Die Wächter des Waldes

Taschenbuch - 14.Februar 2026

  1. Seitenzahl der Print-Ausgabe250 Seiten
  2. SpracheDeutsch
  3. HerausgeberBoD – Books on Demand
  4. Erscheinungstermin14. Februar 2026
  5. Abmessungen15.5 x 1.6 x 22 cm
  6. ISBN-103695708085
  7. ISBN-13978-3695708086
  8. Preis 13,99€

Dieser Abenteuerroman spielt im heutigen ecuadorianischen Regenwald. Eine Gruppe Forscher sucht nach einer legendären, lebensverlängernden Heilpflanze dem regulären Goldschatz El Dorados. Sie werden von profitgierigen Söldnern verfolgt, was zu einem blutigen Dreikampf mit den indigenen Hütern der Pflanze führt. Über die spannende Handlung hinaus stellt das Buch kritische zeitgenössische Fragen: Ist es ethisch vertretbar, medizinisches Pflanzenwissen vor der Menschheit zu bewahren? Es prangert die brutale Zerstörung der Natur für Profite und den fortwährenden Versuch der Auslöschung indigener Völker an. Der Roman verbindet so packende Unterhaltung mit einem klaren Appell zum Schutz des Regenwaldes und zur Achtung der Rechte seiner Bewohner.

Leseprobe:

Don Alejandro Mendoza

Unbemerkt von den beiden hockte ein junger Mann in einer schattigen Nische unter der steinernen Treppe und wischte langsam, fast meditativ, den bereits blitzzaubern Boden. Sein Atem stockte, als er die Worte des Professors hörte. Seine Hand, die den Lappen umklammerte, erstarrte. Langsam, sehr langsam, hob er den Kopf. Seine schmalen, wachsamen Augen folgen Lydia, bis sie im Dunkel des Flurs verschwunden war. Ein funkelndes, gieriges Interesse lag plötzlich in seinem Blick. Leise, wie eine Schlange die sich davonschleicht, zog er ein Handy aus der Tasche und tippte eine Telefonnummer ein. Die Nummer seines Auftraggebers.

Am anderen Ende der Leitung, in einer völlig anderen Welt, meldete sich eine Stimme. Diese die nach Macht und Verfall klang, war die Stimme von Don Alejandro Mendoza, dem Patriarchen der Familie Mendoza. Ein Mann um die 60, der wie ein letzter, verwitterter Löwe in seinem verlassenen Gehege thronte.

Sein Gesicht war eine Landkarte der Dekadenz, gezeichnet von Jahren unangefochtener Autorität und jüngerer, nagelnder Frustration. Unter einem wallenden schlohweißen Haupthaar lagen kalte, wasserblaue Augen, die wenig Wärme, aber umso mehr Berechnungen zeigten. Die Haut war gegerbt von der tropischen Sonne, die auf seinen unermesslichen Ländereien brannte, und von einer Lebensweise, die mehr Cognac und Zigaretten als Wasser vorsah. Er saß in der biblioteca, der Bibliothek seiner Hacienda „La Sombra del Oro“ einem einst prunkvollen Saal, in dem nun der Staub der Vergangenheit auf der Mahagoniregale lag und die Porträts seiner Vorfahren mit Blicken auf den Niedergang ihres Erbes zu blicken schienen.

Don Alejandro noch immer der Herr über ein Reich. Weidreichende Zuckerrohrfelder die sich bis zum Horizont erstrecken. Plantagen mit Ölpalmen, die das Land auslaugten und riesige Rinderherden, Die das übriggebliebene grün niedertrampeln. Doch dies war nur die legitime Fassade des schillernden Sarg, der den eigentlichen Kern umhüllte. Don Alejandro war der Chef eines Drogenkartells, dass einst der Routen beherrscht hatte und nun, von jüngeren brutaleren Konkurrenten verdrängt, nur noch ein Schatten seiner selbst war. Seiner Macht schmolz dahin wie Zucker in der Regenzeit

Die Mendoza waren keine gewöhnlichen Kriminellen. Sie waren eine mythische Familie, deren Wurzeln sich tief in die koloniale Vergangenheit des Landes schlängelten. Eine ihrer Legende gipfelten, die Fluch und Segen zugleich war: Der Blutzoll von El Dorado.

