Ich war zweimal in Behandlung nach dem Suizid meines Vaters. Mit den Ärzten war ich zufrieden, nur nicht mit dem Behandlungsablauf.

Ich kam Mittwochs in die Station und wollte sofort in die Visite. Das ließ man nicht zu, ich sollte erst eine Woche später dahin. Das heißt, ich sollte eine Woche ohne Therapieplan sein. Also eine Woche auch, da man nicht wusste, was mir fehlte. Auch mit dem Essen bin ich sehr unzufrieden gewesen, sowie mit der Hygiene meiner Mitpatienten. Es muss differenziert werden, wie krank man ist und ob man dann so wie ich, der depressiv war, in eine Suchtstation muss. Auch wird immer gleich mit den Tabletten fantasiert und probiert. Ich sagte zu einem Arzt, ich nehme Valproat und der sagte dann, man kann mal Ergenyl oder Orfiril nehmen. Das ist alles dasselbe. Auch bekam ich von meinem Neurologen Maprotilin. Die Ärzte wussten gar nicht, was das genau ist! Maprotilin ist ein Tetrazyklisches Antidepressiva, etwas älter! Im Krankenhaus wollte ich auch oft mit der jungen Ärztin sprechen... Sie hatte keine Zeit. Im Prinzip brachte das Krankenhaus überhaupt nichts. In der ambulanten Therapie gehe ich zu einem Arzt, der wie ein Freund für mich ist und auch ihm habe ich die Missstände genannt. Ich war auch in einer anderen Klinik. Da war wenigstens das Essen etwas. Wenn man wissen will, was da am meisten gemacht wird: Zigaretten rauchen... Es gibt Patienten, die stehen gar nicht auf und behindern andere. Alle Dinge, die ich an Therapie machte, hab ich freiwillig gemacht. Kunsttherapie, Ergotherapie. Die anderen Patienten drücken sich. Ein Nachbar von mir brachte sich aufgrund von Depressionen um. Er war in der Klinik.... Die Ärzte entließen ihn. Zwei Tage später war er tot... Ich werde da nicht mehr hingehen... Zigaretten kann ich zu Hause auch rauchen....

Herzlichst,

U. Kraus

Bild: V. Gniffke - Kunstgeragogin und Kunsthistorikerin, Passau

Dir gefällt, was Uwe Kraus schreibt?

Dann unterstütze Uwe Kraus jetzt direkt: