Seit Beginn der Pandemie, oder eher, seit versucht wurde, mit der Heinsbergstudie die Pandemiereaktion ideologisch zu beeinflussen – leider erfolgreich – besteht in weiten Teilen der Bevölkerung der Eindruck, dass man Wissenschaft so oder so interpretieren könne. Dass auch 'Evidenz' im Endeffekt nur eine Sache der Meinung ist und man sich eben auch die Wissenschaftler rauspicken könne, deren Aussagen einem passen.

Auch die Protagonisten von #allesdichtmachen benutzen Wissenschaft und Wissenschaftler in ihrer Argumentation wie ein Supertrumpf-Kartenspiel. "Mein Nobelpreisträger sticht deinen Virologen mit 20 Jahren Erfahrung mit SARS-Coronaviren".  Zeit, mal mit der Annahme aufzuräumen, Wissenschaft wäre im Endeffekt auch nur Ansichtssache:

Ja, man kann als Wissenschaftler eine Position vertreten, die vom wissenschaftlichen Konsens abweicht. Aber: man muss dann sehr gute Argumente haben & die Position gut begründen.

Das trifft auf keine, der vom wissenschaftlichen Konsens abweichenden, Positionen in Sachen Covid-19 zu. Diese bestehen teils aus heißer Luft und Wunschdenken, wissenschaftlich unhaltbaren Aussagen, dem Weglassen selbst entwickelter Qualitätskriterien und Schönrechnerei und sehr offensichtlicher Arbeit für (wirtschaftliche/neoliberal-libertäre) Interessengruppen (wie bei den an der Great Barrington Declaration beteiligten Wissenschaftler).

Überhaupt muss man bei vom Konsens abweichenden Positionen immer erst mal schauen, ob es Interessenkonflikte gibt. Die findet man bei einigen auch sehr schnell und ohne erst mühsam danach zu graben (Streeck mit seiner Storymachine-FDP-Verbindung z.B.).

Anders als bei den Wissenschaftlern, die den wissenschaftlichen Konsens vertreten, bei denen man versucht seit Beginn der Pandemie Schmutz zu finden oder damit zu werfen, aber eben doch wenig Offensichtliches  oder Unanständiges findet und es daher konstruieren muss.

Auch große Titel machen wissenschaftliche Aussagen nicht wertvoller, wenn sie der Evidenz widersprechen. Wer mit "aber der hat einen Nobelpreis bekommen!!!" um die Ecke kommt, hat Wissenschaft nicht verstanden und steht auf sehr dünnem Eis.

Die Wissenschaft zu ignorieren, ist in der aktuellen Situation und allen zukünftigen Herausforderungen – wie dem Klimawandel – ebenso schädlich, wie Wissenschaft zu Ansichtssache zu degradieren oder Wissenschaftler-Supertumpf zu spielen.
Wenn Wissenschaftler Aussagen treffen, die scheinbar der eigenen Agenda erst einmal nutzen, sollte man vorsichtig sein, ohne hinzusehen auf deren Zug aufzuspringen.

Was kurzfristig zu helfen scheint, schadet langfristig und vorhersehbar, weil Entscheidungen nicht anhand der Realität getroffen werden, sondern an einem interessengesteuerten Zerrbild der Realität. Dann gewinnt der, der mit dem nobelpreisigsten Nobelpreisträger aufwarten kann.
Aber kurzsichtige positive Effekte für eine Interessengruppe sind langfristige Fehlentwicklungen und teils irreversible Schäden für alle.

Leseempfehlung, um u.a. die Vorgänge um die Great Barrington Declaration einordnen zu können: "Merchants of Doubt: How a Handful of Scientists Obscured the Truth on Issues from Tobacco Smoke to Global Warming"*


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