(Titelbild: Symbolfoto von Image by Sozavisimost from Pixabay.)

Wenn Sie selbst Erfahrungen mit Psychpopharmaka (Antidepressiva oder Antipsychotika) haben, auch im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis, können Sie gern im Kommentarbereich unten Ihre eigenen Erfahrungen schildern. Das geht sowohl anonym ohne Anmeldung als auch mit Anmeldung mit Klarnamen oder erfundenen Namen. Vielen Dank!

Psychopharmaka werden als häufig verschriebenes Heilmittel eingesetzt, aber bergen große Risiken. Sie schaden Menschen. Das stelle ich am Beispiel des Mittels Zyprexa dar. Es ist eines der am meisten verschriebenen antipsychotischen Mittel.

Zum Sprachgebrauch: Mir ist unmöglich, Psychopharmaka als "Medizin" oder "Medikament" zu bezeichnen. Im Beitrag werden sie daher schlicht als "Mittel" oder "Pille" bezeichnet.


Was ist Zyprexa?

Zyprexa enthält den Wirkstoff Olanzapin und ist ein sogenanntes atypisches Neuroleptikum der Firma Eli Lilly und hat seinen Anwendungsbereich bei Psychosen  (sogenannte "Schizophrenie").

"Atypische" Neuroleptika wie zum Beispiel Zyprexa, Risperdal, Seroquel und Abilify gelten als die zweite Generation nach den "typischen", d.h. älteren, Neuroleptika wie zum Beispiel Haldol und Melperon. Im Psychiatriefilm-Klassiker "Einer flog über das Kuckungsnest" (1975) mit Jack Nicholson wurden die Patienten noch mit den alten, "typischen" Neuroleptika behandelt.

Die Mittel der zweiten Generation wurden von der Pharmaindustrie als vermeintlich nebenwirkungsärmer, wirksamer und verträglicher vermarktet. So hieß es 2001 im "Ärzteblatt" über die im Vergleich zu den "typischen" Psychopharmaka zehnmal so teuren "atypischen" Mittel: "Atypische Neuroleptika sind sicher und effektiv".

Zyprexa wurde in Deutschland 1996 eingeführt und gilt als "Blockbuster" unter den Psychopharmaka, da es - sehr erfolgreich vermarktet - der Firma Eli Lilly einen Milliardenumsatz erwirtschaftet. Im Jahr 2007 machte die Firma mit ihrem einträglichsten Mittel Zyprexa einen Umsatz von 4,2 Milliarden US-Dollar.

Die niedrigste Dosis beträgt 2,5 mg, die Maximal-Dosis 20 mg. Einem meiner Freunde wurde in der Psychiatrie allerdings auch schon 40 mg verabreicht. Ich sagte ihm daraufhin, er solle sofort zu der verantwortlichen Ärztin gehen und ihr von mir mitteilen: Wenn sie das nicht sofort auf maximal 20 mg runterdosiert, bekommt sie von mir eine Anzeige wegen Körperverletzung. Kurz darauf bekam er wieder die erlaubte Höchstdosis von 20 mg. Derartige unverantwortliche Arzt-Erfahrungen sammelte ich leider mehrfach.

Es gibt die Tabletten mit 2,5; 5; 10; und 20 mg. Das Mittel gibt es als klassische Pille, als Schmelztablette, die auf der Zunge zergeht und schneller wirkt, und als Depot-Spritze.

Durch Depot-Spritzen verabreichte Psychopharmaka bleiben gleich für mehrere Wochen im Blut. Eine Depot-Spritze soll die Therapie-Treue erhöhen. Der Patient kann sich dann nicht mehr selbst gegen die tägliche Pillen-Einnahme entscheiden, da das Mittel ihm bereits für mehrere Wochen direkt ins Blut gespritzt wurde.

Wirkung: Zyprexa wirkt vor allem sedierend und betäubt die Emotionen. Dies gilt auch als erwünschte Wirkung, um einen psychotischen Schub abzuschwächen. Patienten berichten häufig, sich unter dieser Wirkung wie ein "Zombie" zu fühlen, auch positive Gefühle wie Freude und weiterhin die Libido seien wie gestorben (siehe unten).

Bis 2007 wurden etwa 20 Millionen Menschen mit Zyprexa behandelt. (Aktuellere Daten liegen mir derzeit nicht vor.)


