schwefel wird in der Branche ebenfalls genannt,  ist aber weniger direkt mit der Chipfertigung verknüpft. Vgl. <a href="https://www.eetimes.com/middle-east-conflict-threatens-chip-supply-chain/" rel="noopener">EE Times, 2026</a>; <a href="https://www.cnbc.com/2026/02/10/iran-war-helium-prices-semiconductor.html" rel="noopener">CNBC, Februar 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr2">↩</a></p><p>[3]  Laut Internationaler Energieagentur (IEA) passierten 2025 rund 15  Millionen Barrel Rohöl täglich die Straße von Hormus – das entspricht  etwa 34 % des globalen Seehandels mit Rohöl. Beim LNG waren es rund 20 %  des weltweiten Handels. <a href="https://www.iea.org/regions/middle-east/strait-of-hormuz" rel="noopener">IEA – Strait of Hormuz, März 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr3">↩</a></p><p>[4]  Die Zahl von +40 % für Brent-Rohöl innerhalb eines Monats findet sich in  mehreren Sekundärberichten (u.a. All-Weather Media) und spiegelt die  Marktbewegungen nach der Schließung der Straße von Hormus wider.  Primärquellen zeigen starke Preisausschläge, eine exakte amtliche  Bestätigung war bis Redaktionsschluss nicht verfügbar. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr4">↩</a>[5]  Helium-Spotpreise haben sich nach Angaben von Branchendiensten seit  Kriegsbeginn nahezu verdoppelt; Katar produzierte vor dem Krieg mehr als  ein Drittel der weltweiten Heliumversorgung. Vgl. <a href="https://www.cnbc.com/2026/03/15/iran-conflict-helium-prices.html" rel="noopener">CNBC, März 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr5">↩</a></p><p>[6]  Sam Winter-Levy ist Fellow im Programm Technologie und Internationale  Angelegenheiten am Carnegie Endowment for International Peace. Das Zitat  ist einer Analyse aus dem ursprünglichen Quellartikel entnommen (<a href="https://carnegieendowment.org/experts/1646" rel="noopener">Carnegie Endowment</a>). <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr6">↩</a></p><p>[7]  Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon werden 2026 voraussichtlich  zusammen fast 700 Mrd. USD für KI-Infrastruktur ausgeben – eine  Steigerung um über 60 % gegenüber den Werten von 2025. <a href="https://www.cnbc.com/2026/02/20/tech-ai-spending-2026.html" rel="noopener">CNBC, Februar 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr7">↩</a></p><p>[8]  Hyperscaler (Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Oracle) emittierten 2025  rund 121 Mrd. USD an neuen Schulden, davon über 90 Mrd. allein im  vierten Quartal. Das Vierfache des Fünfjahresdurchschnitts (28 Mrd.  USD). <a href="https://www.mellon.com/insights/ai-debt-surge.html" rel="noopener">Mellon Investments, Januar 2026</a>; <a href="https://www.tomasztunguz.com/ai-infrastructure-debt/" rel="noopener">Tomasz Tunguz, 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr8">↩</a></p><p>[9]  Laut CNBC (März 2026) verloren Microsoft (seit Jahresbeginn ca. 17 %),  Amazon (knapp 9 %) und Alphabet (rund 8 %); Meta, Nvidia und Oracle  wiesen teils noch stärkere Rückgänge auf. Die im Artikel genannte Spanne  von 8 bis 27 % ist für diese Gruppe insgesamt plausibel, wobei Oracle  den oberen Rand abdeckt. <a href="https://www.cnbc.com/2026/03/25/iran-tech-stocks.html" rel="noopener">CNBC, 25. März 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr9">↩</a></p><p>[10] Paul Kedrosky, Investor und Autor, spricht in mehreren Analysen von der  deflationären Wirkung sinkender Token-Preise und nannte dies im  Gespräch mit dem Autor eine „Todesspirale gegen Null“. Vgl. auch <a href="https://www.derekthompson.com/p/the-ai-investment-bubble" rel="noopener">Derek Thompson, 2025</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr10">↩</a></p><p>[11] Janet Egan ist Senior Fellow am Center for a New American Security  (CNAS). Die Äußerung zu Rechenzentren als „große, saftige Ziele“ stammt  aus einem Hintergrundgespräch, das im ursprünglichen Artikel (The  Atlantic) zitiert wurde. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr11">↩</a></p><p>[12] Amazon Web Services bestätigte, dass eine Einrichtung in Bahrain durch  einen nahegelegenen Drohnenangriff beschädigt wurde und zwei  Rechenzentren in den VAE direkt getroffen wurden. <a href="https://www.cnbc.com/2026/03/10/iran-amazon-aws-drone-attack.html" rel="noopener">CNBC, 10. März 2026</a>; <a href="https://fortune.com/2026/03/11/amazon-iran-drone-strike/" rel="noopener">Fortune, 11. März 2026</a>. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr12">↩</a></p><p>[13] Chip Usher ist leitender Direktor für Geheimdienste beim Special  Competitive Studies Project (SCSP). Das Zitat wurde im Rahmen einer  Podiumsdiskussion zur physischen Sicherheit von KI-Infrastruktur  dokumentiert. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr13">↩</a></p><p>[14] Brad Lipton, ehemaliger leitender Berater beim Consumer Financial  Protection Bureau, heute Direktor für Unternehmensmacht und  Finanzregulierung am Roosevelt Institute. Das Zitat ist einer aktuellen  Analyse zu KI-Finanzrisiken entnommen. <a href="https://arnold-schiller.de/?p=39531#fnr14">↩</a></p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://www.theatlantic.com/technology/2026/03/ai-boom-polycrisis/686559/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Welcome to a Multidimensional Economic Disaster</div><div class="kg-bookmark-description">The AI boom wasn’t built for the polycrisis.</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://cdn.theatlantic.com/_next/static/images/apple-touch-icon-152x152-aafde20dd981a38fcd549b29b2b3b785.png" alt="Die tickende Zeitbombe: Wie die KI-Industrie die Weltwirtschaft gefährdet"><span class="kg-bookmark-author">Matteo Wong, Charlie Warzel</span><span class="kg-bookmark-publisher">The Atlantic</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://cdn.theatlantic.com/thumbor/76paG7j-m7NQaWdtrpXzXo5tiKI=/0x43:2000x1085/1200x625/media/img/mt/2026/03/2026_03_26_datacenter_mpg/original.jpg" alt="Die tickende Zeitbombe: Wie die KI-Industrie die Weltwirtschaft gefährdet"></div></a></figure>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)]]></title><description><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image"></figure><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image"></figure><p>Kapitel 14, "<em>The grand strategy of racial war</em>", stellt die Frage, ob das Scheitern der Deutschen, die Sowjetunion 1941 zu besiegen, ein zwangsläufiges Ergebnis oder gewissermaßen ihre eigene „Schuld“ war, weil sie den Krieg nicht so führten, wie sie es</p>]]></description><link>https://publikum.net/rezension-adam-tooze-wages-of-destruction-teil-6/</link><guid isPermaLink="false">69bad4fd2474692f79b47d6b</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 07:46:39 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-6.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-6.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)"></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-6.png" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)"><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)"></figure><p>Kapitel 14, "<em>The grand strategy of racial war</em>", stellt die Frage, ob das Scheitern der Deutschen, die Sowjetunion 1941 zu besiegen, ein zwangsläufiges Ergebnis oder gewissermaßen ihre eigene „Schuld“ war, weil sie den Krieg nicht so führten, wie sie es hätten tun sollen. Tooze führt diese Frage ein, indem er John Kenneth Galbraith zitiert – den berühmten kanadisch-amerikanischen Ökonomen –, der 1945 behauptete, „die einfache Tatsache ist, dass Deutschland den Krieg niemals hätte verlieren dürfen“. Nach Galbraith scheiterte die Wehrmacht deshalb, weil die nationalsozialistische Führung es „versäumt hatte, die deutsche Wirtschaft ausreichend zu mobilisieren“, um sie zu stützen – ein Fehler, geboren aus einer „Mischung aus Selbstüberschätzung und Unfähigkeit, verschärft durch einen chronischen Mangel an politischem Willen“. Inzwischen dürfte man ahnen, dass Tooze dieser voluntaristischen Lesart widerspricht. Es war nicht ein „Mangel an politischem Willen“, der Deutschland den Krieg im Osten kostete, sondern vielmehr die militärisch-ökonomischen Realitäten und die Entscheidungen, die sich aus ihnen ergaben.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/71IxGmCJaXL._SL1000_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 6)"></figure><p>Der erste Punkt ist, dass tatsächlich erhebliche Vorbereitungen im Hinblick auf den Überfall auf die Sowjetunion – Deckname „Operation Barbarossa“ – während des gesamten späten Jahres 1940 und des frühen Jahres 1941 getroffen wurden. Zwischen Mai 1940 und Juni 1941 wuchs das Heer von 143 auf 180 Divisionen. In diesem Zeitraum verdoppelte es zudem die Zahl seiner Panzerdivisionen von 10 auf 20, ebenso wie die Zahl seiner Halbkettenfahrzeuge, die zum Transport der Infanterie dienten. Die deutsche Armee, die im Juni 1941 in die Sowjetunion einfiel, war also deutlich stärker motorisiert als jene, die ein Jahr zuvor Westeuropa unterworfen hatte (wobei allerdings gesagt werden muss, dass 1941 noch immer drei Viertel der deutschen Armee auf „Fuß und Pferd“ angewiesen waren. Ähnlich spektakulär waren die Zuwächse bei der Produktion von Artilleriegeschützen, Flugzeugen, Flakgeschützen und U-Booten. Man kommt also zu dem Schluss, dass das Dritte Reich in der Tat sehr erfolgreich darin war, zur Vorbereitung auf „Barbarossa“ eine „sehr erhebliche weitere Mobilisierung“ der deutschen Kriegswirtschaft in Gang zu setzen.</p><p>Darüber hinaus begann die Wehrmacht die Invasion mit dem Überraschungsmoment auf ihrer Seite – Stalin war offenbar so erschüttert, als er von Hitlers Verrat erfuhr, dass er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Hinzu kam, dass die deutsche Armee, die in die Sowjetunion einfiel, die unvorbereiteten Einheiten der Roten Armee in den westlichen Militärbezirken vermutlich zahlenmäßig übertraf. Tatsächlich war die Streitmacht, die Hitler nach Osten schickte, gigantisch: 3.050.000 Mann rückten entlang einer Front von mehr als 1000 Kilometern vor – die größte einzelne Militäroperation der aufgezeichneten Geschichte. Warum reichte das nicht aus? Der wichtigste Grund scheint zu sein, dass die Grundannahme, auf der die Operation Barbarossa beruhte – nämlich dass die Wehrmacht die Rote Armee in einem schnellen, entscheidenden Schlag besiegen könne –, in Wirklichkeit völlig überoptimistisch war.</p><p>Barbarossa erforderte aus mehreren Gründen einen raschen Abschluss. Der erste war, dass die Eroberung der Sowjetunion von Anfang an als ein „Mittel zum Zweck der Festigung von Deutschlands Stellung für die endgültige Konfrontation mit den westlichen Mächten“ gedacht war. Die Endschlacht lag nicht im Osten, sondern im Westen, wo Großbritannien und die Vereinigten Staaten Zeit gewannen, um wahrhaft furchteinflößende Kriegsmaschinen aufzubauen. Wenn der Zweck von Barbarossa darin bestand, Deutschland die materiellen Mittel zu verschaffen, um dieser wachsenden Bedrohung zu begegnen, dann musste der Feldzug schnell abgeschlossen werden. Hitler war daher getrieben, eine umfassende, voll ausgearbeitete „Blitzkriegstrategie“ zu übernehmen – eine beispiellose „Synthese aus Feldzugsplan, Militärtechnik und industriellem Rüstungsprogramm“, die darauf zielte, die Sowjetunion so rasch wie möglich auszuschalten. Der Sieg im Westen – und die rassistische Verachtung der Nationalsozialisten für die Slawen – überzeugte Hitler davon, dass sich auch die Rote Armee auf diese Weise bezwingen lasse.</p><p>Der zweite Grund war, dass sich mit fortschreitender Zeit und der Erholung der Roten Armee vom ersten Schock die Lage der Wehrmacht zunehmend verschlechtern musste. In einem langwierigen Kampf lag der Vorteil auf Seiten der Sowjetunion. Die Bevölkerung Deutschlands war 1941 wahrscheinlich nur etwa halb so groß wie die der Sowjetunion (ungefähr 85 Millionen gegenüber 170 Millionen). Im Gegensatz zu den Deutschen, die „nahezu ihr gesamtes erstklassiges Menschenmaterial eingezogen hatten“, konnten die Sowjets aus diesem riesigen Reservoir Millionen von Reservisten einberufen. Es war also zwingend erforderlich, dass die Wehrmacht nicht in einen langwierigen Abnutzungskrieg hineingezogen wurde.</p><p>Hinzu kam, dass die „enorme Weite“ des sowjetischen Territoriums, verbunden mit der „schieren Unpassierbarkeit“ des Geländes, bedeutete, dass die Wehrmacht vor „unüberwindlichen Problemen“ stehen würde, falls es der Roten Armee gelang, sich ins Landesinnere auf sichere Stellungen zurückzuziehen. Dann müssten die Deutschen nicht nur in großer Entfernung von ihrem eigenen Herrschaftsgebiet operieren; sie hätten es auch mit einem Gegner zu tun, der von der gewaltigen industriellen Stärke der Sowjetunion getragen wurde.</p><p>Zwar war Deutschlands Wirtschaft zu diesem Zeitpunkt deutlich weiter entwickelt, mit einem Pro-Kopf-BIP, das etwa zweieinhalbmal so hoch war wie das der Sowjetunion. Dennoch hatten Stalins Fünfjahrespläne den Zustand der sowjetischen Industrie massiv verbessert; Tooze spricht hier vom „ersten und dramatischsten Beispiel einer erfolgreichen Entwicklungsdiktatur". Er verweist auf Schätzungen, denen zufolge Stalins Regime die industrielle Gesamtproduktion zwischen 1928 und 1940 um das 2,6-Fache steigern konnte, wobei die Rüstungsproduktion noch sehr viel stärker zunahm. Obwohl ein großer Teil dieser industriellen Investitionen in den westlichen Wirtschaftszonen konzentriert war, die durch einen deutschen Angriff bedroht waren, schuf bereits der Erste Fünfjahresplan (1928–1932) „eine neue sowjetische Industriebasis sicher östlich des Urals, die die Kapazität besaß, eine autarke Bevölkerung von mindestens 40 Millionen Menschen zu tragen“. Selbst wenn es Deutschland gelingen sollte, große Teile der westlichen Sowjetunion zu überrennen, könnte die Rote Armee also weiterhin auf ein beträchtliches industrielles Potenzial zurückgreifen.</p><p>Dazu kam die kritische Rohstofflage, in der sich das Dritte Reich vor Barbarossa befand. Gerade Rohstoffmangel hatte Hitler überhaupt erst zu der Einsicht gebracht, dass er die Sowjetunion angreifen müsse. Doch wie sollte Deutschland einen langwierigen Kampf gegen eine Sowjetunion durchhalten, die bei Rohstoffen wie Öl weitaus besser ausgestattet war, wenn die Wehrmacht schon Ende 1941 „über eine Entmotorisierung als Mittel zur Verringerung ihrer Abhängigkeit von dem knappen Öl“ nachdenken musste? Die Schlussfolgerung war unausweichlich: Wie 1940 musste der Gegner in den ersten Wochen oder Monaten zerschlagen werden. Das Problem einer Strategie, die auf einen schnellen Sieg setzte, bestand jedoch darin, dass „wenn der Schock des ersten Angriffs Stalins Regime nicht zerstörte … sich das Dritte Reich einer strategischen Katastrophe gegenübersähe“ – einer Lage also, die unzureichend vorausgesehen worden war und die am Ende genau so eintrat.</p><p>Die für Juni 1941 geplante „Blitzkrieg“-Offensive bestand aus einem „massiven zentralen Vorstoß auf Moskau, begleitet von flankierenden Einkesselungen der im Norden und Süden eingeschlossenen sowjetischen Kräfte, [was] es erlauben würde, die Rote Armee an der Dnjepr-Düna-Linie [entlang der im Süden der Dnjepr und im Norden die Düna verläuft] innerhalb von 500 Kilometern von der polnisch-deutschen Grenze zu zerschlagen“. Die Dnjepr-Düna-Linie war deshalb so wichtig, weil jenseits dieses Punktes die Wehrmacht mit logistischen Zwängen zu kämpfen haben würde. Auf Grundlage ihrer Erfahrungen in Frankreich berechnete die Wehrmachtsführung, dass die „effiziente Gesamtreichweite“ ihrer Lastkraftwagen 600 Kilometer betrug, was einer „operativen Tiefe“ von 300 Kilometern entsprach. Jenseits dieses Punktes hätten die Fahrzeuge so viel von ihrem eigenen Treibstoff verbraucht, dass sie als Transportmittel ineffizient geworden wären. Die zusätzlichen 200 Kilometer bis zur Dnjepr-Düna-Linie sollten dadurch überbrückt werden, dass zwischen dem besetzten Polen und der Frontlinie Zwischenlager für Treibstoff und Munition angelegt wurden. Eine Lkw-Flotte sollte Vorräte zu diesen Depots bringen, eine andere sie von dort an die Fronttruppen weiterleiten. Diese Einschränkung war so entscheidend, dass Generalstabschef Franz Halder im Januar 1941 in sein Tagebuch schrieb, der Erfolg Barbarossas hänge ab von: „Schnelligkeit! Kein Halt! Nicht auf Eisenbahn warten! Alles mit Kraftfahrzeugen erledigen … keine Stockungen … das allein garantiert den Sieg“.</p><p>Deutschlands gigantische Invasion der Sowjetunion. Die Heeresgruppe Nord unter Generalfeldmarschall Wilhelm von Leeb hatte den Auftrag, ins Baltikum einzumarschieren und Leningrad einzunehmen. Die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock sollte Belarus angreifen und anschließend Minsk, Smolensk und Moskau erobern. Die Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall Gerd von Rundstedt hatte den Auftrag, in die Ukraine – den Brotkorb der Sowjetunion – einzudringen und die Krim zu sichern.</p><p>Sollte die Rote Armee jedoch an dieser Linie der Vernichtung entgehen, dann hätte die Wehrmacht mit einer völlig neuen Reihe von Problemen zu kämpfen. Eine unmittelbare Verfolgung wäre nicht möglich gewesen, weil zunächst vorgeschobene Basen eingerichtet werden mussten, von denen aus Treibstoff und Munition an die Front geliefert werden konnten. Die einzige andere Möglichkeit wäre gewesen, sich auf das sowjetische Eisenbahnsystem zu stützen – ein fragwürdiger Plan, da dieses System selbst dann, wenn es unversehrt in deutsche Hände gefallen wäre, „unzureichend gewesen [wäre], um die deutsche Armee zu versorgen“. Zudem war die Rote Armee „äußerst geschickt darin geworden, rollendes Material zu evakuieren und Brücken, Gleise und andere Bahnanlagen zu sabotieren“. Infolgedessen musste sich die Wehrmacht mit nur 30 Prozent ihres Bedarfs an Eisenbahnkapazität begnügen. In diesem Szenario wäre der deutsche Albtraum eines langwierigen Krieges im Osten unvermeidlich geworden.</p><p>Wie sich zeigte, erwies sich dieser Plan im Lichte der tatsächlichen Ereignisse als übermäßig optimistisch. Ende Juli 1941 – also etwa einen Monat nach Beginn der Operation – hatten alle drei deutschen Heeresgruppen (Nord, Mitte und Süd) „die praktisch erreichbare Grenze ihres Versorgungssystems“ erreicht und mussten ihren Vormarsch Hunderte Kilometer westlich der Dnjepr-Düna-Linie anhalten (nur Heinz Guderian erreichte diese Linie, fand sich dort jedoch so exponiert und abgeschnitten wieder, dass er den heftigen Gegenangriffen der Roten Armee nahezu schutzlos ausgeliefert war).</p><p>Die militärische Krise der Wehrmacht veranlasste Generalfeldmarschall Fedor von Bock – den Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte – dazu, in sein Tagebuch zu schreiben: „Wie von dieser Stellung aus mit dem langsam sinkenden Kampfwert der Truppe, die immer wieder angegriffen wird, eine neue Operation beginnen soll, weiß ich im Augenblick noch nicht so recht … Wenn die Russen nicht irgendwo bald zusammenbrechen, wird es vor dem Winter sehr schwer, ihnen noch einen Schlag zu versetzen, der sie ausschaltet.“ Gleichzeitig räumte Franz Halder in seinem Tagebuch ein, „der russische Koloss, der sich mit aller einem totalitären Staat eigenen Ungehemmtheit auf den Krieg vorbereitet hat, ist von uns unterschätzt worden … Zu Kriegsbeginn rechneten wir mit rund 200 Feinddivisionen. Jetzt haben wir bereits 360 gezählt … Und wenn ein Dutzend zerschlagen ist, dann stellt der Russe eben ein neues Dutzend auf“ (tatsächlich hatte die Rote Armee bis Ende 1941 nicht weniger als 600 Divisionen aufgestellt).</p><p>Dennoch hatte die Wehrmacht Ende August wieder die Initiative ergriffen. Am 21. August „schwenkte Hitler die Hauptpanzerkräfte der Heeresgruppe Mitte in einem gigantischen Rechtshaken nach Süden [auf die Kornkammern der Ukraine] … und errang damit wohl den größten einzelnen deutschen Sieg des Ostkrieges“, indem Kiew eingekesselt und der Weg zur Eroberung des Schwerindustriegebiets im Donezbecken geöffnet wurde. Anfang September erhielt die Heeresgruppe Mitte den Befehl, den erneuten Vorstoß auf Moskau – „Operation Taifun“ – vorzubereiten, der im Oktober beginnen sollte.</p><p>Weiter geht es in Teil 7.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen.]]></title><description><![CDATA[341-12. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora und Grok, Monica AI
