Die Serie „Vermischtes“ stellt eine Ansammlung von Fundstücken aus dem Netz dar, die ich subjektiv für interessant befunden habe. Sie werden mit einem Zitat aus dem Text angeteasert, das ich für meine folgenden Bemerkungen dazu für repräsentativ halte. Um meine Kommentare nachvollziehen zu können, ist meist die vorherige Lektüre des verlinkten Artikels erforderlich; ich fasse die Quelltexte nicht noch einmal zusammen. Für den Bezug in den Kommentaren sind die einzelnen Teile durchnummeriert; bitte zwecks der Übersichtlichkeit daran halten.
1) Government should fail more

We all benefit when we're willing to invest in these moonshots. One winning breakthrough, whether it's the Starship rocket, DeepMind's protein folding analysis that could spring forward our understanding of biology, or the mRNA vaccine platform curbing COVID-19, pays dividends that far outweigh the failures. An mRNA vaccine for malaria has already shown promising test results — a potential solution to a disease that kills more than 400,000 people globally per year. [...] It's nearly impossible for politicians today to take chances and revise as they learn. Partisan obstruction forces meaningful laws to be passed in unwieldy omnibuses, often with contrived budgeting to take advantage of the reconciliation path around Senate filibusters. Instead of seeing policies launched, tested, and repealed, politicians work to pass laws without legislating, delegating to rule-making bodies and regulatory agencies that don't face the same bottlenecks or scrutiny as Congress. Meanwhile, any misstep or edge case for policy is sure to dominate partisan news coverage — problems are "newsy" while things running smoothly are not. Politicians who watched media breathlessly cover the rare cases of vaccinated people getting COVID know their own setbacks will be covered mercilessly. The price of success is failure. Even when I favor a policy or party, I don't expect them to get things right 100 percent of the time. I want to see obstructionist disarmament, so that citizens get to experience the policies they voted for and judge politicians accordingly. I want to see politicians point to both their successes and their failures and be able to learn from both. I'd rather see 10 plausible ideas tried and nine discarded than endless gridlock and excuses. Implementing policy isn't as thrilling as watching a rocket launch, but both are moments of uncertain promise. Our politics will be healthier if we admit the risk alongside the benefit. (Leah Lebresco Seargeant, The Week)

Ich habe hier im Blog schon öfter in diese Richtung diskutiert. Ich würde mir wünschen, dass es da auf der einen Seite mehr Mut gibt, neue Dinge auszuprobieren. Auf der anderen Seite gehört da dann aber auch eine offene Fehlerkultur, von allen Seiten. Denn produktives Scheitern geht nur dann, wenn man es eingesteht und aus dem Scheitern dann auch lernt. Das betrifft vier Seiten: Einmal die Bürokratie selbst, die nicht die eigenen Fehler vertuschen darf. Dann die Politik, die eine gewisse Verantwortung in der Instrumentalisierung dieser Fehler bewahren muss. Dann die Medien, die entsprechend sachlich berichten. Und zuletzt die Wählenden, die in der Lage sind, das zu bewerten. Im Endeffekt ist das ein neues Verhalten, das gelernt werden muss. Wenn man sich anschaut, wie wenige Unternehmen dazu in der Lage sind, und in diesen Mix Dynamiken demokratischer Verantwortlichkeit einbezieht wird deutlich, wie groß diese Herausforderung ist.

2) Democrats are fiddling while Republicans prepare to burn down Rome

Yet many Democrats are bizarrely blasé about the dire threat both their party and their country is facing. Senate moderates Krysten Sinema of Arizona and Joe Manchin of West Virginia have thus far refused to abolish or reform the Senate filibuster, which will be a necessity for passing any voting rights protections that would allow for fair elections. Many others are queasy about the tax hikes packaged with Biden's infrastructure and welfare plans, which are vital for protecting Democrats' majority but harmful to their donor class. These moderates' timidity and corruption might well spell the end of the American republic. [...] It simply beggars belief to think these Democrats are earnestly concerned that modestly hiking taxes on corporations and ultra-wealthy heirs, or axing the filibuster, will doom their re-election campaigns. The only thing that could possibly explain why so many Democrats are dead-set on repealing Trump's cap on state and local tax deductions, 56 percent of the benefits of which will flow to the top one percent, is corruption. They are listening to rich donors and lobbyists, and/or keeping one eye on their future career prospects. Voting to raise taxes will infuriate the wealthy and well-connected, and cushy post-office buckraking careers doing consulting or speeches will not be forthcoming for lawmakers who do not toe the oligarch line. (Ryan Cooper, The Week)