Risiken und Nebenwirkungen von Zyprexa

Die Liste der unangenehmen bis schwerwiegenden Nebenwirkungen in der Packungsbeilage ist lang. Weiter unten, bei den zitierten Patientenberichten, lassen sich viele dieser Nebenwirkungen wiedererkennen. Hier eine Auswahl:

Sehr häufige Nebenwirkungen (können mehr als 1 von 10 Personen betreffen)

  • Gewichtszunahme;
  • Schläfrigkeit;
  • Erhöhungen der Prolaktinwerte im Blut.

Häufige Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 10 Personen betreffen):

  • Erhöhung der Zuckerwerte im Blut und Urin, was zu Diabetes führen kann;
  • verstärktes Hungergefühl (das ist eine Untertreibung, es handelt sich um kaum noch beherrschbare Fressattacken - "Heißhunger");
  • Schwindel;
  • Ruhelosigkeit (das ist eine Untertreibung: Der Patient will aus seiner Haut ausfahren, ein kaum erträgliches Gefühl. So ein Zustand kann bis zum Selbstmord führen);
  • Zittern; ungewöhnliche Bewegungen (Dyskinesien). Hierbei handelt es sich um unwillkürliche, sonderbare Zuckungen im Gesicht und den Gliedmaßen.
  • Verstopfung;
  • Mundtrockenheit; die andauernde Mundtrockenheit, verbunden mit den Heißhungerattacken nach Süßem, zerstören als Nebenwirkung durch Kariesbildung das Gebiss;
  • Ausschlag;
  • Schwäche;
  • starke Müdigkeit (man möchte einfach immer schlafen, weil man derart sediert ist; auch das Aufwachen fällt sehr schwer);
  • Wassereinlagerungen, die zu Schwellungen der Hände, Knöchel oder Füße führen;
  • Fieber;
  • Gelenksschmerzen;
  • sexuelle Funktionsstörungen wie verminderter Sexualtrieb bei Männern und Frauen oder Erektionsstörungen bei Männern.

Gelegentliche Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 100 Personen betreffen),

  • Entwicklung oder Verschlechterung einer Zuckerkrankheit, gelegentlich in Verbindung mit einer Keto acidose (Ketonkörper in Blut und Urin) oder Koma;
  • Muskelsteifheit oder Muskelkrämpfe (einschließlich Blickkrämpfe).

Unter den seltenen Nebenwirkungen (können bis zu 1 von 1000 Personen betreffen) steht seit vielen Jahren im Beipackzettel neben vielen anderen schweren Nebenwirkungen auch: "plötzlich eintretender Tod":

(Beipackzettel Zyprexa)


Riskante Psychopharmaka

Der Medizinforscher Peter C. Gøtzsche, ehemaliger Leiter des internationalen medizinischen Forschungsnetzwerk Cochrane (Kopenhagen), sagt in seinem Buch "Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität. Wie die Pharmaindustrie unser Gesundheitswesen korrumpiert": An Zyprexa seien weltweit etwa 200.000 Menschen gestorben. Das ist ein Todesfall unter Hundert Patienten. Dazu muss man noch all jene Menschen rechnen, die das Mittel psychisch oder körperlich krank gemacht hat.

Laut dem "Ärzteblatt" zahlte das Pharmaunternehmen Elly Lilly in den beiden Jahren 2005 und 2007 insgesamt 1,2 Milliarden US-Dollar Entschädigung an 28.000 Kläger, die durch Zyprexa an Diabetes erkrankten („Zyprexa-Skandal“). Das Mittel stört den normalen Körperstoffwechsel erheblich und löst deswegen als häufige Nebenwirkung unbeherrschbare Heißhunger-Attacken aus. Wie das Ärzteblatt mitteilt, sollen andere Antipsychotika ähnliche Risiken haben.