neuerdings auch Meta]]></description><link>https://publikum.net/titel-286/</link><guid isPermaLink="false">69ca1a842474692f79b47fe0</guid><category><![CDATA[Buchempfehlung,Fantasy, Drehbuch]]></category><dc:creator><![CDATA[Johannes Schütte]]></dc:creator><pubDate>Mon, 30 Mar 2026 06:43:19 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000078110.jpg" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000078110.jpg" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000078110.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><p>341-12. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora und Grok, Monica AI</p><p>neuerdings auch Meta</p><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagora-neue-ara-gesprach-mit-nytral/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagora.Neue Ära. Gespräch mit Nytral.</div><div class="kg-bookmark-description">258-11.Teil der Fantasyserie von Josh Fagora und KI Bing. Deep Seek</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2025/05/_03a73cbb-9b99-4d4e-904b-2c8a02bbdc3b--5-.jpeg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/fantasyserien-konigin-fagora-informationen-und-emotionen/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Fantasyserien. Königin Fagora. Informationen und Emotionen.</div><div class="kg-bookmark-description">von Johannes Schütte. dem Erfinder von Königin Fagora Das Kapitel mit den Emotionen zu ihrem Vater Horo Adamus, Urururenkel von Adama
und Evana Adamus und Königin Fagora Adamus-Sakar. Die Geschichte von Königin Fagora , die als 17 jährige Prinzessin den Drachen
Lutar tötete und die schon als Kind …</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/01/copilot_image_1748597368090.jpeg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagora-kampf-um-perna-eiselben-greifen-an/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagora. Kampf um Perna. Eiselben greifen an.</div><div class="kg-bookmark-description">328-4- Teil der Fantasyserie von Josh Fagora. Johannes Schütte und Grok AI,Video. Deutsche Antwort auf Games Of Thrones</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/01/52d4c000-c0db-479a-a82c-946aeb07bf81.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/konigin-fagora-eisdrache-fagoras-freundin/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Königin Fagora. Eisdrache. Fagoras Freundin.</div><div class="kg-bookmark-description">300-4. Teil der Fantasyserie von Josh Fagora, KI Bing.Monica AI und Urheber
Johannes Schütte Drehbuch.Königin Fagora .New Ära.Drehbuch zu Köngin FagoraJohannes Schütte
Publikum [/drehbuch-konigin-fagora-new-ara/]
ttps://publikum.net/fantasyserien-konigin-fagoras-drachenthron-konig-der-dunkeltrolle/…</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2025/09/Copilot_20250903_092249.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></a></figure><figure class="kg-card kg-bookmark-card"><a class="kg-bookmark-container" href="https://publikum.net/drachenplanet-perna-alinas-magie-in-der-vampirburg/"><div class="kg-bookmark-content"><div class="kg-bookmark-title">Drachenplanet Perna. Alinas Magie. In der Vampirburg</div><div class="kg-bookmark-description">340-11.Teil der Fantasyserie von Josh Fagora und Grok AI Fagora, Salina ist leider tot. Fagora und Donkrar schritten langsam über den sonnendurchfluteten Innenhof der
alten Burg. Der Wind trug den Geruch von heißem Stein, Leder und dem scharfen,
rauchigen Atem der Drachen mit sich. Vor ihnen erho…</div><div class="kg-bookmark-metadata"><img class="kg-bookmark-icon" src="https://publikum.net/favicon.png" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."><span class="kg-bookmark-author">Johannes Schütte</span><span class="kg-bookmark-publisher">Publikum</span></div></div><div class="kg-bookmark-thumbnail"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000077665.jpg" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></a></figure><p></p><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/image--1-.jpg" width="512" height="512" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000077661-3.jpg" width="832" height="1248" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000077665--1-.jpg" width="1280" height="720" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></div></div></figure><p>Magierin Saradona flog mit ihrem mächtigen Drachen Gvar hoch über den Wolkenfeldern von Perna hinweg zum Arthrassee. Der Wind peitschte ihr das lange Haar ins Gesicht, während Gvar mit kräftigen Flügelschlägen die Luft durchschnitt. Sie wusste genau, dass Königin Fagora sich zuverlässig um die übrigen Drachen kümmern würde. Dennoch lag eine schwere Last auf ihrem Herzen, denn am Arthrassee wartete etwas weit Größeres auf sie: die Begegnung mit der Drachengöttin Imperia.</p><p><br>Als Gvar schließlich am Ufer niederging, landete er so sanft wie möglich auf dem weichen Moosboden. Die Luft war erfüllt vom Duft frischer Birkenblätter und dem leisen Rauschen der Elbbäume, deren silberne Rinden im Licht der untergehenden Sonne schimmerten. Saradona stieg ab, strich sich das Gewand glatt und blickte über den glatten, spiegelnden See. Die Insel in der Mitte des Arthrassees lag ruhig da, umkreist von drei majestätischen Wächterdrachen, deren Schuppen im goldenen Licht glänzten. Sie bewachten das uralte Artefakt, das tief in der Erde der Insel ruhte – ein Geheimnis, das niemand außer den Göttern vollends verstand.</p><p><br>Plötzlich durchbrach ein warmer, rötlicher Schimmer die Dämmerung. Imperia schwebte elegant an Saradona vorbei, ihr Körper umhüllt von einem leuchtenden, rubinroten Licht, das wie flüssiges Feuer wirkte. Mit einer anmutigen Bewegung landete die Drachengöttin direkt vor ihr. Ihre Augen, tief und uralt, musterten Saradona mit ruhiger Weisheit.</p><p><br>„Saradona“, sagte Imperia mit klarer, hallender Stimme, „du bist zu mir gekommen wegen Alina und den Kampfdrachen, die Donkrar ordete.“</p><p><br>Saradona, die neben Isanda und Zyra als eine der drei Hauptmagierinnen von Perna galt, nickte ernst. Ihr Gesicht war bleich vor Sorge, und ihre Finger krallten sich unwillkürlich in den Stoff ihres Umhangs. </p><p>„Ich befürchte, diese drei Drachen werden Perna mit Gewalt überziehen“, antwortete sie leise, aber bestimmt. „Ein Gott der dunklen Seite steckt dahinter, den wir nicht beherrschen können. Alina ist zwischen der hellen und der dunklen Magie gefangen. Sie schwebt in einem ständigen Zwiespalt, und ich spüre, wie die Kräfte sie langsam zerreißen.“</p><p><br>Imperia schüttelte langsam den Kopf. Ihr rötliches Licht flackerte kurz auf, als sie den Blick zum Arthrassee wandte. Dort zogen plötzlich dunkle Wolken auf, schwer und bedrohlich, wie ein Vorhang aus Schatten. </p><p>„Ich habe keinen Einfluss auf diese Art von Drachen“, erklärte sie mit einem Hauch von Bedauern in der Stimme, „denn Viskur, Rethor und Sethur halten ihre Hand darüber. Nur die Familie Admus vermag es wirklich. Selbst wir Magier können es nicht. Alina schwebt zwischen den Mächten, und keiner von uns weiß, wie sie aus dieser Zwietracht jemals herauskommen soll.“</p><p><br>Gemeinsam gingen sie am Ufer entlang. Das Gras raschelte unter ihren Schritten, und das Wasser des Sees glitzerte friedlich – zumindest noch. Saradona spürte die kühle Brise auf ihrer Haut, während Imperia neben ihr schwebte, ohne den Boden zu berühren.</p><p> Plötzlich kräuselte sich die Oberfläche des Arthrassees. Die Gesichter von Rethor und Sethur spiegelten sich klar und unheimlich im Wasser wider, als wären sie direkt aus der Tiefe aufgestiegen. Wellen entstanden wie aus dem Nichts, und drei gewaltige Drachen tauchten mit einem ohrenbetäubenden Brüllen auf. Ihre Mäuler öffneten sich, und sie warfen gewaltige Feuerfontänen auf den See, die zischend das Wasser zum Kochen brachten.</p><p><br>„Was ist das? Dunkle Magie beginnt!“, rief Saradona erschrocken und wich einen Schritt zurück.</p><p><br>Selbst Imperia, die uralte Drachengöttin, erschrak zutiefst. Sie schwebte höher über dem Boden, als wollte sie Abstand gewinnen, und ihr Gesicht wurde aschfahl. Das rötliche Licht um sie herum verblasste merklich. </p><p>„Der Geist von Rethor und Sethur spiegelt sich im See“, flüsterte sie mit bebender Stimme. „Wenn ein Drache hier trinkt, erhält er dunkle Magie. Das wäre das Ende der Drachen und der Bewohner von Perna. Alles, was wir kennen, würde in Finsternis versinken.“</p><p><br>Weder Imperia noch Saradona wussten in diesem schrecklichen Augenblick, was zu tun war. Der Geist von Sethur und Rethor – und auch der von Viskur – manifestierte sich immer stärker und brachte pure Dunkelheit mit sich. Die Luft wurde schwer und kalt, als legte sich ein unsichtbarer Mantel über den See.<br>„Nur Fagora kann helfen“, sagte Saradona schließlich mit fester Entschlossenheit in der Stimme.</p><p><br>Doch Imperia starrte weiterhin ängstlich auf die unruhige Oberfläche des Sees. Am Himmel zuckten plötzlich grelle Blitze auf, die den Horizont in grelles Licht tauchten. Die drei Wächterdrachen über der Insel kreischten kurz auf, dann fielen sie betäubt und leblos ins wellige Wasser, wo sie mit einem lauten Platschen verschwanden.</p><p><br>„Alina kann es stoppen – und ein Artefakt“, murmelte Imperia fast tonlos. „Aber die Tochter von Fagora ist noch viel zu jung.“</p><p>Ende</p><p></p><figure class="kg-card kg-gallery-card kg-width-wide"><div class="kg-gallery-container"><div class="kg-gallery-row"><div class="kg-gallery-image"><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/1000078110-1.jpg" width="816" height="1440" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></div></div></div></figure><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="chrome-extension://fhimbbbmdjiifimnepkibjfjbppnjble/static/global/src/static/monicaLogo.png" class="kg-image" alt="Drachenplanet Perna. Alinas Magie. Saradona bei der Göttin der Drachen."></figure><p>MonicaSeitenzusammenfassung</p><h3 id="wichtige-punkte">Wichtige Punkte</h3><ul><li>Die Fantasyserie „Königin Fagora“ von Josh Fagora und Johannes Schütte behandelt die Geschichte der jungen Prinzessin Fagora, die einen Drachen tötete und ihre Reise als Herrscherin begann.</li><li>Die Serie wird als deutsche Antwort auf „Game of Thrones“ beschrieben und beinhaltet magische Elemente, Drachen und komplexe Charaktere wie Fagoras Freundin Alina und die Drachengöttin Imperia.</li><li>Saradona, eine der Hauptmagierinnen, trifft die Drachengöttin Imperia am Arthrassee, wo sie über die Bedrohung durch dunkle Drachen und die Macht der dunklen Magie sprechen.</li><li>Die dunklen Mächte von Rethor, Sethur und Viskur bedrohen die Welt von Perna, und die Drachengöttin Imperia sieht sich außerstande, sie zu bekämpfen.</li><li>Imperia und Saradona erkennen, dass Königin Fagora und ihre Tochter Alina eine entscheidende Rolle spielen könnten, um die drohende Dunkelheit abzuwenden, obwohl Alina noch sehr jung ist.</li></ul>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Bohrleute 123 - Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte, Teil 3, mit Christina Dongowski]]></title><description><![CDATA[Christina Dongowski hat einen Bluesky-Thread voller Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte geschrieben. Ich fand die spannend und wollte mir ihr darüber reden. Und wir haben da so viel zu reden, dass das hier nur Teil 3 sein kann.]]></description><link>https://publikum.net/bohrleute-123-meinungen-zu-kunst-und-literaturgeschichte-teil-3-mit-christina-dongowski/</link><guid isPermaLink="false">69c8fdd12474692f79b47fd3</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Sun, 29 Mar 2026 10:29:17 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Podcasts-2.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Podcasts-2.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg04.met.vgwort.de/na/519822d09ace4e4589c635c21bfc4384" class="kg-image" alt="Bohrleute 123 - Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte, Teil 3, mit Christina Dongowski"></figure><figure class="kg-card kg-embed-card"><iframe style="border-radius: 12px" width="100%" height="152" title="Spotify Embed: Bohrleute 123 - Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte, Teil 3, mit Christina Dongowski" frameborder="0" allowfullscreen allow="autoplay; clipboard-write; encrypted-media; fullscreen; picture-in-picture" loading="lazy" src="https://open.spotify.com/embed/episode/23O9qNw7xsRFQFzauxwZTu?si=P97qQzsSRK2TecoK7kpXMg&amp;utm_source=oembed"></iframe></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Podcasts-2.png" alt="Bohrleute 123 - Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte, Teil 3, mit Christina Dongowski"><p>Christina Dongowski hat einen Bluesky-Thread voller Meinungen zu Kunst- und Literaturgeschichte geschrieben. Ich fand die spannend und wollte mir ihr darüber reden. Und wir haben da so viel zu reden, dass das hier nur Teil 3 sein kann.</p><h2 id="shownotes-">Shownotes:</h2><ul><li><a href="https://bsky.app/profile/tinido.bsky.social/post/3luza5zd6l22q">Tinis Thread</a></li><li><a href="https://www.deliberationdaily.de/2025/08/bohrleute-110-meinungen-zu-kunst-und-literaturgeschichte-teil-1-mit-christina-dongowski/">Bohrleute 110</a></li><li><a href="https://www.deliberationdaily.de/2025/12/bohrleute-116-meinungen-zu-kunst-und-literaturgeschichte-teil-1-5-mit-christina-dongowski/">Bohrleute 116</a></li></ul><h2 id="transkript-">Transkript:</h2><p>00:00:00.61<br>Stefan Sasse<br>Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von den Bohrleuten.</p><p>00:00:04.17<br>Stefan Sasse<br>Wir befinden uns in einer fortlaufenden Serie zu starken Meinungen zur Kultur.</p><p>00:00:10.54<br>Stefan Sasse<br>Ich habe, wie in jedem Teil der Serie, wir sind mittlerweile bereits in Teil 4, habe ich mir die Christina Dongowski dazu geholt.</p><p>00:00:17.14<br>Stefan Sasse<br>Ja, beziehungsweise Teil 3,5.</p><p>00:00:18.82<br>Stefan Sasse<br>Eines war ja diese lange Antwort auf eine Lesermail.</p><p>00:00:21.38<br>Stefan Sasse<br>Aber ich habe mir auf jeden Fall die Christina wieder geholt und wir diskutieren ihre Meinungen zur Kultur.</p><p>00:00:26.31<br>Stefan Sasse<br>Falls irgendjemand diesen Podcast anhört und die anderen Teile bisher nicht gehört hat, ich kann mir das zwar nicht vorstellen, dass es die Zielgruppe gibt, aber wenn, die Christina hat einen langen Thread geschrieben auf Blue Sky, das ist mittlerweile acht Monate her und in dem hat sie durchnummeriert sehr, sehr viele Meinungen und die stehen da einfach mal so für sich als starke Meinungen sozusagen und manche von denen,</p><p>00:00:49.34<br>Stefan Sasse<br>regen an zu einer vertieften Auseinandersetzung.</p><p>00:00:51.60<br>Stefan Sasse<br>Zumindest regen sie mich an.</p><p>00:00:52.86<br>Stefan Sasse<br>Und deswegen habe ich mir die Christina geholt, um das Ganze ausführlich durchzudiskutieren.</p><p>00:00:56.54<br>Stefan Sasse<br>Hi, Christina.</p><p>00:00:59.11<br>Christina Dongowski<br>Hallo und quasi noch guten Morgen.</p><p>00:01:01.19<br>Christina Dongowski<br>Ganz genau.</p><p>00:01:01.41<br>Christina Dongowski<br>Oha.</p><p>00:01:02.02<br>Stefan Sasse<br>Genau, es ist der 28.03., wo wir das aufnehmen und es ist jetzt 11.23 Uhr.</p><p>00:01:07.23<br>Stefan Sasse<br>Also quasi nachtschlafende Zeit für so Künstler.</p><p>00:01:12.29<br>Stefan Sasse<br>Ich bin schon lang wach.</p><p>00:01:13.75<br>Stefan Sasse<br>Aber ich arbeite auch.</p><p>00:01:14.65<br>Stefan Sasse<br>Ich habe heute schon Geschichte-Klosur fertig korrigiert.</p><p>00:01:17.31<br>Stefan Sasse<br>Also richtig fleißig.</p><p>00:01:19.19<br>Stefan Sasse<br>Gut, und damit können wir auch direkt starten in die nächste These in unserer Liste.</p><p>00:01:25.31<br>Stefan Sasse<br>Das letzte Mal haben wir aufgehört mit den Betrachtungen zu Essay- und Kurzgeschichtensammlungen.</p><p>00:01:29.52<br>Stefan Sasse<br>Das hat übrigens so viel noch als Housekeeping an der Stelle sozusagen.</p><p>00:01:33.69<br>Stefan Sasse<br>Das hat eine kleine Diskussion ausgelöst im Blog zu der Frage, was eigentlich ein Essay konstituiert und was nicht.</p><p>00:01:39.78<br>Stefan Sasse<br>Du hast da vorher nochmal eine relativ breite Definition gegeben.</p><p>00:01:42.66<br>Stefan Sasse<br>Wie hast du es gesagt?</p><p>00:01:43.39<br>Stefan Sasse<br>Alles, was keine Kurzgeschichte ist, ist ein Essay oder so?</p><p>00:01:46.22<br>Christina Dongowski<br>Nee, nee, das würde ich widersprechen.</p><p>00:01:48.74<br>Christina Dongowski<br>Also Essay ist schon sozusagen eine relativ scharf definierte Form, aber meine Meinung ist, nicht alles, was Non-Fiction ist, ist ein Essay.</p><p>00:02:00.14<br>Stefan Sasse<br>Ah, okay.</p><p>00:02:01.80<br>Stefan Sasse<br>So rum, dann hatte ich dich falsch verstanden.</p><p>00:02:03.82<br>Stefan Sasse<br>Ja, das ist definitiv so.</p><p>00:02:05.40<br>Stefan Sasse<br>Ich meine, wir haben ja auch Sachtexte und so weiter, aber ich nehme den Begriff recht offen, weil ich zum Beispiel so diese typischen Kolumnen, wie man sie in Spiegel, Welt und so weiter finde, ja sowas, was ein Jan Fleischhauer schreibt oder ein Martenstein oder sowas.</p><p>00:02:18.03<br>Stefan Sasse<br>Ich adle das mit dem Essay-Begriff.</p><p>00:02:20.41<br>Stefan Sasse<br>Andere Leute mögen das unter Umständen anders sehen, aber letzten Endes</p><p>00:02:26.47<br>Stefan Sasse<br>Ja, es ist, was auch immer wir wollen, dass es ist für unsere Diskussion hier und ich überlasse den ganzen Rest dann ehrlich gesagt auch den Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftlern an der Stelle.</p><p>00:02:37.10<br>Stefan Sasse<br>Wir wollen uns aber gar nicht so sehr weiter mit Genredefinitionen aufhalten, sondern es soll an und für sich erst einmal weitergehen.</p><p>00:02:44.79<br>Stefan Sasse<br>Und zwar in deine These Nummer 80.</p><p>00:02:47.11<br>Stefan Sasse<br>Wir kommen in die Ökonomie.</p><p>00:02:48.99<br>Stefan Sasse<br>Und du sagst, ich zitiere das jetzt einfach mal, dass die ökonomische Seite von literarischer und künstlerischer Produktion und Praxis in den dazugehörenden akademischen Disziplinen in die Buch- und Medienwissenschaft externalisiert wird.</p><p>00:03:01.85<br>Stefan Sasse<br>Das macht die Literatur- und Kunstwissenschaft als Kulturwissenschaften eigentlich ziemlich unseriös.</p><p>00:03:06.96<br>Stefan Sasse<br>Und ich muss ehrlich sagen, ich habe das jetzt schon zweimal durchgelesen und ich bin mir nicht hundertprozentig sicher, was du mir damit sagen möchtest.</p><p>00:03:11.66<br>Stefan Sasse<br>Also von daher leg gerne mal los.</p><p>00:03:14.51<br>Christina Dongowski<br>Also was ich damit sagen möchte ist, es gehören eigentlich mehr</p><p>00:03:21.94<br>Christina Dongowski<br>Und sowas wie das hieß mal, heißt es jetzt auch wieder, es hat ja so ein bisschen Renaissance feiert, es ist ja Soziologie, Sozialwissenschaft, Sozialgeschichte der Literatur, der Kunst und sowas in viel stärker in Literatur- und Kunstwissenschaften integriert.</p><p>00:03:38.35<br>Christina Dongowski<br>Ich weiß, dass das alles super ausdifferenzierte Fächer sind und dass es auch Leute gibt, die das machen.</p><p>00:03:44.02<br>Christina Dongowski<br>Ich finde es aber total interessant, wie wenig...</p><p>00:03:50.48<br>Christina Dongowski<br>das in der Öffentlichkeit sozusagen für den Föhrton mäßig wahrgenommen wird.</p><p>00:03:57.25<br>Christina Dongowski<br>Und ich habe auch den Eindruck, wenn eine Menge mehr Leute wüssten, wie zum Beispiel die realen ökonomischen Bedingungen in der deutschen Literatur- und Buchbranche im Jahr 2020,</p><p>00:04:13.23<br>Christina Dongowski<br>26 wären, sind, würden weniger Leute der Idee anhängen, sie müssten a dringend Schriftstellerin werden und alle Leute verdienen mehr Geld als sie selbst in diesem Job.</p><p>00:04:30.12<br>Christina Dongowski<br>Ich bin immer ganz fasziniert, was für totale Fehlwahrnehmungen von dem Businessmodell und den ökonomischen Strukturen, zum Beispiel in der Buchbranche herrschen,</p><p>00:04:44.23<br>Christina Dongowski<br>was für ein sozusagen die Realitäten der Verkaufszahlen zustellendes Wort Bestseller mittlerweile ist.</p><p>00:04:54.54<br>Christina Dongowski<br>So etwas Ähnliches gilt für Kunstwissenschaftler.</p><p>00:04:56.92<br>Christina Dongowski<br>Da ist es zum Teil ein bisschen wie, also Buchbranche, Literaturbranche, Verlagswesen ist auch sehr geheimnisgrämerisch, was ihre Zahlen angeht.</p><p>00:05:11.40<br>Christina Dongowski<br>das ist in Kunstbranche zum Glück ein bisschen anders.</p><p>00:05:14.32<br>Christina Dongowski<br>Da wird ja ganz, ganz gerne mit den großen Zahlen rumgeschmissen, die da natürlich auch verdient werden können von einigen wenigen.