Klarstellung zu einem weiteren „Pommes Leibowitz“-Artikel
Eine sachliche Einordnung zu den Themen Gleichberechtigung, Rechtstaatlichkeit und demokratischem Diskurs
Auch dieser Artikel des Autors, der sich selbst „Pommes Leibowitz“ nennt – ein Pseudonym, das bewusst antisemitische Assoziationen weckt –, bedarf einer sachlichen Richtigstellung. Was hier als „Realsatire“ präsentiert wird, ist eine Ansammlung von Übertreibungen, falschen Äquivalenzen und gezielten Verzerrungen feministischer Positionen.
1. Die vier „Stufen“ – ein Strohmann-Argument
Der Autor behauptet, Feminismus lehre Männer, sich zu schämen, sich ihrer „Minderwertigkeit“ bewusst zu sein, Geschlechtsteile zu amputieren und über nichts mehr zu lachen. Das ist eine absurde Karikatur, die mit dem tatsächlichen Feminismus nichts zu tun hat.
Feminismus, in seinen vielfältigen Strömungen, setzt sich ein für:
- Gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit (in Deutschland liegt der Gender Pay Gap bei 18 %)
- Gleiche Karrierechancen und gleiche Vertretung in Führungspositionen
- Bekämpfung von geschlechtsspezifischer Gewalt (jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten; jede Stunde werden 14 Frauen Opfer häuslicher Gewalt)
- Aufbrechen von Rollenbildern, die auch Männern schaden (z. B. das Verbot, als Mann Erzieher oder Grundschullehrer zu arbeiten, ohne in Verdacht zu geraten)
Keine ernstzunehmende feministische Strömung fordert „Schwanz ab“ als generelle Option. Der Autor zitiert einzelne Influencerinnen – das ist so, als würde man die gesamte Männerrechtsbewegung nach den Äußerungen von Anders Breivik beurteilen.
2. Zur angeblichen Umkehrung der Beweislast
Die Behauptung, Nancy Faeser (ehemalige Bundesjustizministerin) habe gefordert, die Beweislast umzukehren oder die Unschuldsvermutung aufzuheben, ist falsch. Richtig ist, dass in der juristischen Diskussion über sexuelle Gewalt immer wieder über Beweisschwierigkeiten gesprochen wird – etwa die Frage, wie man nachweist, dass einvernehmlicher Sex stattfand oder nicht. Eine Abschaffung der Unschuldsvermutung hat keine demokratische Politikerin ernsthaft gefordert.
Der Vergleich mit Scharia-Recht („2 Frauen gleich ein Mann“) ist nicht nur falsch, sondern bewusst irreführend: Die Unschuldsvermutung ist ein Kernprinzip des deutschen Rechtsstaats, unabhängig vom Geschlecht der Beteiligten.
3. Der falsche Vergleich mit Hexenprozessen
Die Metoo-Debatte mit Hexenprozessen gleichzusetzen, ist historisch absurd. Bei Hexenprozessen gab es keinerlei Beweise, keine rechtsstaatlichen Verfahren, Geständnisse wurden unter Folter erpresst. Metoo hingegen hat in vielen Fällen zu tatsächlichen Verurteilungen geführt (Harvey Weinstein, Bill Cosby) – und dort, wo Vorwürfe sich als falsch erwiesen, wurden sie auch als falsch erkannt. Kein ernsthafter Feminist fordert Verurteilungen ohne Beweise.
4. Die angebliche „männliche Erbschuld“
Der Autor versucht zu suggerieren, Feminismus leugne die Errungenschaften von Männern in Wissenschaft, Technologie und Demokratie. Das ist Unsinn. Feministische Theorie unterscheidet zwischen struktureller Macht und individueller Schuld. Dass die meisten Herrschaftspositionen historisch von Männern besetzt waren, heißt nicht, dass jeder einzelne Mann persönlich schuld ist. Es heißt lediglich, dass die Strukturen so gebaut waren, dass Frauen systematisch ausgeschlossen wurden.
Der Satz „Männer haben Demokratie und Rechtsstaat geschaffen“ übersieht, dass Frauen dabei über Jahrhunderte weder wählen noch gewählt werden durften. Das zu benennen, ist kein „Männerhass“, sondern Geschichtswissenschaft.
5. Die Opferrolle der weißen Männer
Die Behauptung, „Witze oder abschätzige Äußerungen“ seien nur noch über weiße Männer erlaubt, ist eine klassische Umkehrung der Machtverhältnisse. In einer Gesellschaft, in der weiße Männer immer noch die große Mehrheit der Führungspositionen (Vorstände, Richter, Professoren, Chefredakteure) stellen, ist ein Witz über „weiße Männer“ strukturell etwas völlig anderes als ein rassistischer Witz über eine marginalisierte Gruppe.
Der Autor selbst macht sich über Frauen, über Migranten, über „linksgrüne“ Positionen lustig – das ist sein gutes Recht. Aber die Klage, dass andere sich über ihn lustig machen, verrät eher eine empfindliche Seele als einen tatsächlichen Diskriminierungsbefund.
Fazit
Der Artikel ist kein Beitrag zur Satire, sondern eine Ansammlung antifeministischer Klischees, die durch falsche Vergleiche (Hexenprozesse, Scharia) und bewusste Überzeichnungen („Schwanz ab“) eine Phantomdebatte führen. Wer echten Feminismus verstehen will, sollte nicht bei „Pommes Leibowitz“ nachlesen, sondern bei Autorinnen wie Alice Schwarzer, Margarete Stokowski oder Emilia Roig – oder zumindest die tatsächlichen Forderungen feministischer Organisationen zur Kenntnis nehmen.
Sachlicher Hinweis: Der wiederholte Gebrauch eines judenfeindlich konnotierten Pseudonyms („Leibowitz“ als abwertende Bezeichnung für Juden, vgl. Stürmer-Karikaturen) sollte jeden Leser hellhörig machen. Hier geht es nicht um Meinungsfreiheit, sondern um die Normalisierung antisemitischer und antifeministischer Hassrede im Gewand des „Provokateurs“.
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