Als übliche Praxis der Pharmaindustrie wurde die krankmachende Wirkung der Psycho-Pille von der Firma verschwiegen und schön geredet, berichtete das Ärzteblatt: "Nach den von der New York Times verbreiteten Zahlen, soll es bei 16 Prozent der Behandelten innerhalb von 1 Jahr zu einer Zunahme um 66 Pfund kommen [etwa 30 Kilo]. Dies soll der Firma bekannt gewesen sein, als sie in ihren Broschüren noch behauptet hatte, dass ein Diabetes eine seltene Komplikation ist." (Quelle)

Für die Depot-Spritze von Zyprexa berichtete das von der Pharmaindustrie unabhängige "Arznei-Telegram" 2009 schwere Nebenwirkungen bis hin zu Todesfällen. Das Arznei-Telegram rechnet sowohl mit der Gefahr von Unter- als Überdosierung durch Depot-Spritzen und rät von der Anwendung ab. (Quelle)


Lobby-Arbeit nötigt Pharma-Kritiker aus dem Amt

Womöglich war Gøtzsches pharmakritische Arbeit ein Grund, warum er 2018 aus dem Cochrane Netzwerk hinausgedrängt wurde. Sein Ausschluss wurde auch von der Organisation "Transparancy International" kritisiert und die Unabhängigkeit der Cochrane Reviews in Frage gestellt. (Quelle)

Gøtzsche deckt in seinem Buch "Tödliche Medizin" auch die Korruption und den massiven Betrug der Pharmabranche auf: manipulierte Studien, gekaufte Ärzte, Behörden und Beamte, von der Industrie finanzierte Fachzeitschriften. So sagte Gøtzsche vor einigen Wochen in einem Interview, Studien der Pharmabranche könne man "nie vertrauen".

Vor Gøtzsche wurde 2010 in Deutschland auch Peter Sawicki aus dem Amt entlassen, indem sein auslaufender Arbeitsvertrag nicht verlängert wurde. Sawicki war von 2004 bis 2010 Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWG) in Köln und hatte einen Ruf als unbestechlicher Kritiker der Pharmabranche. Das IQWG prüfte unter seiner Leitung Medikamente und urteilte über viele pharmazeutischen Mittel häufig, dass sie schlecht wirkten und sogar schadeten. Der "Spiegel" nannte Sawickis Entlassung 2010 einen "Sieg der Klientelpolitik und der Pharmaindustrie über den Mann, der ihr lange Zeit ein Dorn im Auge war".


Fast durchweg negative Patienten-Erfahrungen auf Sanego

Bei Medikamenten sind auch persönliche Erfahrungsberichte von Patienten interessant. Die weitaus meisten Erfahrungsberichte auf Sanego sind durchweg negativ. (Die Rechtschreibfehler wurden hier nicht korrigiert.)

Sanego ist eine Datenbank, "in die Patienten, Angehörige, Ärzte, Apotheker oder andere, Nebenwirkungen von Medikamenten eintragen und danach suchen können". Sanego gibt an, unabhängig von Pharmaherstellern, Behörden oder anderen Interessensgruppen zu sein.

"Was ich an alldem so schlimm finde, dass gerade Menschen, die psychisch krank sind, ja einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen, und dies wird von den Ärzten leider nicht gemacht. Sie verschreiben Pillen über Pillen, wenn man sie einmal hat, wird man sie auch nicht wieder los.
Was diese Medikamente aber durch ihre Nebenwirkungen verursachen, sagt niemand im Gegenteil, klagt man über eine Gewichtszunahme wird sofort gefragt, essen sie mehr oder man bekommt gleich gesagt, müssen sie sich eben mehr bewegen, super, wenn man durch die Medikamente eigentlich daran gehindert wird."

"Ich nehme Zyprexa jetzt schon seit 4 Jahren. Insgesamt kann ich sagen, dass mir das Medikament zumindest zeitweise geholfen hat. Allerdings stellen sich ab 20mg bei mir erhebliche Nebenwirkungen ein, sodass ich sicher nie mehr als 15 nehmen werde. Da wären die Zuckungen im Mundbereich, das zu Sprechstörungen führt und äußerst unangenehm ist. Außerdem ist man dann schon sehr "ausgeschalten", ruhig gestellt und nimmt alles sehr distanziert wahr."

"Man sagt ja: Schlimmer geht immer. Aber, bei diesem Mittel garantiert nicht. Schlimmer gehts echt nicht mehr. Habe es ein Jahr lang genommen. In diesem Jahr habe ich auf jeden Fall erstmal 50 kg zugenommen. Das war unerträglich für mich. Zweites Problem: Libidoverlust!!! Ich lebe in einer guten Partnerschaft. Aber, so ganz ohne Sex??? Das ging so gar nicht. Es war alles wie abgestorben. Und drittens: Ich fühlte mich gefangen im eigenen Körper."

