Berlin - Dienstag, den 26. Oktober 2021

Lafontaine teilt kräftig gegen die Impfung aus, diskreditiert den Chef des Paul-Ehrlich-Instituts und solidarisiert sich mit Impfskeptikern.

Eigentlich sollte es bei mir keinen Beitrag über Joshua Kimmich geben, warum auch? Ein Fußballspieler ist eben genau das, er mag ein Experte auf dem Rasen sein und kann mit dem Ball umgehen. Kimmich ist jedoch kein Arzt oder Wissenschaftler. Seine Expertise bei Virus-Erkrankungen dürfte sich nur auf das Durchmachen einer solchen beschränken.

#Kimmichhatrecht

Und auch der Politiker Oskar Lafontaine ist kein Arzt oder mit der Thematik Medizin vertraut. Er studierte allerdings Physik, doch dies dürfte Lafontaine keine Expertise im Bereich Biologie eingebracht haben. Nur hielt es Lafontaine nicht davon ab, heute den Impfskeptikern bei Seite zuspringen und seine Fraktion der Linken im Saarland teilte den Beitrag ebenso.

"Kimmich kann klar denken und hat recht", schrieb der Linken-Politiker in seinem Beitrag bei Facebook. Weiter heißt es: "Die Reaktionen auf die Erklärung des Bayern-Stars Joshua Kimmich, dass er nicht geimpft ist, und, weil er die Langzeitfolgen der Impfstoffe nicht kennt, auf einen klassischen Impfstoff (Tot-Impfstoff) wartet, zeigen einmal mehr, in welchem Zustand sich das deutsche Expertentum befindet".

Im Grunde blies er damit in das Horn der Impfskeptiker und Querdenker. Das Märchen von den angeblichen Langzeitfolgen sollte eigentlich schon länger beerdigt sein, denn diese gibt es nicht. Vor allem nicht so, wie sich die meisten Leute es vorstellen mögen. Unser Körper ist recht schnell bei der Beseitigung des Impfstoffes und hierbei ist es egal, ob es ein mRNA-Impfstoff oder doch der eher klassische Tot-Impfstoff ist.

Carsten Watzel, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie am Leibnitz-Institut für Arbeitsforschung (TU-Dortmund) und Professor für Immunologie, äußerte sich bereits früher über Lanzeitwirkungen und fasste seine Aussagen in einem Tweet zusammen, hier ein Auszug: "Langzeitfolgen bei Impfungen sind seltene Nebenwirkungen, die häufig erst nach längerer Zeit mit der Impfung in Zusammenhang gebracht werden. ABER: Diese Nebenwirkungen treten innerhalb weniger Wochen nach der Impfung auf! Denn die Impfung erzeugt ein Immunreaktion. Diese ist nach wenigen Wochen abgeschlossen und der Impfstoff ist aus dem Körper verschwunden. Daher passieren Nebenwirkungen immer recht kurz nach der Impfung!"

Austeilen gegen Expertise

Obwohl Oskar Lafontaine selbst keine Expertise in diesem Themenbereich hat, so hinderte ihn dies nicht daran kräftig auszuteilen. Den SPD-Gesundheitsexperten und Arzt Lauterbach nannte er "Covid-Heulboje Lauterbach". Weiter arbeitete er sich an dem Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cichutek ab. Erst zitierte er Cichutek mit einer korrekten Aussage: "Generell ist es bei Impfstoffen so, dass die meisten Nebenwirkungen innerhalb weniger Stunden oder Tage auftreten, in seltenen Fällen auch mal nach Wochen. Langzeit-Nebenwirkungen, die erst nach Jahren auftreten, sind bei Impfstoffen generell nicht bekannt.", doch dann macht er deutlich, was er über diesen Mann denkt.

