Es war ein kurzer, aber unsäglicher Beitrag, den Herr Hirschhausen über den WDR abgeliefert hat. Nach all den mühsamen kleinen Trippelschritten der Aufklärung hat ein Beitrag von Hirschhausen, den ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung zum medizinischen Fachmann verklärt, eine verheerende Wirkung.
Dabei sind es nicht nur Lobbyvereine wie der "Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte" mit ihrer clownesken Frau Geiger als Frontfrau, denen Hirschhausen mit seinen dummen und inkompetenten Worten "Schulmediziner sollten doch abgucken", Wasser auf die Mühlen kippte - die wahren Profiteure von lebensgefährdender Relativierung freuen sich im Stillen. Es sind die Großkonzerne.

Seine Nähe zur Industrie lässt sich nicht verheelen

Firmen wie z.B. Heel, dessen Besitzer (Stefan Quandt) nach Hirschhausens Einlassungen wieder eine Großpackung Werbezeit im Slot von 19.55 Uhr gebucht haben dürften. Prime-Time für dubiose "homöopathische Komplexmittel" wie "Neurexan" und "Vertigo-Heel". Mittel, die durch eine (beabsichtigte?) Lücke in der deutschen Gesundheitsgesetzgebung keinerlei Wirkungsnachweise erbringen brauchen und, unter Nennung von Krankheitsbildern ("Indikationen") sogar ungeniert werben dürfen. Vergleichbar höchstens mit einem noch zu erschaffenden Sonderparagraphen in der Straßenverkehrsordnung, der es ermöglicht fliegende Teppiche unters Volk zu
bringen.

Schweigen kann die grausamste Lüge sein

Hirschhausen kennt die Diskussionen um gefährliche "Homöopathie". Er weiß, dass es Menschen gibt, die sich in der Hoffnung auf Heilung ihrer schweren Erkrankung an Strohhalme klammern. Er weiß, dass sich gutgläubige Eltern von empathischen Heil Praktikern sinnbefreite, aber manchmal gefährliche "homöopathische Komplexmittel" aufschwatzen lassen. Er weiß, dass Tiere mit "Homöopathie" gequält werden, dass anstatt Schmerzmittel Zuckerkugeln gegeben werden, dass Euterentzündungen mit inhaltsleerem, lateinisch etikettiertem Irrsinn anstatt mit Antibiotika "bekämpft" werden. Er weiß, dass unzählige tragische, tödlich ausgehende Fälle dokumentiert worden sind, in denen Menschen den Zugang zum therapeutischen Zeitfenster nur deshalb verpassen, weil sie sich zu lange von verlogenen"Alternativen" aufhalten ließen.

Den Zeitpunkt zu verpassen kann tödlich sein

Da werden kleine, gut therapierbare Fälle von weißem Hautkrebs ("Basaliome") besprochen, bepinselt, bezuckert und mit farbigen Pflastern beklebt. Solange bis aus dem kleinen, gut behandelbaren Basaliömchen ein "Ulcus terebrans" entstanden ist. Ein Monster, das nur dann an der Türe klingelt, wenn man sich lange genug in inkompetente Hände von Schwurblern begeben hat. Das alles weiß Hirschhausen nur zu gut. Deshalb aber warnen vor gefährlicher "Homöopathie"? Das könnte nicht nur Leser seiner (von der Buchkritik regelmäßig verrissenen) Bücher kosten, sondern - und das wäre viel gravierender - dem ÖRR Werbekundschaft abspenstig machen.

Partygeschwafel statt Aufklärung über Kindesmisshandlung, Tierquälerei und €soterischer Verblödung

Soll er weiterhin seinen Kotau vor dem "Homöopathisch-industriellen Komplex" machen - er ist seinem Gewissen verpflichtet - ich werde ihn nicht ändern. Was ich ihm allerdings krumm nehme, ist, das nach den Erfahrungen von der "Erstürmung" des Bundestages durch eine Heil Praktikerin jedem Deppen klar sein dürfte, dass "Homöopathie" eine der wichtigsten Hauptstützen brauner Gesundheitsideologie darstellt und dass wir in unseren Zeiten nichts mehr benötigen als eine glasklare Abgrenzung von demokratiezersetzender €soterik.

Auch Schwurbelwürstchen Hirschhausen wird das eines Tages verstehen müssen.