</p><p>00:05:22.97<br>Christina Dongowski<br>Und wenn man sich diese sozioökonomischen Strukturen anguckt, finde ich, versteht man bestimmte Moden und warum jetzt plötzlich bestimmte Formen sind,</p><p>00:05:34.68<br>Christina Dongowski<br>von Kunst oder bestimmte Genres in werden, finde ich, hat man einen viel interessanteren Blick darauf, wie da auch sozusagen ökonomische Zwänge eine Rolle spielen.</p><p>00:05:43.32<br>Christina Dongowski<br>Und dazu kommt dann bei Kunst kommt ganz oft noch tatsächlich, wobei es bei Literatur kam, das ist eigentlich auch mal, technologische Zusammenhänge, also neue Technik, technologische Plattformen,</p><p>00:05:56.47<br>Christina Dongowski<br>Video, Computer, Grafik, dann verinnert sich vielleicht noch dran, mitten in der Pandemie ja dieser ganze NFT-Quatsch.</p><p>00:06:05.79<br>Christina Dongowski<br>Und das, finde ich, ist zum Teil ein viel, viel interessanterer Blick auf, nehmen wir mal das alte, was glaube ich super gut stimmt, Kulturindustrie, als</p><p>00:06:21.11<br>Christina Dongowski<br>so stark die Sachen, die man sozusagen auch durch die Schule nähergebracht kriegt, dieses Einzelwerkinterpretatorische.</p><p>00:06:30.21<br>Christina Dongowski<br>Macht natürlich, glaube ich, in gewisser Weise viel mehr Arbeit, weil du viel mehr Sachen zusammensuchen musst und natürlich der Nexus zwischen quasi ökonomischen Bedingungen, gesellschaftlichen Bedingungen, sozioökonomischer Formation oder wie das auch immer gern genannt wird und</p><p>00:06:49.31<br>Christina Dongowski<br>Wie das irgendwie sichtbar wird oder das beeinflusst ein einzelnes Werk, ist natürlich eines der großen, ungelüfteten Geheimnisse der Kulturwissenschaft des 20. und 21.</p><p>00:06:59.25<br>Christina Dongowski<br>Jahrhunderts.</p><p>00:06:59.57<br>Christina Dongowski<br>Und das wird auch nie gelüftet werden, glaube ich, weil es im Prinzip kein Geheimnis ist, sondern es läuft mal so und mal so.</p><p>00:07:04.88<br>Christina Dongowski<br>Und das muss man dann halt aushalten.</p><p>00:07:05.100<br>Christina Dongowski<br>Und das ist vielleicht auch einfach für eine akademische Disziplin nicht so ganz leicht, sowas dann auszuhalten, dass man nicht so ganz klar ist.</p><p>00:07:15.84<br>Christina Dongowski<br>das kann man so rumsehen, das kann man so rumsehen, aber es ist ja de facto bei so klassischen hermeneutischen Interpretationen auch so, dass man jetzt nicht, wir sind ja nicht mal 2 plus 2 ist 4.</p><p>00:07:27.63<br>Stefan Sasse<br>Das heißt quasi, wir brauchen eine bessere Untersuchung der Marktmechanismen oder was ist hier die Frage?</p><p>00:07:34.33<br>Christina Dongowski<br>Ja, zum Beispiel, also das ist, Marktmechanismen wäre eine Sache zum Beispiel.</p><p>00:07:37.94<br>Christina Dongowski<br>Ich finde es immer wieder total interessant, wenn man sich sozusagen das anguckt, was als Kanon quasi der deutschen Literatur auf uns kommt und wenn man dann mal Buchhandelslisten ab dem Ende des 18.</p><p>00:07:50.66<br>Christina Dongowski<br>Jahrhunderts so durchguckt, was real zum Beispiel die Bestseller waren.</p><p>00:07:54.44<br>Christina Dongowski<br>Also Goethe war halt einfach null Bestseller, aber</p><p>00:08:00.04<br>Christina Dongowski<br>Goethe hat ein paar Sachen ganz ordentlich verdient, aber die meiste Kohle hat er natürlich in seinem Job gemacht, als Minister.</p><p>00:08:10.06<br>Christina Dongowski<br>Und wer zum Beispiel im Prinzip die Weimarer Klassik innerhalb des Buchhandels, Cotta, Melser, wer die im Prinzip finanziert hat, das sind dann ganz andere Leute, die zum Teil...</p><p>00:08:27.81<br>Christina Dongowski<br>jetzt wirklich nur noch literaturwissenschaftliches Wissen sind, wenn überhaupt.</p><p>00:08:31.17<br>Christina Dongowski<br>Viele sind ja wirklich, wirklich existieren nur noch in diesen Listen und kein Mensch hat seit ewigen Zeit mal ein Buch von ihnen in die Hand genommen.</p><p>00:08:37.19<br>Christina Dongowski<br>Ich habe das mal gemacht bei einigen.</p><p>00:08:40.85<br>Christina Dongowski<br>Zum Beispiel ich habe Rinaldo Rinaldini gelesen, das ist geschrieben von dem Herrn Vulchius, das ist der Schwager von Goethe und der hat eine Menge Weimarer Klassik mit seinen Räuberpistolen, das ist wirklich eine Räuberpistole im ganz klassischen Sinn, finanziert.</p><p>00:08:56.86<br>Christina Dongowski<br>Und es gibt schon auch Gründe, warum man die heute nur noch sehr schwer lesen kann.</p><p>00:09:01.22<br>Christina Dongowski<br>Das hat er aber schon auch gleichzeitig was.</p><p>00:09:02.56<br>Christina Dongowski<br>Es ist halt wirklich so klassisches Räubergeschichte.</p><p>00:09:07.24<br>Christina Dongowski<br>Was ganz interessant ist, ist dann so jemand wie Schiller, der da versucht, mit seinem Verbrecher aus verlorener Ehre und sowas, sozusagen so ein bisschen da reinzugehen.</p><p>00:09:14.45<br>Christina Dongowski<br>Weil der musste seine Familie eine Zeit lang einfach über Schriftellerei finanzieren.</p><p>00:09:18.87<br>Christina Dongowski<br>Und dann guckst du dir natürlich solche Sachen an, die halt wirklich verkaufen.</p><p>00:09:23.26<br>Christina Dongowski<br>Und auch einige der Stücke von Schiller sind ja schon auch ein bisschen auf Schaueffekte und großes Drama angelegt, was zum Beispiel bei Goethe nicht so der Fall ist.</p><p>00:09:39.32<br>Christina Dongowski<br>So was zum Beispiel ist dann total interessant.</p><p>00:09:40.92<br>Christina Dongowski<br>Das ist mittlerweile gar nicht so schlecht untersucht.</p><p>00:09:43.96<br>Christina Dongowski<br>Interessant ist es halt eben auch, dass aber in der Anteil jeder Germanistik, neue Germanistik-Jahrgang, der sich damit beschäftigt, sagt, oh krass, davon wusste ich überhaupt nichts.</p><p>00:09:52.81<br>Christina Dongowski<br>Und man denkt so, wow, das machen wir jetzt auch schon ein paar Jahrzehnte.</p><p>00:09:56.13<br>Christina Dongowski<br>Irgendwann soll vielleicht auch mal in Schulunterricht ankommen.</p><p>00:09:58.57<br>Christina Dongowski<br>Das finde ich ganz interessant, dass das Anteil nicht so gut passiert.</p><p>00:10:01.89<br>Christina Dongowski<br>passiert, aber jetzt zum Beispiel fände ich es auch Mörder interessant, so sich Dynamiken zu sehen zwischen, also was hat sich verändert zwischen, was waren Bestseller noch in den 80ern und 90ern, das 20.</p><p>00:10:15.32<br>Christina Dongowski<br>Jahrhundert jetzt, also sozusagen auf dem deutschen Buchmarkt und wie ist das jetzt?</p><p>00:10:22.24<br>Christina Dongowski<br>Und</p><p>00:10:25.38<br>Christina Dongowski<br>Was bedeutet das zum Beispiel?</p><p>00:10:26.50<br>Christina Dongowski<br>Was hat sich da an Strukturen verändert?</p><p>00:10:28.30<br>Christina Dongowski<br>Sagt das auch was darüber aus, dass zum Beispiel ein Buch als kulturelles Statussymbol verfolgt?</p><p>00:10:36.75<br>Christina Dongowski<br>sich verändert hat.</p><p>00:10:37.61<br>Christina Dongowski<br>Hat das einen Rang verloren?</p><p>00:10:38.75<br>Christina Dongowski<br>Hat sich das irgendwie total verändert?</p><p>00:10:41.67<br>Christina Dongowski<br>Darüber haben wir ja schon mal gesprochen, diese jetzt so schön gestalteten Bücher, die halt Genre sind.</p><p>00:10:46.07<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>00:10:48.08<br>Christina Dongowski<br>Was ist denn da eigentlich passiert?</p><p>00:10:49.22<br>Christina Dongowski<br>Also sowas, das gehört da halt mit rein.</p><p>00:10:51.74<br>Christina Dongowski<br>Und das fängt also einfach an ganz total egoistischen Gründen.</p><p>00:10:55.38<br>Christina Dongowski<br>Ich finde das super spannend und spannender als die 28-Millionen-Interpretationen von</p><p>00:11:02.91<br>Christina Dongowski<br>Ingeborg Bachmann oder so, aber wie gesagt, es ist Gleichzeitig halt an diese Zahlen reinzukommen.</p><p>00:11:10.50<br>Christina Dongowski<br>Zum Beispiel jetzt für die gegenwärtige Situation ist es richtig aufwendig und teuer.</p><p>00:11:14.64<br>Christina Dongowski<br>Es gibt so Datenbanken, aber du musst halt bezahlen.</p><p>00:11:17.10<br>Christina Dongowski<br>Und es kostet richtig, richtig Geld, um herauszufinden, mit wie viel Auflage wird man denn?</p><p>00:11:26.90<br>Christina Dongowski<br>Top 10 Bestseller, Spiegel-Bestsellerliste Autor in.</p><p>00:11:32.31<br>Christina Dongowski<br>Wie ist der Unterschied zwischen Sachbuch und Fiction?</p><p>00:11:37.68<br>Christina Dongowski<br>Was ich auch gelernt habe, ist, dass das Quartal eine totale Rolle spielt, wie viel du verkaufen musst, um irgendwo reinzukommen.</p><p>00:11:44.55<br>Christina Dongowski<br>Wenn du sozusagen im letzten Quartal veröffentlicht, dein Veröffentlichungsdatum hast, musst du ganz andere Zahlen aufrufen, weil wir da im Weihnachtsgeschäft sind, als irgendwie im</p><p>00:11:57.34<br>Christina Dongowski<br>Sommer oder so.</p><p>00:11:58.70<br>Christina Dongowski<br>Das ist halt so Sachen.</p><p>00:11:59.92<br>Christina Dongowski<br>Und was man aber sozusagen nur sieht, ist sowieso ist Bestseller-Autorin.</p><p>00:12:05.74<br>Christina Dongowski<br>Und wenn du dann mal tatsächliche Zahlen siehst, sieht man, man kann manchmal mit 25.000 Bestseller-Autorin sein und manchmal muss man 250.000 verkaufen.</p><p>00:12:15.94<br>Christina Dongowski<br>Und das sind halt krasse Unterschiede, die aber sozusagen durch diese Tabellenformen quasi versteckt werden, weil man dahinter nie steht, über wie viele Auflagen wir reden.</p><p>00:12:26.87<br>Stefan Sasse<br>Das heißt, will ich Geld verdienen, gehe ich im Dezember und möchte ich in die Liste kommen, mache ich es im Januar.</p><p>00:12:32.69<br>Christina Dongowski<br>So ungefähr.</p><p>00:12:33.89<br>Christina Dongowski<br>Es wird auch tatsächlich auch wirklich geguckt von Verlagen, was wird noch veröffentlicht.</p><p>00:12:39.20<br>Christina Dongowski<br>Und dann überlegst du dir halt, wenn irgendeiner der ganz großen Namen, wenn klar ist, was weiß ich, der neue Fitzec kommt zum Herbst natürlich raus, damit er ins Weihnachtsgeschäft gehen kann, überlegst du dir, ob du jetzt irgendwie weitere Thriller ins Rennen schickst.</p><p>00:12:58.02<br>Stefan Sasse<br>Ja, das macht schon Sinn.</p><p>00:13:00.04<br>Stefan Sasse<br>Wir haben das, glaube ich, wirklich schon mal hier diskutiert gehabt und ich finde es auch super wichtig, darauf hinzuweisen, dass Goethe, Schiller und so weiter keine Publikumsrenner waren.</p><p>00:13:08.94<br>Stefan Sasse<br>Das ist ja auch was, das in der Schule mir ständig aufschlägt, wo die sich dann auch fragen, wer hat sich das angeguckt?</p><p>00:13:14.93<br>Stefan Sasse<br>Und die Antwort ist praktisch niemand.</p><p>00:13:15.20<br>Christina Dongowski<br>Genau.</p><p>00:13:15.32<br>Christina Dongowski<br>Ein richtiger Starautor, ja.</p><p>00:13:15.86<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:13:15.92<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:13:17.49<br>Stefan Sasse<br>Das ist eine absolute Elitenveranstaltung und die Leute, die damals erfolgreich waren, die eigentlich im Publikumsrenner waren, die kennt heute keine Sau mehr.</p><p>00:13:27.16<br>Stefan Sasse<br>Ich denke da immer an den Kotzebu, der ermordet worden ist, den kennt man heutzutage hauptsächlich aus dem Geschichtsunterricht, aber der war damals ein unglaublich erfolgreicher,</p><p>00:13:38.17<br>Stefan Sasse<br>Jaja, ein Star-Autor, absolut.</p><p>00:13:39.91<br>Stefan Sasse<br>Das ist ja auch der Grund, warum der ermordet wurde, weil der gerade diese Prominenz hatte.</p><p>00:13:46.04<br>Stefan Sasse<br>Und der war eben sehr lesbar und hat halt diese, wie hast du es gesagt, die Räuberpistolen sozusagen an der Stelle halt umgebracht.</p><p>00:13:52.20<br>Christina Dongowski<br>Und auch so Medodrama, da ist ja auch immer so Zwillinge, die sich dann nicht mehr erkennen und dann fast eine Inzestbeziehung eingehen und ach Drama noch und nachher.</p><p>00:14:05.21<br>Stefan Sasse<br>Ja genau, also dieser ganze Kram und das finde ich eigentlich schon ziemlich spannend grundsätzlich, also da stimme ich dir völlig zu, dass das interessant wäre.</p><p>00:14:15.85<br>Stefan Sasse<br>Ich denke, wir können dann von der Stelle aus in einen anderen Bereich springen, nämlich deine These 81.</p><p>00:14:20.53<br>Stefan Sasse<br>Da sagst du, es ist total schade und auch gefährlich für die öffentliche Diskussion, dass Militärgeschichte in Deutschland von methodisch und habituell in den 50er Jahren feststeckenden Typen betreut wird.</p><p>00:14:30.24<br>Stefan Sasse<br>Gescheite Sachbücher für gebildete Laien gibt es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt fast gar nicht.</p><p>00:14:35.12<br>Stefan Sasse<br>Und oh mein Gott, stimme ich dir dazu.</p><p>00:14:37.80<br>Stefan Sasse<br>Ich meine Militärgeschichte in Deutschland.</p><p>00:14:39.84<br>Stefan Sasse<br>Ich habe ja Geschichte studiert.</p><p>00:14:41.60<br>Stefan Sasse<br>Und Militärgeschichte gab es gar nicht.</p><p>00:14:43.44<br>Stefan Sasse<br>Das kam an der Uni nicht vor.</p><p>00:14:45.36<br>Stefan Sasse<br>Das wurde auch unglaublich herabgewürdigt quasi und belächelt.</p><p>00:14:51.12<br>Stefan Sasse<br>Ich erinnere mich da noch an so eine Aussage, wo so ein Prof in der Folie, das war in meinem zweiten Semester damals, Sommersemester 2006,</p><p>00:15:00.69<br>Stefan Sasse<br>Wo der da auch so meinte, ja Militärgeschichte in Deutschland, da gibt es genau einen Lehrstuhl da dafür.</p><p>00:15:05.05<br>Stefan Sasse<br>Das ist dieser eine Typ in Potsdam, der das so vor sich hin veröffentlicht und das interessiert im Endeffekt keine Sau.</p><p>00:15:06.79<br>Christina Dongowski<br>Wer damals schon da war, aber das war ja...</p><p>00:15:10.59<br>Stefan Sasse<br>Also das war wirklich so dieses, ich glaube der meinte Sönke Neitzler, aber ich bin unsicher, weil er eben keinen Namen genannt hat.</p><p>00:15:17.62<br>Stefan Sasse<br>Weiß ich nicht.</p><p>00:15:18.88<br>Stefan Sasse<br>Ich bin unsicher.</p><p>00:15:19.50<br>Stefan Sasse<br>Entweder er oder halt sein Vorläufer, je nachdem.</p><p>00:15:22.14<br>Stefan Sasse<br>Aber ich meine, es gilt ja auch für Sönke Neize.</p><p>00:15:24.82<br>Stefan Sasse<br>Der Mann ist der einzige einigermaßen ernstzunehmende Wissenschaftler, der in Deutschland über militärgeschichtliche Themen schreibt und der macht im Endeffekt sein eigenes Ding.</p><p>00:15:34.69<br>Stefan Sasse<br>Der kommt quasi in den allgemeinen Diskursen eigentlich nicht vor.</p><p>00:15:38.41<br>Stefan Sasse<br>Der darf hin und wieder einen Artikel in der Welt schreiben,</p><p>00:15:41.69<br>Stefan Sasse<br>Die bieten dem logischerweise eine Bühne, weil das da reinpasst.</p><p>00:15:44.61<br>Stefan Sasse<br>Aber ansonsten ist er seine eigene Kreatur, der ist relativ stark in den sozialen Medien vertreten, also viel mehr als die meisten anderen Historikerinnen und Historiker und arbeitet ja zum Beispiel massiv mit dem Deutschen Panzermuseum in Münster zusammen.</p><p>00:15:59.64<br>Stefan Sasse<br>Aber ich kann dir ehrlich gesagt auch gar nicht sagen, mangels Fachkenntnis, wie wissenschaftlich relevant der Mann tatsächlich ist.</p><p>00:16:06.48<br>Stefan Sasse<br>Also gibt der irgendwelche Impulse in die echte Forschung?</p><p>00:16:11.96<br>Stefan Sasse<br>Ich bin unsicher.</p><p>00:16:13.12<br>Stefan Sasse<br>Zumindest wird er nicht groß rezipiert.</p><p>00:16:16.12<br>Stefan Sasse<br>Und Militärgeschichte generell wird in Deutschland so gut wie gar nicht betrieben.</p><p>00:16:20.92<br>Stefan Sasse<br>Wo du das kriegst, sind diese 10.000 Zeitschriften vom Flughafenkiosk, wo du dann so hast, die größten Schlachten, der beste Jagdflieger des Zweiten Weltkriegs, der Tigerpanzer, Höhepunkt der deutschen Militärtechnik und blau und blub, ja, dieser ganze Kram.</p><p>00:16:30.12<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:16:37.00<br>Stefan Sasse<br>Und da muss ich sagen, oh ja.</p><p>00:16:38.59<br>Stefan Sasse<br>Das ist extrem.</p><p>00:16:40.67<br>Stefan Sasse<br>50er.</p><p>00:16:41.13<br>Stefan Sasse<br>Die fechten alle immer wieder den ersten und zweiten Weltkrieg durch mit diesem, was hätte die Wehrmacht tun müssen, um zu gewinnen.</p><p>00:16:47.97<br>Stefan Sasse<br>Das ist ja so immer dieser, ich nehme an, das ist auch das, was du mit Habitus meinst, diese Haltung, die da so ein bisschen mit drin ist und die eben auch methodisch unglaublich veraltet ist.</p><p>00:17:00.71<br>Stefan Sasse<br>Ja, wo dann eben so Wert gelegt wird auf irgendwelche Militärtechnik, die dann im luftleeren Raum untersucht wird oder wo dann eben so diese typischen Strategien, Taktiken, eben nicht Strategien, sondern Taktiken untersucht werden.</p><p>00:17:17.05<br>Stefan Sasse<br>Und da dann irgendwelche Schlüsse draus gezogen werden, keine Ahnung.</p><p>00:17:19.69<br>Stefan Sasse<br>Und das hätte Rommel machen müssen, um bei El Alamein zu gewinnen.</p><p>00:17:22.62<br>Christina Dongowski<br>Mal zu gewinnen, genau.</p><p>00:17:23.06<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:17:23.33<br>Stefan Sasse<br>Und dann aber hätte sich alles dramatisch verändert.</p><p>00:17:26.17<br>Stefan Sasse<br>Und das Ding ist halt, nee, hätte es nicht.</p><p>00:17:28.94<br>Stefan Sasse<br>Ja, weil eben diese gesamtheitliche, diese strategische, logistische, auch wirtschaftliche Betrachtung nicht gemacht wird.</p><p>00:17:37.40<br>Stefan Sasse<br>Und da müssten sich die Leute dann eben halt auch immer mit einer zügig fundamental unangenehmen Wahrheit auseinandersetzen, nämlich, dass der Zweite Wehrkrieg militärisch nicht zu gewinnen war.</p><p>00:17:47.57<br>Stefan Sasse<br>Und zwar relativ egal, welche von diesen Schlachten du da jetzt in deiner...</p><p>00:17:54.12<br>Stefan Sasse<br>in deiner Pseudohistorie da quasi nochmal nachüberlegst, wenn die dann da ernsthaft überlegen, was bei der Ardennen-Offensive hätte besser gemacht werden können und du denkst dir so, it doesn't fucking matter.</p><p>00:18:05.89<br>Christina Dongowski<br>Kann man sich auch fragen, lief eigentlich ganz gut.</p><p>00:18:06.65<br>Stefan Sasse<br>Das Beste, was du da erreichen kannst, ist, dass die Atombomben auf Frankfurt und Köln abgeworfen werden, statt auf Hiroshima und Nagasaki, aber das ist echt so das Maximum, was du da rausholen kannst.</p><p>00:18:17.13<br>Stefan Sasse<br>Und ja, also von daher...</p><p>00:18:22.97<br>Stefan Sasse<br>Da bin ich völlig bei dir.</p><p>00:18:24.51<br>Stefan Sasse<br>Also ich sehe das auch und ich finde das auch, wie du das auch schreibst, das ist schade, weil auf diesem Feld eigentlich total interessante Sachen zu holen wären, einerseits, also für die seriöse Forschung und auf der anderen Seite wird es als Spielwiese diesen ganzen reaktionären Typen da überlassen, die die Deutungshoheit haben über alle Sachen militär sozusagen und es ist ein</p><p>00:18:41.73<br>Christina Dongowski<br>Ja, genau.</p><p>00:18:48.62<br>Stefan Sasse<br>Das ist ein Problem.</p><p>00:18:49.67<br>Stefan Sasse<br>Also diese Scheu, die in Deutschland auch existiert, sich mit Militär zu beschäftigen, wir haben das einerseits im Historischen und du kannst es ja andererseits auch auf unsere Gegenwart projizieren, weil wir in Deutschland praktisch keinerlei Experten haben oder Expertinnen für militärische Fragestellungen.</p><p>00:19:05.86<br>Stefan Sasse<br>Das hat ja einen Grund, warum Carlo Masala durch jede Talkshow tut.</p><p>00:19:09.96<br>Stefan Sasse<br>Ja, weil es einfach...</p><p>00:19:11.16<br>Stefan Sasse<br>niemanden gibt, der da irgendwelche Expertise hat und der quasi diese strategischen, militärtechnischen und so weiter Sachen in irgendeiner Art und Weise bringen könnte.</p><p>00:19:23.43<br>Christina Dongowski<br>Es gibt der, der, der, der Neitzel, der war ja mal am Anfang vom Ukraine-Krieg, ist der ja auch ein bisschen in Talkshows gewesen, aber da merkte man schon auch, finde ich, seine Grenzen so ein bisschen.</p><p>00:19:40.72<br>Christina Dongowski<br>Es gibt ja in dem Bereich, ich denke, die verstehen sich selber gar nicht als Ministerhistoriker oder sowas, in dieser strategischen Planung und sowas.</p><p>00:19:52.02<br>Christina Dongowski<br>Da gibt es ja mittlerweile schon so ein paar, die auch so um den Massal herum aus diesem einen Podcast zusammen haben.</p><p>00:20:00.64<br>Stefan Sasse<br>Sicherheitshalber.</p><p>00:20:01.86<br>Christina Dongowski<br>Ja, ja, Sicherheitshalber sozusagen, das geht schon mal so ein bisschen in die Richtung sozusagen angewandte Militärtheorie und sowas.</p><p>00:20:08.80<br>Christina Dongowski<br>Also das geht schon so ein bisschen in die Richtung.