„Konservativ heißt, nicht nach hinten zu blicken, konservativ heißt, an der Spitze des Fortschritts zu marschieren".

Diesen berühmten Satz sagte Franz Josef Strauß, der von vielen Konservativen -nach wie vor als Ikone des Konservatismus- verehrt wird, einmal über den Konservatismus, doch was heißt konservativ heute?

·         Wie ist der Konservatismus in der politischen Praxis umzusetzen?

·         Haben Konservative, angesichts einer nach Links gerückten CDU, noch eine politische Heimat in der bundesrepublikanischen Parteienlandschaft?

·         und bietet die AFD die ernstzunehmende Alternative für Konservative, als welche sie sich selbst bezeichnet?

Diese Antworten auf diese Fragen versuche ich in diesem Artikel zu finden und habe mich daher mit drei Konservativen ausgetauscht.

Die Sicht auf den Konservatismus

Der Konservatismus ist für Kritiker, oftmals aus dem politisch linken Lager, der Ausdruck von reaktionärem Denken und rückwärtsgewandter Politik. Dies zeige sich auf verschiedenen Politikfeldern. Zum Beispiel beim Klimawandel, indem sich viele, von ihnen als konservativ erachtete Politiker, konsequenteren und damit radikaleren Maßnahmen oder Verboten verschließen und rückwärts­gewandte Politik machen.

Konservativ gesinnte Menschen sehen das anders, so schreibt Jonas, Mitglied der Jungen Union und der Mittelstandsvereinigung, „Für mich ist konservative Politik, eine Politik die Werte- und Bürgerorientiert handelt"

Linnea Findeklee, eine Konservative mit einer sehr großen Reichweite ( mehr als 17.000 Follower auf Twitter) und Mitglied der CDU, JU und MIT sagt zur Bedeutung des Konservatismus „Es bedeutet für mich Bewährtes und Schützenswertes zu Erhalten, ohne den Fortschritt zu behindern bzw. zu meiden. So ist z.B. Umwelt- und damit auch Klimaschutz ein urkonservatives Anliegen."

Ähnlich antwortet auch Markus Wojahn „Konservativ heißt für mich, dass ich gute Dinge nicht aufgebe, nur weil es etwas Neues gibt. Das Neue muss besser sein und nicht nur einfach neu."

Ist konservativ also gleich fortschrittsfeindlich?

Nein, es bedeutet für Konservative, dass man vernünftige und bedachte Politik macht, sich dabei an Werten orientiert und an Bewährtem festhält, um den Bürgern damit Sicherheit zu geben.

Politisch Heimatlos?

Doch, es gibt ein Problem. Viele Konservative fühlen sich angesichts einer nach Links rückenden CDU, welche den konservativen Flügel seit Jahren vernachlässigt, zunehmend politisch heimatlos.

Linnea Findeklee sagt dazu „Die CDU ist meine Heimat und wird es auch bleiben. Unter Merkel wurde unsere Partei sozialdemokratisiert und der konservative Flügel, also auch die Konservativen der Partei sehr vernachlässigt und so den Aufstieg der rechten AfD erst möglich gemacht. Es ist die Frage, wie sich die CDU nach Merkel entwickeln wird."

Jonas antwortet, gefragt, ob er politisch heimatlos ist „Definitiv Ja"

Markus Wojahn meint ebenfalls er fühle sich fast „uneingeschränkt" politisch heimatlos.

Er, der seit 35 Jahren CDU Mitglied ist, sagt zu der Entwicklung der CDU „Die CDU ist eben kaum noch eine Heimat für Konservative. Das Dogma von Strauß wurde aufgegeben, dass rechts neben der CDU keine demokratisch legitimierte Partei sein darf. Dadurch wurde der CDU ein Standbein entzogen. Und die AFD ermöglicht bzw. groß gemacht."

Der konservative Flügel in der Union fühlt sich also nicht mehr gehört, die Nicht-Wahl des als konservativ geltenden Friedrich Merz, hat dem konservativem Flügel, ebenfalls einen Nackenschlag versetzt, so dass sich dieser nun wohl fragen muss, ob es nach der Merkel Ära, in der den Konservativen in der Partei einige wichtige Grundsätze und Einfluss genommen wurden, noch eine Chance für einen konservativen Aufbruch gibt.

Zukunft?

Aber was würde denn ein konservativer Aufbruch in der CDU bedeuten, was für eine Politik müsste die CDU machen, um wieder mehr konservative Wähler zu überzeugen.

Jonas meint „Die Wahrung von Traditionen und der deutschen Kultur,gepaart mit einer überlegten Außenpolitik, die zwar auch auf den Tisch haut, aber immer versucht den kompromissbereiten Weg zu finden." Zusätzlich möchte er gerne eine harte Linie in der Innenpolitik.

