"Wir können alles. Außer Hochdeutsch" so lautete rund 22 Jahre lang die Imagekampagne vom Bundesland Baden-Württemberg. Diese Imagekampagne wurde jetzt durch "THE LÄND" vom grünen Ministerpräsidenten Kretschmann abgelöst. Und das zu einem sehr stolzen Preis von 21 Millionen Euro. Laut dem Ministerpräsidenten Kretschmann hat sich die baden-württembergische Wirtschaft eine neue Imagekampagne gewünscht. Vor allem Fachkräfte sollen damit angeworben werden, alleine heute hat man schon einen Bedarf von jährlich bis zu 50.000 Fachkräften im Bundesland.

Ein vielseitiges Bundesland mit einer starken Wirtschaft

Baden-Württemberg ist ein vielseitiges Land  mit Großstädten und einer sehr starken Wirtschaft, aber auch mit ländlichen Regionen. Baden-Württemberg ist stark, gerade wenn es um den Export von Waren und Dienstleistungen in die ganze Welt geht. Jeder dritte Arbeitsplatz im Bundesland hängt direkt oder indirekt vom Export ab. Alleine in 2020 wurden über 190 Mrd. Euro über den Export erwirtschaftet. Neben den bekannten Großfirmen von Daimler, Porsche, Bosch, Würth und SAP, gibt es rund 400 hidden champions (Weltmarktführer) in Baden-Württemberg. Ob jetzt diesen Unternehmen und generell der Wirtschaft eine Imagekampagne "THE LÄND" weiterhilft, kann bezweifelt werden. Wenn man der Wirtschaft in Baden-Württemberg weiterhelfen möchte, so ist hier ein anderes Handeln in der Landespolitik gefragt. Zu diesem Handeln gehört zum Beispiel eine flächendeckende Digitalisierung der Verwaltung. Angefangen von der elektronischen Gewerbeanmeldung, bis hin zu anderen Verwaltungsleistungen. Das würde die Wirtschaft bei der Verwaltung entlasten. Ebenso sollte es in Baden-Württemberg flächendeckend schnelles Internet geben. Gerade in den ländlichen Regionen ist oftmals schnelles Internet genauso ein Fremdwort, wie eine funktionierende Mobilfunkversorgung. In die Infrastruktur, hier vor allem in Straßen und in die Schulen muss ebenfalls investiert werden. Alle diese Maßnahmen und Reformen würden der Wirtschaft weiterhelfen.

Politische Reformen braucht das Land

Und wenn es um Fachkräfte geht, so muss man sich hier doch ehrlich machen. Woher sollen die Fachkräfte kommen, aus anderen EU-Staaten? Damit würde man die Herkunftsländer nur schwächen, wenn man von dort Fachkräfte abwirbt. Und so kommt man hier schnell zu den Flüchtlingen, die an den EU-Außengrenzen stehen. Sicherlich wird man nicht immer bei diesen Menschen von Fachkräften reden können, doch wäre dies eine Chance für den Fachkräftebedarf in Baden-Württemberg? Mit dieser Frage sollte man sich mal beschäftigen im Landtag und im Dialog mit der Bevölkerung. Wenngleich sich bei diesem Thema noch viele weitere Fragen anschließen. Angefangen von der Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung, über neuen Wohnraum und der Sicherstellung von Aus- und Weiterbildung, damit man am Ende auch tatsächlich die Fachkräfte hat, die die Wirtschaft benötigt. Schon heute gibt es in den wirtschaftlich starken Regionen in Baden-Württemberg enorme Verdrängungseffekte. Gerade wenn es hier um preiswerten Wohnraum zum Beispiel geht. Auf die baden-württembergische Landesregierung wartet viel Arbeit, wenn der Wohlstand erhalten werden soll. Doch ein Aufbruch zu Reformen ist nicht erkennbar, stattdessen verschwendet man lieber 21 Millionen Euro für eine Imagekampagne, die das Land nicht braucht.

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