In der Zentralafrikanischen Republik eskalierte über Weihnachten die Lage. Mehrere Rebellengruppierungen schlossen sich zusammen und starteten eine Offensive. Die Regierung in Bangui forderte daraufhin ausländische Hilfe an und bekam sie aus Russland. Zugleich hat Moskau seine ganz eigenen Interessen in dem Land, sowohl wirtschaftlich als auch politisch.

Was in ZAR derzeit passiert

Im Dezember 2020 haben sich mehrere zentralafrikanische Rebellengruppierungen rund um den ehemaligen Präsidenten François Bozizé zusammengeschlossen und eine Offensive gestartet. Die amtierende Regierung des Landes warf ihm daraufhin einen "Putschversuch" mit dem Ziel vor, die Wahlen Ende des Jahres zu verhindern, bei den er selbst nicht antreten konnte.

Bozizé unterliegt UN-Sanktionen, sodass seine Machtansprüche und Kandidatur als illegitim bezeichnet werden. In einigen Provinzen sind ihm dennoch verschiedene Rebellengruppierungen treu. Nachdem die Rebellen in mehreren Regionen weit vorrücken konnten und eine Blockade der Hauptstadt Bangui drohte, fragte die Regierung des Landes militärpolitische Unterstützung bei Russland an. Im Rahmen der bereits existierenden bilateralen Vereinbarungen solle Moskau bei der Stabilisierung der Sicherheitslage helfen.

Reaktion aus Moskau

Die Reaktion aus Moskau ließ nicht lange auf sich warten. Der Kreml erklärte nahezu sofort, dass man über die Destabilisierung der Lage in ZAR beunruhigt sei, und entsandte offiziell 300 Militärspezialisten in das Land.

Zugleich dürfte die reale militärische Unterstützung weit größer sein als diese 300 Männer. Schon vor der offiziellen Anfrage waren russischen Sicherheitskräfte und Söldner präsent in dem Land. Sie führten die Ausbildung der Streitkräfte des Landes aus, sicherten Rohstoffvorkommen und logistische Drehkreuze und gewährleisteten die Sicherheit vom amtierenden Präsidenten des Landes Faustin Archange Touadéra.

Die Zahl der russischen Sicherheitskräfte in dem Land dürfte daher deutlich größer sein und steigt nun weiter.

Schon wenige Tage nach der Anfrage aus Bangui wurden schwere russische Transporter vom Typ An-124 und Il-76 dabei gesichtet, wie sie Personal, Ausrüstung und sogar Hubschrauber in Bangui entladen haben.

Auch am Boden gibt es immer mehr Aufnahmen, die darauf hindeuten, dass russische Militärspezialisten nicht nur als "Berater" tätig sind, sondern sich auch aktiv an Operationen beteiligen. Mittlerweile heißt es, die Situation sei "unter Kontrolle", so ein Sprecher der Uno-Friedensmission Minusca in Zentralafrika. Die Rebellenverbände hätten sich in gleich mehreren Regionen wieder zurückgezogen. Auch die Wahlen konnten regulär stattfinden. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Man befürchtet einen neuen Bürgerkrieg in dem Land, falls die Regierung und die Rebellen sich demnächst nicht an einen Verhandlungstisch setzen.

Russlands (wahre) Interessen

Die Entsendung der russischen Truppen verdeutlicht, dass das Land seinen Einfluss in diesem Teil der Erde wieder massiv ausbaut. Der Kreml hat klare geopolitische und wirtschaftliche Interessen sowohl in ZAR selbst als auch auf dem afrikanischen Kontinent insgesamt.

Wirtschaftlich

Zum einen sind es die "klassischen" Ressourceninteressen. Die ZAR hat Rohstoffe, die von russischen Konzernen gefördert werden. Der Verlust dieser Vorkommen würde die wirtschaftliche Position Moskaus schwächen. In diesem Zusammenhang wird meist auf Gold, Öl und Diamanten verwiesen, doch diese Darstellung ist verkürzt, denn diese Ressourcen könnte Russland auch deutlich billiger in anderen ruhigeren Ländern bekommen. Nicht zuletzt werden gerade Diamanten und Öl in großen Mengen in Russland selbst gefördert, in Sibirien.

Das Hauptinteresse Moskaus liegt stattdessen im zentralafrikanischen Uran. Der gefährliche Rohstoff aus ZAR wird sowohl für russische Atomkraftwerke genutzt als auch für das russische Atomwaffenarsenal.

Politisch

Auch politisch ist Russland an dem Land interessiert. Der Kreml betrachtet die ZAR als eine Art Vorposten mitten im afrikanischen Kontinent, um seinen Einfluss dort auszuweiten. Ein anderer solcher Vorposten ist übrigens der Sudan, wo Russland demnächst eine Militärbasis errichten und dadurch einen Zugang zu den wichtigsten Energie- und Welthandelsrouten bekommen wird.

Moskau betrachtet die Ausweitung seines Einflusses in Afrika dabei weniger als einen politischen "Vorstoß", sondern vielmehr als eine "Rückkehr". Zu Zeiten des Kalten Krieges war die Sowjetunion sehr aktiv auf dem Kontinent, nun versucht man den alten Einfluss wiederzuerlangen. Die geopolitische Lage ist dabei noch komplizierter geworden. Waren zur Zeit des Kalten Krieges weitgehend nur zwei Akteure am "Great Game" beteiligt, so agieren jetzt außer Russland und den USA auch insbesondere China und Frankreich in dem Land. Sowohl für Peking als auch für Paris geht es dort in erster Linie um Ressourcen. Chinas Energiehunger steigt, sodass das Land an allen Rohstoffen interessiert ist, "die es nur kriegen kann".

Für die ehemalige Kolonialmacht Frankreich, die über 70% des produzierten Stroms in Kernkraftwerken erzeugt aber keine eigenen Uranvorkommen hat, ist ebenfalls das zentralafrikanische Uran sowie andere Rohstoffe von großem Interesse. Auch deshalb stellte sich Paris eindeutig auf die Seite des amtierenden ZAR-Präsidenten. Zeitweise hieß es gar, dass Paris den Luftraum über Bangui mit seinen Kampfjets patrouillieren wolle, um die Rebellengruppierungen vom Vormarsch abzuhalten.

Hinzu kritisierte Paris die Rebellengruppierungen scharf:

"Frankreich verurteilt die erneuten Gewaltausbrüche seitens der bewaffneten Gruppen auf das Schärfste und ruft zu ihrer sofortigen Beendigung auf", so die offizielle Stellungnahme aus Paris.

Trotz dieser Unterstützung dürften der amtierenden Regierung in Bangui dennoch schwere Zeiten bevorstehen. Es scheint unwahrscheinlich, dass die Rebellengruppierungen für Verhandlungen und größere Kompromisse bereit wären.

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