Taschenbuch von Peter Blöth (Autor)
"Kolumbien - Land der Gegensätze" ist eine Reiseerzählung, die den Informationsgehalt eines Reiseführers mit der Emotionalität persönlicher Erfahrung verbindet. Der Autor Peter Blöth ist viele Jahre immer wieder für längere Zeit durch Kolumbien gereist. Er beschreibt kenntnisreich faszinierende Landschaften und lässt uns teilhaben an Reiseepisoden und Begegnungen mit Einheimischen. Dazu gehört das Treffen mit einem Medizinmann ebenso wie der Besuch auf einer Kaffeefarm. Der Leser wird eingeladen auf eine Reise durch die Gegenwart und Geschichte des Landes. Reiseziele sind die großen Metropolen wie Cartagena de Indias, aber auch Naturparks wie der Park Tayrona und sogar ein Schlammvulkan, in dem man baden kann. Land der Gegensätze: Das Nebeneinander von Naturschönheit, Lebensfreude und sozialen Problemen ist eines der zentralen Motive dieser Reiseerzählung, deren Autor die Herausforderungen der Reise nicht verschweigt, einschließlich unerwarteter Ereignisse und logistischer Probleme. Darüber hinaus werden Bezüge zur Literatur und Musik, zum Sport und zur Gastronomie integriert, um ein umfassendes Bild Kolumbiens zu präsentieren. Der Text beschreibt ausführlich, was Reisende bei der Planung und Durchführung einer Reise in dieses Land beachten sollten. Zahlreiche Karten und Bilder
- Seitenzahl der Print-Ausgabe 300 Seiten
- Sprache Deutsch
- Herausgeber BoD – Books on Demand
- Erscheinungstermin 3. November 2025
- Abmessungen 18.9 x 1.6 x 24.61 cm
- ISBN-103695161280
- ISBN-13978-3695161287
- Preis: 29,99 Euro
Puerto Colón (Leseprobe)
Dieser Ort ist Teil der Gemeinde San Miguel und liegt direkt am Rio San Miguel. Wir steigen an einer Straßenecke im Zentrum nahe dem Flussufer aus.
Die Straße im Zentrum ist sehr belebt. In erster Linie durch Ecuadorianer, die hierher zum Einkaufen kommen. Die meisten fahren jedoch weiter nach San Miguel oder La Hormiga. Für die an der Grenze lebenden Ecuadorianer lohnt sich das auf alle Fälle. Unsere Freundin Nidia kommt oft hierher, um Bastelmaterial für ihren Schulunterricht zu kaufen. Gleichzeitig füllt sie ihre Vorratsschränke auf.
Interessant ist ein Bootsausflug auf dem Fluss. Dieser läuft aber sehr oft chaotisch und unorganisiert ab. Spezielle Zeiten gibt es nicht. Den Hafen habe ich mit wenigen Schritten erreicht. Eine steile Treppe führt hinunter zu den Anlegeplätzen. Momentan ist hier nicht sehr viel los. Drei Boote liegen am Ufer und ein weiteres nähert sich.
Vor ein paar Monaten, als Corona noch maßgeblich den Alltag bestimmte, hatten die Schiffführer alle Hände voll zu tun. Durch die Grenzschließung und Sperrung der internationalen Brücke wich man auf den Wasserweg aus. In kürzester Zeit entwickelte sich einige Kilometer oberhalb der Ortschaft ein reger illegaler kleiner Grenzverkehr.
Illegal kann ich im Grunde nicht sagen. Meine Frau und ich waren zu dieser Zeit in Nueva Loja. Nidia wollte Schulsachen kaufen und nahm uns mit. Problemlos kamen wir ohne Passkontrolle über den Fluss. Die einzige Hürde war das schlammige rutschige Ufer. Man brauchte schon sehr viel Geschick, um auf die wackligen Boote zu kommen. Ich bewunderte die Träger sehr. Mit ihren schweren Säcken auf den Schultern meisterten sie geschickt alle Hindernisse, um ihre Ware auf die Boote zu laden. Darunter ein etwa 16-jähriges indigenes Mädchen, das es den Männern gleichtat.
