Die ersten 6 Ausschnitte geordnet!

Sonnenwendfinsternis - Uwe Kraus

Die Brücken auf denen ich vorwärts geh, lodern hinter mir wie Glutnester oder sah ich hinter mir das Herz verrinnen, sah Licht und Schatten des Flammenscheins auf den Brückenpfeilern, wie eine Feuerdecke über den vertrockneten Sümpfen. Morast unter der Brücke, ein kleines Rinnsal welches sich apokalyptisch anstaute ehedem. Nur der Sumpf, der nach diesem geleuchteten Leben in Not triumphiert, ist durch die Kraft der Sonne zu Sand geworden.

Ich bin ausgezogen eine blaue Blume zu pflücken, ein Kleeblatt, ein Fürchtemichnicht.

Ewig wird diese Brücke nicht weiter existieren, wenn ich im Sekundentakt Schritt für Schritt gehe. Zoom . Zeitlupe. Noch 5 Schritte und ich komme an 5 Tore. Die Tore des radioaktiven ICHs. Dort führt hinter der Kammer nur ein Weg zu den Brennstäben, die es abzuschalten gilt.

Da sind die 5 Tore, hinter der Brücke, da sind die Frauen und Kinder auf der anderen Seite. Die Feuernester bedecken schon den Sand. Auf der brennenden Seite sind die Überbleibsel eines Kollektivs. Sie sind die letzte Kohorte. 1000 Frauen und Kinder. Sie gehorchen einerseits mir und dem Teufel. Der Teufel spuckt Lava aus seinen Hälsen. Ich erstarre. Direkt vor mir 5 Tore. In welches soll ich nun gehen? Da ist der Reaktor. Wasserdampf spuckt er aus eben seinem Hals. Verdammt denke ich. Ich solle ihn abschalten. Das Klima verändert sich, die Büsche und Bäume verbrennen durch meine Gedanken. Den Weg kann ich nicht zurück. Bin ich Kriegsherr und kämpfe gegen himmlische Wesen? Ich nehme den Knauf der mittleren Tür. Da spricht ein Schlangenwesen: nicht, nicht. Doch ich habe den Auftrag der himmlischen Regierung den letzten Turm zu zerstören. Ich denke, sie lügt und drehe den Knauf. Die Tür öffnet sich quietschend und berstend und auf dem Boden seh ich Polymere und Kabelstränge. Die Maschine der Macht. Es beginnen Spiegel in 100 Meter Abstand zu blenden, teils blenden. Die Zahnräder verästeln sich. Es ist wie ein Labyrinth aus Rädern. Auf dem Boden Plastikorbitale und Rädchen die den Antrieb bilden. Also senkrecht dahinter Spiegel, auf dem Boden Geschrader, man sieht Zahnräder ineinander greifen. Was soll ich tun? Am Eingang meine Kohorte. Die letzten 1000 Wesen seit sich die Erde aufhörte zu drehen...

Die Kohorte steht hinter mir. Ich wühle mich durch das Geschrader des Bodens. Ich robbe. Dann wusste ich nicht, bin ich selbst ein Teufel. Denn ich sollte ja durch die himmlische Regierung, die den Erdball nicht mehr drehen ließ, den Reaktor abschalten. Die Kohorte waren Frauen und Kinder. Die Männer waren durch den Sandsturm verloren. Der Sand in ihren Augen machte sie blind und ich weiß, ich war schuld. Das Kollektiv der Frauen und Kinder wurde durch eine Art Mimikry aufgehalten. Man begann Schilder zu bauen, nachdem der Krieg begann. Ich war der Letzte. und wenn ich den Reaktor aufhalten würde um den Erdkern vor der Explosion zu schützen, dann wäre mein Ritt mit dem Pferd durch die Wolken sinnvoll und bestätigend.

Mich schickten die Greise, 12 an der Zahl los, mit 144.000 von ihnen den Planeten zu retten. Der Sandsturm aber den der Engel von außen befahl, es war ein gefallener Engel, machte 143.000 blind. Der Trompeter der Posaune befahl, als eben die 1000 von ihnen, Frauen und Kinder gerettet wurden, da sie die Schilder machten, dass sie mir folgen sollten. Die Schilder waren hölzern und knöchern, doch nunmehr war die Sonne stärker und es war fast unmöglich die Kohorte vor dem Feuer des Regenwaldes zu retten.

Doch es gab nur einen Ort, den die Welt retten könnte danach: Das Paradies, der Papayahain, der noch blieb.

Doch nun, als wir die 1001 vor dem Reaktor waren, entstand in mir Mut. Ich versuchte teils durch graben und springen  mich vorzuarbeiten durch die Bodensektoren zu den Spiegeln.

Die Spiegel hinter dem Tor fingen von oben gebündelt eine zweite Sonne an zu bilden, die den erkalteten Teil durch Wärme schützen sollte.

Doch die Regierung im Himmel wusste, wir mussten den Erdkern beschützen und uns durch Höhlen zu Wasser graben. Wasser war Elixier wie Feuer und Mahl. Ich war verloren, da ich die Räder nicht aufhalten konnte. Die Spiegel könnten nur abgewendet werden, damit das Kabinett den Reaktor aufhalten konnte. Wo war das Zahnrad welches Spiegel, Reaktor und Wasserstoff aufhalten konnte. Man merkte ein Bersten der Lungen des Meilers...

