Der US-Milliardär Elon Musk positioniert sich in der Regel als Philanthrop und Weltverbesserer. Seine Ziele seien rein zivil und seine Finanzierung komplett unabhängig, so die Selbstdarstellung. Die Realität sieht derweil anders aus.

Insbesondere sein Weltraumunternehmen SpaceX, mit vollem Namen eigentlich Space Exploration Technologies Corporation, kooperiert eng mit dem US-amerikanischen Verteidigungsministerium und lässt sich vom Pentagon in verschiedene Projekte einbinden, einige von denen klar militärischer Natur sind.

SpaceX in Militärprojekte des Pentagons eingespannt

Musks SpaceX ist vor allem für grandiose Weltraumprojekte bekannt, die die zivile Weltraumerkundung für die Menschheit vorantreiben sollen. Dazu gehört etwa die Entwicklung von wiederverwendbaren Raketen und neuartigen Astronautenkapseln sowie das Starlink-Projekt – Tausende Kleinsatelliten, die mittelfristig den gesamten Planeten mit Internet versorgen sollen.

Diese (zweifelsohne grandiosen) Projekte von Elon Musk bilden jedoch nur die eine Seite von all den Unterfangen ab, die der Milliardär vorantreibt.

So erhielt die Space Exploration Technologies Corporation am 5. Oktober einen Auftrag über 149 Millionen US-Dollar für die Einbindung in ein neues Raketenwarnsystem des Pentagons.

Dies ist der erste Regierungsauftrag für das Unternehmen zum Bau von Militärsatelliten. Dabei soll die Infrastruktur vom Starlink-Projekt in Interessen des US-Militärs genutzt werden.

Was SpaceX für das Pentagon konkret herstellen soll

Konkret soll SpaceX ab nun im Rahmen des SDA-Vertrags (Space Development Agency) auf einem seiner Starlink-Montagewerke Militärsatelliten mit Raketenverfolgungssensoren herstellen.

Zunächst sollen es nur vier solcher Raketenverfolgungssatelliten werden, allein dieser Auftrag brachte SpaceX allerdings schon 149 Mio. USD ein.

Sollte das Projekt Erfolg haben, ist davon auszugehen, dass weitere Aufträge folgen werden.

Die Idee ist dabei klar und erscheint aus rein technischer Sicht absolut logisch. Wenn Musk schon ein weltumspannendes Netzwerk aus Internet-Satelliten aufbaut, dann wird er auch in der Lage sein, sich an einem Netzwerk aus Militärsatelliten zu beteiligen.

Grafiken, die hierzu verbreitet werden, zeigen offen, welche Vorteile solch ein System hätte. Sowohl klassische ballistische Raketen als auch moderne manöverfähige Hyperschallgleiter könnten problemlos entlang ihrer gesamten Flugroute verfolgt werden, unabhängig davon, ob sie Höhe, Flugrichtung, Geschwindigkeit etc. ändern oder nicht.

"Die Satelliten werden in der Lage sein, Verfolgungsdaten für Hyperschallgleitfahrzeuge und die nächste Generation fortschrittlicher Raketenbedrohungen zu liefern", erklärte hierzu Derek Tournear, der Direktor der Space Development Agency.

Die erste Lieferung soll insgesamt 28 SDA-Satelliten umfassen: 20 "Transport-Layer"-Satelliten und 8 "Tracking-Layer"-Satelliten, vier davon von SpaceX, die anderen vier von L3Harris Technologies.

Laut Tournear können L3Harris and SpaceX ihre jeweils vier „Tracking-Layer“-Satelliten nach eigenem Design bauen, müssen aber die Kriterien der SDA erfüllen. Dazu gehört die Fähigkeit, Raketen zu verfolgen sowie mit anderen Satelliten in der Umlaufbahn über eine Laserverbindung zu kommunizieren.

"Wir nennen es "Tracking“, weil es sich um Raketenverfolgung handelt. Es gewährleistet also die Erkennung, Verfolgung und Feuerkontrolle über Hyperschallgleitfahrzeuge, ballistische Raketen ... jede dieser Arten von Bedrohungen", so Tournear.

Funktionsweise des Projektes

Grob beschrieben sollen im Rahmen dieses Projektes mehrere „Schichten“ (Layer) von Satelliten in der Umlaufbahn schweben.

Die Tracking-Satelliten werden eine lückenlose Überwachung gewährleisten, sodass jede Art von Raketen und Flugkörpern rund um den Globus erkannt werden kann.

Entdecken die „Tracking-Layer“-Satelliten solch eine Bedrohung schicken sie die Daten weiter an „Transport-Layer“-Satelliten.

Diese „Transport-Layer“-Satelliten seien dabei „das Rückgrat der National Defense Space Architecture (NDSA)“, sagt Tournear.

Die Aufträge dafür gingen zuvor an Lockheed Martin and York Space Systems.

„Sie nehmen Daten von mehreren Trackingsystemen auf, verschmelzen diese und können eine Sofortlösung berechnen. Anschließend können sie diese Daten über eine taktische Datenverbindung oder auf eine andere Weise direkt an eine Waffenplattform senden.”

Wie es mit dem SDA-Projekt weitergehen soll

Mit der ersten Satellitenlieferung soll bis in das Jahr 2022 zunächst „nur“ experimentiert werden, um „herauszufinden, wie man das in die Einsatzpläne für den Kampf aufnehmen kann.“

Ab 2024 sollen schon Hunderte „Transport-Layer“-Satelliten und Dutzende „Tracking-Layer“-Satelliten in ihre Umlaufbahnen gebracht werden.

Bis 2026 wird damit gerechnet, dass die SDA bereits eine weltweite Abdeckung gewährleistet. Nach Bedarf sollen dann „alle zwei Jahre kontinuierlich mehr Satelliten mit neuen Fähigkeiten“ gestartet werden, um ältere Modelle zu ergänzen oder zu ersetzen.

Fazit

Trotz der regelmäßigen Behauptungen, dass SpaceX ein rein ziviles Unternehmen sei, wurde bereits von Beginn an damit gerechnet, dass es seine Projekt ab einem bestimmten Moment immer weiter militarisieren bzw. seine Kapazitäten dem US-Militär zur Verfügung stellen wird.

Nicht zuletzt hatte SpaceX bereits gemeinsame Übungen mit der US-Luftwaffe durchgeführt. Der Millionenauftrag für ein Raketenverfolgungssystem des Pentagons ist nun die erste offizielle Bestätigung, dass sich das Unternehmen von Musk in die Militärprojekte Washingtons einspannen lässt.

Die früheren Behauptungen über die rein zivile Ausrichtung können somit endgültig als passé betrachtet werden.

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