</p><p>00:20:10.90<br>Christina Dongowski<br>Es ist aber wirklich so, es gibt ja, also ich bin überhaupt auf Militärgeschichte wiedergestoßen.</p><p>00:20:17.38<br>Christina Dongowski<br>Als Jugendliche war ich mal große Militärgeschichte, weil ich natürlich, ich war ein Hannibal-Ultra und</p><p>00:20:26.72<br>Christina Dongowski<br>Und dann habe ich mich wirklich dafür interessiert, mich auch in diesen Kram da reingefräst.</p><p>00:20:34.50<br>Christina Dongowski<br>Schlachtordnungen, wie wichtig waren diese Elefanten?</p><p>00:20:39.06<br>Christina Dongowski<br>Für was waren die wichtig?</p><p>00:20:41.07<br>Stefan Sasse<br>Gar nicht.</p><p>00:20:41.27<br>Stefan Sasse<br>Nein.</p><p>00:20:42.76<br>Christina Dongowski<br>Ja, ich glaube sozusagen als Beeindruckungsding ist das natürlich schon wichtig.</p><p>00:20:45.74<br>Christina Dongowski<br>Als Militärpropaganda war das nicht schlecht.</p><p>00:20:48.36<br>Christina Dongowski<br>Aber ich habe mich ja obsessiv damit beschäftigt, hätte der...</p><p>00:20:53.48<br>Christina Dongowski<br>Hätten die Punier und der Hannibal, hätte der nach der Schlacht von Cannae einfach brutal auf Rom zugeschlagen.</p><p>00:21:02.12<br>Christina Dongowski<br>Wie sähe die Weltgeschichte aus?</p><p>00:21:03.98<br>Christina Dongowski<br>Heute weiß ich, nein.</p><p>00:21:07.22<br>Christina Dongowski<br>Also da hätte man die Sache vielleicht ein bisschen anders angehen müssen.</p><p>00:21:11.50<br>Christina Dongowski<br>Aber...</p><p>00:21:12.76<br>Stefan Sasse<br>Vielen Dank.</p><p>00:21:13.97<br>Christina Dongowski<br>Da hatte ich, also wie gesagt, da war ich mal militär, also antikisch militärisch wildes interessiert.</p><p>00:21:20.04<br>Christina Dongowski<br>Und dann geht das natürlich weg, wenn man anfängt mit der, auch im Studium, ich habe ja nur so ein bisschen am Rande Geschichte mit studiert, weil ich halt Kunstgeschichte studiert habe, da machst du schon auch ein bisschen Geschichte mit.</p><p>00:21:32.38<br>Christina Dongowski<br>Und dann war das halt, dann gab es das überhaupt nicht.</p><p>00:21:35.24<br>Christina Dongowski<br>Also ich habe in Gießen studiert, da waren,</p><p>00:21:39.93<br>Christina Dongowski<br>Die werden stark spezialisiert auf Spätmittelalter, Frühneuzeit.</p><p>00:21:43.71<br>Christina Dongowski<br>Die haben alle super interessante Sachen gemacht.</p><p>00:21:49.04<br>Christina Dongowski<br>Aber Militärgeschichte auch in so einem Sinne von 30-jähriger Krieg, das fällt ja mit dem Mangel in deren Beritt rein, das wurde sozialhistorisch von links nach rechts und rechts nach links, das war auch alles wirklich super interessant, gerollt.</p><p>00:22:07.12<br>Christina Dongowski<br>Dann gab es auch mal solche Sachen wie, was schon auch Teil von Militärgeschichte sein kann, welche Auswirkungen hat es denn, also diese Art der Kriegsführung, dass du dich aus der</p><p>00:22:18.53<br>Christina Dongowski<br>Bevölkerung ernährst.</p><p>00:22:23.36<br>Christina Dongowski<br>Was bedeutet das eigentlich für diese Art Krieg?</p><p>00:22:26.54<br>Christina Dongowski<br>Und das war es dann aber auch schon.</p><p>00:22:33.54<br>Christina Dongowski<br>Ich bin dann witzigerweise über Jane Austen wieder bei der Militärgeschichte gelandet.</p><p>00:22:39.51<br>Stefan Sasse<br>Okay.</p><p>00:22:40.85<br>Christina Dongowski<br>Ja, da denkt man sich jetzt Jane Austen.</p><p>00:22:43.80<br>Christina Dongowski<br>Es ging darüber, dass in meinem Lieblingsroman von Jane Austen, Persuasion, ist der Mann, den die Frau, den die weibliche Hauptfigur dann doch mal, jetzt Spoiler, wer das noch nicht gelesen hat, kurz weggehören, heiraten wird.</p><p>00:23:00.60<br>Christina Dongowski<br>Der Spoiler ist doch nicht.</p><p>00:23:00.84<br>Stefan Sasse<br>Nein, bei Jane Austen.</p><p>00:23:05.25<br>Christina Dongowski<br>Der ist dekommissionierter Marinekapitän, also Marineoffizier und bewegt sich in einem Umkreis von anderen Kapitänen und einem Admiral und</p><p>00:23:25.62<br>Christina Dongowski<br>die sind quasi auf dekommissioniert, aber in so einem Wartestand, weil es ist gerade in den napoleonischen Kriegen so eine Pause.</p><p>00:23:32.43<br>Stefan Sasse<br>Vielen Dank.</p><p>00:23:36.09<br>Christina Dongowski<br>Also sozusagen, es gibt so eine Art Waffenstillstand auf mehr zwischen den Briten und den Franzosen.</p><p>00:23:42.71<br>Christina Dongowski<br>Deswegen sind die erstmal wieder nicht am Start und erholen sich erstmal alle.</p><p>00:23:47.91<br>Christina Dongowski<br>Müssen auch tatsächlich zwei, müssen auch Kriegswunden auskurrieren.</p><p>00:23:51.83<br>Christina Dongowski<br>Ähm,</p><p>00:23:53.36<br>Christina Dongowski<br>Und da habe ich mich eingelesen, was bedeutet das überhaupt, auf halb sollt sein, warum guckt man,</p><p>00:24:05.16<br>Christina Dongowski<br>Landet Gentry auf die runter.</p><p>00:24:08.26<br>Christina Dongowski<br>Obwohl das im Prinzip, denkt man, habe ich mir bis zu dem Zeitpunkt gesagt, naja, das sind ja Offiziere.</p><p>00:24:15.02<br>Christina Dongowski<br>Das ist ja halt auch nicht nix.</p><p>00:24:17.49<br>Christina Dongowski<br>Aber dann habe ich halt was drüber gelernt, was für ein unglaublicher Social Mobility Apparat gerade die britische Marine war, die Kriegsmarine war.</p><p>00:24:28.05<br>Stefan Sasse<br>Ja, das Heer überhaupt nicht.</p><p>00:24:29.21<br>Stefan Sasse<br>Bei den Briten, das war ja dieses super, du hast den ganzen Abschaum quasi, der als Fußsoldaten dient und dann diese unfähigen Offiziere, die sich in die Kommissionen einkaufen.</p><p>00:24:39.69<br>Stefan Sasse<br>Demgegenüber war, wie du das sagst, war die Marine eine richtig meritokratische Institution und Aufstiegsmaschine.</p><p>00:24:44.09<br>Christina Dongowski<br>Genau, ganz genau.</p><p>00:24:46.02<br>Stefan Sasse<br>Alles im Kontext des 18. und 19.</p><p>00:24:48.32<br>Stefan Sasse<br>Jahrhunderts, aber nichtsdestotrotz, ja.</p><p>00:24:49.65<br>Christina Dongowski<br>Also sagen wir mal, auf einem Schiff anzuhalten, das war ein unglaublicher harter Job.</p><p>00:24:55.87<br>Christina Dongowski<br>Super gefährlich, alles das.</p><p>00:24:59.17<br>Christina Dongowski<br>Aber das sind zum Beispiel, also in diesen Jane Austen-Romanen, und wenn man es dann mal das erste Mal begriffen hat, sieht man diese Leute überall in den Romanen.</p><p>00:25:06.65<br>Christina Dongowski<br>Also da gibt es immer irgendwelche dekommissionierten Seeoffiziere.</p><p>00:25:12.86<br>Christina Dongowski<br>Und sozusagen die Aufstiegsmaschinerie beginnt dadurch, dass du eben tatsächlich für die Seefahrt Leute brauchst, die also erstens Führungsmöglichkeiten</p><p>00:25:22.59<br>Christina Dongowski<br>Stärke haben, wo du weißt, die Leute folgen denen auch in richtig schlimme Situationen rein.</p><p>00:25:29.41<br>Christina Dongowski<br>Und diesen ganzen technischen Kram, wie man navigiert, wie man tatsächlich eine Seeschlacht führt, also wie Schiffe miteinander interagieren,</p><p>00:25:44.26<br>Christina Dongowski<br>bis hin zu natürlich Flugbahnrechnungen von deinen verschiedenen Kanonensystemen, die du an Bord hast und so.</p><p>00:25:51.26<br>Christina Dongowski<br>Also wie man das halt alles macht, das ist ja so eine Mischung aus Naturwissenschaft und Ingenieur, die man da sein muss.</p><p>00:25:58.18<br>Christina Dongowski<br>Und das fordert natürlich tatsächlich Leute, die dafür eine Begabung für haben und die Intelligenz mitbringen, das zu können.</p><p>00:26:05.29<br>Christina Dongowski<br>Und das kannst du vielleicht als der dritte Sohn von Lord Fiddlebottom halt nicht so.</p><p>00:26:10.13<br>Christina Dongowski<br>Und deswegen wird das so eine Aufstiegsmaschinerie und deswegen ist in diesen Romanen, gibt es diesen Konflikt zwischen diesem älterem Adel, der auf dem Land sitzt und halt quasi von der Landwirtschaft anderer Leute lebt, um es mal brutal zu sagen, und Leuten, die tatsächlich Profis sind, die einen ernsthaften Beruf haben.</p><p>00:26:29.59<br>Christina Dongowski<br>Und damit Geld verdienen.</p><p>00:26:31.17<br>Christina Dongowski<br>Und da ist ja so, wenn du große Kriegsschiffe der Gegner aufbringst, werden die Offiziere und auch die Mannschaften, aber die Offiziere sehr stark am Gewinn mitteiligt, wenn dieses Schiff auseinandergenommen wird.</p><p>00:26:43.55<br>Christina Dongowski<br>Das heißt, du kannst da auch reich werden mit.</p><p>00:26:44.97<br>Christina Dongowski<br>Also du kannst wirklich Geld verdienen mit.</p><p>00:26:47.15<br>Christina Dongowski<br>Und darum geht es da ganz stark.</p><p>00:26:48.17<br>Christina Dongowski<br>Und so bin ich in britische Marinegeschichte reingeraten, weil es gibt gar nicht so wenig über die Kapitäne bei Jane Austen.</p><p>00:26:57.02<br>Christina Dongowski<br>gibt es auch in Literaturwissenschaft so eine Mischung aus Literatur und Militärgeschichte, super interessantes Zeug.</p><p>00:27:01.94<br>Christina Dongowski<br>Und davon bin ich halt immer tiefer in britische Militärgeschichte gegangen, vor allem Marine, also vor allem dann auch so, also Napoleonische Kriege natürlich, weil da ist halt Nelson und es ist einfach auch unter taktischen Gesichtspunkten, das ist einfach, alle sind unglaublich stolz auf den, weil es ein unfassbarer Könner war und</p><p>00:27:24.81<br>Christina Dongowski<br>Und die machen ganz stark so die logistische Seite von Krieg, die ja viel, viel wichtiger ist als ganz vieles andere, mit was sich Leute viel lieber beschäftigen.</p><p>00:27:35.17<br>Christina Dongowski<br>Wie versorge ich denn Schiffe?</p><p>00:27:37.61<br>Christina Dongowski<br>Wie versorge ich denn eine Armada von Schiffen, die ständig auf dem scheiß Weltmeeren unterwegs ist und wo ich oft immer gar nicht so sicher weiß, wo die gerade sind?</p><p>00:27:46.47<br>Christina Dongowski<br>Ähm,</p><p>00:27:48.51<br>Christina Dongowski<br>In solche Sachen habe ich mich dann reingelesen und dachte so, wow, das ist eigentlich alles nauter interessant und du kannst das mit ganz, ich mache das mit ganz modernen Methoden, eben Sozialgeschichte, dieses Wirtschaftsgeschichte auch sozusagen.</p><p>00:28:02.65<br>Christina Dongowski<br>Wie wirkt die Art, dass die so eine, also wie beeinflusst die Tatsache, dass sie, bevor sie sich mit Napoleon anlegen müssen, schon ein ganz ordentliches Kolonialreich zusammen haben und deswegen haben die</p><p>00:28:17.27<br>Christina Dongowski<br>eine Infrastruktur stehen, wie du sehr schnell Schiffe bauen kannst.</p><p>00:28:22.10<br>Christina Dongowski<br>Und solche Sachen, die super wichtig sind, damit du diesen verdammten Scheiß Krieg gewinnst.</p><p>00:28:27.18<br>Christina Dongowski<br>Und das fand ich mörderinteressant und hab dann gedacht, ja, jetzt guck mal doch mal, gibt's sowas auf Deutsch, in Deutsch, für Deutschland?</p><p>00:28:37.37<br>Christina Dongowski<br>Und da gibt es echt...</p><p>00:28:42.76<br>Christina Dongowski<br>wenn du dich nicht dringend ganz arg für den Zweiten Weltkrieg interessierst, gibt es fast gar nichts.</p><p>00:28:48.85<br>Christina Dongowski<br>Es gibt ein bisschen Erster Weltkrieg.</p><p>00:28:53.41<br>Christina Dongowski<br>Es gibt ein bisschen was Österreich, da gibt es ein bisschen was.</p><p>00:28:57.47<br>Christina Dongowski<br>Ist aber auch echt zwielichtiger Natur, sowohl politisch als auch methodisch, finde ich.</p><p>00:29:05.11<br>Christina Dongowski<br>Weil die müssen, da gibt es welche, da wird relativ offensiv abgearbeitet.</p><p>00:29:12.34<br>Christina Dongowski<br>wie organisiert man ein Vielvölkerherr mit verschiedenen Sprachen und sowas.</p><p>00:29:18.10<br>Christina Dongowski<br>Das ist ja auch ganz interessant.</p><p>00:29:20.96<br>Christina Dongowski<br>Aber eigentlich gibt es da gar nichts, was dann halt auch dazu führt, dass jetzt zum Beispiel auf wieder Iran-Israel-USA-Krieg, wo man denkt so,</p><p>00:29:33.40<br>Christina Dongowski<br>hier wäre es jetzt doch einfach mal ganz interessant, diese Sachen mit der Straße von Hormuz, die man jemandem erklären, die ist gar nicht so schwierig zu erklären, ist ja nett und es wird dann halt, dankenswerterweise im Internet gibt es ja mittlerweile genug amerikanische, britische, französische, arabischstämmige, türkische</p><p>00:29:53.34<br>Christina Dongowski<br>Leute, die zum Teil ja selber noch militärisch irgendwie aktiv sind, aber eben halt auch Historiker oder Militärwissenschaftler oder Strategiegeschichtler, die einmal erklären, warum das alles so eine ganz furchtbar dumme Idee ist, was gerade passiert und wie das jetzt in welchen Weisen schiefgehen können wird und auch tut.</p><p>00:30:17.59<br>Christina Dongowski<br>Und das fehlt mir tatsächlich echt in deutscher Diskussion, dass es eben nicht rein militärisch diskutiert wird oder rein immer auf diese Idee so, und jetzt muss die Bundeswehr da irgendwie hin oder lieber nicht die Bundeswehr hin.</p><p>00:30:32.64<br>Christina Dongowski<br>Auch eben solche Sachen wie, was für eine Art Strategie fahren die Iraner da?</p><p>00:30:41.81<br>Christina Dongowski<br>Wie kann es sein, dass bei so asymmetrischen Kräfteverhältnissen es jetzt wirkt, als sitzen die fucking Iraner am längeren Hebel?</p><p>00:30:50.18<br>Christina Dongowski<br>Solche Sachen und wie hat das alles zusammen zu tun?</p><p>00:30:54.40<br>Christina Dongowski<br>Warum ist der Hebel so lang?</p><p>00:30:55.45<br>Christina Dongowski<br>Weil da eigentlich ein Wirtschaftskrieg geführt wird.</p><p>00:30:58.77<br>Christina Dongowski<br>Und solche Sachen halt, denke ich mir, es wäre super cool, da mehr Leute zu haben, die das auf dem Schirm haben und die das auch artikuliert in der Öffentlichkeit mal miteinander diskutieren und mit uns diskutieren und auch einfach mal so ein bisschen Wissen verbreiten, damit du bestimmte Sachen auch einfach schnallst, auch selber beurteilen kannst.</p><p>00:31:18.38<br>Christina Dongowski<br>Also zu sagen kannst so, puh ja, wenn jetzt zum Beispiel die blöde Situation entstehen sollte, ähm,</p><p>00:31:28.24<br>Christina Dongowski<br>dass tatsächlich deutsche Schiffe in der Straße von Hohenusminenräumen machen sollen.</p><p>00:31:38.12<br>Christina Dongowski<br>Dass man vielleicht ein bisschen mehr Leute am Start hätte, auch in der normalen Öffentlichkeit, die sich da eine Meinung zu bilden können, ist, wie gut finden wir diese Idee.</p><p>00:31:47.12<br>Stefan Sasse<br>Okay.</p><p>00:31:48.100<br>Christina Dongowski<br>Deswegen denke ich, ist es halt richtig doof, dass es das nicht gibt.</p><p>00:31:51.48<br>Christina Dongowski<br>Ich kann das historisch schon auch verstehen, warum das nicht passiert.</p><p>00:31:54.91<br>Christina Dongowski<br>wo es alles ein bisschen schwieriger ist, aber denke ich mir so langsam, sollten wir es schon vielleicht einfach mal auf Kette bringen.</p><p>00:32:00.13<br>Christina Dongowski<br>Ich habe auch den Eindruck, es passiert ein bisschen was.</p><p>00:32:03.53<br>Christina Dongowski<br>auch so von, sagen wir mal, so von linker Seite her, dass sich da Leute anfangen anzugucken, eben über diese Wirtschaftskrieg-Gesichtspunkte aus und auch so Technologie-Sachen, weil das ist natürlich auch ein Technikkrieg, der da geführt wird.</p><p>00:32:17.81<br>Christina Dongowski<br>Die Macht, die mit irgendwelchen KI-gestürzten Krempeln unterwegs ist, sieht halt unfassbar alt aus gegenüber der Macht, die über Fischer-Bürte-Mienen in der Straße von Nordmus verlegt.</p><p>00:32:28.81<br>Christina Dongowski<br>Das ist ja auch interessant.</p><p>00:32:30.53<br>Christina Dongowski<br>Und</p><p>00:32:33.21<br>Christina Dongowski<br>Deswegen denke ich, da sollte echt ein bisschen mehr passieren.</p><p>00:32:36.85<br>Christina Dongowski<br>Und da sollte auch was sein, für das sich ein kulturell gebildeter Mensch interessiert.</p><p>00:32:41.95<br>Christina Dongowski<br>Militärgeschichte.</p><p>00:32:42.97<br>Christina Dongowski<br>Hm.</p><p>00:32:43.97<br>Stefan Sasse<br>Ich habe ja mich dafür logisch, ich meine, das ist ja so ein typisches Männer-Territorium sozusagen, ja, gerade auch, da kommst du ja quasi als Mann ab Werk mit, so Kenntnisse über Panzer oder so.</p><p>00:32:56.19<br>Stefan Sasse<br>Und ich habe mich als Jugendlicher und als junge Erwachsener massiv dafür interessiert,</p><p>00:33:00.49<br>Stefan Sasse<br>Und ich habe das natürlich auch im Studium versucht, ein bisschen zu machen.</p><p>00:33:03.33<br>Stefan Sasse<br>Und als ich mein Examen gemacht habe im Studium, ich hatte relativ viele Kriegsthemen drin.</p><p>00:33:08.14<br>Stefan Sasse<br>Das wurde dann auch von den Prüferinnen und Prüfern bemerkt, sage ich mal.</p><p>00:33:12.76<br>Stefan Sasse<br>Und ich bin da auch richtig gegen Wände gelaufen.</p><p>00:33:14.56<br>Stefan Sasse<br>Ich habe zum Beispiel versucht, in Antike, habe ich den Peloponnesischen Krieg gemacht.</p><p>00:33:19.57<br>Stefan Sasse<br>Und mein damaliger Prüfer, der Professor Kulp, der wollte ums Verrecken nicht, dass ich mich mit diesen Hopliten und diesen militärischen Sachen beschäftige.</p><p>00:33:31.51<br>Stefan Sasse<br>Also ich hatte dann auf meiner Literaturliste natürlich lauter angelsächsische Forscher, weil da gibt es ja einfach nichts Deutsches dazu.</p><p>00:33:38.37<br>Stefan Sasse<br>Und da gab es entsprechend Leute und die haben dann auch diese experimentelle Archäologie betrieben, wo die das Zeug dann nachgebaut haben und einfach mal Sachen ausprobiert haben.</p><p>00:33:46.75<br>Christina Dongowski<br>Wie schwer ist so eine Rüstung und sowas zum Beispiel?</p><p>00:33:47.03<br>Stefan Sasse<br>Ob das...</p><p>00:33:48.47<br>Stefan Sasse<br>Jaja, genau.</p><p>00:33:49.29<br>Stefan Sasse<br>Also wirklich an und für sich total seriöse Wissenschaft.</p><p>00:33:51.85<br>Stefan Sasse<br>Und der hat mir das alles rausgestrichen aus der Literaturliste.</p><p>00:33:55.13<br>Stefan Sasse<br>Ja, das verwenden sie alles nicht.</p><p>00:33:57.04<br>Stefan Sasse<br>Und war dann auch so, ja, das ist alles nicht seriös, so nach dem Motto.</p><p>00:34:00.46<br>Stefan Sasse<br>Und dann durfte ich mich wieder viel mehr damit befassen, welche Philosophen da relevant waren und welche Ethnien da irgendwie auf Sizilien zu der Zeit herumgesprungen sind.</p><p>00:34:12.46<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>00:34:13.02<br>Stefan Sasse<br>Die Politik- und Diplomatiegeschichte natürlich, aber dieses Militärische, das war quasi, das war unsauber.</p><p>00:34:19.37<br>Stefan Sasse<br>Das war keine echte Wissenschaft sozusagen und ich finde es ein Thema und das bezieht sich eben nicht nur auf den Zweiten und Ersten Weltkrieg, wo man das noch so einigermaßen verstehen kann, sondern eben auch...</p><p>00:34:19.64<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:34:30.09<br>Stefan Sasse<br>auf die Antike, auf das Mittelalter.</p><p>00:34:34.86<br>Stefan Sasse<br>Wir haben da zum Beispiel Otto den Großen, habe ich damals ein Pro-Seminar besucht gehabt.</p><p>00:34:40.74<br>Stefan Sasse<br>Und da ging es dann natürlich auch um die Schlacht auf dem Lechfeld oder so.</p><p>00:34:43.92<br>Stefan Sasse<br>Und auch da, das hat praktisch keine Rolle gespielt.</p><p>00:34:46.80<br>Stefan Sasse<br>Das wurde alles mehr oder weniger beiseite gewischt, so nach dem Motto, da kümmern wir uns eigentlich gar nicht drum.</p><p>00:34:51.95<br>Stefan Sasse<br>Da hat man sich dann gleich wieder um den Mythos und...</p><p>00:34:55.47<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:34:55.59<br>Stefan Sasse<br>Quasi diese dahinterstehenden Sachen, aber man hat auch gar nicht so wirklich diese Frage gestellt, inwieweit stimmt es dann eigentlich mit dieser Bodenstrategie und so weiter, was ja wirklich umstrittene Dinge sind unter Leuten, die sich damit beschäftigen und auskennen.</p><p>00:35:11.98<br>Stefan Sasse<br>Aber das war alles unfein, hat man nicht gemacht.</p><p>00:35:18.25<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube, wir müssen die These 82 nicht weiter diskutieren.</p><p>00:35:20.77<br>Stefan Sasse<br>Du hast deine Liebe zu Jane Austen, glaube ich, hinreichend deutlich gemacht.</p><p>00:35:24.31<br>Stefan Sasse<br>Ja, all hits, no misses, schreibst du.</p><p>00:35:26.15<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:35:26.21<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:35:26.33<br>Stefan Sasse<br>Ich habe nie einen Jane Austen gelesen.</p><p>00:35:27.71<br>Stefan Sasse<br>Ich kenne nur die eine oder andere Verfilmung.</p><p>00:35:29.11<br>Stefan Sasse<br>Mein Genre ist es nicht.