Die Bundestagswahl ist gelaufen und im politischen Berlin ist mal wieder der Panikmodus aktiviert. SPD, Grüne und FDP feiern sich als große Wahlsieger, die Linkspartei redet von sozialen Problemen und die CDU überlegt gerade, ob sie den politischen Mord an Armin Laschet begehen soll oder nicht. Schließlich gibt es für die CDU immer noch eine Option auf eine Regierung, sollten FDP und Grüne mit an Bord gehen. Und damit hat die CDU die gleichen Chancen wie die SPD auf die Führung der nächsten Bundesregierung.

Schmidt, Brandt und Kohl

Ich persönlich kann über das politische Berlin nur verwundert die Augen reiben. Meine Empfehlung an CDU und SPD: Bitte ganz schnell alle Bilder von Helmut Schmidt, Willy Brandt und Helmut Kohl in den Parteizentralen abhängen. Wäre diese Politiker-Generation ähnliche Weicheier wie die heutigen Politiker, hätten Schmidt, Brandt und Kohl das Bundeskanzleramt höchstens am Tag der offenen Tür, mal von Innen sehen dürfen. Wenn ich aktuell von CDU-Politiker höre, man müsse aufgrund vom Wahlergebnis demütig sein, so ist das Unsinn. Genauso ist es aber Unsinn, wenn die SPD aufgrund von nicht mal zwei Prozent mehr, einen ausschließlich für sie gültigen Regierungsauftrag sieht. Hier sollte man sich vielleicht mal erinnern, wie das nochmal mit dem SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt und der Bundestagswahl 1976 war. Die SPD hat diese Wahl mit 42.6 Prozent gegenüber der CDU mit 48.6 Prozent deutlich verloren. Doch Bundeskanzler Schmidt und Brandt konnten, anders als Kanzlerkandidat Helmut Kohl (CDU) eine Koalition mit der FDP bilden. Man stelle sich mal vor, Helmut Kohl hätte sich so verhalten, wie die CDU-Politiker von heute? Wo jeder Politiker sich sofort in gespielter Demut vom Acker macht, weil er eine Wahl nicht gewonnen hat. Einen Bundeskanzler Helmut Kohl hätte es wohl nie gegeben. Sicherlich wird so mancher den Einwand erheben, es war eine andere Zeit. Doch war die wirklich so anders?

Die Welt hatte damals Probleme, sie hat heute Probleme. Wenn was anders ist, dann die Hysterie in der heutigen Gesellschaft. Jedes Thema wird heute mit einer Aufgeregtheit, mit einer Empörung diskutiert, die mittlerweile nur noch unerträglich ist. Ein kurzer Tweet reicht heute für einen Politiker schon aus, der einen das Amt kosten kann. Seit dem Wahlabend wurde die Bevölkerung in Deutschland wieder mit unzähligen Umfragen konfrontiert, so zum Beispiel warum Armin Laschet kein Bundeskanzler werden kann und jetzt den Weg frei machen muss. Im Übrigen kann man nicht nur auf Schmidt, Brandt und Kohl verweisen, sondern auch auf den ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Bundespräsidenten Christian Wulff. Sowohl 1994, als auch 1998 erzielte er bei den Landtagswahlen als Ministerpräsidenten-Kandidat, jeweils historisch schlechte Ergebnisse. Erst 2003 konnte er sich erfolgreich bei der Landtagswahl durchsetzen und wurde zum Ministerpräsidenten gewählt. Auch hier wieder, man stelle sich vor, Christian Wulff wäre ein CDU-Politiker von heute? Bereits 1994 wäre seine politische Karriere beendet gewesen.

Armin Laschet hat Recht!

Gerade aus diesen Gründen hat Armin Laschet auch in jedem Punkt Recht, wenn er bei seinem Anspruch auf die Bundeskanzlerschaft bleibt. Hier sollte er sich von den CDU-Weicheiern und der empörten Presse nicht vom Kurs abbringen lassen. Kurs halten muss es jetzt heißen und kämpfen. In der Niederlage macht man sich nicht vom Acker, man steht auf, richtet die Krone und kämpft weiter!

Und sollte es nicht zum Bundeskanzler in Ermangelung einer Koalition reichen, ist das nicht der politische Untergang. Dann muss man um die Macht des Fraktionsvorsitzes kämpfen, in die Opposition gehen und in vier Jahren einen neuen Anlauf nehmen. Doch höchstwahrscheinlich wird Armin Laschet dem Druck nicht standhalten.  Mit der heutigen Politiker-Generation die beim kleinsten Sturm schon umfällt, kann einem um das Land Angst und Bange werden. Deutschland braucht wieder mehr Politiker von Format, mit Ecken und Kanten und keine politischen Weicheier.

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