So schreibt Lafontaine: "Der Mann sollte weggelobt werden, er verdient eine Beschäftigung, bei der er weniger Schaden anrichten kann."
Nur im Gegensatz zu ihm selbst verfügt Klaus Cichutek über eine Expertise in dem Bereich, denn dieser Mann ist studierter Biochemiker.
Im Übrigen untersucht man in diesem Fachbereich die biologischen Prozesse auf molekularer Ebene. So schaut man sich beispielsweise den Stoffwechsel in den einzelnen Organismen, Organen und Zellen an.
Vor allem erforscht man aber auch die Wirkung von Proteine und Enzyme, woraus die Impfstoffe bestehen. Bei den mRNA-Impfstoffen gelangt eine Art von "Abschrift" in die Zelle (. Diese Bauanleitung, in Form der einsträngigen mRNA (Messenger-Ribonukleinsäure), verlässt dabei den Zellkern und wird im Zellplasma (Zytoplasma) abgelesen. Mithilfe dieser Anleitung wird ein entsprechendes Protein zusammengebaut - Die Translation, sowas wie eine "Übersetzung". Anschließend produziert die Zelle dann das Protein des Erregers (Antigen) und die eigene Immunantwort des Körpers greift dieses Protein an. Das Tolle an diesem Vorgang: Der Körper merkt sich dadurch das Virus, zumindest eine ganze Zeit lang und kann das Virus so selbst bekämpfen. Selbst wenn man sich dennoch infizieren sollte, so kommt man dennoch besser davon, als ohne Impfung. Das Material, also die Fremdstoffe (Genmaterial) bleiben so selbst nur kurz im Körper, dennoch reicht es für die Immunantwort. mRNA-Impfstoffe lassen sich kostengünstiger und schneller produzieren, als die Tot-Impfstoffe.

Und warum ist das so?

Das lässt sich sehr einfach beantworten, denn für eine normale Impfung mit einem Tot-Impfstoff, muss zunächst das Material produziert werden. Die Erreger müssen sehr aufwendig und in großen Mengen hergestellt werden, dies dauert eine Zeit. Nach dieser Herstellung muss dann noch das Antigen selbst hergestellt werden. Mit dem mRNA-Impfstoff findet dies im Menschen selbst statt - Das klingt doch ziemlich clever oder?!?

Und auch gegen den Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission (Stiko) richtete sich Oskar Lafontaine. Thomas Mertens bestätigte der dpa gegenüber nur den Stand der Fakten, also im Grunde wie auch Klaus Cichutek.
Lafontaine sprach jedoch von einem Umfallen der Stiko in Bezug auf die "Kinderimpfung". Jedoch ist es bis heute so, dass nicht alle Kinder  geimpft werden können, sondern nur die Altersgruppe zwischen 12 und 17 Jahren. Somit die jüngsten Kinder weiterhin eher schutzlos sind.

Lafontaine und die Langzeitfolgen

Trotz dessen, dass die Experten und auch einige Medien (wie ich) seit der Pandemie aufklären und auch die Impfung erklären, gibt es immer wieder das Märchen der Langzeitfolgen. Lafontaine selbst hat hier auch keine neuen Erkenntnisse vorzuweisen. In seinem Beitrag findet sich schlicht nichts, was eine validierte andere Einschätzung zuließe. Er selbst schrieb sogar: "Man muss noch nicht mal die Fälle kennen". Dies offenbart die wissenschaftsferne Denke des Oskar Lafontaine. Natürlich muss man die Fälle kennen, sonst kann man schlicht nichts belegen. Es ist schlicht eine Märchenerzählung aus dem Buch des Linken-Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine, welche so oder so ähnlich seit Beginn der mRNA-Impfungen von Querdenkern geteilt werden. Die Linke würde guttun sich endlich öffentlich zu positionieren. Ist man nun, wie die AfD, gegen die Impfungen und findet furchtbar was geschieht (obwohl sich einige AfDler und auch Querdenker schon impfen ließen) oder ist man Pro Impfung und Wissenschaft?
Zusätzlich kritisierte Lafontaine den Vertrag und wegen dieses Vertrages könnten die beiden von der Stiko und Paul-Ehrlich-Institut gar nicht recht haben, "dann wäre der Pharmakonzern nicht auf die Idee gekommen, sich derart abzusichern".
Naja gut, man kann die Vertragsgestaltung durchaus kritisch sehen und dagegen protestieren, doch Oskar Lafontaine vermischt hier zwei Dinge.
Auf der einen Seite ist eine durchaus fragwürdige Vertragsgestaltung und auf der anderen Seite die fachlich abgegebene Einschätzung von zwei Experten.