Das Problem ist weniger "many Democrats" als vielmehr zwei von ihnen: Joe Manchin und Kyrsten Sinema. Auch wenn es aus irgendeinem Grund schwer zu verstehen scheint, keine noch so große Entschlossenheit seitens "der Democrats", Joe Biden oder sonstwem spielt auch nur die geringste Rolle. Im Senat braucht es 50 Stimmen, um irgendetwas durchzubringen. Das bedeutet, dass alles, was nicht Manchins oder Sinemas Zustimmung findet, nicht passieren wird. Simple as that.

Aber diese Erkenntnis dringt einfach nicht durch. Es ist dieselbe kirre machende Logik wie unter Obama. Getreu der Green-Lantern-Theorie wurde stets so getan, als müsse Obama nur irgendetwas tun, irgendetwas sagen, um Mitch McConnell zur Zusammenarbeit bewegen. Das war immer Quatsch. Und es ist auch für Joe Biden oder "the Democrats" Quatsch. Nichts was die tun, kann Manchin oder Sinema kratzen. Vor allem Manchin nicht. Der Mann vertritt West Virginia. Er kandidiert nicht noch einmal. Er kann tun und lassen, was er will. Kein noch so großes Bewusstsein für die Gefahr durch die GOP seitens der Partei wird da irgendetwas dran ändern.

3) Normalize part-time work for parents

But I don't think all of this sufficiently explains why there's such a universal rejection of the double part-time household. Some significant part of it, I suspect, is how difficult this arrangement is to achieve in our economy as it's currently structured. Working part-time means many jobs (and the promotions and careers to which they contribute) become wholly unavailable to you. This is especially true of professional-managerial and other white-collar work. Unless you own a business, you have to commit fulltime. There aren't really part-time executives or web developers or mortgage officers. Stereotypical working-class jobs like factory and trade work also tend to be fulltime. Low-paying service jobs are an obvious exception here, and some health-care workers and first responders have condensed shifts that approximate a part-time schedule, but 40 hours spread over five days is the standard deal. [...] Without these impediments — if more jobs could be done part-time, and if we somehow decoupled benefits from employment — would the double part-time household be more popular? I think it would. Given a real, financially viable option, lots of moms and dads might choose to work less and hang out with their children more, particularly in the pre-school years. That's not about gender roles; it's about parents liking rest and their kids. (Bonnie Kristan, The Week)

Der Kult der Vollzeitstelle und Dauerpräsenz im Betrieb ist tatsächlich ein großes Problem, was die Möglichkeiten und Chancen der Eltern angeht. Weil, oft mit stolzgeschwellter Brust, jede Position mit höherer Verantwortung dadurch gerechtfertigt wird, dass man länger anwesend ist als der Rest der jeweiligen Abteilung - auch, wenn dem weder Arbeit noch Produktivität gegenüberstehen - reproduzieren sich diese Verhaltensmuster permanent. Anwesenheit ist ein so deutlich sichtbarer, so leicht vergleichbarer und objektivierbarer Marker, dass die Versuchung, ihn zur Messung zu nutzen, unwiderstehlich ist. Das ist dumm und bringt die Wirtschaft wie auch den Öffentlichen Dienst um zahlreiche Talente und potenzielle Gewinne, aber Menschen sind Gewohnheitstiere, und einmal erworbene toxische Verhaltensweisen sind schwer abzutrainieren.

4) „Die Straße war mal für Kinder“ (Interview mit Dirk Schneidemesser)

taz: Herr Schneidemesser, Sie sagen, Sprache hält die Mobilitätswende auf. Wieso?