In dem Geschrader der Zahnräder war eine kleine Vertiefung im Boden. Ich wollte erst da nicht hin kriechen, doch dann dachte ich, ich muss den Schalter finden um die Spiegel zu drehen. Die Spiegel wurden durch atomare Energie gedreht, da es ein Gürtel voll Spiegel war, der die Erde umspannte. Das heißt, es waren Spiegel in unendlicher Menge, jedenfalls unvorstellbar viele. Und sie richteten sich nach dem Stand der Sonne. Man muss sich vorstellen, hinter der Pforte die ich betrat war ein Solardach und eben der Boden war auch riesig. Das war quasi der Kopf der Bewegungen. Ein Hirn. Es gab ja Krieg zwischen den Welten und nur die 1000 Frauen und Kinder waren übrig geblieben. Jedenfalls waren wir durch himmlische Botschaft dazu beauftragt den Planeten zu erkalten und Dürre walten zu lassen. Es gab nur noch am Äquator eine Stelle, die durch Kraft der Spiegel und ihrer Energie gekühlt wurde. Der Papayahain, dort musste wir durch die Gluthitze hin, wenn ich die Maschine abschaltete. Wir sollten einerseits uns retten und durch Höhlen wegen dieser Hitze graben um dort, so wie es der Prophet sagte, gerettet zu werden. Ich vermute, dass wir in eine andere Galaxie mussten, denn Gott war dabei seine Schöpfung zu zerstören. Also ich war in diesem Gehirn von Energien, hinter der Pforte, die wie eine Mauer ebenfalls die Welt umspannte. Also man stelle sich eine Stadtmauer vor, die nur durch 5 Tore betreten werden konnte. Und ich war beauftragt hinter der Mauer etwas zu tun, was ich nicht verstand. Warum wollte der Oberon, dass ich die Welt, die noch blieb erkalte. und warum wollte er die Schöpfung zerstören. Vor Gedanken robbte ich mich durch die knirschenden Zahnräder. Und diese Mulde machte, dass ich steckenblieb. Die Schlange an die ich nicht glaubte, sagte wieder: nicht, nicht. Doch ich war dabei zu klemmen. Ich kann das Szenario schlecht beschreiben.. In dem Moment begannen die Spiegel sich neu zu justieren und es knackten wieder langsam und beächtlich die Räder...

Ich riss mich los… die Kutte blieb zum Teil in der Maschine der Zahnräder. Die Mulde bot Schutz merkte ich erst jetzt, wenn man das Werk erreichen wollte. Vor mir 100 Meter voller Zahnräder, und dann ein Meiler so groß dass man sich darin verlaufen würde. Ich versuche die Welt nochmals zu beschreiben: Die Welt war stehengeblieben. Sie rotierte nicht um sich selbst und drehte sich nicht um die Sonne. Um den Planet spannte sich, wie um den Saturn ein Spiegelkabinett. Diese fingen das Licht der Sonne und ihrer Wärme ein um den erkalteten Teil lebbar zu machen. Die Hitze der Sonne loderte auf der anderen Seite. Man hatte kaum Sauerstoff, da man das Feuer hatte. Es schluckte die Photosynthese der Pflanzen. Die Spiegel sollten, soweit ich verstand, das Schicksal der Welt tauschen. Ich war vermutlich mit dem Willen gekommen um die Spiegel zurück auf die Sonne zu richten. Es gab noch den Papayahain. Da musste dann die Zeit gedreht werden, wenn ich die Sonne explodieren wollte und wir in eine Galaxie vordrangen, die  in der Parallelwelt existieren musste . Wenn ich die Sonne zerstören könnte, würde das Planetenkonstrukt zerbrechen, aber ich hatte keine Angst.

In der Mulde hatte ich erst Schutz, doch ich beobachtete die Zahnräder. Es waren Große und Kleine. Am Beginn, ich war erst 10 Meter zu dieser Mulde gerobbt und gesprungen. Durch ein paar trainierte Bewegungen, gelang es noch einen Weg zu finden. Die Zahnräder, die groß waren, waren langsam, die kleinen schnell. Ich blickte zurück. Am Eingang die 1000 Frauen und Kinder. Ich schrie zurück: Bleibt dort, doch manche wollten nicht verstehen, wie gefährlich der Weg war. Wenn man in ein Zahnrad kam, konnte man zermalmt werden. Es würde die Knochen brechen. Und es würde nichts bringen, denn die Maschine war mächtig und stark. Man verstehe wohl, es gibt nur Einen, der eine Chance hätte, den Weg zu durchqueren. Nochmals blickte ich zurück. 5 Kinder liefen zu mir. Sie sprangen. Ich wusste nicht, ob dies mich hindern oder behelfen sollte. Sie hatten ihre Schilder nicht dabei, ähnlich wie ich. Nur eine Kutte aus braunem Stoff. Es war heiß unter dem Solardach, das zusätzlich für die Energie, mit dem Meiler sorgte. Ich war besorgt um die Kinder, doch ich dachte, vielleicht waren sie nützlich. Also standen jetzt keine 1001 vor dem Tor wie im sondern 995. Das Rechnen war wichtig. Fünf und ich waren nunmehr in der Mulde zwischen den Rädern. Es gab keinen Weg darüber. Man konnte über das Solardach und würde verglimmen, oder sich ab hier den Weg graben. Ja, graben war das Einzige was ging. aber war es möglich in die Erde einzudringen und nicht unter dem Ballast der Räder einzubrechen?...

Uwe Kraus

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