Seit gestern abend bewegt mich die Frage, warum die SPD nicht aus dem Quark kommt. Die Gründe sind einerseits vielfältig und andererseits irgendwie auch nicht hinnehmbar. Darum will ich den Blick nach vorne richten und begründen, warum die SPD durchaus einen Blick wert ist bei der anstehenden Bundestagswahl.

Ja, die SPD hat Fehler gemacht. Zuhauf. Laufende Wechsel im Präsidium, innere Zerrissenheit, Eintritt in die Groko, Agenda2010... Darüber könnten wir stundenlang diskutieren, aber das bringt uns nicht weiter, wenn wir über die nächsten 4 Jahre sprechen.

Die SPD sieht sich als Vertreter des kleinen Mannes / der kleinen Frau. Und wenngleich unser Land reicher und reicher wird, gibt es davon viele. All jene, die nicht an steigenden Löhnen, Aktienkursen oder Immobilienpreisen profitieren. Die sich jeden Monat fragen, wie sie über die Runden kommen sollen. Und an genau Euch richtet sich der Text.

Vielleicht ist die SPD per se nicht sexy genug. Vielleicht seid ihr enttäuscht von der SPD. Aber schauen wir uns mal die Alternativen an.

  1. CDU

Viele, die die CDU wählen, tun dies ohne inhaltliche Auseinandersetzung mit den Inhalten, sondern eher, weil es in der Familie schon immer getan wird, weil man wertkonservativ ist oder ähnliches. Aber schauen wir uns mal genauer an, was eine CDU-Regierung für den Geldbeutel bedeuten würde. Die Süddeutsche Zeitung hat dazu eine großartige Analyse erstellt:

Quelle: Süddeutsche Zeitung

Ungeachtet dessen, was eine jeweilige Regierung wirklich umsetzen kann, zeigt diese Analyse schonungslos, dass unter einer CDU-Regierung eine Umverteilung von unten nach oben die Folge wäre. Wäre ich in einer der unteren Einkommensgruppen, würde ich mir sehr gut überlegen, ob das in meinem Sinne wäre.

2. Grüne

Bei den Grünen ergäbe sich das größte Plus für die unteren Einkommensschichten. Dennoch halte ich es für nachvollziehbar, die Grünen etwas skeptisch zu betrachten. Das Hauptthema der Grünen ist und bleibt Umwelt-, Klima- und Naturschutz. Und das wiederum ist - trotz der jüngsten Katastrophen und der inhatlichen Notwendigkeit, hier endlich entschieden zu handeln - für manche Menschen nicht das zentrale politische Thema, weil die eigenen Sorgen und Nöte derart erdrückend sind, dass etwas abstraktere Themen erst mal in den Hintergrund rücken.

3. FDP

Vermutlich werden sich die wenigsten Geringverdiener ernsthaft mit der FDP auseinander setzen. Daher verzichte ich hier auch auf eine weitere Ausführung dazu. Ich sage nicht, dass die FDP diese Menschen nicht berücksichtigt, aber die Schnittmengen zwischen FDP und den Bedürfnissen der ökonomisch nicht so gut Gestellten dürften sich in Grenzen halten.

4. Die Linke

Ich schrieb bereits an anderer Stelle meine Meinung zu den Linken (https://publikum.net/warum-ich-sauer-auf-die-linke-bin/). Unterm Strich wird keine andere Partei eine Koalition mit der Linken eingehen, bedingt durch deren Haltung zum Thema Nato und Ausöandseinsätze der Bundeswehr. Und so sehr sich die Linken für die ökonomisch schlechter Gestellten engagieren, es wird - auf Bundesebene - nicht in konkreter Politik enden. Daher sind das für reale Verbesserungen verschenkte Stimmen.

5. AfD

Neben 1.000 anderen Gründen, die AfD nicht zu wählen, bietet die AfD keine sinnvollen ökonomischen Anreize, sie als Geringverdiener zu wählen. Ganz im Gegenteil - hier sind teilweise Ansätze in Aussagen und Programmteilen zu sehen, die eher zu einer weiteren Schlechterstellung führen.

Fazit

Meines Erachtens scheidet jede andere Partei - aus verschiedensten Gründen - aus, wenn mir die Verbesserung der Lebenssituation von Geringverdienern ein zentrales politisches Anliegen ist. Und was mir auch in der Betrachtung der letzten 4 Jahre zu kurz kommt: Die SPD hat hervorragend performt in der GroKo, viele ihrer Pläne umgesetzt und die Politik der GroKo hat eine deutliche SPD Handschrift. Das Versagen der GroKo ist auch eher in den Ressorts der Union zu finden.

Daher - wollen wir der SPD nicht nochmal eine Chance geben. Trotz der ganzen Gründe, die man gegen sie aufführen könnte? Ich finde, sie hat das verdient.