Der Überlieferung nach, festgehalten im Leder gebundenen „Códice Mendoza“ der in einem verglasten luftdichten Schrank der Bibliothek lag. Diese berichtet von seinen Ur-Ahnen, dem conquistadorischen Söldner Alvaro Mendoza. Der im Jahr 1544 tief in den unerforschten Amazonas vorgedrungen war. Getrieben von der Gier nach dem Gold der legendären Stadt El Dorado und dem Wunsch, seinem Namen im entfernen Spanien ewig Glanz zu verleihen. Er führte eine Söldnertruppe von 80 Mann. Sie folgten den Wirren Karten und Gerüchten, bis sie auf einen bis dato unbekannten Stamm trafen die Hüter des „Schwarzen Steins“

Alvaro,, überzeugt, dass diese Menschen den Weg zum Schatz kannten, ließ das Dorf umstellen. Anstatt das erhoffte Wissens fand er nur rätselhaftes Symbole, die in Felsen geritzt waren und die unerschütterliche Weigerung der Dorfältesten zu sprechen. In einem Anfall von rasender Wut und Enttäuschung, der in den Chroniken als „La Noche der Lágrimas“ der sag festgehalten wurde, gab Alvaro den Befehl zum Massaker.  Hunderte Männer, Frauen und Kinder des Stammes wurden niedergemetzelt. Das Wasser des Flusses färbte sich rot.

Doch den wahren Schatz fand er nicht in Gold, sondern im Sterben der Hüter. In seinen Aufzeichnungen, die zwischen den Zeilen von Wahnsinn und Reue flimmerten, beschrieb Alvaro. wie der Schamane des Stammes im mit letzten Atem einen Fluch und ein Geheimnis zugleich anvertraute. „Unser Blut wird dein Erbe düngen Mendoza, aber es wird eine Frucht des Dämons tragen. Du suchst das Gold der Sonne, doch die wahre Macht liegt in der Yacu Panga, der Geisterranke die an den Wurzeln des Weltenbaumes wächst. Sie heilt die Seele und öffnet das Tor zu der zu Welten, von denen die deine verblasst. Sie ist unser Vermächtnis und dein Verdammnis. Deine Linie wird nach ihr dürsten und doch an ihr zugrunde gehen.“

Alvaro kehrt mit leeren Händen, aber mit dieser Prophezeiung im Herz nach Europa zurück. Der Reichtum den die Familie später durch Land und schließlich durch Drogen anhäuften waren in den Augen der man Mendozas stets nur ein blasser Abglanz der wahren Macht, die ihr Ahn verspielt hatte. Generationen von Mendozas hatten seitdem nach Yacu Panga gesucht. In alten Karten, in den Berichten von Missionäre und Abenteurern. Immer vergebens. Sie wurde zum Familienphantom, zur Obsession, die ihren Niedergang vorhersagte und gleichzeitig die einzige Hoffnung auf Wiederauferstehung bot.

Und hier schloss sich der Kreis, den Don Alejandro nun verzweifelt zu schließen versuchte. Für ihn, mit dem Rücken zur Wand, war Yacu Panga nicht länger ein mythologisches Kuriosum. Sie war der Schlüssel zu seiner Rettung und die Erfüllung des Fluchs zugleich.

Sein Plan war ebenso brillant wie teuflisch. Wenn diese Pflanze das Potential hatte, den Geist zu heilen und Tore zu öffnen, dann mussten sie auch das Potential haben, ihn zu beherrschen, zu verändern. zu versklaven. Seine Chemiker in versteckten Laboren auf seinem Land warteten nur auf die richtigen Substanz, um eine neue, unvergleichliche Droge zu synthetisieren. Eine Droge die nicht nur süchtig machte, sonders die Wahrnehmung der Realität selbst unwiderruflich verzerrten. Mit der Yacu Panga würde er das Vermächtnis seiner blutbeflecken Vorfahren endlich nutzbar machen und den Fluch in einen Segen verwandeln. Er würde den Dämonen zähmen, von den Alvaro einst geträumt hatte.

Die Nachricht seiner Spions im Botanischen Institut, dass eine Frau mit genau dieser Pflanze aufgetauchte, war wie die Erfüllung einer schicksalhaften Prophezeiung. Don Alejandros Finger, bedeckt mit dem Siegeln vergangener Generationen, umklammerten den Telefonhörer fester, als würge er die Kehle des Schicksals selbst.

„Du wirst mir diese Frau nicht aus den Augen lassen,“ befahl er mit einer Stimme, die jedes Zögern erstickte. Seine kalten Augen funkelten mit einem gefährlichen, triumphierenden Feuer, während er in das Porträt des wild blickenden Alvaro an der Wand starrte. „Finde heraus, wer sie ist. Wo sie wohnt und wie und mit wem sie spricht.“ Die Jagd nach dem letzten Schatz von Eldorado hatte begonnen und diesmal wird ein Mendoza nicht mit leeren Händen zurückkehren. „Diesmal werden wir nehmen was uns von rechts wegen zusteht.“
Unbekannt für Lydia saß Carlos, ein schmächtiger Mann mit einem Basketballkappe tief im Gesicht hinter dem Steuer des Renault und folgte Lydia, als sie den Professor verließ. Don Alejandro Mendoza persönlich hat ihn angeheuert. Carlos war ein Schatten, ein Mann , der es verstand unsichtbar zu bleiben. Er folgte dem Taxi bis zu dem malerischen Kolonialhotel in der Altstadt, wo Lydia verschwand.

