Aufgrund eines Impulses von Herrn Glem, möchte ich gerne von der Entstehung meines Kinderbuchs „Lilo Lametta“ erzählen. Herr Glem schrieb: „Da Autor und Leser sich in der Regel nicht kennen und auch in keinem Dialog stehen, entfällt die zwischenmenschliche Perspektive.“ Siehe auch:

Fahles Feuer - Vom Lesen und Schreiben
Der Film Blade Runner 2049 gehört für mich zu den größten Werken, die die Kinematographie jemals hervor gebracht hat. Es ist ein Werk, bei dem jede Betrachtung einzigartig ist und nie zur bloßen Wiederholung verkommt. Es ist eine 164 Minuten große Welt, die bei jedem Eintritt einen neuen Gedanken …

Die Entstehung meines Kinderbuches verlief anders und ich weiß erst heute, was es für ein Glück war. Nicht nur, dass ich einen Verlag (bzw. er mich) gefunden habe, sondern, dass ich genau diese zwischenmenschliche Perspektive hatte und in engem Dialog mit meiner Leserschaft stand.

Ich war Klassenlehrerin einer 3.Klasse und hatte einen Schüler, der augenscheinlich besondere Fähigkeiten hatte und deswegen ausgegrenzt wurde. Die anderen Kinder verstanden ihn nicht. Ich überlegte, wie ich ihm und den anderen Kindern helfen könnte, zusammenzufinden. Daher erfand ich die Lilo. Auch Lilo hat eine besondere Gabe und ich hoffte, mit der Zuneigung zu Lilo, mit dem Verständnis für „andere Kinder“, würde mein Schüler in Zukunft mehr Verständnis erleben. Das hat übrigens funktioniert!

Ich beschloss, ein Buch zu schreiben, da ich der Klasse sowieso jeden Freitag in der letzten Stunde etwas vorlas. Ich schrieb das 1.Kapitel und las es ihnen am Folgefreitag vor. Ich erzählte nicht, dass das Kapitel von mir war. Die Kinder waren sehr begeistert und baten darum, dass ich weiter vorlesen sollte. Ich musste ihnen dann sagen, dass das nicht geht, weil es noch keine weiteren Kapitel gibt. Ich bekam sofort von den Kindern die „Hausaufgabe“, das nächste Kapitel zu schreiben. Und das tat ich. Die Kinder waren so nicht nur bei der Entstehung des Buches dabei, ich nahm sie mit in die Geschichte hinein. Alle Kinder kommen in dem Buch vor. Ich geriet durch die Begeisterung der Kinder in einen solchen Flow, dass das Buch in kurzer Zeit fertig geschrieben war. Meine Motivation war unbeschreiblich groß. Für mich war es besonders schön, direkt zu erleben, wie ihre Reaktionen waren. Wann lachten sie, wann waren sie gespannt und wann wurde es ganz still, weil alle ein bisschen traurig waren. Es gab zum Glück immer ein Happy End. Ich ließ mir von den Kindern nach dem Vorlesen stets erzählen, was ihnen gefallen hat und was nicht. Es entstanden so noch 3 weitere Bände, die in meiner Schublade schlummern und darauf warten, das Licht der Welt zu erblicken.

Ein Verlag wurde im Internet auf mich aufmerksam. Ich konnte es nicht fassen! Tatsächlich druckte er den ersten Band meines Buches. Die Kinder waren nun völlig aus dem Häuschen. Und ich auch.

Ganz vorne im Buch gibt es eine Widmung. Die gehört meiner damaligen Klasse und meiner Oma Lilo. Und ich danke ihnen von Herzen.