Das Meer vergisst nicht, aber es schweigt gut.

Es war die Art von Stille, die nicht leer ist, sondern prallvoll mit dem, was ungesagt blieb. Elias stand an der Klippe, wo der Wind an seinem Mantel riss und das Salz auf seinen Lippen wie eine ferne Erinnerung schmeckte. Vor ihm erstreckte sich das Meer, ein unruhiges, dunkles Tuch, das heute besonders heftig gegen die Felsen schlug.

Das Aufbrausen der Welt

Elias schloss die Augen. Seine Gedanken waren wie die Wellen vor ihm: Sie rollten an, türmten sich hoch auf und brachen in weißem Schaum, nur um sofort wieder in die Tiefe gezogen zu werden. Es war eine Geschichte, die schon vor Generationen begonnen hatte – eine Legende über diesen Ort, den die Fischer nur „das verwunschene Riff“ nannten.

Man sagte, wer dort sein Herz verlor, fände es niemals in der Welt der Lebenden wieder.

Der Sturm: Er kam ohne Vorwarnung, genau wie die Erinnerung an sie. Ein plötzliches Aufbrausen der Elemente, das den Himmel in ein schmutziges Violett tauchte.

Das Lächeln: Mitten im tosenden Grau sah er es vor sich. Ein kurzes Aufblitzen, ein Lächeln, das heller war als jeder Leuchtturm, aber so flüchtig wie Gischt.

Die Liebe: Sie war kein sanfter Hafen gewesen, sondern diese Urgewalt, die alles mit sich riss.

Tränen im Regen

Als der Sturm seinen Höhepunkt erreichte, mischten sich die Tränen auf seinem Gesicht mit dem peitschenden Regen. Man konnte sie nicht unterscheiden, und vielleicht war das der einzige Trost, den dieser Ort bot: Hier durfte alles fließen, ohne dass es jemand sah.

Er flüsterte ihren Namen in den Wind. Es gab keine Antwort, nur das rhythmische Donnern der Brandung. Doch in der Tiefe seines Herzens wusste er, dass die Stille, die danach folgen würde, nicht mehr dieselbe war wie zuvor. Sie war nun ein Teil der Legende geworden.