Dirk Schneidemesser: Die Sprache spiegelt die Einstellung zum öffentlichen Raum und zum Auto wider. Wir haben seit fast einem Jahrhundert über die Sprache die Daseinsberechtigung des Autos verinnerlicht und tief in uns verankert. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Straße ein Ort, wo Kinder gespielt haben, wo man seinen Nachbarn begegnet ist, wo man auch Handel getrieben hat. Es gab Verkehr, aber das war eine von vielen Aktivitäten. Heutzutage haben wir die Vorstellung, die Straße ist da für einen einzigen Zweck, und das ist sogar verankert in unserer Gesetzgebung: den motorisierten Verkehr.

Die Straße ist also ausschließlich fürs Auto da?

Genau. Wenn man in die Geschichtsbücher schaut, ist es dazu durch eine konzertierte Aktion von Menschen gekommen, die meinten, das Auto ist die Zukunft, wir müssen unser Land, unseren öffentlichen Raum nach den Bedürfnissen des Autos ausrichten. Daraus folgte die Überzeugung: Wir müssen in Kauf nehmen, dass Menschen verletzt oder gar getötet werden. Die müssen wir von der Straße weghalten, damit der Autoverkehr nicht gestört wird. Nehmen wir das Beispiel Spielplatz: Ein Spielplatz ist im Grunde genommen ein Ort, wo wir Kinder hinschicken können, damit wir sie nicht an der Leine haben müssen, wo sie ungefährdet sind, spielen können. Spielplätze haben wir, weil die Straße unsicher wurde für Kinder. [...]

Wie blockiert die Sprache die Verkehrswende?

Wir reden zum Beispiel von einer gesperrten Straße, wenn ganz vielfältige Aktivitäten dort passieren. Unser Institut, das IASS Potsdam, hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Bezirks­amt in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg einen Prototyp für eine temporäre Spielstraße entwickelt. Das ist eine für einen Tag pro Woche autofreie Straße. In Coronazeiten brauchen die Menschen mehr Raum, wenn sie nicht in die überfüllten Parks gehen sollen. Diese Straßen wurden oft beschrieben als „gesperrte Straße“. Da haben wir ganz schön gezuckt. Denn genau das Gegenteil ist der Fall: Wir haben die Straße geöffnet, damit die Menschen dort Sport machen, sich auf der Straße aufhalten, etwas essen können. (Anja Krüger, taz)

Zum Thema siehe auch dieses Interview mit der Ökonomin Claudia Kemfert. Die Gesellschaften der Industrieländer wurden über rund ein Jahrhundert darauf trainiert, ihre Bedürfnisse komplett um den Individualverkehr per Verbrennermotor herum zu orientieren. Das war nicht immer so, aber die Industrie hat sich, auch dank massiver Lobbyingkampagnen, seinerzeit durchgesetzt, und spätestens seit der Entstehung von "Suburbia" in den 1950er und 1960er Jahren hat sich das über drei Generationen ins Bewusstsein gefräßt, ist die gesamte Infrastruktur nur noch auf die Bedürfnisse des Autos zugerichtet.

Hier muss zwangsläufig ein Umdenken stattfinden. Das wird dort beginnen, wo auch das letzte begann: in den Städten, weil hier der Umstieg am leichtesten ist. Die Aushöhlung der Infrastruktur auf dem flachen Land hat dort ja eine völlige Abhängigkeit vom Auto geschaffen, die mittelfristig kaum zu überwinden ist. Diese Entwicklung wird genauso wie die erlernte Abhängigkeit vom Auto Jahrzehnte dauern. Aber irgendwann muss man mal damit anfangen.

5) Warum sollten Grundschüler wählen dürfen, Herr Kurz?

SPIEGEL: Sie fordern ein Eintragungswahlrecht. Was bedeutet das konkret?

Kurz: Das ist ganz einfach. Jeder, der sich selbstständig zur Wahl anmeldet, kann auch mitwählen.

SPIEGEL: Also muss man zumindest lesen und schreiben können? Damit wären Babys und Kleinkinder raus.

Kurz: In der Praxis geht es ja nicht nur ums Lesen und Schreiben. Man muss sich für die Wahl interessieren, den Willen haben, sich aktiv einzutragen und sich zu beteiligen. Wer diesen Willen hat, muss auch wählen dürfen. In anderen Lebensbereichen schließen wir junge Menschen ja auch nicht einfach pauschal aus.

