"Ich entschuldige mich."

Geht das überhaupt?


„Schatz, jetzt reg dich endlich ab. Ich war halt betrunken, sonst wär das bestimmt nie passiert. Ändern kann ich`s jetzt aber auch nicht mehr und außerdem hab ich mich ja entschuldigt.“

„Sorry, Chef. Ich weiß, das war ein wichtiger Termin, ich hatte einfach einen schlechten Tag. Ich entschuldige mich in aller Form.“

Oder bisschen überspitzter:
„Herr Richter, jetzt stellen Sie sich mal nicht so an – ich hab mich schließlich beim Opfer entschuldigt. Und auf so`n paar Zähne mehr oder weniger kommt`s ja nu wirklich nicht an …“

Was Schatz, Chef oder Richter wohl von diesen Entschuldigungen halten?
Wie wahrscheinlich ist es, dass sie für den, der sich da entschuldigt, von einer Sekunde auf die andere vollstes Verständnis haben, milde lächeln und „Ach … dann will ich mal nicht so sein. Schwamm drüber – danke, dass du dich entschuldigt hast“ antworten und fortan Friede, Freude, Fruchtkompott herrscht?

Siehste. Eben.

Klingt vielleicht nach Wortklauberei und wir wissen natürlich, wie`s gemeint ist, dennoch … Ich selbst kann mich unmöglich selbst entschuldigen. Wenn ich mich ent-schuldigen, also die Schuld von mir nehme, dann ist das in etwa so, als würde ich mir mein eigenes Abizeugnis schreiben.

Mich ent-schuldigen, das kann nur derjenige,
bei dem ich mich entschuldigen möchte.

Bitte entschuldige.
Ich bitte um Entschuldigung.
Bitte verzeih.

(Klingt nicht nur gut, sondern ist auch der übliche Wortlaut vieler anderer Sprachen.)

Sehr schön finde ich ja auch: Es tut mir leid.
Meint: Ich habe dir ein Leid angetan und das fügt nun auch mir Leid zu.
Ehrlich empfunden, bringt das die Beteiligten in gewisser Weise auf Augenhöhe und näher zueinander.

All das ist sowohl sprachlich als auch inhaltlich sehr viel ehrlicher und angemessener, als ein flüchtiges „Oh. War nicht so gemeint. Tschuldigung.“
Der, den ich zuvor verletzt habe, fühlt sich unter Umständen noch stärker verletzt, einfach deshalb, weil er sich in seinem Leid nicht ernst genommen fühlt.

Fast so schön, wie die unzähligen Schreiben, die wir alle ab und an mal auf den Tisch bekommen und die (aus welchen Gründen auch immer) mit einem „Wir danken für Ihr Verständnis“ enden. Woher in drei Teufels Namen wollen die denn wissen, ob ich Verständnis habe? Vielleicht bin ich da ja viel zu doof für oder will auch gar nix verstehen. Soll`s ja geben.

Nicht schön - selten auch nicht. Diese Form der Suggestiv-Kommunikation ist weit verbreitet und wird vor allem im Verkauf gern genommen ("Sie wollen Ihrem Kind doch sicher die bestmöglichen Zukunftschancen sichern?" [ ... ] "Sehen Sie. Welch glückliche Fügung, dass ich ausgerechnet jetzt die perfekte Versicherung für ein finanziell sorgenfreies Leben Ihres Kindes im Angebot habe.“), im Privaten hat sie meiner Meinung nach allerdings so rein gar nichts verloren. Sie sät Misstrauen. Wenn man es vielleicht auch nicht bewusst wahrnimmt, meist fühlen wir uns nach solchen Gesprächen doch seltsam plüschig im Kopf.

Wie immer bestätigen Ausnahmen die Regel und selbstredend ist jedes von Herzen kommende „Ups. Sorry. Da muss ich mich entschuldigen“ tausendmal wertvoller ist, als ein unaufrichtiges: „Es tut mir unendlich leid, bitte, bitte verzeih mir.“

Die einfachste Lösung wäre wohl, stets so zu leben, dass es erst gar keinen Anlass gibt, um Entschuldigung bitten zu müssen, das wird aber nicht funktionieren. Wir werden andere Menschen immer wieder mal vor den Kopf stoßen oder sie verletzen, selbst dann, wenn wir die besten Absichten haben. Wir sind einfach zu verschieden und können häufig gar nicht wissen, was unser Gegenüber vielleicht sogar so richtig, richtig schwer trifft.

Aber wir können uns bemühen, bekannte Stolpersteine ganz bewusst links liegen zu lassen. Die deutsche Sprache verfügt über mehrere Millionen Wörter, da sollten sich doch auch für die etwas unangenehmeren Situationen des Lebens ein paar schöne Kombinationen finden lassen. ;)

Denn bedenke:

Es sind nie nur Worte ...

Hab deinen Tag noch schön,
Rebecca

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