Eisenstadt. Die Kunstaktion „Leo 2.0“ interpretiert den bekannten Asylring am Wiener Stephansdom neu und setzt sich im Rahmen einer Schultour mit Vorverurteilung und Hetzjagden in Kommentarspalten und auf Social Media auseinander.
Künstlerische Neuinterpretation für Bedürfnisse der heutigen Zeit
Wohl jedem Kind ist das "Leo" beim Fangen oder Versteckspiel bekannt. Aber warum sagt man eigentlich "Leo"?
Der Begriff kommt vom Asylring – dem Leo – am Adlertor des Wiener Stephansdoms, den einst Herzog Leopold III stiftete, um Verfolgten Schutz vor Akten der Selbstjustiz zu gewähren. Wer ihn erreichte, stand unter kirchlichem Asyl und war bis auf Weiteres vor willkürlicher Bestrafung aufgrund von Anschuldigungen und Vorverurteilungen geschützt.
Das Werk "Leo 2.0" von Thomas Sailer sensibilisiert für die Problematik alltäglicher Vorverurteilungen und Hetzjagden in Kommentarspalten und auf Social Media. Es hinterfragt das unreflektierte Äußern von Anschuldigungen sowie die blinde Teilnahme an digitalen Hetzjagden. Außerdem erinnert es daran, dass wir alle Fehler machen und nicht jeder Fehltritt automatisch ausufernde öffentliche Ächtung rechtfertigt.
So möchte die Kunstaktion durch Sensibilisierung dazu beitragen, unreflektierte Vorverurteilung und Verfolgung im digitalen Raum einzudämmen.
Ausstellung am Gymnasium Wolfgarten bereits im Gange
Sein öffentliches Debüt feierte das Werk am 21. Januar 2026 am Gymnasium der Diözese Eisenstadt – Wolfgarten. Das Kunstobjekt ist aber nicht nur über einige Wochen im Haus zu sehen, sondern wird auch Gegenstand mehrerer Projekte sein, um die Schülerinnen und Schüler konstruktiv mit seiner Bedeutung in Berührung zu bringen.
Nach der Premiere am Gymnasium Wolfgarten wird das Werk weiterziehen und an mehreren Schulen Station machen. Auf diese Weise soll die Aktion ein möglichst großes, junges Publikum für die Problematik von Vorverurteilung und Hetzjagden im digitalen Raum sensibilisieren und zu einem reflektierten, verantwortungsbewussten Umgang mit Social Media und Kommentarspalten inspirieren.
Kunstaktion setzt auch auf Online-Verbreitung
Neben der Präsenz an Schulen ist ein weiteres Ziel des Kunstprojekts, dass "Leo 2.0" auch digital die Runde macht – wer will, ist dazu eingeladen, Content zu dem Werk zu erstellen oder zu teilen.
"Ziel der Aktion ist es, dass Leo 2.0 genau dort präsent ist, wo unreflektierte Nutzerinnen und Nutzer den Schaden anrichten – im Netz, auf Social Media. So kann es letztendlich zu einer Art virtuellem Schutzsymbol werden", so Sailer.
Inspiration und Symbolik
Die unmittelbare Inspiration für das Kunstobjekt ist der Asylring am Adlertor des Wiener Stephansdoms. Damit hat das Werk einen Bezug zu dem wohl bedeutendsten Kirchenbau Österreichs.
Außerdem fußt die Idee hinter der Kunstaktion auch auf den im Johannesevangelium überlieferten Worten Jesu Christi, die zur Zurückhaltung im moralischen Urteil mahnen: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein".
"Unabhängig davon, wie man zum christlichen Glauben steht, steckt in diesen Worten eine fundamentale Bedeutung für unser Zusammenleben", so der Künstler. "Würde jeder auf die eigenen Fehler achten und an sich selbst arbeiten, anstatt mit Argusaugen auf die Fehler der anderen zu schauen und dann auf sie hinzutreten, wäre das wesentlich sinnvoller."
Dieser Zusammenhang wird durch den großen Stein dargestellt, aus dem die Achse der Spule herausragt.
Das Podest des Werkes erinnert an einen Pranger. Er spiegelt den "digitalen Pranger" wider, an den Menschen heute oft im virtuellen Raum gestellt werden.
Impuls statt erhobenem Zeigefinger
Sein Werk möchte Sailer nicht als erhobenen Zeigefinger verstanden wissen, sondern als Gedankenimpuls und Inspiration.
"Wer bin ich, dass ich andere belehren könnte?", so der Künstler. "Meine Aufgabe als Künstler ist es, Gedanken anzuregen – entscheiden muss aber jeder für sich selbst."
Mit diesem Credo verarbeitete Sailer schon mehrfach gesellschaftlich relevante Themen in seinen Werken. 2024 sorgte er bereits für Aufsehen mit seinem Werk Dreckschwein – einer Schweinefigur, bestehend aus achtlos weggeworfenem Müll aus dem Eisenstädter Schlosspark. Im Juni 2025 bekam er dafür vom Burgenländischen Müllverband den Goldenen Mistkäfer verliehen.