SPIEGEL: Woher wissen Sie, dass Kinder nicht von ihren Eltern angetrieben und letztlich zu einer bestimmten Wahlentscheidung gedrängt würden?

Kurz: Das ist bei über 18-Jährigen genauso wenig ausgeschlossen, auch dort kann beispielsweise auf alte Menschen Druck ausgeübt werden. Letztlich kann aber niemand nachprüfen, was ich in der Wahlkabine ankreuze, dort bin ich frei.

SPIEGEL: Gesundheitsminister Jens Spahn wirbt für eine andere Idee: Der will, dass Eltern für ihre Kinder abstimmen dürfen…

Kurz: Auch dieser Vorschlag zeigt doch nur, dass man jungen Menschen nicht zutraut, für sich selbst zu sprechen. Das ist der falsche Weg. Grundrechte sind nicht übertragbar. (Kevin Hagen, SpiegelOnline)

Ich bin kein besonderer Fan dieser Idee. Ich sehe zwar völlig die Argumente der Repräsentation der jungen Menschen. Aber mir scheinen die Nachteile eines solchen Systems wesentlich stärker zu sein als die Vorteile. Und ja, sicher gibt es die einen oder anderen jungen Teenager, die sich für Politik und Wahlen interessieren, aber sie sind eine absolute Minderheit. Wir können darüber reden, das Wahlalter auf 16 zu senken - ich habe da weder in die eine noch in die andere Richtung eine besonders starke Meinung - aber angesichts der Wahlbeteiligung der Demographie "18-24Jährige" mache ich mir keine großen Hoffnungen, dass sich da großartig etwas tut. Wir haben seit Willy Brandt die Wahl ab 18, ohne dass in den mittlerweile fast fünf Jahrzehnten seither eine große Partizipationswelle dieser vorher Entmündigten stattgefunden hätte. Ich sehe das auch nicht mit einer weiteren Absenkung des Wahlalters kommen. Aber überzeugt mich gerne vom Gegenteil.

6) Conservatives Excommunicated the Last Republican President Who Lost

One of the rationalizations Republicans have made for their party’s refusal to disavow Donald Trump’s authoritarianism is that asking a party to renounce a former president is categorically unreasonable. “He’s an ex-president. You can’t just excommunicate him,” pleads Representative Dan Crenshaw. “People in their parties would also have thrown out people openly critical of Obama and Bush,” says Republican pollster Patrick Ruffini. Parties don’t just disown their former presidents, right? Actually, it has happened. The Republican Party excommunicated George H.W. Bush after his 1992 defeat. That episode was a seminal moment in the formation of the party’s modern identity, and the contrast between its gleeful abandonment of the 41st president and continued fealty to the 45th one reveals a great deal. [...] When a Republican president had actually violated a core tenet of conservative belief, his fellow partisans knew what to do about it. They shunned him, turned his name into a synonym for “loser,” and forced even his children to denounce him. The difference is that Bush had committed a truly unforgivable sin: agreeing to increase the top tax rate by three percentage points. Trump won’t be purged because he committed what is, in the eyes of the conservative movement, a more forgivable sin: fomenting the violent overthrow of the government in order to seize an unelected second term. (Jonathan Chait, New York Magazine)

Wir haben dieselbe Dynamik übrigens auch bei Dubbyah und Ford. Und Bush Jr. hat nicht mal verloren, er war seiner Partei nur nicht mehr rechtsradikal genug. Aber jedes Mal wurden die Verlierer in ihrer Partei exkommuniziert. Dass das mit Trump jetzt nicht geschieht hat vor allem damit zu tun, dass der Personenkult der GOP es unmöglich macht. Wer primaries gewinnen will, muss sich voll zum Trumpismus bekennen. Da spielen Kleinigkeiten wie der Erhalt der Demokratie keine große Rolle.