"Deine Meinung: 'NIE WIEDER!!! Wenn man dieses Mittel verbieten würde, wäre der Menschheit auch schon geholfen. Ich finde dieses Medikament unverantwortlich.',
kann ich ebenfalls zu 100% vertreten.
Man sollte die Entwickler von Zyprexa vor den europäischen Gerichtshof stellen !"

"Wirkungen, die sofort eingetreten sind:
- Massive Gewichtszunahme (ca. 10 kg in 6 Wochen); ständiges Bedürfnis etwas zu essen
- Sexualtrieb so gut wie nicht vorhanden, was für das eigene Selbstwertgefühl extrem belastend ist
- positive Gefühle wie z.B.: Glück oder Freude waren nicht vorhanden, man fühlt sich absolut emotionslos
- Atemnot beim Sprechen; Schockzustände; Angst und Misstrauen vor Menschen wurden verstärkt
- kleinste körperliche Betätigungen (z.B.: leichter Sport) sind extrem belastend
Längerfristige Wirkungen:
Einbindung in \"normalen\", geregelten Alltag nicht möglich, auf Grund der oben genannten massiven Nebenwirkungen."

"Ich werde alles daran setzten, das Ärzte/Psychologen, welche eine Zyprexa-Therapie verordnen/empfehlen dafür zur Rechenschaft gezogen werden ! Das ich kann einfach nicht länger mitansehen !!"

"...bekam vom meinem arzt zyprexa....man oh man...das war die hölle....kam mir vor wie in zombie...war nur müde..nicht aufnahmefähig...und schottete mich ab...nahm dann ca. 60 kilo zu(vorher wog ich va.69 kilo...dank zyprexa dann 129 kilo)...kam mir vor wie ein walfisch..unbeweglich, schwitzig u.u..... fühlte mich nicht mehr wohl...dazu bekam ich massive magen u darmprobleme.. schwindel u erbrechen....na super dachte ich...das ist ja voll daneben...das soll dir helfen?? nee nee...setze es wieder ab..und dann war´s ja noch schlimmer...aber da mußte ich durch.."

"Mir wurden sämtliche Nebenwirkungen verschwiegen- auch die Apetitssteigerung( die aber nicht einsetzte) und die massive erhöhung des Gewichts( passierte auch nicht)"

"ich habe zyprexa abgesetzt und durchaus die höllenfahrt meines lebens mitgemacht. Nebenwirkungen ohne ende. jeden tag wäre ich bereit gewesen die zyprexa wieder zu nehmen damit ich diese gemeinen nebenwirkungen nicht habe."

"ich habe durch Zyprexa in einem Jahr 40 (!) kg zugenommen."

"Hatte das Medikament bei einem 4 Monatigen Klinikaufenthalt bekommen. Danach wog ich 30 Kilo mehr. Mein eigener Arzt setzte das Medikament daraufhin runter damit ich nicht weiter zu nehme. Würde ich nie wieder nehmen."

Bei Niedrigsdosierung mit 2,5mg Zyprexa: "Ich habe kaum Gewicht zugenommen auch sonst kaum Nebenwirkungen, mich hat gestört das ich nicht sehr viel Freude und Wut empfinde, das war auch der Grund fürs absetzen.
Es war nicht auszuhalten, [als Absatzeffekte:] Schwitzen,Übelkeit,Kopfschmerzen Panik und Schlaflosigkeit."

"Ich wurde Dick und Antriebslos, die Dauer den Einnahme und das langsame Absetzen machte mir leider spät klar das die Hallos [Halluzinationen] auch durch das Zeug selber aufrecht erhalten wurden. Ich hatte den deutlichen Eindruck eine Ersatzdroge zu bekommen. [...] Das ganze hat mich sehr enttäuscht und mein Vertrauen in die Pharmaindustrie eher erschüttert."

"Zyprexa löste bei mir ab der ersten Einnahme starke Heißhungerattaken aus. Daraus hatte ich nach ca. 1/2 Jahr ca 35kg zugenommen.
Außerdem habe ich eine sehr starke Sedierung wahrgenommen.
Nach ca. 2 1/2 Jahren bekam ich auch starken Bluthochdruck."