Danach kritisiert er dann noch die EMA, also die Europäische Arzneimittelagentur und hier vor allem die Zulassungspraxis, "wirft die Frage auf, warum die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) immer noch keinen klassischen Impfstoff zugelassen hat, obwohl die beiden chinesischen Tot-Impfstoffe von Sinovac und Sinopharm weltweit millionenfach verimpft werden". Die EMA prüft für die EU die Impfstoffe und vor allem die Sicherheit dieser. Derzeit zählt die WHO etwa 334 Impfstoff-Projekte (Stand: 22.10). Bereits am 4. Mai begann für Sinovac ein beschleunigtes Zulassungsverfahren (= Rolling-Review-Verfahren). Anfang Juni erhielt der Impfstoff eine Notfallzulassung der WHO (Phase III u.a. in Brasilien seit 21.07.2020). Sinopharm ist aktuell "in Phase III in China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain und Peru".
Alle Daten zur Zulassung der Impfstoffe: vfa.de.


Und warum nicht in der EU?


Die Frage ist tatsächlich einfach zu beantworten, man entschied bereits bei den mRNA-Impfstoffen, dass man keine Notfallzulassung möchte und dies um eben auch das Vertrauen in die Impfstoffe hoch zuhalten. Eine Notfallzulassung ist eben doch etwas ganz anderes. Sinopharm wurde im Serbien bisher eingesetzt, was auch zu Kritik führte und die WHO hatte im Mai eine Notfallzulassung ausgesprochen.


Was ist der Unterschied?

Wie die EMA es auf der eigenen Seite treffend beschreibt: "In Wirklichkeit handelt es sich bei einer Notfallzulassung nicht um eine Zulassung des Impfstoffs, sondern um die Zulassung der vorübergehenden Anwendung eines nicht zugelassenen Impfstoffs." Die anderen Impfstoffe verfügen zumindest über eine bedingte Marktzulassung, "Die bedingte Marktzulassung stellt sicher, dass alle Pharmakovigilanz, Herstellerkontrollen einschließlich Chargenkontrollen für Impfstoffe und andere Verpflichtungen nach der Zulassung rechtsverbindlich sind und von den wissenschaftlichen Ausschüssen der EMA kontinuierlich bewertet werden, und dass erforderlichenfalls regulatorische Maßnahmen ergriffen werden können."


Was ist Kimmich und Lafontaine lieber?

Was ist denn beiden Herren also lieber? Ein Impfstoff, welcher nicht überwacht wird und Notfall-mäßig eingesetzt wird oder Impfstoffe, welche alleine in Deutschland über 110 Millionen Mal verabreicht wurden?

Wenn diese Impfstoffe so gefährlich wären, wie viele Querdenker oder Impfskeptiker immer wieder behaupten: Meint ihr nicht, wir hätten dies schon so langsam gemerkt? In Deutschland sind mindestens 55 Millionen Menschen geimpft und dies im überwiegenden Fall ohne große Komplikationen.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehört immer noch ein Schmerz an der Einstichstelle und dies ist bei einer mechanischen Verletzung, also durch die Kanüle, nicht sehr ungewöhnlich. Auch Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, seltener Muskelschmerzen sowie Schüttelfrost und selten Fieber können Nebenwirkungen sein, doch dies tritt bei sehr vielen Impfungen auf und gehört somit zu den normalen und bekannten Nebenwirkungen. Seltene, also auch ernstere Nebenwirkungen treten nur in einem Fall von über 10.000 Geimpften auf.