7) Verbundenheit auf Abruf

Bei einer Umfrage der Universität Leipzig teilten siebzig Prozent der Befragten die Ansicht, dass Israels Politik in Palästina fast oder genauso schlimm sei wie die der Nationalsozialisten. Die Staatsräson geht jedenfalls nicht so weit, derartigen Einstellungen in der Bevölkerung wirksam entgegenzutreten. So bleibt die ewige Verbundenheit zwangsläufig eine auf Abruf. [...] Auf einer vierten, medialen und kulturpolitischen Ebene dieses Konflikts in Deutschland müssen wir zugeben, dass es nicht nur in Bezug auf Israel und Juden aktuell schwierig ist, die richtigen Worte zu finden. Schnell führen sprachliche Ungenauigkeiten zum Pranger und zum Abkanzeln, zumal die Erregungsschleifen in den sozialen Medien eine aufklärerische und differenzierte Diskussion erschweren. Die gebotene Zurückhaltung, die bei diesem Thema lange herrschte, wurde spätestens mit der Ära Trump begraben. Wenn die Geschichte Israels oder das Leid der Palästinenser so routiniert wie unsensibel in einer Handvoll Sharepics abgehandelt wird, gehen meistens nicht nur die Wahrheit, sondern auch der Anstand verloren. Stattdessen verhärten sich ideologische Einstellungen: Jakob Augstein war mit seiner beschämenden Behauptung „Wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin“ 2012 noch recht allein, und die Thesen von Günter Grass über Israel als Hauptgefahr für den Weltfrieden ernteten weithin Widerspruch. Inzwischen ist die Vorstellung, Israel kontrolliere die deutsche Politik, weit in den Mainstream eingewandert. Die Schnittmengen zu antisemitischen Narrativen in der Verschwörungsszene liegen auf der Hand – hier bereitet sich eine Verbindung vor, die Schaudern macht. (Meron Mendel, FAZ)

Es ist absolut ekelhaft, wie die CDU versucht, Antisemitismus als rein importiertes Problem zu betrachten. Antisemitisms ist AUCH ein Problem bestimmter Einwanderer-Communities, aber wie der jüngste Konflikt in Gaza ja gut gezeigt hat, ist er wahrlich nicht auf "libanesische Clans" oder sonstwelche Schreckgespenster beschränkt. In Deutschland ist immer noch ein tief verwurzelter Antisemitismus vorhanden, und die Tatsache, dass wir mehrere Millionen Menschen mit Migrationshintergrund haben, die ihre eigene Version Antisemitismus mitgebracht haben, macht das nicht unwahr.

8) HBO's prestige ethos was no match for the content wars

In the winter of 2018, HBO's then-CEO Richard Plepler issued what was either a noble maxim about the pursuit of great art, or foolishly romantic last words, depending on your point of view. "More is not better," he told The Wall Street Journal. "Only better is better." [...] Putting HBO and Discovery together under one roof isn't necessarily an effort for the new company to save cash. The new company is expected to spend an eye-popping $20 billion on content, surpassing the $17.3 billion Netflix spent on content in 2020. But while HBO will likely keep on doing what it does best for a while yet, a $20 billion budget also implies a throw-everything-at-the-wall-and-see-what-sticks approach that's the antithesis of HBO's traditional intentionality. HBO Max already started down this path by mixing in its premiere HBO programming with random shows and movies from the WarnerMedia library, and down the road, the merger could mean diluting HBO's catalogue of high-quality, award-winning television into something that looks more like the mediocre wasteland of Netflix's "most popular" list. (As Recode notes, "The new company can market the two services [HBO and Discovery] separately, but it will undoubtedly roll out a merged version one day"). Ultimately, going bigger means all the pieces inside start to get smaller, too. HBO went from being the crown jewel of TV, the gold standard of prestige programming, into a convenient highbrow complement to offset HGTV, the Food Network, and Animal Planet. While it might sound cynical, the new mantra of the eventual WarnerMedia-Discovery company could prove to be a winning business strategy, if not an especially artistic one: Better is not better. Only bigger is better. (Jeva Lange, The Week)

Das ist eine sehr bedauerliche Entwicklung. Die Goldene Ära des Fernsehens ist fast untrennbar mit HBO verbunden, und die Vorstellung, dass dieser Wettlauf zum größten gemeinsamen Nenner, wie er vor allem für Netflix gilt - wo wirklich fast nichts irgendwie qualitativ Wertvolles zu sehen ist und Serien wie "Dark" oder "Lupin" eher wie Unfälle wirken - nun auch auf HBO übergreift, stimmt tief traurig. Auch der Trend zu Mega-Budgets, wie ihn HBO ironischerweise selbst initiiert hat, ist mehr als irritierend. Ich verstehe immer noch nicht, wie Disney all diese Millionen in "Falcon and the Winter Soldier" versenken konnte, und ich bleibe eher skeptisch, dass Amazons Viertelmilliardeninvestment in "Herr der Ringe" die Früchte trägt, die das Franchise überhaupt erst erfolgreich gemacht haben.

