In einem zunehmend polarisierten Deutschland scheinen die Extreme aus dem Winterschlaf erwacht zu sein.

Mit blauen Flaggen und rotem Halstuch marschieren seit Kurzem hauptsächlich westdeutsche Jugendliche durch die Straßen der deutschen Städte und sorgen für großen Unmut unter Bewohnern. Das Ziel: "Sturz der Regierung und (...) die Errichtung eines sozialistischen Sowjetstaates!". So jedenfalls formuliert es Jan Haas, Pressesprecher der neuen FDJ, beim BR.

DDR-Willkür scheint vergessen, die rund 200,000 politischen gefangenen des Regimes seien laut einem Anhänger "mit Recht eingesperrt" gewesen.

Vor einigen Tagen passierte wieder so ein Umzug. Ein Verwandter von mir beobachtete durch sein Fenster, wie pfeifende Jungsozialisten die gelbe Sonne schwenkten. Konfrontationsversuche ergebnislos, von Diskussionswillen seitens der Demonstranten keine Spur.  

Die Ost-Propaganda war wohl so wirksam, dass noch heute verblendete Jugendliche das wahre Elend des Sozialismus nicht erkennen können. Dabei muss man nur nach Nordkorea schauen, um zu sehen, wie ein Arbeiter- und Bauernstaat seine Bewohner in Wahrheit behandelt. Über 40%  leben dort unter der Armutsgrenze, das Land ist für seine Korruption berüchtigt.

​Das scheint im MDR-Interview Marlene Stanschuss von der FDJ-Bremen nicht zu stören. Begeistert ruft sie: "Was ich weiß ist, dass die DDR das bessere Deutschland war, denn sie war Garant für 40 Jahre Frieden".

Hier wären gleich zwei Bundesbehörden gefragt: der Verfassungsschutz und die Bundeszentrale für politische Bildung.

Wenn man offen zur Revolution aufruft, ist das ein eklatanter Verstoß gegen Artikel 9, Abs. 2 des Grundgesetzes.

Wie aus einer anderen Zeit (Quelle: FDJ)


​Um zu verhindern, dass sich jugendliche so radikalisieren, muss aber auch eine noch konsequentere Aufklärungskampagne über die DDR gestartet werden. Diese Tendenzen müssen im Keim erstickt werden, damit sie sich nicht ausbreiten können.

Was würde passieren, wenn die Jugendorganisation eines noch dunkleren Kapitels unserer Geschichte (Sie wissen, welches ich meine) durch die Straßen zöge?

Das wäre zwar noch schlimmer als bei diesen verklemmten Ostalgikern, doch die Symbolkraft ist ähnlich gravierend.

Diese Organisation ist nicht links, sondern verfassungsfeindlich. Wenn wir sie weiter ihr Unheil treiben lassen, fühlen sich die Mitglieder bald vielleicht sogar dazu ermutigt, zu härteren Mitteln als Parolen zu greifen.

Auf meine Anfrage bei der FDJ wurde noch nicht geantwortet.

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Bildquelle: MDR