Bald haben wir wieder das Thema mit dem Ja- und Nein-Sagen, wenn es um Einladungen, Verpflichtungen, regelmäßige Treffen geht. Nicht immer ist man sonderlich wild drauf, zuzusagen. Ich beispielsweise habe schon lange den Maßstab mit dem Sofa: Wenn die Entscheidung, daheim auf der Couch zu sitzen, für mich die attraktivere ist, gehe ich nicht hin.

Jetzt rede ich nicht von inneren Hürden oder einer Trägheit, die mich auf der Couch hält, obwohl ich insgeheim doch lieber gerne unter Leute wäre. Es geht mir wirklich um die Präferenz: Habe ich heute/derzeit/überhaupt Lust, xy zu tun? Da-und-da hinzugehen?

Dem ist besonders im Privatleben manchmal schwer zu begegnen:

  • „Das kann ich doch nicht machen!“
  • „Was denken sie von mir?!“
  • „Es ist schon länger ausgemacht [oder ein wiederkehrendes festes Treffen]!“

Manchmal werden dann Ausreden à la „Mir geht’s heut nicht so gut“ bemüht, doch das hat durchaus seine Tücken.

Mit meinen engeren Freundinnen beispielsweise habe ich die Verabredung, dass jede von uns jederzeit absagen darf, wenn ihr heute doch nicht so danach ist – auch noch kurz vor einem Treffen. Wir alle wissen, dass man manchmal einfach lieber daheim bleibt, als noch rauszugehen. Oder lieber eine Serie schaut, anstatt sich zu unterhalten. Oder sich gemütlich auf der Couch einrollt. Wir wissen, dass wir einander mögen und darum ist es selbstverständlich, dass man sagen darf „Können wir verschieben?“

Klar!

Wir sind alle verschieden

… darum fällt unter diesen Couch-Maßstab manchmal eine bestimmte Art der Unternehmung. Ich beispielsweise mag nicht so gerne Orte mit viel Trubel. Die klassischen Partys, bei denen ewig viele Menschen rumstehen. Oder ein Lokal, bei dem sich der Lautstärkepegel durch Musik und Gerede aufschaukelt, das ist nichts für mich.

Ein markantes Beispiel aus meiner Zeit als Einkäuferin: In München war es üblich,  von Lieferanten aufs Oktoberfest eingeladen zu werden. „Wir haben eine Box in einem Bierzelt.“

Wers mag.

Da das für mich eher einer Vorhölle gleicht, bin ich natürlich nie mit. Ich bin immer besonders gut damit gefahren, Klartext zu reden: „Ich freue mich total, dass Sie mich einladen. Vielen Dank! Für mich ist Oktoberfest und Bierzelt allerdings ganz furchtbar, die vielen Leute, der Trubel, die Musik, … ich wünsche Ihnen einen rauschenden Abend. Laden Sie mich nächstes Jahr gerne wieder ein, auch wenn ich dann wieder absage.“

Gemeinsam haben wir herzlich darüber gelacht – und die Gesprächspartner waren kein bisschen böse, sondern fanden die Offenheit erfrischend.

Du kannst dich jederzeit umentscheiden

In die gleiche Schiene passt es, dass man keine Lebenszeit für etwas verschwendet, das einem nicht zusagt: Du hockst in einem Vortrag und findest ihn furchtbar? Oder hast ein Seminar gebucht und es ist völlig ohne Mehrwert? Du sitzt in einem Konzert oder einer Theatervorstellung, das dir überhaupt nicht gefällt und jetzt wäre es reine Zeitverschwendung (oder sogar ein riesiges Ärgernis), das bis zum Ende auszusitzen?

Dann geh!

– Die Frage hinter dieser Entscheidung ist: Vergeude ich jetzt meine Zeit an einem Ort, an dem ich sicher weiß, dass ich nicht weiter sein will? Wenn ja, dann ist es doch viel besser, zu gehen. Auch wenn es Geld gekostet hat. Deine Freiheit und dein Wohlbefinden sind doch viel mehr wert.

Was ist ein guter Maßstab für dich?

Die Couch ist für mich ein guter Vergleich, weil ich gerne rumfläze, meine Ruhe habe und eine Serie anschaue. Vielleicht ist für dich der Gedanke „Wenn ich lieber mit meinem Hund spielen würde“ oder „Wenn ich lieber in der Natur spazieren will“ oder „Wenn ich lieber meine Lieblingsmusik auflege und ein Bild male“ der bessere Maßstab.

Ich finde, so ein Maßstab ist äußerst nützlich dafür, zumindest kurz innezuhalten und zu merken, eigentlich würde ich was anderes lieber machen. Das schützt davor, vorschnell was zuzusagen oder sich verpflichtet zu fühlen. Sobald der Gedanke durchsickert, dass du was nicht so gerne machst – oder etwas anderes lieber tätest – hast du die Möglichkeit, in deinem Sinne zu handeln. Das kann dahin führen, dass du merkst „Wenn xy gegeben wäre, würde ich schon gerne, aber so …“ – Es ist also keineswegs automatisch mit einer Absage verbunden. Sondern ein bewussteres Abchecken deiner Bedürfnisse.

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