9) Klimafreundlicher Konsum muss sich lohnen

Für Teile der Politik scheinen die Verursacher der Klimakrise klar zu sein: die Verbraucherinnen und Verbraucher. Für sie werde schließlich alles produziert. »Sollen sie doch klimafreundlich einkaufen«, heißt dann die vermeintliche Lösung. Doch der Rat ist so realistisch und hilfreich wie der, man solle doch zu Kuchen greifen, wenn kein Brot im Haus ist, statt zu hungern. Die Verbraucher stehen am Ende der Produktionskette. Sie können die Bedingungen an deren Anfang nur sehr indirekt beeinflussen. Direkt kann das die Politik. Und sie muss es auch, wenn wir schnell mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz erreichen und die Kosten dafür fair verteilen wollen. Nicht das Abwälzen der Verantwortung auf individuelle Konsumentscheidungen wird die benötigte Klimawende bringen, sondern eine effiziente staatliche Regulierung, die zu einer sozialverträglichen Internalisierung externer Kosten führt. Eine Betonung des Verursacherprinzips würde versteckte Wettbewerbsverzerrungen abbauen und die Gesamtkosten für die Gesellschaft senken. [...] Der wildwachsende Label-Dschungel aus teils komplizierten, teils wenig vertrauenswürdigen Emblemen hilft da nur wenig weiter. Wenn der Verbraucher den Nutzen eines teureren Produktes aber nicht beurteilen kann, weil ihm die Informationen fehlen, oder das Budget, im Hochpreis-Bio-Klimaneutral-und-Fairtrade-Segment einkaufen zu können, dann ist der Griff zum Billigsten rational. Damit maximiert er wenigstens seinen eigenen finanziellen Nutzen. Zumindest kurzfristig. [...] All diese Beispiele zeigen: Ein "Sollen sie doch klimafreundlich einkaufen" wird die Welt nicht retten. Die gute Nachricht ist: Es gibt bessere Konzepte. Die Politik muss sie nur anwenden – vom Beginn bis zum Ende der Produktionskette. (Klaus Müller, SpiegelOnline)

Ich stoße auch in dieses Horn schon länger. Der Preismechanismus und der Wettbewerb sind die besten Möglichkeiten die wir haben, auf weniger klimaschädliche Lebensweise umzusteigen, aber das funktioniert nur, wenn die Preise nicht so krass verzerrt sind wie heute. Da aktuell staatliche Regulierung und Subventionen die Preise verzerren, braucht es eine Änderung an diesen Stellschrauben, wenn die Preismechanismen und Wettbewerbsstrukturen je greifen sollen. Natürlich sind die Beharrungskräfte des Status Quo groß und ihre Taschen tief. Der aktuelle Skandal um die Nebeneinkünfte zeigt das ja ziemlich deutlich. Dazu aber im nächsten Vermischten mehr.

10) Tweet

Ihr habt das vermutlich alle schon gesehen, aber @Sachback hat eine überaus sehenswerte, kluge und noch dazu überragend witzige Replik auf das enttäuschend vereinfachende Nahost-Video von @LastWeekTonight gedreht. 7 Minuten, dringende Sehempfehlung.https://t.co/qaZOtTmbnI

— Moritz Hoffmann (@moritz_hoffmann) May 20, 2021

Ich möchte das Video unbedingt empfehlen. Die völlig beknackte Argumentation von Israel-Gegner*innen, die @Sachback hier auseinandernimmt - dass der Konflikt "unfair" sei, weil Israel die Raketen der Hamas abwehren könne - hatten Jan Falk und ich schon 2013 bezüglich der Drohnenkriegsführung seziert. Ich halte das für das dümmstmögliche Argument. Als ob es irgendwie relevant wäre, dass Israel die Raketen dank des Iron Dome abfangen kann! Der entscheidende Part ist, dass TAUSENDE von den Dingern auf Städte und Bevölkerungszentren abgeschossen werden, und zwar ohne vorherige Warnung der Einwohner*innen. Diese falsche Äquivalenz ist so zum Kotzen.

