Aktuell möchte ich Ihnen ein interessantes  Buch des Schriftstellers Achim Elfers empfehlen. Es trägt den Titel:  „Auf der Suche nach der verlorenen Sprache“. Es lohnt sich, einmal in  die Tiefe unserer deutschen Sptrache einzutauchen, um wahrzunehmen, über  welchen großen Schatz wir verfügen. Um so erstaunlicher ist es, mit  welcher Leichtfertigkeit wir mit dieser Sprache umgehen und gar nicht  bemerken, wie schleichend durch eine regelrechte Verschwörung, unsere  Identität gestohlen wird.

Mit  großer Neugier begann ich, den Roman “Auf der Suche nach der verlorenen  Sprache” des Schriftstellers Achim Elfers zu lesen. Das Buch erschien  2025 im Verlag Ch. Möllmann. Bereits das Coverbild mit der Statue eines  gelehrten, nachdenklichen Philosophen weist darauf hin, dass es sich  hier offensichtlich nicht um einen der vielen Kriminalromane handelt,  die man einmal liest und dann nie wieder in die Hand nimmt.

Die  Geschichte, die die Säule des gesamten Werkes darstellt, ist schnell zu  erzählen. Der Polizei wird von dem Bewohner eines großen Hauses  angezeigt, dass ein Einbruch erfolgte und der Wohnungseigentümer  niedergeschlagen worden ist. Der Ermittler der Kripo, ein Herr Stillwasser,  findet keine Einbruchsspuren. Die Ehefrau teilt dem Ermittler mit, dass  sie nichts bemerkt hat, was gestohlen sein könnte. Der  Niedergeschlagene wird ins Krankenhaus gebracht. Im Rahmen der  Ermittlungen des Kriminalbeamten Stillwasser  wird diesem deutlich, dass es sich um einen untypischen Kriminalfall  handelt. Zusammen mit einem Dichter, Ulrich Moormann, der dem Kriminalisten bei der weiteren Untersuchung des Falles hilft, bemerkt Stillwasser,  dass es um eine besondere gepflegte Sprache geht, der sich Dichter und  Denker bedienen. Es entwickelt sich immer mehr eine sprachphilosophische  Spurensuche, wobei der Verdacht immer mehr in den Vordergrund rückt,  dass eine Verschwörung vorliegt, die darauf hinwirkt, den sprachlichen  Schatz der Menschen zu entwerten. Was hier gestohlen wurde, ist kein irdischer Schatz, sondern der Schatz der Sprache.

Die Hauptfiguren des Romans, der Dichter Ulrich Moormann, dessen Sohn Gert und der Kriminalist Stillwasser,  eröffnen einen breiten sprachwissenschaftlichen, philosophischen und  theologischen Rahmen, der deutlich macht, dass die Sprache mehr ist als  nur ein Benennen von Dingen. Sprache ist der Ausdruck unseres Lebens,  denn durch Sprache erleben wir erst, dass wir leben. Der Autor verweist  auf Heidegger, der in dem Brief über den Humanismus (1947) drei Merkmale  nannte, die das Sein des Menschen ausmachen: Dies sind die Sprache, das  Sein und das Wohnen. Was den Menschen und dies nicht nur in dem  vorliegenden Roman, gestohlen wird, ist das Haus des Seins und das ist  die Sprache des Menschen. Der Dichter Moormann stellt im Roman fest,  Sprache ist unser Aller. Wenn sie einem gestohlen wird, dann wird sie  uns allen gestohlen.

Der Roman ist eigentlich ein Werk, das aus drei Ebenen besteht: Da ist der Kriminalroman, der lediglich den Rahmen darstellt  und darauf hinweisen soll, dass analytische Ermittlungsarbeit und  poetische Wahrnehmung sich einander bedingen. Die zweite Ebene des Romans ist eine sprachwissenschaftliche Abhandlung über dasjenige,  was durch Worte zum Ausdruck gebracht wird, wobei gezeigt wird, wie sehr  die meisten Menschen reden, ohne überhaupt zu bemerken, was sie  wirklich sagen. Die dritte Ebene ist eine theologische Erörterung, die eng mit der Suche des Menschen  zusammenhängt, was unter dem Sein zu verstehen ist, von dem Heidegger  sagt, dass es kein Ding ist, sondern die Ermöglichung jeder Bedeutung.  Um es umgangssprachlich auszudrücken, es geht um die Frage, was ist unser Leben und was bleibt davon.

Der  Roman weist auf aktuelle Fragen unserer heutigen Gesellschaft hin. Wenn  Sprache das Haus unseres Lebens ist, dann ist es unverantwortlich, wie  wir aktuell mit unserer Sprache umgehen. Es ist auch gefährlich, wenn  wir unsere Sprache verwenden, ohne uns über den Sinn und die  tatsächlichen Aussagen der Sprache bewusst machen. Zu leicht werden  Dinge ausgesprochen, deren Bedeutung dem Sprecher nicht bekannt sind und  der nicht bemerkt, welchen Schaden er mit dem Gesprochenen anrichten  kann.

Den  Roman sollte man jedem empfehlen, der sich einmal mit dem Hintergrund  seiner Sprache und der Macht, die man mit dieser Sprache ausüben kann,  intensiv befassen möchte. Er sollte eine Pflichtlektüre für Politiker  sein, damit diese erkennen, was sie mit einer Sprache, die sie im  übertragenen Sinne gar nicht beherrschen, für einen Schaden anrichten  können.

Der Roman wäre aber auch ein hervorragendes Thema für eine Abiturprüfung. Am Beispiel der Romanfiguren lassen sich  gesellschaftliche, sprachliche, philosophische und religiöse Fragen  analysieren und interpretieren.

Den Roman kann man jedem empfehlen, der es ablehnt, nicht mehr denken zu dürfen.

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