Berlin - Der Ökonom Lars Feld hat sich verärgert über die Umstände seiner Ablösung als Chef der Wirtschaftsweisen geäußert. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) habe sich gegen eine weitere Amtszeit gesperrt - "übrigens ohne dass das Finanzministerium das Gespräch mit mir gesucht hätte", sagte Feld den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben).

"Ich hätte mich über ein solches Gespräch als langjähriges Mitglied seines Beirats gefreut." Auf die Nachfrage, ob er auf einen Anruf von Scholz warte, sagte Feld: "Mir würde schon ausreichen, wenn der zuständige Abteilungsleiter oder Staatssekretär im Finanzministerium mich dahingehend angesprochen hätten." Zwar werde der Sachverständigenrat aus seiner Mitte eine Vorsitzende oder einen Vorsitzenden wählen. "Die Entscheidung, nun zu viert weitermachen zu müssen, ist aber für den Rat und den Mitarbeiterstab irritierend", sagte Feld. "Ich schaue schon mit Argusaugen darauf, was die Kolleginnen und Kollegen als nächstes veröffentlichen." Die Entscheidung, sein Mandat nicht zu verlängern, sieht der Ökonom auch im Zustand der SPD begründet. "Ich war selber eine zeitlang SPD-Mitglied. Ich kenne zudem die politischen Zwänge, in denen sich die Partei befindet", sagte er. Die SPD sei deutlich nach links gewandert und konkurriere nun "ernsthaft" mit der Linkspartei. "Mit dieser Konkurrenz wird es aber in der Summe schwerer, Mehrheiten im Bund zu sichern." Eine Rückkehr in den Sachverständigenrat könne er sich "vom Grundsatz her" vorstellen, sagte Feld und verwies auf das Beispiel seines Vorgängers Wolfgang Franz. "Er hatte eine Amtszeit, danach waren die Gewerkschaften sauer auf ihn. Aber nach einer Pause von vier Jahren ist er auf dem Arbeitgeberticket zurückgekehrt. Insofern schließe ich eine Rückkehr nicht aus."

Feld fügte allerdings hinzu, dass er das nicht für sehr wahrscheinlich halte. "Nach der Bundestagswahl werden die Karten neu gemischt."

Besorgt äußerte sich Feld über die Finanzpolitik. "Das ist auch der Grund, warum ich weiter zur Verfügung gestanden hätte", sagte er. Der Druck werde zunehmen, die Schuldenbremse aufzuweichen. "Aus meiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, die nötigen Schritte in Richtung Konsolidierung der Staatsfinanzen zu unternehmen, weil die nächste Krise ganz sicher kommt. Wenn wir mehr Inflation bekommen, wird das eine ganz unangenehme Entwicklung für die Euro-Staaten, sofern sie es nicht schaffen, von der Verschuldung runterzukommen."

Foto: Olaf Scholz (über dts Nachrichtenagentur)