</p><p>00:35:30.15<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube, damit können wir es bestehen lassen.</p><p>00:35:33.22<br>Stefan Sasse<br>Und dann kommen wir zu Fontane.</p><p>00:35:34.88<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube, von dem her hatten wir es auch schon.</p><p>00:35:35.88<br>Stefan Sasse<br>Du sagst, einige Stadt- und Landschaftsporträts in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg sind das Beste, was Fontane geschrieben hat.</p><p>00:35:42.57<br>Stefan Sasse<br>Ich würde das jetzt nicht als Kompliment sehen, aber ja, das ist so ein bisschen, wie wenn du sagst, die Landschaftsbeschreibung von Mittelerde, das ist schon echt das Beste, was Tolkien zustande gebracht hat.</p><p>00:35:51.82<br>Stefan Sasse<br>Da muss ich sagen, ja, gleichzeitig hält sich dann der Spannungsgrad doch sehr in Grenzen.</p><p>00:36:01.32<br>Stefan Sasse<br>Genau, aber jetzt</p><p>00:36:01.36<br>Christina Dongowski<br>Aber ich lese ja auch zum Teil nicht auf Spannung, sondern auf Schöne.</p><p>00:36:04.26<br>Stefan Sasse<br>Ja, ja, ich weiß, ich weiß, aber der Unterhaltungsgrad ist dann eher geringer.</p><p>00:36:04.44<br>Christina Dongowski<br>Okay.</p><p>00:36:07.20<br>Stefan Sasse<br>Also Fontane ist einfach, puh, it's an acquired taste, wie man so schön sagt.</p><p>00:36:14.85<br>Stefan Sasse<br>Und jetzt wäre die These 84, da müsstest du wieder erklären.</p><p>00:36:18.13<br>Stefan Sasse<br>Und zwar sagst du Emilia Solars Rougon-Macroir-Zyklus, nehme ich mal an, spricht man das aus.</p><p>00:36:23.80<br>Stefan Sasse<br>ist eine der besten Darstellungen kapitalistischer Prozesse und wie dadurch gesellschaftliche Strukturen und Individuen geformt werden und zwar immer noch.</p><p>00:36:30.89<br>Stefan Sasse<br>Jetzt bin ich gespannt, was ist dieser Zyklus und was ist das Tolle daran.</p><p>00:36:35.18<br>Christina Dongowski<br>Also Emil Solard kennt wahrscheinlich die meisten so grob von der Dreifuß-Affäre, von diesem Jacques-Hus.</p><p>00:36:42.91<br>Christina Dongowski<br>Emil Solard war einer der wenigen, also Emil Solard ist ein französischer Schriftsteller der zweiten Hälfte des 19.</p><p>00:36:51.95<br>Christina Dongowski<br>Jahrhunderts bis Anfang 20.</p><p>00:36:54.67<br>Christina Dongowski<br>Jahrhunderts und war zu dem Zeitpunkt der Dreifuß-Affäre schon sehr bekannt.</p><p>00:37:04.30<br>Christina Dongowski<br>und hat sich dafür verwendet, dass...</p><p>00:37:11.61<br>Christina Dongowski<br>mal untersucht wird, was da eigentlich wirklich passiert ist.</p><p>00:37:14.97<br>Christina Dongowski<br>Und ohne Emile Solars Geld, Emile Solars Ruf und die Bereitschaft von Emile Solars, sich mit dem gesamten französischen konservativen Militärestablishment und Regierungsestablishment anzulegen, wäre Dreifuß niemals von dieser gefangenen Insel runtergekommen.</p><p>00:37:31.88<br>Christina Dongowski<br>Das hat möglicherweise Solars sogar das Leben gekostet.</p><p>00:37:34.79<br>Christina Dongowski<br>Der ist bei einem sehr seltsamen Unfall in seinem Haus gestorben.</p><p>00:37:38.52<br>Christina Dongowski<br>wo der Kamin verstopft war und er dann an Kohlenmonoxidvergiftung gestorben ist.</p><p>00:37:45.21<br>Christina Dongowski<br>Da gibt es Verschwörungstheorien dazu, dass das vielleicht auch doch kein Zufall war.</p><p>00:37:50.03<br>Christina Dongowski<br>Und ich muss sagen, ich neige da auch ein bisschen zu, dass es vielleicht doch auch kein Zufall war.</p><p>00:37:55.09<br>Christina Dongowski<br>Emile Solar war aber nicht nur einfach ein krass mutiger Typ mit starken Meinungen, der sie auch in der Öffentlichkeit vertreten hat,</p><p>00:38:03.01<br>Christina Dongowski<br>sondern ein großer Schriftsteller, der die Idee hatte, dass man, der hat tatsächlich auch so einen sozioökonomischen Literaturansatz, dass Literatur, vor allem Romane, auch dazu da sind, Gesellschaftsstrukturen abzubilden und durchsichtig zu machen.</p><p>00:38:25.19<br>Stefan Sasse<br>So ein bisschen wie Gerhard Hauptmann, oder?</p><p>00:38:27.36<br>Christina Dongowski<br>Ja, also Gerhard Hauptmann bezieht sich auf Solar.</p><p>00:38:29.40<br>Christina Dongowski<br>Also Solar ist ein wichtiges Vorbild für Hauptmann.</p><p>00:38:32.90<br>Christina Dongowski<br>Der Unterschied ist, Solar hat fast keine Dramen geschrieben, sondern hat wirklich nur, nur ist gut, Romane geschrieben.</p><p>00:38:39.09<br>Christina Dongowski<br>Dieser Rougon-Makar-Zyklus, ich weiß gar nicht, wie viele Bände das sind, deutlich über 20.</p><p>00:38:43.75<br>Christina Dongowski<br>Also die Idee ist,</p><p>00:38:46.55<br>Christina Dongowski<br>Der ist von Anfang an geplant als Zyklus.</p><p>00:38:49.97<br>Christina Dongowski<br>Hat sich dann selber ein bisschen erweitert, weil die Gesellschaft verändert sich ja, während du schreibst.</p><p>00:38:54.47<br>Christina Dongowski<br>Also musst du das irgendwie versuchen zu integrieren.</p><p>00:38:56.71<br>Christina Dongowski<br>Das ist doch immer so ein bisschen die Krux bei dieser Art Projekt.</p><p>00:38:59.57<br>Christina Dongowski<br>Dass du immer so ein bisschen hinterher schreibst.</p><p>00:39:01.69<br>Christina Dongowski<br>Gerade wenn du in so einer unfassbar dynamischen Zeit schreibst, wie Solar schreibt, also ab 1848 fängt es an.</p><p>00:39:10.71<br>Christina Dongowski<br>Fängt der Rougaum-Markat-Zyklus an.</p><p>00:39:12.49<br>Christina Dongowski<br>Ich glaube sogar ein bisschen früher, 1830, die Erste Revolution.</p><p>00:39:16.11<br>Christina Dongowski<br>Und der versucht im Prinzip sich darüber und seinen LeserInnen darüber Rechenschaft abzulegen, wie die französische Gesellschaft seiner Zeit entstanden ist, was das mit der Industrialisierung auf sich hat, wie das bis in die Familienreihen Strukturen verändert und eben tatsächlich Charakter verändert.</p><p>00:39:37.62<br>Christina Dongowski<br>Also dass es Sozialkarakter um 1830 gibt, die kann es um 1870 gar nicht mehr geben.</p><p>00:39:45.24<br>Christina Dongowski<br>Und er handelt das eben über Romane und gibt sich dann immer sozusagen, er hat ein festes Personal, das sind zwei Familien, die Familie Rougon, die Familie Makar, irgendwann verheiraten die sich, dann sind es die Rougon Makar.</p><p>00:39:55.88<br>Christina Dongowski<br>Die Familie, da sind welche, die machen unfassbar Karriere, bis hoch zu Minister.</p><p>00:39:59.72<br>Christina Dongowski<br>Es gibt einer, der wird Minister.</p><p>00:40:01.84<br>Christina Dongowski<br>Da gibt es auch ein Buch, das heißt einfach Le Ministre Rougon Makar.</p><p>00:40:05.80<br>Christina Dongowski<br>Und andere gehen ins Börsengeschäfte, andere bleiben auf dem Land und machen da Bauern, es gibt einen Notar.</p><p>00:40:14.68<br>Christina Dongowski<br>Dann sind sie natürlich immer in irgendwelche Revolutionen verschickt, weil in Frankreich gibt es ja sozusagen im 1900 ständig Remi-Demi mit irgendwas.</p><p>00:40:22.48<br>Christina Dongowski<br>Und der schafft es.</p><p>00:40:25.06<br>Christina Dongowski<br>Die Dinger sind, wo wir gerade ja bei Plot waren, die Dinger sind voll mit Plot.</p><p>00:40:29.83<br>Christina Dongowski<br>Es passiert ständig Kram.</p><p>00:40:33.54<br>Christina Dongowski<br>verliert auch manchmal zügig den Überblick, wer jetzt gegen wen wie was intrigiert.</p><p>00:40:38.10<br>Christina Dongowski<br>Darum geht es aber auch, dass sozusagen in so einer Gesellschaft, die den schon relativ hohen Komplexitätsgrad erreicht hat, das mit dem Intrigieren zum Beispiel auch gar nicht so einfach mehr wird, weil du nicht so genau weißt, wenn du vorne das Dominosteinchen anschlägst,</p><p>00:40:53.33<br>Christina Dongowski<br>in welcher Abzweigung was passiert.</p><p>00:40:55.51<br>Christina Dongowski<br>Also darum geht es zum Beispiel auch, das sozusagen in die Romanstruktur zu überführen, dass du dich so ein bisschen im Chaos verlierst, dass irgendeine Romanfigur selber angestiftet hat und der nimmt sich so einzelne Felder vor.</p><p>00:41:07.34<br>Christina Dongowski<br>Es gibt zum Beispiel einen Roman, der heißt auf Deutsch das Geld,</p><p>00:41:11.09<br>Christina Dongowski<br>Und da geht es um Börsenspekulationen, um einen großen Börsenkrach, den es auch tatsächlich gab, 1862 und wieder zustande gekommen ist.</p><p>00:41:21.25<br>Christina Dongowski<br>Solar hat natürlich ständig irgendwelche Verfahren am Hals gehabt, dass Leute, die sich in diesen Büchern wiedererkannt haben, zu Recht gesagt haben, Alter, ich möchte so aber nicht auf die Nachwelt kommen.</p><p>00:41:32.16<br>Christina Dongowski<br>Und also da, solche Sachen gibt es halt und in diesem, also zum Beispiel dieses, ich habe unglaublich viel gelernt über wie finanzbasierter, also finanzspekulationsbasierter Kapitalismus funktioniert, indem ich diesen Roman gelesen habe.</p><p>00:41:49.33<br>Christina Dongowski<br>Das Geld kann ich echt nur empfehlen, es ist auch eine super Story drin, aber</p><p>00:41:54.61<br>Christina Dongowski<br>Es gibt zwei Leute, die du gern magst, der Rest des Personals, denkst du wirklich, oh Gott, fahrt doch alle zur Hölle, was nachher auch passiert.</p><p>00:42:01.46<br>Christina Dongowski<br>Und da kann man wirklich was über die Gesellschaft zwischen 1870 und 1900 in Frankreich auf jeden Fall lernen, aber lernt auch wirklich Sachen über, weil der eben zum Beispiel Geld unglaublich ernst nimmt, kapitalistische Machtstruktur nimmt, der total ernst macht.</p><p>00:42:23.81<br>Christina Dongowski<br>lernt man darüber, was sozusagen, wie die quasi die Charakter und die Persönlichkeiten produzieren, die sie brauchen, um weiter zu existieren.</p><p>00:42:32.70<br>Christina Dongowski<br>Und das ist jemand, der das echt super spannend und interessant gelöst hat.</p><p>00:42:38.30<br>Christina Dongowski<br>Und wenn man sich dann mal mit beschäftigt, wie viel unfassbare Arbeit in diesem Normalen steckt, weil der hat natürlich jeden Tag, der hat zig Leute beschäftigt, die jeden Tag Börsenzeitungen,</p><p>00:42:50.65<br>Christina Dongowski<br>Auslandsberichterstattung sozusagen durchgekämmt haben und geguckt haben, welche Sachen sind interessant, was könnte in den Roman reingehen und so und woraus könnte man jetzt einen Plot machen, der hat gelernt, wie man...</p><p>00:43:06.46<br>Christina Dongowski<br>bestimmte Buchhaltungen liest, also Bilanzen liest, um zu verstehen, wie sind bestimmte Börsenkrachs passiert.</p><p>00:43:14.50<br>Christina Dongowski<br>Der hat Leute engagiert, die als Privatdetektive versucht haben herauszufinden, wem gehören eigentlich bestimmte Häuserzeilen in Paris, weil man damit bestimmte Sachen verstehen kann, wer welche Ministerposten kriegt.</p><p>00:43:30.08<br>Christina Dongowski<br>Und solchen Kram hat der gemacht.</p><p>00:43:32.38<br>Christina Dongowski<br>Wie gesagt, das war jemand, der als literaturhistorisch super bedeutsam, kanonischer französischer Autor und Bestsellerautor.</p><p>00:43:41.32<br>Christina Dongowski<br>Das Zeug hat sich verkauft wie geschnitten Brot.</p><p>00:43:45.20<br>Christina Dongowski<br>Und wie gesagt, den lesen, man lernt immer noch unfassbar viel.</p><p>00:43:52.18<br>Christina Dongowski<br>Und man fragt sich, dann ist auch so jemand, wo ich dann immer denke, warum macht das eigentlich jetzt so keiner?</p><p>00:43:58.66<br>Christina Dongowski<br>Also es ist krass viel Arbeit, das sieht man halt, also sich in irgendein Feld da reinzufuchsen.</p><p>00:44:06.72<br>Christina Dongowski<br>Und es gibt ja auch immer mal so Leute, die das versuchen.</p><p>00:44:10.30<br>Christina Dongowski<br>Aber es ist natürlich ganz stark, es gibt überhaupt keinen...</p><p>00:44:16.85<br>Christina Dongowski<br>man kann nicht sagen, es gibt keine Introspektion, es ist falsch, aber es gibt halt sozusagen keine Erzählperspektive, wo man jetzt irgendjemandem das gequälte Innenleben verfolgt.</p><p>00:44:28.95<br>Christina Dongowski<br>Es gibt zwei Romane, wo es um gequälte Innenleben von Künstler geht, aber da geht es auch darum, wie dargestellt, also da wird auch das auseinandergenommen als</p><p>00:44:36.93<br>Christina Dongowski<br>Ja, das hat auch ganz viel mit materiellen Bedingungen zu tun.</p><p>00:44:40.15<br>Christina Dongowski<br>Mit Quälte sehen, entstehen immer dann, wenn die Leute nicht genug zu essen haben.</p><p>00:44:45.43<br>Christina Dongowski<br>Aber von ihrem Beruf nicht weg wollen.</p><p>00:44:46.88<br>Christina Dongowski<br>Also, dass sie zum Beispiel Maler sein wollen.</p><p>00:44:50.76<br>Christina Dongowski<br>Und ich kann hier nur die Lange brechen für Emil Zola.</p><p>00:44:55.92<br>Christina Dongowski<br>Es gibt gute deutsche Übersetzungen.</p><p>00:44:57.56<br>Christina Dongowski<br>Guckt mal rein, ob die gekürzt sind, dann Finger weg.</p><p>00:45:00.100<br>Christina Dongowski<br>Aber es gibt eigentlich alles ungekürzt übersetzt in guten Übersetzungen.</p><p>00:45:08.59<br>Stefan Sasse<br>Ja, das ist halt auch wieder was, das kommt natürlich in der Schule nicht raus, weil wir da nur deutsche Autoren machen und auch nicht in den... Ja, das kommt noch erschwerend hinzu, ja, aber ich glaube, das hängt auch damit zusammen, warum das kaum einer kennt.</p><p>00:45:14.64<br>Christina Dongowski<br>Natürlich sind auch richtig dicke Romane halt zum Teil.</p><p>00:45:15.93<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>00:45:23.56<br>Stefan Sasse<br>Deine nächsten drei Thesen würde ich mal zusammenfassen, weil die haben alle in irgendeiner Art und Weise mit Lernen zu tun.</p><p>00:45:28.48<br>Stefan Sasse<br>Du sagst zum einen, mit der Hand Notizen zu machen, lässt einen anders denken, als wenn man digital arbeitet, das sitzt dann auch besser.</p><p>00:45:34.85<br>Stefan Sasse<br>Dann sagst du mal, Zeichnen ist ein großartiger Zugang zur Welt, auch wenn man es noch nicht gut kann.</p><p>00:45:41.05<br>Stefan Sasse<br>Und zuletzt, dass der Spruch, mit dem man immer genervt wurde, als Kind eben doch wahr ist, ja, Übung macht den Meister und Können und Kennen hängen leider enger zusammen, als einem geisteswissenschaftliche Studiengänge vermitteln.</p><p>00:45:52.54<br>Stefan Sasse<br>Ich würde das mal in der Kürze kommentieren.</p><p>00:45:55.28<br>Stefan Sasse<br>Die Geschichte mit den Notizen, das scheint mir mittlerweile auch Konsens in der Forschung zu sein.</p><p>00:46:00.05<br>Christina Dongowski<br>Vielen Dank.</p><p>00:46:00.71<br>Stefan Sasse<br>Dass diese handschriftlichen Notizen in jedem Fall irgendeine, irgendetwas besser machen, als wenn man digital mitschreibt.</p><p>00:46:09.65<br>Stefan Sasse<br>Die Frage ist halt nur, ob man diese Reibungsverluste gegenüber anderen Vorteilen dann gegebenenfalls mitnimmt.</p><p>00:46:17.57<br>Stefan Sasse<br>Aber ja, da wird, glaube ich, in den nächsten Jahren in der Didaktik noch einiges entsprechend passieren mit dieser Frage, was machen wir da sinnvollerweise sozusagen?</p><p>00:46:28.99<br>Stefan Sasse<br>Wie gehen wir da vor?</p><p>00:46:30.15<br>Stefan Sasse<br>Und ist eventuell dieses handschriftliche Schreiben auf dem Tablet ein adäquater Kompromiss oder wie auch immer?</p><p>00:46:35.47<br>Stefan Sasse<br>Das scheint mir aktuell noch einigermaßen umstritten zu sein.</p><p>00:46:40.07<br>Stefan Sasse<br>Ich weiß nicht, ob du da noch groß was anderes hast, aber von daher, ich stimme da weitgehend zu.</p><p>00:46:43.90<br>Stefan Sasse<br>Das scheint der Stand der Forschung zu sein.</p><p>00:46:46.58<br>Stefan Sasse<br>Du hast halt den Vorteil, dass du digital teilweise mehr Dinge mitschreiben kannst, die du dann eben nachher dir wieder aneignen kannst, was du mit Notizen unter Umständen nicht kannst mit handschriftlichen.</p><p>00:46:59.46<br>Stefan Sasse<br>Und dass du es eben auch gleich verwerten kannst.</p><p>00:47:01.27<br>Stefan Sasse<br>Das ist teilweise einfach wesentlich effizienter und du kannst bei digitalen Überarbeitungen eben manchmal Dinge machen, die mit handschriftlichen Notizen einfach nicht gehen.</p><p>00:47:09.24<br>Christina Dongowski<br>Und geht's.</p><p>00:47:10.47<br>Stefan Sasse<br>In den Text einfach Kommentare reinschreiben etc., was handschriftlich gar nicht funktioniert.</p><p>00:47:15.17<br>Stefan Sasse<br>Dann zeichnen.</p><p>00:47:16.13<br>Stefan Sasse<br>Ich habe keine Ahnung.</p><p>00:47:17.93<br>Stefan Sasse<br>Ich bin kein guter Zeichner.</p><p>00:47:19.82<br>Stefan Sasse<br>Ich benutze das auch nicht, um mir die Welt zu erschließen.</p><p>00:47:22.32<br>Stefan Sasse<br>Ich habe auch das Gefühl, ich habe dafür keine Zeit.</p><p>00:47:25.64<br>Stefan Sasse<br>Da sehe ich jetzt wieder irgendwie so den Müßiggänger am See beim Sonnenuntergang.</p><p>00:47:29.52<br>Stefan Sasse<br>Aber ich habe keinerlei Zweifel, dass das eine tolle Art ist, um sich die Welt zu erschließen.</p><p>00:47:35.15<br>Stefan Sasse<br>Ich sehe nur gar nicht, wann ich das leisten können sollte.</p><p>00:47:39.43<br>Stefan Sasse<br>Und dann zu dem Letzten.</p><p>00:47:41.53<br>Stefan Sasse<br>Übung macht definitiv den Meister.</p><p>00:47:44.51<br>Stefan Sasse<br>Da bin ich absolut dabei.</p><p>00:47:45.62<br>Stefan Sasse<br>Das ist, ob wir beim Sport sind, ob wir bei sonstigen Trainings sind.</p><p>00:47:48.86<br>Stefan Sasse<br>Und du hebst ja völlig zu Recht auch ab auf die geisteswissenschaftlichen Studiengänge.</p><p>00:47:55.10<br>Stefan Sasse<br>Und ich merke das immer wieder in meinem eigenen Fach.</p><p>00:47:58.16<br>Stefan Sasse<br>Ich meine, ich unterrichte Deutsch.</p><p>00:48:00.40<br>Stefan Sasse<br>Und da sind so viele Leute immer noch der Überzeugung, das kann man nicht lernen, das geht nicht.</p><p>00:48:07.40<br>Stefan Sasse<br>Und ich sage immer, nein, das ist nicht wahr.</p><p>00:48:10.35<br>Stefan Sasse<br>Diese Vorstellung, die die Leute da immer betreiben, das ist so Pet Peef of mine, dieses, ich werfe oben die Karte.</p><p>00:48:17.55<br>Stefan Sasse<br>die quasi eine Deutschklausur schreiben wie so eine Slotmaschine in Las Vegas.</p><p>00:48:21.37<br>Stefan Sasse<br>Du wirfst oben sozusagen die Klausur rein und guckst halt unten, welche Note rauskommt.</p><p>00:48:25.03<br>Stefan Sasse<br>Und es ist so fundamental random.</p><p>00:48:27.85<br>Stefan Sasse<br>Und es ist halt einfach nicht der Fall.</p><p>00:48:30.59<br>Stefan Sasse<br>Dieses Aufsatzschreiben beispielsweise oder auch Interpretieren, Analysieren und so weiter, das ist eine Fertigkeit, das ist ein Skill.</p><p>00:48:37.47<br>Stefan Sasse<br>Und niemand wird geboren und kann den.</p><p>00:48:40.53<br>Stefan Sasse<br>Manche Leute eignen sich das logischerweise sehr viel schneller an als andere.</p><p>00:48:43.73<br>Stefan Sasse<br>Aber dasselbe gilt für alle anderen Dinge auch.</p><p>00:48:46.43<br>Stefan Sasse<br>Manche Leute kriegen eine Mathe-Sache erklärt und sehen so, genau so funktioniert das, checke.</p><p>00:48:51.98<br>Stefan Sasse<br>Und andere müssen dann eben erst diese Übungsaufgaben durchrechnen, um die Sicherheit zu kriegen.</p><p>00:48:55.98<br>Stefan Sasse<br>Aber die allermeisten Leute werden immer das Training investieren müssen.</p><p>00:49:00.46<br>Stefan Sasse<br>Und das gilt definitiv auch für den geisteswissenschaftlichen Kram.</p><p>00:49:04.48<br>Stefan Sasse<br>Das gilt auch für das Verknüpfungenziehen beispielsweise, was ja so wahnsinnig wichtig ist in den Geisteswissenschaften.</p><p>00:49:11.15<br>Stefan Sasse<br>Ich meine, wie werde ich beispielsweise in Geschichte besser darin, diese Verknüpfungen zu ziehen zwischen verschiedenen Ereignissen, Epochen und so weiter.</p><p>00:49:19.87<br>Stefan Sasse<br>Ich muss das üben.</p><p>00:49:21.49<br>Stefan Sasse<br>Also ich muss mir diese Gedanken tatsächlich machen.</p><p>00:49:24.53<br>Stefan Sasse<br>Und das ist auch einer der Gründe, warum Leute im Unterricht häufig die Spitzennoten nur erreichen, wenn sie privat sich da damit beschäftigen.</p><p>00:49:35.17<br>Stefan Sasse<br>Ich versuche das meinen SchülerInnen immer klar zu machen am Beispiel Sport.</p><p>00:49:38.91<br>Stefan Sasse<br>Niemand würde jemals erwarten, dass du in den zwei Stunden Schulsport tatsächlich in der Lage wärst oder dann noch ein bisschen in Anführungszeichen üben zu Hause, diese Spitzenposition zu erreichen.</p><p>00:49:50.70<br>Stefan Sasse<br>Also wenn wir, keine Ahnung, drei oder vier Wochen lang Leichtathletik machen, zwei Stunden die Woche.</p><p>00:49:54.86<br>Stefan Sasse<br>Selbst wenn mein Lehrer mir sagen würde, und das tun die Sportlehrer ja üblicherweise auch nicht, hier mach zu Hause dies oder jenes, das ist eure Hausaufgabe oder whatever, niemals werde ich im 100 Meter Lauf von ich kann nichts in vier oder fünf Wochen auf irgendwie gut kommen.