In Deutschland überwacht das Paul-Ehrlich-Institut die Sicherheit der Impfstoffe.

Zum Schluss Pharmamafia

Den letzten Teil des Postings könnte man glatt im Bereich Pharmamafia einordnen, denn Lafontaine schrieb: "Wir wissen doch alle: Die Pharmaindustrie hat nicht den geringsten Einfluss auf die Zulassung von Medikamenten und die Volksweisheit „Geld regiert die Welt“ ist längst widerlegt - würde ich das Gegenteil behaupten, wäre ich ja ein „Verschwörungstheoretiker“."

Was er dort schreibt, ist ein Teil von vielen Verschwörungserzählungen und Lafontaine weiß sicherlich genau, welche Menschen er mit solchen Aussagen anspricht. Querdenker und Esoteriker führen diese Erzählweise schon lange. Oft bewirbt man in den Kreisen dann auch gerne Homöopathie oder andere "Alternative Medizin". Was diese Kreise nur selbst immer wieder unterschlagen, sind diese selbst, die Pharmaindustrie und setzten jährlich Milliarden von Euro um und erwirtschaften, zumindest in der Homöopathie, einen ordentlichen Gewinn.

Oskar Lafontaine ist schon zu lange in der Politik, um nicht zu wissen, was er tut. Sich selbst im Gespräch halten und Stimmung machen, doch diese alten Tricks können seiner Partei Schaden zufügen. Die Linke wollte eigentlich die Herausgabe der Patente der Impfstoffe, denn so könnten die armen Länder den Impfstoff selbst produzieren. Nur frei nach Oskar Lafontaine wäre es wohl ein Angriff gegen die Menschen dort? Gut, dass sich der Westen nicht für eine Herausgabe entschied, denkt er wohlmöglich. Was wohl seine eigene Partei davon hält?

Also am Ende

Bleibt ein Fußballer ein Spieler und ein Politiker bleibt besser bei der Politik?

Die Linke im Saarland jendenfalls scheint ganz bei dem Anliegen von Oskar Lafontaine zu sein, denn sie äußerten sich folgendermaßen:

"Oskar Lafontaine hat sich klar gegen die öffentliche Verurteilung eines 26-jährigen Sportlers gestellt, der, wie viele andere, derzeit Bedenken vor möglichen Spätfolgen einer Impfung hat und auch daher auf einen herkömmlichen Impfstoff wartet, was sein gutes Recht ist. Dies und die Kritik an einer Impfpflicht durch die Hintertür ist in der Fraktion DIE LINKE im Saarländischen Landtag unstrittig."

Im Saarland scheint sich die Linke eher gegen den wissenschaftlichen Stand zu positionieren und spielt damit wahrscheinlich eher in die Karten der Querdenker. Natürlich darf jeder Mensch warten, auch wenn es sachlich nicht begründet ist. Nur ist es zumindest fahrlässig, wenn ein Politiker das Vertrauen in staatliche Institutionen erschüttern will und dies offenkundig ohne Beweise tut.
Was Kimmich selbst angeht, blies dieser seine Meinung in den Äther und dies tun heute viele Menschen, doch er hat eine gewisse Verantwortung, denn ist er doch ein Vorbild für einige Menschen. Interessent ist auch sein Einsatz für eine Verteilung des Impfstoffes in ärmere Länder. Warum er dort mitmacht, auch wenn er nicht von den Impfstoffen überzeugt ist, dies ist zumindest widersprüchlich.

Lafontaine jedenfalls ist ein alter Hase im politischen Geschäft. Mal schauen, ob die Linke im März eine Quittung bekommt. Verständlich wäre es jedenfalls.

Was wir sicherlich noch gerbauchen können ist mehr Aufklärung, darum meine klare Empfehlung für mailab, Natalie Grams-Nobmann und für Carsten Watzl (Bei Twitter: @maithi_nk, @NatalieGrams, @CarstenWatzl).

Die Linke im Bund wurde auch angefragt hat allerdings noch nicht geantwortet.

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