Während Lydia  und Peter das Hotel verließen, vollzog sich ein leiser, hinterhältiger Verrat. Carlos der Handlanger, hatte dem Portier mit einem Bündel Geldschein bestochen, das mehr wert war als dessen Monatslohn.

„Die beiden, die heute eingezogen sind,“ zischte Carlos dem Portier zu, während er ihm das Geld in der Handtasche schob. „Ihre Namen und die Zimmernummer.“

Der Portier, ein junger Mann mit ängstlichen Augen, zögert nur einen Moment, bevor er in das Gästebuch unter der Theke blickte. „Lydia Milagros Montero Guerrero, Peter Hoffmann, Zimmer 304 und 305.“

Carlos lächelte dünn. Eine kurze SMS genügte: „Lydia Milagros Montero Guerrero, Peter Hoffmann, Zimmer 304 und 305. Hotel La Casona Colonial.

Die Antwort von Don  ließ nicht lange auf sich warten: „Gut warte auf weitere Anweisungen. Sie dürfen nicht entkommen.

Carlos lehnte sich in seinem Wagen zurück. Das Schachbrett wahr aufgestellt. Seine Schachfiguren waren nun im Zentrum. Sie wussten nicht, dass die Jagd bereits begonnen hatte.

Die weitere Anweisung kam kurz darauf. „Schaue diskret nach ohne Spuren zu hinterlassen ob etwas brauchbares zu finden ist“

Carlos führte diskret seinen Auftrag aus. Selten hatte Carlos einen so leichten Auftrag. Die Tür zur Lydias Zimmer war nur ins Schloss gefallen, nicht abgeschlossen. Die Art von Nachlässigkeit, die Ungeduld und Verwirrung verriet. Die Frau war offenbar in großer Eile gewesen, um diesen Peter abzuholen.

Seine behandschuhten Hände, schnell und effizient, ließen keine Oberfläche unberührt. Sie fuhren über die Falten der Kleider im Schrank, tasten die Taschen des Jeans ab, die über der Stuhllehne hing. Durchsuchten die ordentlichen Reihen der Toilettenartikel im Badezimmer. Nichts

Dann der Rucksack. Grob in die Ecke geworfen, der Reißverschluss nur halb zugezogen. Seine Finger, feinfühlig trotz der dünnen Lederschicht, fanden zwischen einem Notizblock und einer leeren Wasserflaschen das Ziel seiner Suche. Es war keine ausgereifte Karte, nur eine Notiz. Eine grobe mit nervösem Strich gezeichnete Skizze, die Peter nach Lydias Beschreibung angefertigt haben musste. in der Mitte, sorgfältigst straffiert die Form eines Blattes, das Carlos sofort erkannte. Daneben im blockigen Buchstaben, der Name der den ganzen Aufruhr wert war: Yacu Panga. Daneben, wie ein verhaltenes Zögern, ein einsames Fragezeichen.

Es war nicht viel, aber es war die Bestätigung. Ein Beweis dass Sie wussten oder zumindest ahnten. Sein Handy summt leise als er das Blatt fotografierte ein kurzer Blick, die Nachricht an Don Alejandro versendet. Die Falle konnte zuschnappen.

Peters Zimmer, direkt nebenan, war das genaue Gegenteil. Eine Zelle der Ordentlichkeit. Das Bett gemacht, keine Kleidungsstücke auf dem Boden. Nichts schrie nach Aufmerksamkeit. Nichts außer dem Laptop, der auf der Bettdecke lag. Klappbereit und einladend, wie ein offenes Buch. Ein zu offensichtliches Geschenk. Carlos zog ein kleines Messer aus seiner Tasche. Kein Werkzeug der Zerstörung, sonders der Enthüllung. Mit geübter Bewegung löste er die Schrauben an der Unterseite, hörte das leise klicken, als die Abdeckung nachgab. Im inneren, ein Gewirr aus grünen Leiterbahnen und silbernen Komponenten. Er musste nicht lange suchen. Dort fest in seinen Endsockel geschraubt, lag der SSD Speicher Stück, die digitale Seele des Geräts. Er entnahm ihn, ein kleines, kaltes Stück Silizium, dass das Wissen einer ganzen Expedition an sich trug.

Die Abdeckung schnapp wieder an ihrem Platz. Das Gerät wurde exakt so positioniert wie er es vorgefunden hatte. Kein Kratzer kein verräterischer Staubkorn auf der glatten Oberfläche.

Die Jagd hat begonnen. In diesem Moment war Carlos nicht der Gejagte, sonntags der Jäger der die Fährte gelegt hatte. Unentdeckt verließ er das Zimmer. So, wie er gekommen war. Ein Gespenst das nicht zurückließ, als eine Ahnung von Gefahr und die Gewissheit, dass das Blatt sich gewendet hatte noch bevor sein Gegner überhaupt wusste, dass sie im Spiel waren.