</p><p>00:50:08.89<br>Stefan Sasse<br>Das muss ich mitbringen, dieses Training sozusagen.</p><p>00:50:10.77<br>Christina Dongowski<br>Genau.</p><p>00:50:12.59<br>Stefan Sasse<br>Und niemand kann sprinten, ohne das regelmäßig zu tun.</p><p>00:50:17.29<br>Stefan Sasse<br>Und das Gleiche gilt für alle anderen Fertigkeiten auch so, Rant enden.</p><p>00:50:24.84<br>Stefan Sasse<br>Wenig beizutragen, gell?</p><p>00:50:26.62<br>Stefan Sasse<br>Dann gehen wir gleich zu Tese Nummer 90 weiter.</p><p>00:50:29.80<br>Stefan Sasse<br>Du sagst nämlich, dass Deskilling und das Unsichtbarmachen von Prozessen und die Abwertung des praktischen Prozesses gegenüber dem fertigen Ergebnis sind Unterdrückungsmechanismen der herrschenden Klasse und ihrer Ideologie-Produzenten.</p><p>00:50:41.88<br>Stefan Sasse<br>Und ich würde dir grundsätzlich da durchaus zustimmen, nur fände ich es cool, wenn du es vielleicht ein bisschen plastischer machen kannst.</p><p>00:50:49.04<br>Christina Dongowski<br>das hängt mit dem, was wir eben besprochen haben, total eng zusammen.</p><p>00:50:53.18<br>Christina Dongowski<br>Dass diese Fixierung auf das perfekte oder halbwegs perfekte Endprodukt verstellt, dass das das Ende von einem Prozess ist und dass man diesen Prozess durchlaufen muss,</p><p>00:51:15.22<br>Christina Dongowski<br>Mehrfach.</p><p>00:51:15.76<br>Christina Dongowski<br>Und dass man den lernen muss und vor allem aber auch, dass man den lernen kann.</p><p>00:51:22.58<br>Christina Dongowski<br>Jetzt in Sachen Kunst und Literatur würde ich sagen, oder auch zum Beispiel Mathematik oder so Naturwissenschaften, es gibt schon so eine Ebene, glaube ich, wo eine Begabung für bestimmte Sachen schon auch eine Rolle spielt.</p><p>00:51:32.70<br>Christina Dongowski<br>Aber selbst wenn du mörderbegabt bist, Picasso ist nicht als Picasso zur Welt gekommen.</p><p>00:51:37.88<br>Christina Dongowski<br>Der hat auch gelernt.</p><p>00:51:39.82<br>Christina Dongowski<br>Und man kann das auch sehen, schlimm ist halt, dass er mit 13 relativ perfekt war, aber es war halt einfach ein unglaublich begabtes Kind.</p><p>00:51:49.85<br>Christina Dongowski<br>Und dieses sozusagen auf Oberfläche reduzieren, eben auf ein verkonsumierbares Endergebnis reduzieren, verdirbt den Spaß am Prozess.</p><p>00:52:06.73<br>Christina Dongowski<br>Und dadurch verstellt es Incentives, sich in diesen Prozess zu stürzen, also eben zu lernen.</p><p>00:52:15.02<br>Christina Dongowski<br>Der Prozess ist ja eigentlich Lernen und dann beim Machen immer weiter lernen, immer besser werden.</p><p>00:52:18.63<br>Stefan Sasse<br>Vielen Dank.</p><p>00:52:20.08<br>Christina Dongowski<br>Wenn man sich irgendwie zuguckt, wenn man jemandem zuguckt, der jetzt zum Beispiel mit Handarbeit irgendwas herstellt, Töpfer, Töpfer, Töpfer,</p><p>00:52:32.39<br>Christina Dongowski<br>jemand, der streckt, jemand, der stinkt, auch jemand, der jetzt malt oder zeichnet oder so, selbst sozusagen den Top-Könner, wie die sich eben entscheiden auf dem Weg, wie die umgehen mit Scheitern, mit einem Fehler, mit der Widerständigkeit des Materials, also wie du damit umgehst, dass du was über das Material lernen musst.</p><p>00:52:53.94<br>Christina Dongowski<br>Ich sage jetzt die ganze Zeit Beispiele, die so aus dem Kreativbereich sind, aber mir ist es auch total top aufgefallen, dass</p><p>00:53:01.94<br>Christina Dongowski<br>Dieses Verstecken oder Verschwinden von Prozess in industrieller Produktion.</p><p>00:53:09.62<br>Christina Dongowski<br>Wenn man mal Einblicke daran kriegt, wie unfassbar kompliziert es ist, eine fucking Zahnbürste herzustellen.</p><p>00:53:17.03<br>Christina Dongowski<br>Wie viele Ressourcen da reingehen.</p><p>00:53:19.19<br>Christina Dongowski<br>Also sozusagen jetzt materielle Ressourcen, Energie, Rohstoffe,</p><p>00:53:25.77<br>Christina Dongowski<br>aber auch Ingenieurs-Hirnschmalz, um diesen Produktionsprozess so hinzudengeln, dass er so effektiv wie möglich ist, um dieses Pfennigprodukt quasi herstellen zu können.</p><p>00:53:42.38<br>Christina Dongowski<br>Und wie kompliziert es auch alles miteinander verschränkt ist, wenn man da mal sozusagen Blicke draufgeworden hat,</p><p>00:53:49.17<br>Christina Dongowski<br>darauf geworfen kriegt, kann man erstens bestimmte Äußerungen von zum Beispiel Arbeitgeberpräsidenten gänzlich anders einordnen, weil man ein bisschen was verstanden hat über eben Produktionsprozesse und die Komplexität dieser Prozesse.</p><p>00:54:05.87<br>Christina Dongowski<br>Aber man sieht halt eben auch dieses</p><p>00:54:09.87<br>Christina Dongowski<br>da gibt es auch was zu begreifen.</p><p>00:54:11.55<br>Christina Dongowski<br>Also Prozesse sind super interessant und eigentlich viel interessanter meistens als Endprodukte.</p><p>00:54:16.55<br>Christina Dongowski<br>Und Leute und das in Prozessen, was du eben gesagt hast, der Unterschied zwischen digitaler Notiz und handdrücklicher Notiz,</p><p>00:54:25.99<br>Christina Dongowski<br>dass sozusagen digitale Notiz in gewisser Weise ein bisschen reibungsloser ist, so Frictionlessness von Prozessen, was ja zum Beispiel bestimmt auch der Charme ist für ganz viele Studierende und Schülerinnen und Schüler, dass du alles in Chachibiti oder sowas schmeißt und versuchst, das Ding des machen zu lassen, den Leuten abzugewöhnen, dass sich anstrengen an sich ein Skill ist, den man lernen sollte.</p><p>00:54:52.88<br>Christina Dongowski<br>Und der einen dazu befähigt, sich dann auch andere Sachen drauf zu schaffen.</p><p>00:55:00.94<br>Christina Dongowski<br>Also sozusagen, dass Anstrengungen aushalten lernen, Scheitern aushalten lernen, nicht so gut sein wie jemand anders aushalten lernen, aber trotzdem weitermachen.</p><p>00:55:10.98<br>Christina Dongowski<br>Dass das Sachen sind, die, also erst einmal ganz individuell, das ist einfach unfassbar persönlichkeitsbildende Maßnahmen.</p><p>00:55:19.33<br>Christina Dongowski<br>und das ist das Skillset, das man braucht, um sich überhaupt durch die Welt zu schlängeln und auch Welt aneignen zu können und da weiterzukommen.</p><p>00:55:27.89<br>Christina Dongowski<br>Und dieses, die Leute, also den Prozess zu verstecken, bis sozusagen diese Frictionlessness ist ja quasi Prozesslosigkeit.</p><p>00:55:40.88<br>Christina Dongowski<br>Oben reinschmeißen, unten kommt was raus.</p><p>00:55:42.24<br>Christina Dongowski<br>Und</p><p>00:55:46.02<br>Christina Dongowski<br>Das macht Leute einfach stumpfer.</p><p>00:55:51.58<br>Christina Dongowski<br>Dadurch wird man, bin ich fest mitbezeugt, dadurch wird man tatsächlich dümmer.</p><p>00:55:55.00<br>Christina Dongowski<br>Ich meine das jetzt gar nicht in so einem, oh, die Schüler werden alle dümmer, die Chat-GPT benutzen.</p><p>00:55:59.42<br>Christina Dongowski<br>Man kann Chat-GPT total schlau benutzen, aber da muss man vorher schon schlau sein.</p><p>00:56:02.74<br>Christina Dongowski<br>Und man wird es nicht durch benutzen.</p><p>00:56:05.06<br>Stefan Sasse<br>Es ist ein Werkzeug.</p><p>00:56:07.30<br>Christina Dongowski<br>Und das meine ich damit sozusagen, dass dieses...</p><p>00:56:16.11<br>Christina Dongowski<br>selber Sachen machen und Sachen werden gemacht.</p><p>00:56:19.62<br>Christina Dongowski<br>Das wird in so einem, wenn du halt eben durch ein Kaufhaus gehen kannst, durch eine EDK, durch ein Rewe gehst und einfach alles kriegen kannst, wird es sozusagen, da wird was verschwiegen über die Welt, mehr oder weniger absichtlich, aber auch strukturell.</p><p>00:56:37.63<br>Christina Dongowski<br>Und jedes Mal, wenn dann sowas passiert wie Corona, es gibt irgendwelche, wo du plötzlich quasi</p><p>00:56:45.46<br>Christina Dongowski<br>die Kulisse weggezogen wird und man mal die Mechanik sieht, weil man sie sehen muss.</p><p>00:56:51.06<br>Christina Dongowski<br>Wenn dann alle plötzlich in Panik verfallen, da habe ich mir auch so gesagt, Leute, ja, das ist jetzt natürlich auch alles nicht sehr schön, da sterben auch Leute, das ist natürlich einfach alles scheiße, aber warum kriegt ihr denn schlicht Angst davon, zu wissen, dass ganz viele Dinge in Deutschland davon abhängig sind, dass in China drei Fabriken funktionieren?</p><p>00:57:09.97<br>Christina Dongowski<br>Es ist interessant, das zu wissen und daraus muss man irgendwelche Schlüsse ziehen und selber irgendwas machen.</p><p>00:57:15.51<br>Christina Dongowski<br>Und das ist eigentlich der Hintergrund dieser These, dass ich denke, Leute, ihr müsst euch mehr Spaß am Prozess drauf schaffen, Prozesswissen drauf schaffen von den Sachen, die ihr gerne macht.</p><p>00:57:29.36<br>Christina Dongowski<br>Sucht euch einfach Sachen, die ihr gerne macht und macht die halt.</p><p>00:57:35.02<br>Christina Dongowski<br>Und keine Angst vor oder sozusagen die Liebe zum sich durch Schwierigkeiten durchschlagen.</p><p>00:57:44.100<br>Christina Dongowski<br>Wer das in einem Fitnessstudio kann und da immer brav hingeht, weil er sich die super, duper Silhouette drauf stemmen will, der kann das auch, indem er irgendwas anderes Schwieriges lernt, was man halt eben anders lernt, als dass man da jeden Tag hingeht, sondern da muss man sich jeden Tag hinsetzen und Vokabel lernen oder weiß die Hölle irgendwas.</p><p>00:58:04.44<br>Christina Dongowski<br>Und</p><p>00:58:07.26<br>Christina Dongowski<br>dass das was ist, was verschwindet und witzigerweise hilft diese seltsame Genie-Ästhetik, die in Kunst und Literatur geht, hilft ja noch dabei, das zu verschwinden zu bringen.</p><p>00:58:17.56<br>Christina Dongowski<br>Also dass man eben die handwerkliche Seite an Kunst und Literatur so seltsam unter den Tisch fällt.</p><p>00:58:25.93<br>Stefan Sasse<br>Das wäre mein nächster Punkt gewesen, wo ich gerne quasi ergänzt hätte.</p><p>00:58:29.52<br>Stefan Sasse<br>Ich finde diese, du hast den Begriff ja auch selber gebracht, der Talent, das wird völlig überbetont als so eine Art magisches Ding letzten Endes.</p><p>00:58:40.34<br>Stefan Sasse<br>Das hast du und dadurch entsteht der Kram automatisch.</p><p>00:58:43.52<br>Stefan Sasse<br>Aber wie du schon gesagt hast, auch Picasso musste das ja entsprechend erstmal lernen und hat dann die Bilder auch gemacht.</p><p>00:58:50.20<br>Stefan Sasse<br>Die entstanden ja nicht quasi von allein.</p><p>00:58:52.12<br>Christina Dongowski<br>Okay.</p><p>00:58:52.76<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>00:58:54.70<br>Stefan Sasse<br>Genauso haben Goethe und Konsorten ihre Texte über Jahre immer und immer wieder in zig Iterationen durchgearbeitet.</p><p>00:59:02.33<br>Stefan Sasse<br>Die haben das ja nicht so fließbandartig produziert.</p><p>00:59:04.31<br>Stefan Sasse<br>Das sind ja keine Wolfgang-Guhlbein-Romane.</p><p>00:59:07.65<br>Stefan Sasse<br>Oder diese Romanticy-Scheiße, die du da im Dutzend billiger im Bahnhofskiosk findest.</p><p>00:59:13.41<br>Stefan Sasse<br>Die Dinger, die kannst du runterschreiben und veröffentlichen.</p><p>00:59:16.01<br>Stefan Sasse<br>Oder so einer von meinen Blogposts oder so.</p><p>00:59:18.63<br>Stefan Sasse<br>Aber wenn du eben Kunst machen möchtest, dann ist da wirklich Arbeit drin.</p><p>00:59:24.88<br>Stefan Sasse<br>Und gerade, du beschreibst es als Genie-Ästhetik, das ist ein sehr schönes Wort an der Stelle, das verdeckt es gerne.</p><p>00:59:31.44<br>Stefan Sasse<br>Und sorgt quasi dafür, dass das alles versteckt wird.</p><p>00:59:34.80<br>Stefan Sasse<br>Und ich weiß gar nicht warum, aber diese Ästhetik, die muss irgendwie bedient werden.</p><p>00:59:39.46<br>Stefan Sasse<br>Das darf auch gar nicht schwer erscheinen sozusagen.</p><p>00:59:43.70<br>Stefan Sasse<br>Und gerade auch im Sport zum Beispiel würdigt es im Endeffekt die Trainingsleistungen auch deutlich herab.</p><p>00:59:49.67<br>Stefan Sasse<br>Manche Leute können das halt, aber die wurden damit geboren, mit diesem Talent und deswegen sind sie gut.</p><p>00:59:56.30<br>Stefan Sasse<br>Das ist halt einfach nicht so.</p><p>00:59:58.76<br>Christina Dongowski<br>Auch jemand, der den Körperbau hat oder den Gelenkaufbau, um ein...</p><p>01:00:07.39<br>Christina Dongowski<br>1A-Turnerin werden zu können.</p><p>01:00:09.59<br>Christina Dongowski<br>Niemand wird geboren mit dem Können und Wissen, wie man einen fucking dreifachen Seiltisch bringt.</p><p>01:00:17.59<br>Christina Dongowski<br>Also das lernen wir.</p><p>01:00:17.80<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>01:00:18.76<br>Christina Dongowski<br>Also das muss man einfach lernen.</p><p>01:00:20.94<br>Christina Dongowski<br>Und das ist, also das finde ich echt, und es ist halt auch, das ist auch fies.</p><p>01:00:26.56<br>Christina Dongowski<br>Ich sehe das an mir, sozusagen.</p><p>01:00:27.98<br>Christina Dongowski<br>Ich kämpfe immer damit.</p><p>01:00:29.04<br>Christina Dongowski<br>Ich bin auch nicht als Zeichnerin vom Himmel gefallen.</p><p>01:00:32.96<br>Christina Dongowski<br>Weiß Gott nicht.</p><p>01:00:34.81<br>Christina Dongowski<br>Aber sozusagen dieses</p><p>01:00:37.13<br>Christina Dongowski<br>diese seltsame Idee sozusagen, dass du natürlich auch in Museen bist, das macht ja auch Sinn, du gehst durch Museen und siehst halt lauter Sachen, wo du die Leute es einfach drauf haben, ja.</p><p>01:00:45.29<br>Christina Dongowski<br>Und dann setzt du dich hin und denkst, ja, schöner Scheiß, weil bis dahin kommst du halt einfach, also so fängst du ja nicht an, du bist ja noch nicht mehr in der Mitte, ja.</p><p>01:00:48.42<br>Stefan Sasse<br>Vielen Dank.</p><p>01:00:54.85<br>Christina Dongowski<br>Und sozusagen das Meer, wenn man so sieht, wie Leute dahin kommen, dass das Bild also aussieht, wie es aussieht, ähm,</p><p>01:01:05.84<br>Christina Dongowski<br>Das ist was, was viel mehr unter die Leute gebracht werden müsste.</p><p>01:01:12.100<br>Christina Dongowski<br>Ja, es hat nicht diese wahren Ästhetik.</p><p>01:01:15.82<br>Christina Dongowski<br>Du kannst das nicht verkaufen, weil es einfach keine gute Zeichnung ist.</p><p>01:01:18.94<br>Christina Dongowski<br>Aber du hast was dabei gelernt.</p><p>01:01:22.74<br>Christina Dongowski<br>Oder eben sozusagen, du wuschelst, du feilst an deinem Gedicht rum und bist immer noch nicht zufrieden.</p><p>01:01:28.76<br>Christina Dongowski<br>Das ist gut.</p><p>01:01:31.69<br>Christina Dongowski<br>Weil</p><p>01:01:33.73<br>Christina Dongowski<br>Ganz, ganz selten kommt bei irgendeinem Text aus einem Hirn, der schon einfach sofort beim ersten Schmiss halbwegs perfekt ist.</p><p>01:01:39.54<br>Christina Dongowski<br>Das ist einfach nicht so.</p><p>01:01:41.11<br>Stefan Sasse<br>Ja, und diese Frustrationstoleranz, die haben die meisten Leute halt nicht.</p><p>01:01:45.55<br>Stefan Sasse<br>Und die wird auch nicht eintrainiert.</p><p>01:01:47.55<br>Stefan Sasse<br>Das muss man ganz klar sagen, das sehe ich im Unterricht auch immer wieder.</p><p>01:01:51.19<br>Stefan Sasse<br>Die Leute sind fundamental unwillig, mehr als eine Iteration für irgendwas zu machen.</p><p>01:01:57.57<br>Stefan Sasse<br>Und wir haben das in unserem System auch nicht wirklich drin.</p><p>01:02:00.63<br>Stefan Sasse<br>Weil wir eben ganz häufig da quasi so vorgehen, nur hier hast du die Aufgabe, mach das Ding und dann ist es irgendwo zwischen 1 und 6 sozusagen, aber das ist dann fertig, der Prozess ist dann abgeschlossen und Iterationen werden in diesem System weder gefordert noch in irgendeiner Art und Weise belohnt.</p><p>01:02:19.73<br>Stefan Sasse<br>Und das ist definitiv ein Problem.</p><p>01:02:22.10<br>Stefan Sasse<br>Ich würde zur nächsten These weiterspringen.</p><p>01:02:25.00<br>Stefan Sasse<br>Wir unterschätzen oder verdrängen immer noch massiv, wie tief das gesamte Projekt der Aufklärung der moderne Teilimperialen Denkens- und kolonialistisch-extraktivistischer Ökonomien gewesen ist.</p><p>01:02:34.77<br>Stefan Sasse<br>Da würde ich einfach sagen, ja, offensichtlich.</p><p>01:02:37.39<br>Stefan Sasse<br>Ich würde vielleicht hinzufügen an der Stelle, dass das aktuell ein super schwieriges Thema ist, wegen diesem Backlash gegen die postkolonialistische Theorie.</p><p>01:02:46.51<br>Stefan Sasse<br>Das hatten wir ja zum Beispiel bei dieser Kant-Kritik, die da vor, wann war das, einem halben Jahr oder Jahr mal aufgekommen ist.</p><p>01:02:49.79<br>Christina Dongowski<br>Ja, ja.</p><p>01:02:55.63<br>Stefan Sasse<br>Ja, wo quasi dieser Rassismus von Kant oder seine Rolle da drin thematisiert worden ist.</p><p>01:03:01.44<br>Stefan Sasse<br>Und ich verstehe auf der einen Seite, dass das so ein bisschen ermüdend ist, wenn man ständig feststellt, dass Figuren des 18. oder 19.</p><p>01:03:07.34<br>Stefan Sasse<br>Jahrhunderts tatsächlich rassistisch waren.</p><p>01:03:08.82<br>Stefan Sasse<br>Ja, no shit.</p><p>01:03:10.36<br>Stefan Sasse<br>Aber auf der anderen Seite,</p><p>01:03:12.43<br>Stefan Sasse<br>wenigstens genauso ermüdend, dass es dann quasi immer, dass es dann immer Leute gibt, die sich bemüßigt fühlen, das zu leugnen und abzustreiten.</p><p>01:03:20.53<br>Stefan Sasse<br>Ich kann doch problemlos sagen, dass eine Figur wie Kant unglaublich wichtig für unsere Philosophie ist, dass für diese Philosophie ziemlich unwichtig ist, was der für Meinungen zur Gleichheit der Rassen hatte und</p><p>01:03:32.32<br>Stefan Sasse<br>dass er gegebenenfalls eben, wie alle seine Zeitgenossen auch, ziemlich rassistische Meinungen gehabt hat.</p><p>01:03:37.65<br>Stefan Sasse<br>Ich denke, da komme ich dann relativ schnell dabei raus, dass das bei Kant, der Würdigung der Figur Kant, eigentlich nicht großartig im Weg steht.</p><p>01:03:46.07<br>Stefan Sasse<br>Während halt dann solche Fragen wie, brauche ich eine Statue für einen Sklavenhändler im Hafen von Bristol?</p><p>01:03:51.76<br>Stefan Sasse<br>Da komme ich dann gegebenenfalls vielleicht zu anderen Schlüssen.</p><p>01:03:55.24<br>Stefan Sasse<br>Ich glaube nicht, dass wir irgendwelche Kantstatuen stürzen müssen.</p><p>01:03:58.82<br>Stefan Sasse<br>Aber ich glaube wirklich, dass dieser Backlash ganz massiv jeglichem Wissensgewinn hier auch im Weg steht, weil da werden Denkverbote aufgestellt seitens dieser Backlash-Leute.</p><p>01:04:11.01<br>Christina Dongowski<br>Ja, die wollen ja, glaube ich, gar nicht so besonders viel denken.</p><p>01:04:11.21<br>Stefan Sasse<br>Weil man quasi dieses</p><p>01:04:15.51<br>Christina Dongowski<br>Also gar nicht in irgendwelche Richtungen Denkverbote, sondern ich glaube, da soll ja grundsätzlich denken, ist ja nicht so...</p><p>01:04:21.06<br>Stefan Sasse<br>Ja, aber ich finde das einfach ein Thema, weil ja, selbstverständlich war das Projekt der Aufklärung und der Moderne gleichzeitig auch dieses unglaublich imperialistische Modell und diese beiden Sachen, die sollte man schon Seite bei Seite stehen und das eine nimmt ja von dem anderen nichts weg erstmal grundsätzlich.</p><p>01:04:37.05<br>Christina Dongowski<br>Ich finde, das Interessante ist ja sozusagen sich anzugucken, also jetzt zum Beispiel bei Kant ist zum Beispiel, finde ich interessant, dass es ja tatsächlich um 1700, zwischen 1750 und 1800 schon Leute gibt, die nicht so denken, also sozusagen die Rassismuskritik hinbringen.</p><p>01:04:57.72<br>Christina Dongowski<br>die aus diesem Anspruch sozusagen universale Menschenrechte was anderes draus machen, als was jetzt zum Beispiel Kant draus macht, also in seiner Anthropologie draus macht.</p><p>01:05:06.38<br>Christina Dongowski<br>Gleichzeitig kann man schon auch sagen,</p><p>01:05:08.76<br>Christina Dongowski<br>Jetzt ist vielleicht die Anthropologie nicht das dringendste Wichtigste an Kant.</p><p>01:05:12.12<br>Christina Dongowski<br>Dafür würde ich sogar mitgehen, dass man sagen kann, ja, das kann man schon so sagen.</p><p>01:05:15.96<br>Christina Dongowski<br>Man kann sich vielleicht mal angucken, zum Beispiel wie das Autonomiekonzept von Kunst, was sternstark auf Kant zurückgeht in der Kritik der Urteilskraft, wie das vielleicht doch ein bisschen was zu tun hat mit solchen klassizistischen...</p><p>01:05:33.18<br>Christina Dongowski<br>was jetzt richtig ein Mensch sei oder so, da kann man glaube ich auch nichts rauskommen.</p><p>01:05:38.09<br>Christina Dongowski<br>Mir ging es bei der These tatsächlich eher in die Richtung der Sklavenhändler, was zum Beispiel, wo jetzt auch im Angelsegistrieren-Raum tatsächlich super viel zu geforscht wird und auch immer noch geforscht wird und da kommen tolle Bücher raus, wie zum Beispiel bestimmte kulturelle Institutionen unglaublich stark</p><p>01:06:01.73<br>Christina Dongowski<br>mit Sklavenhandel zu tun haben.