Für Markus Wojahn, ist dies eine schwere Frage, er möchte nur nicht, dass weiter dem "Linksgrünem Milieu "hinterhergelaufen wird.

Linnea Findeklee meint „Die CDU muss zu ihrem Markenkern zurückfinden und sich trauen klare Positionen zu beziehen und anfangen ihr Grundsatzprogramm auch umzusetzen. Das macht unsere Partei momentan nicht, sondern kuscht bei manchen Themen devot vor den Grünen. Wir müssen klare Positionen bei Thema innere und äußere Sicherheit, wie auch Einwanderung beziehen.  Die Wähler würden es unserer Partei danken."

Das Echo ist also klar, die Union muss einen harten Weg in der Innenpolitik gehen und für einen starken Staat, der seine Bürger schützt, eintreten.

Zusätzlich muss sie aufhören, SPD und Grüne zu kopieren und ihnen jeden Wunsch von den Lippen abzulesen.

Alternative für Konservative oder für Rechtsextremisten?

Gibt es eine Alternative für die enttäuschten Konservativen in der Union?

Klar ist, eine Partei würde es auf jeden Fall gerne sein, die AFD. Insbesondere Parteichef Jörg Meuthen wirbt immer wieder mit einer "Klassisch-bürgerlich Konservativen Politik" für die AFD

Für alle Gesprächspartner ist die AFD aber keine Option, Konservative wie Meuthen sind aus ihrer Sicht nur Feigenblätter für  gefährliche rechte Ideologen und Rechtsextremisten.

Jonas antwortet auf die Frage, ob die AFD eine Alternative sei „Nein auf gar keinen Fall. In der AfD sind mir zu viele, die ich klar ins rechtsextreme Lager verordne."

Markus Wojahn antwortet kurz und deutlich mit „NEIN"

Linnea Findeklee sieht die AFD ebenfalls nicht als ernstzunehmende Alternative. „Nein, die AfD ist kein Platz für echte Konservative. Hinter der momentanen AfD verbirgt sich eine Ideologie, die für manche AfD Wähler gemäßigt erscheint, jedoch ins rechts-außen Spektrum abdriftet und klare antidemokratische Ziele verfolgt."

Das ist eindeutig, die AFD wird wohl auch auf absehbare Zeit in Teilen extremistisch blieben, da es den gemäßigten nicht gelingt eine eindeutige Trennlinie nach Rechtsaußen zu ziehen.

Das Schlimmste, was dieser Partei passieren könnte, wäre wahrscheinlich eine wieder Konservativere Union. Deswegen versucht Meuthen und andere wohl auch Unionsmitglieder für die AFD zu gewinnen, damit würden diese den eher Linken in der Partei das Feld überlassen und die Position der Union und der AFD wäre klar – hier, die ihren Markenkern verratene CDU, -dort die Bürgerlich-Konservative AFD.

Deswegen wäre eine Abkehr der Konservativen von der CDU wohl auch eine eher schlechte Lösung.

Fazit

Konservative sind weder reaktionär noch fortschrittsfeindlich, dafür fühlen sie sich immer öfter politisch heimatlos. Die CDU ist unter Merkel sozialdemokratisiert worden. Nun hoffen Konservative nach der Merkel-Ära auf die Wende. Der erste Kampf für diese Wende ist an der Mehrheit der Parteitagsdelegierten gescheitert. Sie widersetzten sich dem Votum der Basis, das zeigte jüngst eine Umfrage in der Welt auf, nach der nur 20% der Mitglieder Laschet als Kanzlerkandidaten wollen. Dieser Wert wäre wohl selbst der SPD peinlich.

Nun ist es aber wichtig, dass Konservative nicht einfach aufgeben und die CDU nach Links rücken lassen, sie müssen weiterkämpfen, um den notwendigen Kurswechsel endlich herbeiführen zu können.

Fest steht, die ideologische und in Teilen rechtsextremistische AFD kann und darf keine Lösung für konservative Mitglieder der Union sein.

Wie oben gesagt wäre eine konservativere Union wohl das Schlimmste, was dieser AFD passieren könnte.

Um verloren gegangene Wähler der AFD zurückzugewinnen, muss die Union wieder klar Position im Bereich Innere Sicherheit und in der Außenpolitik beziehen. Dort wurde zuletzt auch ein wichtiger Grundsatz gebrochen, indem die Union im Bundestag, dem EU- Wiederaufbaufonds den Weg geebnet hat. Einige sehen in diesem den Weg in die Fiskalunion, ebenfalls eine Aufgabe eines wichtigen programmatischen Grundsatzes.

Ob Konservative in der Union langfristig noch etwas verändern können, wird die Zukunft zeigen.

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