"Zyprexa verursachte für ganz kurze Zeit , das ich über ca. eine Woche intensive Ruhephasen hatte (erholsamer , langer Schlaf) . Aber die Behandlung von ca. 1 Jahr stand in keinem Verhältnis.
Ansonten konnte ich gar keine Wirkung feststellen."

(Quelle)


Fazit

"Zyprexa ist wahrscheinlich schädlicher als viele andere Antipsychotika." (Peter C. Gøtzsche, "Tödliche Medizin")
"Unter einem atypischen Antipsychotikum ist bei einem Patienten von 52 behandelten älteren Patienten mit einem zusätzlichen Todesfall durch das Medikament zu rechnen." (Stefan Weinmann, "Erfolgsmythos Psychopharmaka")

Psychopharmaka helfen wenig bei psychischen Störungen, aber schaden viel. Sowohl seelisch als auch körperlich. Es sind Mittel, das tief in den Körper- und Gehirnstoffwechsel eingreifen und laut Psychiatrie und Pharmaindustrie eine vermeintliche "Gehirnstoffwechsel-Störung" kurieren sollen. Diese "Gehirnstoffwechsel-Theorie" ist nach Entdeckung der ersten Psychopharmaka als Ursache für seelische Störungen postuliert worden.

Forscher entdeckten in den 1950ern, dass Chlorpromazin (1952) und Haloperidol (1958) eine sedierende Wirkung auf psychotische Patienten hat. Da die Mittel bekannterweise in die Gehirnbotenstoff-Systeme von Dopamin und Serotonin eingreifen, postulierte man, die Mittel glichen eine biologisch vorhandene Störung aus. Die Lehre der "Gehirnerkrankung" als Ursache für seelische Störungen, die man mit Psychopharmaka "ausgleichen" könne, ist seitdem das kaum hinterfragte psychiatrische Grund-Dogma. Klassisch-traditionelle Psychiater vertreten bis heute die Lehre der "Gehirnerkrankung", die bis heute nicht bewiesen wurde. Im Gegenteil wurde nachgewiesen, dass Psychopharmaka, je länger genommen, desto stärker das Gehirn abnorm verändern. Es kommt unter Einfluss von Psychopharmaka im Gehirn zu einer Anpassung der Neurotransmitter. Der durch den chemischen Eingriff veränderte Botenstoffwechsel erschwert das Ausschleichen erheblich. Das gestörte Neuromitter-System im Gehirn muss sich beim Ausschleichen erst langsam wieder umstellen. Das führt zu den berüchtigten Absetz-Effekten. Die Symptome ähneln denen von Drogen-Abhängigen.

Wie Gøtzsche sagt, handelt es sich bei den meisten positiven Wirkstudien der Pharmaindustrie im Grunde genommen um Marketing-Tricks. Bekannt ist, dass Pharmafirmen negative Studienergebnisse zurückhalten, Nebenwirkungen verschleiern (auch schwere Nebenwirkungen wie Selbstmorde) und Ergebnisse bereits durch Studiendesign und Teilnehmerauswahl verzerren und manipulieren.

Für die Pharmaindustrie gilt bezüglich ihrer Psychopharmaka, was für die Drogen-Dealer auf der Straße ähnlich gilt: erst den Kundenkreis vergrößern, dann zu ihren Drogen überreden und abhängig machen, und schließlich kräftig Kohle abkassieren. Der Unterschied: Die psychiatrischen Drogen der Pharmaindustrie sind staatlich legalisiert und anerkannt und werden von den Krankenkassen bezahlt, die Drogen der Straßendealer sind gesetzlich illegal und der Konsument muss sie aus eigener Tasche zahlen.

Der dänische Medizinforscher Gøtzsche stellt in "Tödliche Medizin" die wichtigen Fragen:

"Warum lassen wir zu, dass Pharmaunternehmen so oft lügen, gewohnheitsmäßig Straftaten begehen und Hunderttausende von Patienten umbringen? Warum schicken wir die Verantwortlichen nicht ins Gefängnis? Warum sind viele Leute immer noch dagegen, dass jedermann Zugang zu allen Rohdaten aller klinischen Studien bekommt, und warum wehren sie sich dagegen, das ganze System abzuschaffen und nur noch Akademikern in öffentlichen Institutionen Arzneimittelstudien mit Patienten zu erlauben, unabhängig von den Pharmaunternehmen?"  

Ja, warum eigentlich?