Ich selbst hatte ein sehr unangenehmes Gefühl dabei, illegal über die Grenze zu gehen. Zum einen widerstrebt es mir gegen die Gesetze des Landes zu verstoßen, in dem ich Gast bin. Ich habe mich ganz einfach nach dessen Regeln zu verhalten. Zum anderen hatte ich auch Angst erwischt zu werden. Die Folgen sind nicht auszumalen. Ich denke, ein Einreiseverbot wäre das Mindeste gewesen. Nidia beruhigte mich aber. Sie meinte, es gibt keine Kontrollen.
Die andere Seite, das kolumbianische Ufer, ist flach und besteht aus grobem Geröll und Kies. Hier stehen schon Dutzende Fahrzeuge, von Motorrädern (Mototaxis) über Taxis und Kleinbusse, bereit. Hurtig werden die Waren und Passagiere eingeladen und die Fahrzeuge setzen sich in Bewegung. Ein ständiges Gehen und Kommen.
Nidia fragte mich, ob wir Lust hätten ein Motortaxi zu benutzen. In meiner Unwissenheit bejahte ich es, um wenig später die Zusage zu bereuen. Nidia sprach kurz mit drei Jungen und sagte dann, wir sollen aufsitzen, wobei sie sich zu meiner völligen Verblüffung auf eins der Motorräder als Fahrerin setzte. Ich sollte hinten auf den Soziussitz, was ich mit ungutem Gefühl auch machte. Meine Frau setzte sich auf das zweite, und der ursprüngliche Fahrer nahm hinten bei dem dritten Fahrer Platz. So fuhren wir los. Ich merkte sehr schnell, dass meine Freundin sehr sicher fuhr. So hatte ich den Mut während der Fahrt mit meinem Handy Aufnahmen zu machen. Eins war mir klar, in Deutschland würde keiner sein Fahrzeug einem Fremden überlassen.
Bei der Rückfahrt wurden wir von einer Familie angesprochen, die zu dieser Übersetzstelle mit sehr viel Gepäck wollte. Aus dem Gespräch entnahm ich, dass es Venezolaner waren, die illegal nach Chile wollten. Nidia nahm sich ihrer an und wir fuhren mit einem kleinen Bus zu unserer Fähre. Auf der ecuadorianischen Seite angekommen, wollte sie für diese Familie eine Fahrgelegenheit besorgen, um diese nach Nueva Loja zum Busbahnhof zu bringen. Auch hier standen fast ein Dutzend Fahrzeuge, die auf Kundschaft warteten. Nach der Preisverhandlung wollten wir einsteigen, was plötzlich gestoppt wurde und es verbreitete sich viel Unruhe. Kurze Zeit später erfuhr ich den Grund. Zwei Kilometer weiter hatte die Polizei eine Straßensperre errichtet. Das hieß warten. Eine Stunde später kam ein Militärtransporter und 15 Soldaten sprangen vom Fahrzeug. Die Venezolaner hatten sich rechtzeitig in den dichten Wald verzogen.
Wenn ich ehrlich bin, war mir nicht ganz wohl. Was mache ich, wenn sie mich kontrollieren. Ich werde behaupten hier auf Nidia gewartet zu haben, um sie abzuholen. Aber die Aufregung war grundlos. Die Soldaten standen in lockeren Gruppen und rauchten. Beobachteten das Geschehen. Es war auch eine Augenweide zu sehen, was alles verladen und entladen wurde. Motorräder, irgendwelche prallgefüllten Säcke. Ich denke, sie waren gefüllt mit Mais und Zement. Die meiste Aufmerksamkeit jedoch zog ein biologisches Institut auf sich dessen Mitarbeiter einen Schafbock verluden, der nicht begeistert war auf so ein wackliges Kanu zu kommen. Nach gefühlten 30 Minuten begaben sich die Soldaten wieder auf die Ladefläche und fuhren zurück. Aus dem Wald kam auch wieder unsere venezolanische Familie. Ich wollte der Familie auch etwas Gutes tun. Nachdem ich bemerkte, dass sie Hunger hatten, gab ich ihnen das Gebäck, das Nidia gekauft hatte. Das Ergebnis war, dass ich von Nidia einen vernichtenden Blick zugeworfen bekam. Dieses Gebäck, eine Art von Keksen, gab es nicht in Ecuador und es sollte für ihre Söhne sein. Wie ich sehen konnte, gab es bei Nidia auch Grenzen der Hilfsbereitschaft. Nachdem die Familie sich in einen schon vollen Kleinbus gezwängt hatte, hätte es nun losgehen können. Nein - mit lautem Geschimpfe diskutierte Nidia mit dem Fahrer, der kurzfristig den ausgehandelten Transportpreis um ein Drittel erhöht hatte.