</p><p>01:06:06.45<br>Christina Dongowski<br>Und zwar nicht nur darüber, dass die darüber finanziert worden sind, Museen zum Beispiel, Sammlungen, sondern wie die Sammlungsgebiete bis hin zu ganzen wissenschaftlichen Disziplinen dadurch strukturiert sind, dass die Briten halt da einen Stützpunkt haben, in Indien die East India Company,</p><p>01:06:27.75<br>Christina Dongowski<br>durchrollt und dass man eben da Zugriff auf bestimmte Geografie, Geologie, Leute, deren Kultur hat und auf andere eben halt nicht, weil da jemand anders sitzt oder noch gar niemand sitzt und wie das bestimmte Theorien über Kultur total präformiert.</p><p>01:06:53.49<br>Christina Dongowski<br>Und</p><p>01:06:54.98<br>Stefan Sasse<br>Mhm.</p><p>01:06:55.70<br>Christina Dongowski<br>wie das tatsächlich eben auch Institutionen, also sozusagen das ganze British Museum ist eine einzige Räuberhöhle, das kann man wirklich so sagen, es ist eine einzige Räuberhöhle, da kann man sich schon mal abendlos darüber Gedanken machen, was das heißt für Archäologie zum Beispiel, als Disziplin und auch Teile von Geschichte natürlich.</p><p>01:07:15.56<br>Christina Dongowski<br>Aber eben halt auch heißt, was bedeutet denn das, wenn Leute...</p><p>01:07:21.77<br>Christina Dongowski<br>ihr Wissen über eine andere Kultur oder sozusagen überhaupt, die Briten haben ja, wenn man es ganz wild konstruktivistisch sagen will, die britischen Archäologen, Ethnografen, Anthropologen des 19. und 20.</p><p>01:07:33.43<br>Christina Dongowski<br>Jahrhunderts haben ja bestimmte antike Kulturen quasi erfunden.</p><p>01:07:38.43<br>Christina Dongowski<br>die, wenn man jetzt sozusagen, wo jetzt weiter geforscht wird und so, man sagen kann, ah, so kann man jetzt vielleicht die Assyrer von den Hethitern oder sowas, ich denke mir jetzt irgendwas aus, aber ich weiß, dass es da Diskussionen gibt, das kann man jetzt auch gar nicht so abgrenzen und da wird halt auch so Nationen-Imperialbegriff auf das Assyrische Reich oder</p><p>01:07:59.46<br>Christina Dongowski<br>oder sogar Rom, Symperium, an der Ahnung, projiziert, damit verkennt man eigentlich, wie ein Bronzezeitliches Reich aufgebaut wird, ist oder so, solche Sachen sind.</p><p>01:08:10.92<br>Christina Dongowski<br>In sowas habe ich sozusagen viel mehr gedacht, wie viel unserer wirklich sozusagen grundlegenden kulturwissenschaftlichen Begriffe in dieses Zeug reingewickelt sind und dass man da sozusagen im Zweifel mal eher mal mehr Verdacht haben sollte als weniger.</p><p>01:08:25.61<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:08:26.43<br>Christina Dongowski<br>Und das aber gleichzeitig natürlich überhaupt nicht bedeutet, dass man zum Beispiel die Bedeutung von Kant angreift, sondern dass man den einfach anders kontextualisieren muss.</p><p>01:08:34.86<br>Christina Dongowski<br>Oder sogar Leute, die wirklich schwieriger sind, irgendwelche, die großen Ausgräber von Ninive, Babel, Sinai,</p><p>01:08:54.92<br>Christina Dongowski<br>die Leute, die Briten, die Ägypten umgegraben haben, die Tutankaben-Leute.</p><p>01:09:00.60<br>Christina Dongowski<br>Das sind einerseits sozusagen für die Archäologie wichtige Personen.</p><p>01:09:05.46<br>Christina Dongowski<br>Gleichzeitig muss man halt sagen, die hätten natürlich alle da nicht gestanden, wenn die nicht einfach mit das britische Empire im Zweifel die Grabe mit Waffengewalt geschützt hätten.</p><p>01:09:17.87<br>Christina Dongowski<br>Und die ja zum Teil selber...</p><p>01:09:20.83<br>Christina Dongowski<br>als Spione gearbeitet haben zum Beispiel.</p><p>01:09:23.35<br>Christina Dongowski<br>Es ist gleichzeitig auch supermörderspannend, weil man denkt, wow, geil, Archäologen, das ist ja wirklich so Indiana Jones-Territorium dann.</p><p>01:09:30.72<br>Christina Dongowski<br>Aber dass man sich das halt klar machen muss, dass das</p><p>01:09:35.16<br>Christina Dongowski<br>viel, viel enger miteinander verstrickt ist, als nur sozusagen dadurch, puh Leute, im 18.</p><p>01:09:41.80<br>Christina Dongowski<br>Jahrhundert war im Zweifel mehr rassistisch als weniger rassistisch, was stimmt, würde ich vermuten, dass das so ist.</p><p>01:09:48.79<br>Christina Dongowski<br>Aber mir ging es ja tatsächlich mehr um die Strukturen und dass man deswegen bei bestimmten Sachen kritisch sein muss auf so einer Ebene von, man muss mitdenken, dass man das nicht irgendwie als</p><p>01:10:04.91<br>Christina Dongowski<br>nicht durch zum Beispiel einen rassistischen Blick oder einen kolonialen Blick geformtes Objekt überliefert bekommt.</p><p>01:10:10.93<br>Christina Dongowski<br>Ich war jetzt letzte Woche in Nürnberg im Gemeinschen Nationalmuseum in einer Ausstellung, das hieß Nürnberg Global, ist leider schon zu Ende.</p><p>01:10:20.46<br>Christina Dongowski<br>Und die haben mal sozusagen ihre eigenen Bestände und die Rolle von Nürnberg bis ins 17.</p><p>01:10:25.76<br>Christina Dongowski<br>Jahrhundert, also eben nicht bis dann zur ganz großen Zeit des Kolonialhandels, aber eben da fängt das alles schon an, mal ihre Objekte danach angeguckt, wie die eben in diese Kolonialnetze eingebunden werden, eingebunden worden sind.</p><p>01:10:40.10<br>Christina Dongowski<br>Und das war halt super schön gemacht.</p><p>01:10:42.82<br>Christina Dongowski<br>Die haben gleichzeitig sozusagen anerkannt, diese unglaublich faszinierenden Objekte, die die haben, Behrheim, Globus,</p><p>01:10:51.60<br>Christina Dongowski<br>irgendwelche Objekte, die aus den Mogul-Indien gekommen sind.</p><p>01:10:57.26<br>Christina Dongowski<br>Also super schöne Sachen auch.</p><p>01:11:00.80<br>Christina Dongowski<br>Die Schönheit dieser Sachen und die Faszination dieser Sachen gelassen und gleichzeitig in den Kontext eingebettet, wo du halt denkst, ist ja natürlich auch nicht alles so glänzend schön.</p><p>01:11:10.01<br>Christina Dongowski<br>Und das war super gut gemacht und ich glaube mit solchen Sachen, mit dieser Art Ausstellung war es super besucht.</p><p>01:11:16.49<br>Christina Dongowski<br>kriegst du es auch echt einfach gut an die Leute ran, sich darüber Gedanken zu machen, ohne, man hat nie den Eindruck gehabt, man wird da jetzt irgendwie, man müsste sich jetzt da dringend persönlich moralisch zu verhalten.</p><p>01:11:28.10<br>Christina Dongowski<br>Das ist ja auch so eine Position, wo ich denke, ich muss mich da auch überhaupt nicht persönlich moralisch zu verhalten.</p><p>01:11:36.11<br>Christina Dongowski<br>sondern ich gucke mir das an und nehme das zur Kenntnis und mache mir da Gedanken zu.</p><p>01:11:40.94<br>Christina Dongowski<br>Und dann waren eben auch super Knallersachen, die eben auch dadurch rauskommen, indem das unter kolonialen Aspekten angeguckt wird.</p><p>01:11:49.80<br>Christina Dongowski<br>Es gibt Mogul-Handschriften aus dem 17.</p><p>01:11:52.22<br>Christina Dongowski<br>Jahrhundert, solche Prunkhandschriften, super schön, die benutzen Figurenmotive von Albrecht Dürer.</p><p>01:12:00.66<br>Christina Dongowski<br>Du guckst da drauf und denkst so, das war so gemacht, du guckst da drauf und kriegst es erstmal nicht gesagt.</p><p>01:12:00.69<br>Stefan Sasse<br>Danke.</p><p>01:12:05.50<br>Christina Dongowski<br>Du siehst dieses Ding und denkst so, hä, komisch irgendwie, kommt mir irgendwie seltsam bekannt, wo habe ich das nicht gerade eben gesehen?</p><p>01:12:12.06<br>Christina Dongowski<br>Ja, das hast du gerade eben gesehen, mein Albrecht Dürer, guck, verstehe ich.</p><p>01:12:15.60<br>Christina Dongowski<br>Und jetzt siehst du das in der Mogul-Handschrift und denkst so, wie ist denn das passiert?</p><p>01:12:20.14<br>Christina Dongowski<br>Und dann wird es halt erklärt, wie das passiert ist.</p><p>01:12:22.68<br>Christina Dongowski<br>Und das war zum Beispiel, das ist unfassbar faszinierend, also wie früh dann halt eben auch schon,</p><p>01:12:30.68<br>Christina Dongowski<br>kultureller Transfer passiert ist und man sich halt auch dann fragt, was haben die sich wohl gedacht, dieser unfassbar gute Mogul-Miniaturenmaler, als er diese Kupferstiche von Albrecht Dürer gesehen hat und gesagt hat, ah ja, guck, das ist doch ganz schön, ich brauche jetzt mein Zeug ein.</p><p>01:12:45.17<br>Christina Dongowski<br>Also das</p><p>01:12:48.59<br>Christina Dongowski<br>So was meine ich damit sozusagen, dass man sich mehr auf so strukturelle Ebene geht als dieses seltsame, das ist ja auch überhaupt nicht wissenschaftlich, dieses seltsame Gottschwa.</p><p>01:12:59.35<br>Christina Dongowski<br>Wenn jemand sagt, es gibt Passagen bei Immanuel Kant, da wird es einem ganz anders und wir müssen mal überlegen, was das für Auswirkungen vielleicht sozusagen auf den Kategorienbegriff bei ihm hat oder sowas.</p><p>01:13:11.38<br>Christina Dongowski<br>Das ist ja überhaupt keine Gottschwa-Frage, sondern das ist ja eine ganz normale,</p><p>01:13:16.58<br>Christina Dongowski<br>ganz schlaue, philosophiehistorische Begriffsarbeitsfrage.</p><p>01:13:20.92<br>Christina Dongowski<br>Und deswegen fragt mich immer, meine Güte, bis eben hat doch irgendein Neos-Journalist oder ein Springer-Journalist doch sowieso noch nie die Nase in irgendeinem fucking Kant-Buch gehabt.</p><p>01:13:32.68<br>Christina Dongowski<br>Und jetzt plötzlich, weil da gesagt wird, ja, gibt ein paar blöde Passagen mal für Kant, müssen wir dringend für Kant in die Schlacht rein, dann wissen wir überhaupt nicht, wer das ist.</p><p>01:13:40.38<br>Christina Dongowski<br>Also mal ganz brutal gesagt, die wissen noch gar nicht, wer das ist.</p><p>01:13:43.22<br>Christina Dongowski<br>Äh,</p><p>01:13:43.39<br>Stefan Sasse<br>Das war da bei Winnetou damals das Gleiche.</p><p>01:13:46.99<br>Stefan Sasse<br>Also von daher, da sind wir uns definitiv einig.</p><p>01:13:48.99<br>Christina Dongowski<br>Okay.</p><p>01:13:49.27<br>Stefan Sasse<br>Ich sehe, und um das auch mal umzudrehen, das ist ein Phänomen, das kennen wir in die andere Richtung im Endeffekt auch.</p><p>01:13:53.71<br>Stefan Sasse<br>Das ist diese Unwille sozusagen, sich mit bestimmten Dingen überhaupt auseinanderzusetzen, der letztlich erkenntnisfeindlich ist.</p><p>01:14:01.70<br>Stefan Sasse<br>Also wenn du manche Sachen...</p><p>01:14:03.80<br>Stefan Sasse<br>für außerhalb der Diskussion befindlich erklärst, wie das gerade die Konservativen im Endeffekt tun, mit diesem ganzen Postkolonialismus-Kram beispielsweise, oder was sie ja auch gleichzeitig versuchen, diese ganze Gender-Forschung, Gender-Mainstreaming etc., wo sie quasi einfach sagen, nee, das ist keine Wissenschaft, da streichen wir alle Mittel, Klammer auf, was dann dazu führt, dass das einfach tot ist, Klammer zu.</p><p>01:14:25.73<br>Stefan Sasse<br>Das ist letzten Endes ein Verstellen von Erkenntnis.</p><p>01:14:29.98<br>Stefan Sasse<br>Und wir hatten das ja vorher mit der Militärgeschichte, da hatten wir das Gleiche.</p><p>01:14:30.25<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:14:33.16<br>Stefan Sasse<br>Da haben wir im Endeffekt auch so Denkverbote, die da quasi auch eher von linker Seite her kommen, denke ich.</p><p>01:14:38.76<br>Stefan Sasse<br>Wo sich große Teile des Wissenschaftsbetriebs quasi verschlossen haben, weil man so das Gefühl hat, das ist icky, das sollte man nicht tun, das ist quasi nicht würdig der Betrachtung.</p><p>01:14:50.38<br>Stefan Sasse<br>Und wo das dann auch ganz lange nicht erlaubt war.</p><p>01:14:52.100<br>Stefan Sasse<br>Oder auch so wirtschaftsgeschichtliche Betrachtungen oder sowas.</p><p>01:14:55.01<br>Christina Dongowski<br>Ja, und dann werden halt keine Strukturen aufgebaut und irgendwann musst du gar keine Verbote mehr aussprechen, weil die Struktur ist einfach gar nicht da.</p><p>01:14:59.02<br>Stefan Sasse<br>Nee, weil das existiert einfach nicht.</p><p>01:14:59.97<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:15:00.27<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:15:00.58<br>Stefan Sasse<br>Ja, genau.</p><p>01:15:01.78<br>Stefan Sasse<br>Und wenn du das eben abschaffst, wenn du diese Fördermittel entziehst, dann hast du genau diesen Effekt.</p><p>01:15:06.14<br>Stefan Sasse<br>Dann hast du das Problem gar nicht mehr, weil diese Fragen können gar nicht mehr gestellt werden, weil die Instrumente dafür fehlen.</p><p>01:15:13.95<br>Stefan Sasse<br>Und das ist ein Problem in alle Richtungen.</p><p>01:15:16.39<br>Stefan Sasse<br>Also mir fällt es nur gerade hier spontan mit dem Militärbezug ein.</p><p>01:15:19.17<br>Stefan Sasse<br>Da gibt es bestimmt auch noch andere Beispiele.</p><p>01:15:21.37<br>Stefan Sasse<br>Wo bestimmte Fragestellungen quasi auch, wie gesagt, Wirtschaftsgeschichte würde mir noch einfallen, das ist auch so ein Ding, was in Deutschland relativ spät aufgekommen ist und wo wir auch auf manchen Gebieten immer noch Probleme haben, uns da damit zu befassen, ne.</p><p>01:15:37.11<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:15:37.61<br>Stefan Sasse<br>Ich habe jetzt fertig gelesen und rezensiere gerade im Blog mal wieder von Adam Tews, dieses Wages of Destruction, also diese Nazi-Ökonomie.</p><p>01:15:45.33<br>Stefan Sasse<br>Und es ist gerade für einen als Deutschen, das ist fundamental unangenehm zu lesen, quasi die wirtschaftliche Folge und die Wirtschaftlichkeit von Holocaust und Nahrungsmittelversorgung und so weiter und so fort.</p><p>01:16:00.40<br>Stefan Sasse<br>Und das ist auch echt schwierig.</p><p>01:16:02.47<br>Stefan Sasse<br>Aber man muss sich damit auseinandersetzen sozusagen.</p><p>01:16:05.45<br>Stefan Sasse<br>Das ist ein</p><p>01:16:07.13<br>Stefan Sasse<br>Das ist ein Thema an der Stelle und dieses Denken sozusagen, das ist ein ernsthaftes Problem und das führt mich zum letzten Punkt, den ich für heute ansprechen möchte, nämlich, du sagst nämlich, Wissenschaft und Bildungswesen sind nicht gut darin, die kritische Praxis und Haltung zu vermitteln.</p><p>01:16:23.36<br>Stefan Sasse<br>Was aber gleichzeitig nicht heißt, dass sie nicht auch dumme Diskurse einfach mal ignorieren sollen, während Ignoranz aber gleichzeitig eben auch keine kritische Praxis ist.</p><p>01:16:31.32<br>Stefan Sasse<br>Also das ist eine schwierige Balance an der Stelle und da würde ich dir auch zustimmen.</p><p>01:16:31.53<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:16:31.59<br>Christina Dongowski<br>Grundsätzlich.</p><p>01:16:31.87<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:16:35.62<br>Stefan Sasse<br>Du sagst ja auch, man muss sich in jedem Scheiß befassen, aber wenn man eine Meinung haben will, dann sollte man etwas wissen.</p><p>01:16:40.94<br>Stefan Sasse<br>Und ich finde das auch völlig okay.</p><p>01:16:42.55<br>Stefan Sasse<br>Also ich habe diverse Felder, wo ich einfach sage, ich habe da keine Ahnung von, ich äußere mich da dazu schlichtweg nicht.</p><p>01:16:48.95<br>Stefan Sasse<br>Und da bin ich durchaus bei dir, das wäre vielleicht manchmal auch sinnvoll, wenn andere Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler das so tun würden, dass man das dann quasi nicht damit adelt, dass man sich in eine Talkshow setzt und es dann versucht zu widerlegen.</p><p>01:17:04.35<br>Stefan Sasse<br>Aber auf der anderen Seite ist tatsächlich kritische Praxis,</p><p>01:17:09.69<br>Stefan Sasse<br>Ich habe das Gefühl, dass der Begriff Kritik oder kritisch etwas zu betrachten häufig mit Ablehnung verwechselt wird.</p><p>01:17:15.98<br>Stefan Sasse<br>Also, wann immer in der Diskussion, der Begriff kritisch, der kommt ja vor allem aus dem linken Spektrum, da kenne ich den hier, ja, so diese Nachdenkseiten und so.</p><p>01:17:24.54<br>Stefan Sasse<br>Dieses, oh, wir betrachten alles kritisch, was im Endeffekt nur heißt, wir finden alles scheiße.</p><p>01:17:29.25<br>Stefan Sasse<br>Ja, und</p><p>01:17:29.34<br>Christina Dongowski<br>Ja, das meint kritisch eigentlich nicht.</p><p>01:17:30.92<br>Christina Dongowski<br>Weil das ja eigentlich nur kontrarianistisch ist.</p><p>01:17:31.69<br>Stefan Sasse<br>Genau, weil ich kann ja etwas kritisch betrachten und kann da dabei rauskommen, ja, hat recht, meine kritische Betrachtung hat ergeben, das ist korrekt, aber das wird in der Betrachtung eigentlich nicht so gesehen, sondern kritisch wird da eigentlich immer betrachtet als ein, wendet sich gegen die herrschende Lehre, grundsätzlich immer, sonst ist es nicht kritisch und das finde ich zumindest nicht problematisch.</p><p>01:17:31.94<br>Christina Dongowski<br>Ja, aber...</p><p>01:17:52.18<br>Stefan Sasse<br>Bitte nochmal was?</p><p>01:17:54.88<br>Christina Dongowski<br>sowas ist ja eigentlich nur sozusagen so Contrarianism für die</p><p>01:17:58.91<br>Stefan Sasse<br>Ja, genau, genau.</p><p>01:18:00.02<br>Stefan Sasse<br>Und ich fürchte, dass eben kritisch und dieses Konträre, das wird verwechselt.</p><p>01:18:06.60<br>Stefan Sasse<br>Ich finde auch so einen Begriff wie Corona-Skeptiker oder Corona-Kritiker oder sowas, das fand ich auch ganz, ganz schrecklich in dem Zusammenhang, weil das so tut quasi, als ob diese Leute, die eigentlich hauptsächlich mal konträr sind und vielleicht als blindes Huhn und Gorn gefunden haben, als ob die da irgendwelches kritisches Denken machen.</p><p>01:18:24.20<br>Stefan Sasse<br>Aber das tun die ja gar nicht.</p><p>01:18:25.44<br>Stefan Sasse<br>Ja, die hatten ja bei ganz vielen Sachen auch komplett Unrecht.</p><p>01:18:29.41<br>Stefan Sasse<br>Das wird heute nur gar nicht mehr gesehen, weil nur eine Seite in diesem Diskurs quasi sich diesem kritischen Verständnis stellt und gegebenenfalls auch Fehler einräumt.</p><p>01:18:39.48<br>Stefan Sasse<br>Aber die Leute, die da damals den Bundestag gestürmt haben oder sowas, die waren in der Überzeugung, es ist komplett ungefährlich und das war natürlich auch kompletter Quatsch.</p><p>01:18:46.74<br>Stefan Sasse<br>Also von daher, da haben wir wirklich eine Verwechslung von Kritisch und Contrarianism und ich würde tatsächlich behaupten, dass das auf dem linken Spektrum verbreiteter ist als im rechten und eine ganz, ganz große Krankheit da darstellt und dann hast du das natürlich in diesem politisch eh immer super schwer zu fassenden Ding, wo dann von den Flat Earthers über Echsenmenschen, Verschwörungen, Mondlandung, dieses ganze Spektrum,</p><p>01:19:13.67<br>Stefan Sasse<br>die verwechseln eben dieses Kritische häufig mit A, Verschwörungstheorien und B, dagegen sein.</p><p>01:19:19.20<br>Christina Dongowski<br>Ja, ich glaube, da ist es auch sozusagen, wie untergeht.</p><p>01:19:23.71<br>Christina Dongowski<br>Das ist vielleicht aber auch so ein bisschen, ah nee, das kann man eigentlich auch nicht mehr sagen.</p><p>01:19:29.61<br>Christina Dongowski<br>Ich finde, da hängt auch ein bisschen zusammen eben dieses, dass man einfach viel zu schnell zu irgendwas kommen will, sozusagen auch so Prozessignoranz.</p><p>01:19:44.70<br>Christina Dongowski<br>eben nicht wissen, dass kritisch ja erstmal heißt, also um noch mal zu klein zu kommen, Kritik der Urteilskraft, Kritik der reinen Vernunft, das bedeutet ja nicht, ich finde Vernunft scheiße, das ist Kritik der Urteilskraft, Kritik der reinen Vernunft halt überhaupt gar nicht, sondern Kritik heißt ja ursprünglich und so ist es eigentlich aber nochmal, man legt auseinander aus was, was Unterscheidungskunst, man legt auch auseinander aus, aus was Sachen bestehen und das ist halt</p><p>01:20:12.26<br>Christina Dongowski<br>einfach echt unter die Räder gekommen und zu so einer blöden, ich bin dagegen und das ist total, das hat überhaupt nichts mit Kritik zu tun.</p><p>01:20:19.40<br>Christina Dongowski<br>Das ist einfach Fünfjährigen halt so.</p><p>01:20:24.84<br>Christina Dongowski<br>Sorry an alle Fünfjährigen, die das nicht tun.</p><p>01:20:28.90<br>Christina Dongowski<br>Genau, und eben dieses, aber sich auch mit Sachen nicht zu beschäftigen, weil man die grundsätzlich scheiße findet, ohne dass man vorher mal die Nase reingesteckt hat, das meine ich mit Ignoranz ist keine kritische Praxis.</p><p>01:20:29.03<br>Stefan Sasse<br>Ja.</p><p>01:20:41.90<br>Stefan Sasse<br>Ja, ich glaube, vielleicht verstehe ich dich da auch falsch, aber das führt doch auch in diese Richtung, dass man quasi diese rechten Ideologien, auf denen der ganze Kram aufbaut, mit denen muss man sich schon auseinandersetzen, die muss man ernst nehmen, um das verstehen zu können.</p><p>01:20:52.03<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:20:54.13<br>Stefan Sasse<br>Das ist auch so etwas, das ärgert mich, eine von den vielen, vielen Sachen, die mich ärgern im Umgang mit der AfD, dass man die nicht ernst nimmt.