11) „Die Impfgegner und Impfskeptiker kommen heute eher aus der Öko-Szene“ (Interview mit Karl-Heinz Leven)

WELT: Dennoch gab es Skeptiker?

Leven: Die Impfung wurde unter anderem als Eingriff in den göttlichen Heilsplan gesehen. Krankheit allgemein wurde auch als Strafe für Sünden und Prüfung der Gläubigen verstanden. Interessanter sind die schon seit dem 19. Jahrhundert existierenden sachlichen Argumente. So wurde hinterfragt, ob die Pockenimpfung überhaupt wirkte und wie lange. Immerhin musste „nachgeimpft“ werden. Und ein Argument, das schon damals diskutiert wurde: Der Staat greift in die Körper des gesunden Individuums ein. Das spielte vor allem in akademisch-bürgerlichen Kreisen eine Rolle. Es ist übrigens noch heute so. Impfgegnerschaft ist keine proletarische Bewegung. Die Impfgegner und Impfskeptiker, die man nicht miteinander verwechseln sollte, kommen heute eher aus der Öko-Szene – selten aus konservativen Kreisen. [...]

WELT: Gibt es Milieus, in denen Impfskepsis verbreiteter ist als in anderen?

Leven: Die Impfgegner sind stets eine bürgerliche Bewegung gewesen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet, legen großen Wert auf individuelle Freiheiten und haben ein starkes Problembewusstsein für Eingriffe des Staates. Sie werden teilweise auch von Akademikern wie Juristen und Ärzten gestützt. Damit stehen sich zwei Gruppen gegenüber, die sich bezüglich Profession und Einfluss ähneln. Die Impfgegner sind aber immer in der Unterzahl geblieben, das gilt auch heute. [...]

WELT: Sogar im Dritten Reich wurden die verpflichtenden Impfungen von den Nationalsozialisten als Eingriff in die persönliche Freiheit gesehen. Trotzdem wurde die Pocken-Impfpflicht erst 1975 abgeschafft...

Leven: Eine kurze Anmerkung zum Dritten Reich vorweg: Auch als Medizinhistoriker würde man erwarten, dass sich die Impfpflicht während des NS-Regimes ausgeweitet hätte. Dem ist aber nicht so, es blieb bei der Pockenimpfung. Impfungen wurden propagiert, allerdings nie in dem Umfang, in dem man es retrospektiv erwarten würde. Das liegt unter anderem an dem großen Interesse der NS-Führung für alternative Medizin, wie zum Beispiel die Homöopathie. Es ist übrigens bis heute so, dass Anhänger der Homöopathie häufiger zu Impfskepsis neigen – ohne das hier werten oder historisch diskreditierten zu wollen. Die Weltgesundheitsorganisation versuchte, die Pocken vollständig auszurotten, das gelang in den 1970ern. Es ist bis heute übrigens die einzige Krankheit, die durch medizinische Maßnahmen ausgelöscht worden ist. Deshalb wurden die Pockenimpfungen auch bis zum Ende der Krankheit in vielen Ländern verpflichtend beibehalten. (Jonas Feldt, Welt)

Auch wenn die Zahl der Querdenker*innen glücklicherweise winzig ist, so ist es doch beachtlich, welche disparaten Strömungen sich unter dem Banner vereinen. Das ganze Who's Who der Spinner. Leute, die sonst gegen Chemtrails auf die Straße gehen, marschieren völlig problemlos auch da mit. Das ist der harte Kern dieser Bewegung, und die demonstrieren noch gegen jeden Blödsinn (auch dazu mehr im Vermischten).

Gleichzeitig ist das auch weiterhin mein größtes Problem mit den Grünen. Ich kann diese Globuli-Homöopathenfraktion auf den Tod nicht ausstehen. Die anti-wissenschaftlichen Quacksalber und ihre Fortschrittsverhinderung von der Impfgegnerschaft zu Gentechnik-Fundamentalisten....unerträglich.

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