Klar, da könnte man nun so einiges aufzählen (und das hab ich ja auch schon in einigen Artikeln), aber ich finde, dass der Bereich der E-Mobilität und dabei besonders der aktuelle Hype ums Elektroauto schon als sehr bezeichnendes Beispiel dienen kann, um zu zeigen, wie verhaftet unsere Gesellschaft in einem engstirnigen Marktdenken verhaftet ist. Und das wird eben keine Probleme lösen, die durch genau diese Denkweise überhaupt erst entstanden sind.

Man muss sich ja nur mal die Werbeprospekte und Websites der Anbieter von E-Autos anschauen: Da geht es oft genug um Fahrfreude und um tolle Ausstattungen, also Autofahren als eine Art Spaßvergnügen und auch zum Repräsentieren (oder etwas direkter gesagt: zum Angeben). Also genau das, was schon seit Jahrzehnten gerade in Deutschland den Kult ums Automobil ausmacht.

Klar, deutsche Autohersteller sind ja auch zu einem großen Teil im Luxus- und Sportwagensegment unterwegs …

Und so macht das Marketing eben einfach das, was es immer macht, nur bringt man noch den vermeintlich ökologischen Aspekt mit ins Spiel. Das funktioniert sogar, denn irgendwie macht sich ja kaum jemand Gedanken darüber, dass also beispielsweise Bäume gefällt werden für die Zierleisten eines angeblich ökologischen Autos – und es ist ja nicht so, dass ein Auto ohne solche Holzzierleisten nun nicht fahren würde …

E-Mobilität (und Mobilität generell) sollte m. E. vor allem funktional sein und Menschen mit möglichst geringem Energieaufwand auf notwendigerweise zurückzulegenden Strecken befördern. Alles andere können wir uns (so als Menschheit gesehen) einfach nicht mehr leisten, denn das ist ja ein nicht unerheblicher Faktor dessen, was uns die Klimakatastrophe beschert hat.

Doch davon ist nun bei den meisten E-Autos nichts zu spüren. Da werden dann übermotorisierte Kisten (teilweise sogar SUVs – was für eine komplette Idiotie und Ad-absurdum-Führung des Gedankens der E-Mobilität als Klimaschutzmaßnahme) mit allem möglichen Schnickschnack und Schickimicki-Kram aufgemotzt, damit sie ein möglichst spaßiges Fahrerlebnis versprechen.

Mal von der so nicht eben ressourcensparenden Herstellung dieser Kisten abgesehen, so ist da doch der Rebound-Effekt (der bei vielen technischen Neuerungen auftritt) quasi schon mit eingebaut: Ich hab ja nun ein tolles E-Auto, was so super ökologisch ist, dann kann ich ja auch dauernd damit fahren, und das sogar mehr als zuvor mit dem ollen Stinkebenziner. Ist ja so schön sauber und macht so viel Freude …

Darin zeigt sich dann auch, wie sehr ausschließlich an Marktkriterien orientiertes Denken verbreitet ist, dass es kaum hinterfragt und als Selbstverständlichkeit angesehen wird – und wie wenig zielführend dies ist. So werden vor allem keine wirklichen Neuerungen hervorgebracht, sondern höchstens Produktinnovationen mit einer Relevanz versehen, die ihnen nicht zusteht. Aber warum sollten diejenigen, für die „der Markt“ nicht nur als Einziges zählt, sondern auch wunderbar funktioniert (im Sinne des eigenen Profits), auch etwas Grundlegendes ändern wollen? Selbst wenn genau das notwendig wäre, um das Überleben der Menschheit zu sichern.

So wird sich also darin überboten, das Fahren von E-Autos als etwas möglichst Großartiges darzustellen, und all dieses Marketinggequatsche lenkt dann von der eigentlich wichtigen Diskussion ab, nämlich wie man das überkommene Modell des motorisierten Individualverkehrs möglichst schnell überwinden könnte. Das dürfte nur mit Wohlfühl-PR kaum zu bewerkstelligen sein.

Und selbst, wenn dann mal ein wenig leise Kritik an den E-Autos geäußert wird, wie dies in einem Artikel auf Zeit Online von Tilmann Steffen gemacht wird, dann geht es dabei nur um die Praktikabilität von Elektroautos und nicht um substanzielle Fragen, wie wir unsere Mobilität endlich so gestalten könnten, dass sie die Klimakatastrophe nicht noch in großem Stil verschärft. So sind es also nicht nur Marketing-Fuzzis, die in ihrem Denken in Marktkategorien gefangen sind und nicht darüber hinausdenken können, sondern auch Journalisten. Und Politiker (die meisten zumindest) sowieso …

Wenn wir also wirklich die radikalen Änderungen unserer Lebensweise umsetzen wollen, die eventuell die Folgen der Klimakatastrophe noch ein wenig abmildern würden, dann müssten wir uns vor allem erst mal von dieser Denke in Marktkriterien lösen. Und ich fürchte, das wird nicht geschehen, wie man ja am eben geschilderten Beispiel der E-Autos allzu deutlich sieht, da dieses Denken nach Jahrzehnten der neoliberalen Indoktrination (oder direkter gesagt: Verblödung) grundlegend etabliert ist und von kaum jemandem noch hinterfragt wird.

Na gut, dann eben schön weiter mit Vollgas auf den Abgrund oder die Betonmauer zu – je nachdem, welches Bild einem passender erscheint …

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