</p><p>01:21:01.01<br>Stefan Sasse<br>Diese Infantilisierung immer, die bauen auf ideologischen Traditionen und auf Denkschulen auf.</p><p>01:21:07.63<br>Stefan Sasse<br>Und die meinen, was sie sagen.</p><p>01:21:09.63<br>Stefan Sasse<br>Denen wird quasi immer unterstellt, dass die im Endeffekt einfach nur irgendwelchen Blödsinn sagen, weil es gerade funktioniert oder so als Protest.</p><p>01:21:15.71<br>Stefan Sasse<br>Aber dass diese Leute tatsächlich das glauben könnten sozusagen, also dass man sich mit denen wirklich auseinandersetzt auf Basis dessen, was sie da sagen.</p><p>01:21:23.95<br>Christina Dongowski<br>Ja, oder eben das ernst nimmt und daraus Schlüsse zieht, dass man zum Beispiel bestimmte Auseinandersetzungen gar nicht für und braucht, weil man da gar nicht weiterkommt.</p><p>01:21:31.13<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:21:31.52<br>Stefan Sasse<br>Ja, genau, aber du kommst dann eben informiert zu diesem Entschluss, also ich sage quasi nicht, ich will mich mit euch nicht auseinandersetzen, weil ihr seid pfui bä, sondern ich kann quasi sagen, an der Stelle, da brauchen wir nicht diskutieren, das ist genauso, wie wenn ich den Kommunist vor mir sitzen habe, mit dem brauche ich nicht über Reformen des Sozialstaats sprechen, weil</p><p>01:21:52.25<br>Stefan Sasse<br>Oder der Wirtschaftsordnung oder im Steuersystem oder sowas, weil das ist viel zu grundlegend an der Stelle sozusagen.</p><p>01:21:58.69<br>Stefan Sasse<br>Das macht keinen Sinn.</p><p>01:22:00.16<br>Stefan Sasse<br>Da muss sich die Grundsatzdebatte Kapitalismus ja oder nein erstmal führen sozusagen, bevor das sinnig ist.</p><p>01:22:06.05<br>Christina Dongowski<br>Nicht.</p><p>01:22:06.10<br>Stefan Sasse<br>Und genau das Gleiche, finde ich, haben wir bei den Rechten teilweise auch.</p><p>01:22:06.17<br>Christina Dongowski<br>Ja, die sagen das auch so.</p><p>01:22:06.67<br>Christina Dongowski<br>Ja.</p><p>01:22:10.06<br>Stefan Sasse<br>was nicht verstanden wird im bürgerlichen Spektrum, dass wenn ich eine Gruppierung habe, die sagt, wir wollen keine multiethnische Gesellschaft, dann brauche ich nicht über Pfade zur Staatsbürgerschaft sprechen, über Migrationsquoten und sonst irgendwas, die wollen das gar nicht.</p><p>01:22:26.55<br>Stefan Sasse<br>Und</p><p>01:22:27.41<br>Stefan Sasse<br>Genau, und da macht diese Diskussion dann auch keinen Sinn, weil wir auf einem viel grundlegenderen Level sind und da muss ich dann eben auch sagen, quasi auf diesem grundlegenden Level sozusagen, wenn wir da den Dissens haben, da brauchen wir nicht miteinander reden.</p><p>01:22:41.36<br>Christina Dongowski<br>Da gibt es nichts zu reden.</p><p>01:22:42.93<br>Stefan Sasse<br>Nee, da kann nichts rauskommen.</p><p>01:22:43.68<br>Christina Dongowski<br>Ja, genau.</p><p>01:22:45.35<br>Stefan Sasse<br>Da kannst du zwar mal wieder feststellen, dass wir diesen fundamentalen Dissens haben und diese Feststellung wäre echt mal wertvoll an der Stelle bei manchen Leuten und kannst gegebenenfalls die Forderung aufstellen und kannst sagen, hey, wenn wir miteinander reden sollen sozusagen, dann muss an dieser Stelle eine Bewegung erfolgen.</p><p>01:23:06.98<br>Stefan Sasse<br>Ja, aber da bin ich völlig bei dir, Ignoranz, keine kritische Praxis und so weiter, aber auf der anderen Seite darf man eben auch nicht sozusagen einen intellektuellen Diskurs führen wollen, wo ein solcher nicht führbar ist, zumindest nicht auf den Prämissen.</p><p>01:23:22.84<br>Christina Dongowski<br>Ja, oder wo der tatsächlich jemand mainstreamt, den man eigentlich nicht gemainstreamt haben will.</p><p>01:23:30.64<br>Christina Dongowski<br>Also wenn man praktisch darüber spricht, ja, ja, ist vielleicht die multiethnische Gesellschaft tatsächlich total doof.</p><p>01:23:36.65<br>Christina Dongowski<br>Damit hast du praktisch unterschrieben, dass die Idee, dass es rassisch reine Gesellschaften gibt und dass es anstrebenswert ist, dass sie stimmt.</p><p>01:23:44.98<br>Christina Dongowski<br>Ja, ja.</p><p>01:23:45.19<br>Stefan Sasse<br>Ja, ich meine, das führt uns jetzt von diesen Kulturthemen weg, aber das ist ja die Leier, die ich jetzt schon eine Weile fahre, was den Umgang mit der AfD anbelangt, dass man da wirklich diese Infantilisierung aufhören muss und wirklich auf Basis dessen, was die sagen, was sie sind und was sie tun, diese Ablehnung machen muss und nicht auf Basis dieses, die sind halt rechts oder das ist irgendwie bäh.</p><p>01:23:45.76<br>Christina Dongowski<br>Ja, ja.</p><p>01:24:07.24<br>Christina Dongowski<br>Gerne und bis zum nächsten Mal.</p><p>01:24:07.26<br>Stefan Sasse<br>Aber das führt uns in ein ganz anderes Thema.</p><p>01:24:09.16<br>Stefan Sasse<br>Das müsste man wahrscheinlich mal ausführlicher diskutieren.</p><p>01:24:12.30<br>Stefan Sasse<br>Aber ich glaube, das sieht man hier auch sehr gut.</p><p>01:24:15.08<br>Stefan Sasse<br>Ich danke dir auf jeden Fall.</p><p>01:24:15.84<br>Stefan Sasse<br>Das waren wieder einmal sehr, sehr viele Denkanreize.</p><p>01:24:18.39<br>Stefan Sasse<br>Ich hoffe, auch für unsere Zuhörenden war es sehr gewinnbringend.</p><p>01:24:22.65<br>Stefan Sasse<br>Ich lasse das jetzt einfach mal so im Raum stehen.</p><p>01:24:24.09<br>Stefan Sasse<br>Ihr werdet uns mit Sicherheit in den Kommentaren das eine oder andere wissen lassen.</p><p>01:24:27.71<br>Stefan Sasse<br>Wir sind immer noch nicht durch die Liste durch.</p><p>01:24:29.13<br>Stefan Sasse<br>Das heißt, es wird bestimmt auch einen Teil 5 geben.</p><p>01:24:31.44<br>Stefan Sasse<br>Christina, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.</p>]]></content:encoded></item><item><title><![CDATA[Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)]]></title><description><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image"></figure><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image"></figure><p>Am 19. Juli verabschiedete der Kongress zudem den Two-Ocean Navy Act, der eine Erweiterung der US-Marine um 70 Prozent vorsah und den Bau von mindestens 18 Flugzeugträgern, 115 Zerstörern sowie 15.000 Flugzeugen verlangte. Am 16. September folgte der Selective</p>]]></description><link>https://publikum.net/rezension-adam-tooze-wages-of-destruction-teil-5/</link><guid isPermaLink="false">69bad46a2474692f79b47d61</guid><dc:creator><![CDATA[Stefan Sasse]]></dc:creator><pubDate>Fri, 27 Mar 2026 09:51:09 GMT</pubDate><media:content url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-5.png" medium="image"/><enclosure url="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-5.png" type="image"/><content:encoded><![CDATA[<figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://vg09.met.vgwort.de/na/e9461bfae2e34876b44ada507e317ba4" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)"></figure><img src="https://publikum.net/content/images/2026/03/DD-Banner-Rezensionen-5.png" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)"><p><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105"><a href="https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1034633105">Adam Tooze - Wages of Destruction</a> (<a href="https://www.amazon.de/Wages-Destruction-Making-Breaking-Economy/dp/B08RF1S64S?_encoding=UTF8&amp;dib_tag=se&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.mkldvYYCWRIeJ4Z_rvg-eEZ54WX1kxrGtZlj917FKSLulqDHLx2yDM2dYhTaGrCG5ujhR-61WFhydwPB1IpqnJupA6bAGg7CkhJQ2EWMiFZx6O_AHBvjZ7yM2pdhNFsQkQeSfhWFgy_mRKtNtwrW0vgl7fUC6L_tGjuE7eP6lEcZWA2QM-uiPQRqw2RVAtv_tsy4qDJqNyD7Jqzdo_ssHpo9BO8LwhtNwpJ5jGib_CQ.3NufkQnEzOmwqWQ-9NWpW1IsVp6pNeP_-iiVjLGQiuU&amp;qid=1770893532&amp;sr=8-1">Hörbuch</a>) (<a href="https://www.amazon.de/%C3%96konomie-Zerst%C3%B6rung-Geschichte-Wirtschaft-Nationalsozialismus/dp/3886808572?crid=2C7HLF7HL5E1&amp;dib=eyJ2IjoiMSJ9.C5LgVBFG8BJZi3Gtq8aKXUi3-58SwWWLdiPFIWb1RIohtRLH3p9NB2-kaLtfYE-LxUPb2FKBOfeRH9Ao63TW6Ly6smuz2Mkm521eNB2RDyLRobnVPW3inkZ45v8OEqtzuvVZ5SIbJwW-_46OZPQWxROf71MZPLyQh_tYHmhQW5SLMr51XoLautKDm-g4R1sKhQTUYpa5seTG6Xw2ZAQAvzWAmpNQBAAVv7dpsII3Sn0.8ZG1kFxCHQEwrEJxeIlJPIUdxZ3qm4V5uJEe8AXX_sU&amp;dib_tag=se&amp;keywords=%C3%B6konomie+der+zerst%C3%B6rung+tooze&amp;qid=1770893679&amp;sprefix=%C3%B6konomie+der+zer%2Caps%2C142&amp;sr=8-1&amp;linkCode=ll2&amp;tag=httpgeschicht-21&amp;linkId=1db8777d8940ac757ee32cda9141c823&amp;ref_=as_li_ss_tl">Ökonomie der Zerstörung</a>)</a></p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/61mXj4Hn9XL._SL1180_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)"></figure><p>Am 19. Juli verabschiedete der Kongress zudem den Two-Ocean Navy Act, der eine Erweiterung der US-Marine um 70 Prozent vorsah und den Bau von mindestens 18 Flugzeugträgern, 115 Zerstörern sowie 15.000 Flugzeugen verlangte. Am 16. September folgte der Selective Training and Service Act von 1940, der erstmals in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Wehrpflicht in Friedenszeiten einführte, um eine Streitmacht von 1,4 Millionen Soldaten aufzubauen. Obwohl sich die USA weiterhin im Frieden befanden, produzierten sie bis Mitte/Ende 1940 bereits fast so viele Waffen wie Deutschland oder Großbritannien. Hitler hatte also allen Grund zur Sorge. Die Vereinigten Staaten rüsteten offensichtlich für einen Krieg auf, und es lag nahe zu vermuten, gegen wen sich diese gewaltige Mobilisierung richten würde – zumal die USA Großbritannien ab März 1941 im Rahmen des „Lend-Lease“-Programms umfangreiche materielle Hilfe gewährten. Das neue europäische Imperium des nationalsozialistischen Deutschlands musste dieser Mobilisierung mit eigenen Anstrengungen begegnen. Doch die erforderlichen Ergebnisse blieben aus.</p><figure class="kg-card kg-image-card"><img src="https://m.media-amazon.com/images/I/71IxGmCJaXL._SL1000_.jpg" class="kg-image" alt="Rezension: Adam Tooze - Wages of Destruction (Teil 5)"></figure><p>Das Problem bestand darin, dass die neu eroberten Gebiete Deutschlands zwar „beträchtliche Beute und eine entscheidende Quelle von Arbeitskräften“ lieferten, jedoch nicht mit dem Rohstoffreichtum und der industriellen Kapazität der anglo-amerikanischen Allianz konkurrieren konnten. Während das Territorium der Alliierten „energiereich“ war, litt das europäische Imperium Deutschlands unter einem Mangel an Nahrungsmitteln, Kohle und vor allem Öl. Deutschlands Mangel an nutzbarem Erdöl hatte es schon lange dazu gezwungen, sich auf Importe aus Rumänien sowie auf die teure Herstellung synthetischer Treibstoffe zu stützen. Diese Abhängigkeit wurde durch die territorialen Gewinne von 1940 nicht gelöst – im Gegenteil: Sie verschärfte sich sogar. Zwar konnten die Treibstoffvorräte im Westen kurzfristig erweitert werden, doch gleichzeitig hatte Deutschland „eine Reihe neuer großer Ölverbraucher zu seinem eigenen Defizit hinzugefügt“. Deutschland musste nun nicht mehr nur den eigenen Bedarf decken, sondern auch den Westeuropas.</p><p>Das Ergebnis war, dass das deutsche Imperium nun unter einem akuten Ölmangel litt. Es war daher unmöglich, die industrielle Produktion in Ländern wie Frankreich wieder auf das Vorkriegsniveau zu bringen. Tatsächlich warf die deutsche Besatzung Frankreich „in eine Zeit vor der Motorisierung zurück“. Die Wehrmacht forderte von Hitler sogar eine "Demotorisierung", also einen Abbau des Bestands an Lkw und Panzern! Großbritannien hingegen verfügte dank seiner weltweiten Handelsverbindungen und seiner Kontrolle der Seewege über wesentlich bessere Möglichkeiten, Öl zu importieren. Im Januar 1941 besaß Deutschland kaum mehr als zwei Millionen Tonnen Ölreserven, während in London bereits Alarm ausgelöst wurde, sobald die Vorräte unter sieben Millionen Tonnen sanken. Der Unterschied war so groß, dass das britische Wirtschaftsministerium Schwierigkeiten hatte, seinen eigenen – sehr präzisen – Schätzungen über die deutschen Ölbestände zu glauben. Es erschien den Briten „unplausibel, dass Hitler den Krieg mit einem derart geringen Treibstoffpuffer begonnen haben könnte“ – ein Unglaube, den auch Sowjets und Amerikaner teilten, die Deutschlands Ölreserven um mindestens hundert Prozent überschätzten.</p><p>Auch die Kohlesituation war problematisch. Zwar war das absolute Defizit relativ gering im Vergleich zur Gesamtproduktion, doch das eigentliche Problem lag in der Verteilung. Vor dem Krieg hatten viele europäische Länder große Mengen Kohle aus Großbritannien importiert – was nun nicht mehr möglich war. Diese Lücke musste nun durch die großen deutschen Kohlevorkommen in Schlesien, im Ruhrgebiet, in Belgien und in Nordfrankreich geschlossen werden. Ein großes Problem war jedoch der Transport, insbesondere nachdem die Wehrmacht einen Großteil des hochwertigen Eisenbahnmaterials Westeuropas beschlagnahmt hatte. In vielen Regionen führte dies zu Kohlemangel und belastete die Schwerindustrie. Frankreich etwa, das vor dem Krieg 30 Millionen Tonnen Kohle importiert hatte, um 40 Prozent seines Bedarfs zu decken, verfügte nun nur noch über etwa die Hälfte seiner früheren Kohlemenge. Die Stahlproduktion brach entsprechend ein.</p><p>Gleichzeitig hing die Kohleproduktion selbst stark von der Versorgung mit einem anderen lebenswichtigen Gut ab: Nahrung. Tooze weist darauf hin, dass es „keine Industrie der 1940er Jahre gab, in der der Zusammenhang zwischen Arbeitsproduktivität und Kalorienzufuhr direkter war als im Bergbau“. Doch nach 1939 war die Lebensmittelversorgung in Westeuropa „nicht weniger eingeschränkt als die Kohleversorgung“. Das Problem war ähnlich wie bei der Kohle. Die Viehwirtschaft in Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und auch in Deutschland selbst war stark auf importiertes Tierfutter angewiesen. Doch Getreideimporte – vor allem aus Argentinien und Kanada – wurden durch die britische Blockade abgeschnitten. Dasselbe galt für Ölsaaten. Zwar war Frankreich selbst ein großer Getreideproduzent, doch seine Erträge hingen von Stickstoffdünger ab, der wiederum nur auf Kosten der Sprengstoffproduktion hergestellt werden konnte.</p><p>Der Mangel an Dünger und Tierfutter führte bis zum Sommer 1940 zu einer „europaweiten Agrarkrise“. Frankreichs Getreideproduktion fiel auf weniger als die Hälfte des Niveaus von 1938. Die Folge waren drastische Rationierungen sowohl in Deutschland als auch in den besetzten Gebieten: In Belgien und Frankreich lagen die täglichen Rationen bei nur etwa 1.300 Kalorien, in Norwegen und den tschechischen Gebieten bei rund 1.600 Kalorien – eine offensichtliche Quelle wachsender Unzufriedenheit. Die kombinierte Wirkung der britischen Blockade und der deutschen Besatzung hatte die westeuropäischen Staaten – einst eine „beeindruckende wirtschaftliche Kraft“ – in einen „wirtschaftlichen Problemfall“ verwandelt, einen „Schatten ihrer selbst“. Das europäische Imperium Deutschlands war also keineswegs der „autarke Lebensraum, von dem Hitler geträumt hatte“. Tatsächlich blieb es stärker denn je auf Deutschlands neuen Verbündeten angewiesen: die Sowjetunion.</p><p>Die Annäherung zwischen NS-Deutschland und der Sowjetunion im Jahr 1939 eröffnete die Möglichkeit engerer wirtschaftlicher Beziehungen. Diese kulminierten im deutsch-sowjetischen Handelsabkommen vom 11. Februar 1940, in dem sich die Sowjetunion verpflichtete, Deutschland mit Rohstoffen zu beliefern, während Deutschland Maschinen und Industriegüter lieferte. Nach deutschen Angaben lieferten die Sowjets 1940 unter anderem 617.000 Tonnen Ölprodukte, 820.800 Tonnen Getreide und 846.700 Tonnen Holz. Der entscheidende Punkt war, wie Tooze formuliert:</p><p>„<em>Kurzfristig bestand die einzige Möglichkeit, das westeuropäische Imperium Deutschlands auch nur annähernd auf seinem Vorkriegsniveau wirtschaftlicher Aktivität zu halten, darin, eine massive Steigerung der Lieferungen von Treibstoffen und Rohstoffen aus der Sowjetunion zu sichern. Nur die Ukraine produzierte die landwirtschaftlichen Überschüsse, die notwendig waren, um die dicht gedrängten Tierbestände Westeuropas zu ernähren. Nur in der Sowjetunion gab es die Kohle-, Eisen- und Metallvorkommen, die zur Aufrechterhaltung des militärisch-industriellen Komplexes benötigt wurden. Nur im Kaukasus gab es das Öl, das Europa unabhängig von Überseeimporten machen konnte. Nur mit Zugang zu diesen Ressourcen konnte Deutschland einem langen Krieg gegen Großbritannien und Amerika mit Zuversicht entgegensehen</em>“.</p><p>Eine Möglichkeit, Zugang zu diesen Ressourcen zu sichern, bestand darin, gute Beziehungen zur Sowjetunion aufrechtzuerhalten und eine Art „kontinentalen Block“ zu bilden, der dem atlantischen Block aus Großbritannien und den USA gegenüberstand. Diese Idee fand in Berlin jedoch nie eine Mehrheit. Das Problem war, dass Deutschland aufgrund seiner extremen materiellen Abhängigkeit von der Sowjetunion zwangsläufig die Rolle eines Juniorpartners einnehmen würde – eine „demütigende Abhängigkeit“, vergleichbar mit derjenigen Großbritanniens gegenüber den Vereinigten Staaten. Eine solche Unterordnung war für das NS-Regime unakzeptabel, zumal die nationalsozialistische Ideologie slawische Völker als „Untermenschen“ betrachtete.</p><p>Diese Logik führt zu <strong>Abschnitt 3</strong>, "<em>World War</em>", in dem sich der Krieg direkt in den von Hitler imaginierten "Krieg der Kontinente" ausweitete, ohne dass der fragliche Kontinent (Europa) auch nur annähernd unter deutscher Herrschaft war.</p><p>Entsprechend musste, wie <strong>Kapitel 13</strong>, "<em>Preapring for two wars at once</em>", aufzeigt, ein Zwei-Fronten-Krieg geführt werden. Die Notwendigkeit für Hitler bestand also darin, die Sowjetunion schlicht zu erobern und sich ihre Ressourcen direkt anzueignen. Dies war Hitlers bevorzugte Option. Bereits am 31. Juli 1940 ordnete er an, mit den Vorbereitungen für eine solche Invasion zu beginnen. In einer Besprechung auf dem Obersalzberg erklärte er, die Eroberung der Sowjetunion sei der Schlüssel zum endgültigen Sieg im Krieg. Ihre Zerschlagung sei Voraussetzung dafür, Großbritannien zu besiegen und die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu neutralisieren. „Britanniens Hoffnung liegt in Russland und den Vereinigten Staaten“, erklärte Hitler. „Wenn Russland aus dem Spiel fällt, ist auch Amerika für England verloren, denn die Ausschaltung Russlands würde Japans Macht im Fernen Osten enorm steigern.“ Russland sei somit das „fernöstliche Schwert Großbritanniens und der Vereinigten Staaten“. Seine Niederlage würde Japans Macht im Pazifik stärken – und damit direkt die Position der USA schwächen. Selbst wenn die Vereinigten Staaten in den Krieg eintreten sollten, würde die Kontrolle über die gewaltigen Ressourcen der eurasischen Landmasse Deutschland auf einen „Krieg der Kontinente“ vorbereiten.</p><p>Damit ergeben sich drei Elemente zur Erklärung von Hitlers Entscheidung zum Angriff auf die Sowjetunion. Erstens reichte Deutschlands europäisches Imperium schlicht nicht aus, um der „industriellen Macht auf der anderen Seite des Atlantiks“ zu begegnen. Deutschlands relative Position musste langfristig schwächer werden. Der einzige Ausweg bestand darin, die Ressourcen der Sowjetunion zu erobern. Zweitens hätten die strategischen Vorteile einer solchen Eroberung Deutschland in eine hervorragende Position gebracht, um gemeinsam mit einem gestärkten Japan Krieg gegen Großbritannien und die Vereinigten Staaten zu führen. Das dritte Element betrifft den überwältigenden Erfolg der Wehrmacht im Frühjahr 1940 in Westeuropa. Die deutsche Armee hatte „bewiesen, dass sie gegen das, was man für die stärksten Armeen Europas hielt, einen entscheidenden Sieg erringen konnte“. Das enorme Selbstvertrauen, das dieser Blitzsieg erzeugte, ermutigte die Wehrmacht, denselben Ansatz auch im Osten zu versuchen. Was 1940 improvisiert gewesen war, sollte nun bewusst wiederholt werden: Geschwindigkeit und Konzentration der Kräfte, diesmal mit Vorbereitung.</p><p>Wie Hitler im November 1941 erklärte: „Ich habe das Wort Blitzkrieg nie benutzt, weil es ein sehr dummes Wort ist. Wenn es überhaupt auf eine der Kampagnen zutrifft, dann auf diese.“ Angesichts dieser drei Gründe schien ein Krieg im Osten dringend geboten. Doch wie wir wissen, entwickelte sich der Feldzug ganz anders, als Hitler erwartet hatte. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion leitete er tatsächlich „seine eigene Zerstörung“ ein, denn die Wehrmacht wurde von der Roten Armee schließlich „ausgeblutet“, die den größten Anteil an ihrer Vernichtung hatte.</p><p>Wie kam es dazu – und war dieses Ergebnis unvermeidlich?</p><p>Weiter geht es in Teil 6.</p>]]></content:encoded></item></channel></rss>