"Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks."

Meine Geschichte handelt von der Ernährung, vom Essen, vom Kochen und von dem Arbeitsplatz, der Küche. Von nicht mehr, aber auch von nicht weniger. Wenn ich jetzt mit dem letzten Punkt, dem Arbeitsplatz meine Erzählung beginne, hat das für mich eine besondere Bedeutung.
Der Arbeitsplatz der Köchin ist die eigene Küche, es ist ihr Reich. Das Küchenreich. Wie Escoffier es ausdrückte, ist eine gute Küche das Fundament allen Glücks. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er damit den Arbeitsplatz Küche gemeint hat, oder Küche eher in dem Sinne gutes Essen ist die Grundlage glücklichen Lebens. Denn der Volksmund sagt ja nicht umsonst, dass die Liebe durch den Magen geht.


Doch zurück zur Küche als Arbeitsplatz. Meine Küche ist überhaupt keine besondere Küche, sie ist weder besonders groß, noch ist sie mit besonderen technischen Geräten ausgestattet oder extravaganten Funktionen bestückt. Sie ist schlicht, einfach und praktisch. Und sie ist mein Küchenreich. Ein Reich von 5 mal 3 Meter, in dem meine Regeln gelten. Vor allem gilt in diesem Reich meine Ordnung, also meine Anordnung der Dinge, die ich benötige, um zu kochen. Die Ordnung versteht niemand außer mir selbst; es ergibt auch keinen Sinn, diese Ordnung jemandem zu erklären. Denn sie folgt so unmittelbar meinen Arbeitsabläufen und ist Teil meiner Gewohnheiten.
In diesem Reich bin ich die Herrscherin, das genügt. Das ist Erklärung genug.
Meine Küche hat allerdings doch eine besondere Eigenart. Das ist ihre Lage. Sie ist komplett offen zu den angrenzenden Bereichen, in denen man isst und wohnt. Es gibt keine offenkundige Grenze, die mein Reich deutlich von den anderen Räumen trennt. Beispielsweise durch Wände mit Türen, die man zu machen kann. Mein Reich ist offen, total offen!


Wie jedes Territorium wird natürlich auch mein Reich von außen manchmal ohne meine ausdrückliche Erlaubnis betreten, was insbesondere bei derart offenen Grenzen geradezu natürlich ist in einer funktionierenden Gemeinschaft, die gemeinhin unter dem Begriff Familie bekannt ist. Diese Grenzübertritte sind auch manchmal verbunden mit unsachgemäßen Fragen nach meiner Arbeit, mit ungebetenen Vorschläge, wie man, also ich, Dinge besser machen könnte, oder einfach mit dem frevelhaften Versuch, unfertige Produkte schon mal zu stibitzen. Solche Regelverstöße führen manchmal zu kleineren Grenzkonflikten. Doch diese Nachteile einer offenen Einbindung in die benachbarten Lebensbereiche werden mehr als ausgeglichen durch die Vorteile eines lebendigen Meinungsaustauschs und eines offenen Miteinanders, was nicht mehr und nicht weniger aussagt, als dass ich ziemlich neugierig bin. Eine abgeschottete Küche als Arbeitsplatz könnte ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen, da ich lange Tage dort verbringe, um den Ansprüchen meines kleinen Volksstammes gerecht werden zu können.


Kochen mochte ich eigentlich schon immer gerne. Auch habe ich früh gelernt, dass ich nicht alle Speisen, die traditionell in der Familie gegessen werden, besonders gut vertrage. Beispielsweise erinnere ich mich gut daran, dass ich von jeher Milchprodukte und Fleisch nicht besonders gern mochte. Dies machte es in einer von schlesisch-böhmischer Küche geprägten Familie nicht immer ganz einfach.
Allerdings hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal umständehalber Tage um Tage in meiner Küche verbringen sollte; und ich zu einer Expertin für gesunde Ernährung werden würde.
Von diesen Tagen als Köchin, von meinem Selbststudium über Ernährung und Essen, von den Versuchen und Irrtümern auf diesem so wichtigen Bereich unseres Lebens will ich also zukünftig berichten. Schön wäre es, wenn dadurch ein Blick auf das „Fundament unseres Glücks“ gelingt.

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