Ich fragte Nidia, wieso die Regierung diese Illegalen Grenzübergänge duldet. Folgende Erklärung gab sie mir: Zum einen ist es eine Sonderreglung gegenüber dem hier lebenden indigenen Volk. Dieses durch eine Grenze trennen zu wollen, würde sehr viel Konfliktpotential hervorrufen. Deshalb gibt es gewisse Sonderregelungen. Zum anderen nutzen auch Behörden diesen Übergang zum Einkaufen. Der Staat handelt nach dem Prinzip nichts hören, nichts sehen, nichts sagen.
Die Ortschaft Puerto Colón gibt nicht viel her. Keine interessanten geschichtlichen Hintergründe. Eine kurze Ortsvisite ist aber nicht verkehrt. So schlendern wir ein wenig die Hauptstraße entlang, ohne irgendetwas Interessantes zu sehen und entschließen uns weiterzufahren. Nach einer kurzen Wartezeit nimmt uns ein Kleinbus mit, den wir am Straßenrand anhalten, um weiter nach San Miguel zu fahren.
Spitzenrezensionen aus Deutschland
Silvia Mürb
5,0 von 5 Sternen Tolles BuchBewertet in Deutschland am 1. Januar 2026 Ein sehr interessantes und lesenswertes Buch.
Sehr zu empfehlen.
Kindle-Kunde
5,0 von 5 Sternen Empfelenswert Bewertet in Deutschland am 23. Dezember 2025Sehr gelungen - Reiseerzählung und Reiseführer. Unterhaltsam, Invormativ, Witzig. Zahlreiche Fotos und Karten. Das Buch kann ohne weiteres als eigene Reisevorbereitung dienen
Silvia Mürb
5,0 von 5 Sternen tollBewertet in Deutschland am 10. Dezember 2025 Ein Reiseführer der beim lesen schon Spaß macht. Man spürt das Herzblut des Autors für dieses Land und dessen Bewohner. Mit vielen Anekdoten, oft auch einem Augenzwinkern und nicht zu viel grauer Theorie wird dieses tolle, oft noch unverstandene Land beschrieben.
Es macht Lust dieses Land zu bereisen und für alle die neugierig auf Kolumbien sind ein muss!
Nicola Eisenberg
5,0 von 5 Sternen Lockere Erzählungsweise Bewertet in Deutschland am 9. Dezember 2025Das Buch ist durch seine Verknüpfung Reiseerzählung - Reiseführer - Hintergrundinformation sehr gelungen. Man merkt, der Autor weiß von was er spricht und lässt einen unmittelbar an der Reise teilnehmen. Besonders gut hat mir die lockere Erzählungsweise gefallen.
Helga Schultes
5,0 von 5 Sternen Kolumbien ist eine Reise wert Bewertet in Deutschland am 9. Dezember 2025Kolumbien, ein Land der Gegensätze, das wird in diesem Buch deutlich. Wer denkt nicht zuerst an Drogen? Herr Blöth streift die interessante Geschichte des Landes, seine Geographie und beschreibt die Natur und die Menschen auf sehr gefühlvolle Weise und aus eigenem Erleben. Es muß ein wunderschönes Land sein. Was mich aber besonders beeindruckt hat, er bewegt sich auch auf Wegen abseits der Touristenströme. Damit wird der Eindruck über Kolumbien realer und tiefer. Seine zahlreichen praktischen Tips zum Verhalten bei Kontrollen, im Umgang mit Behörden und den Menschen allgemein sind Goldwert.
Norbert
