#ProtectTheKids

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Am 25. Juni 2021 ging die #LuftfilterJETZT Petition an den Start. Innerhalb von drei Tagen unterzeichneten über 10.000 Menschen diese Forderung, die zum Katalog der Maßnahmen für "sichere Schulen für alle Kinder" gehören. Nein, liebe Politiker, Schulen SIND NICHT sicher, wir wollen u.a. mit dieser Petition, dass sie sicherer WERDEN. Am heutigen Tag sind es über 13.000 Unterzeichner, darunter bekannte und geschätzte Wissenschaftler und weitere Prominente, denen das Wohl der Kinder in der Pandemie am Herzen liegt.

Am 29. Juni 2021 veröffentlicht JMWiarda einen kleinen Beitrag in seinem Blog zur #LuftfilterJETZT Petition. Die Journalistin CTurzer diskutiert ihn auf twitter.

Die von Frau Turzer herausgehobenen Aspekte kann ich so nicht stehenlassen und antwortete in einem Thread. Dieser sei hier der geneigten Leser:innenschaft zugeeignet. Meine Bilanz: Nein, der Artikel von Wiarda ist kein sehr guter Beitrag. Er bedient gefährliche Narrative, lässt wesentliche Aspekte der Frage "Kinder und Virus" außen vor und spielt Bildung und Gesundheit gegeneinander aus. Das beschädigt jede Mutter und jeden Vater, die sich seit Monaten für sichere Schulen einsetzen. Es beschädigt jede #Schattenfamilie, deren Schicksal einer Risiko-Abwägungs"berechnung" (in die "nur" gesunde Familien einbezogen sind) zwangsläufig zum Opfer fällt. Dem MUSS deutlich entgegnet werden - zum Wohl aller Kinder in der Pandemie.

Hier also meine Antwort an Frau Turzer in ganzer Länge:

"Ich erlaube mir, auf einige Aspekte zu antworten. Das kann so nicht stehen bleiben.

1.  Die Vermutung, Sicherungsmaßnahmen suggerierten Beteiligten eine ungerechtfertigte Gefahr, verkehrt grundlegend psychologische Faktoren der Risikoanalyse/Prävention und nährt das politische Narrativ "Schule ist sicher", das eine gefährliche Scheinsicherheit suggeriert und Eltern/SuS/LuL vorgaukelt, sich um eine Infektion keine Sorgen machen zu müssen. Spätestens mit der ersten Quarantäneanweisung bricht für Familien dieses Kartenhaus zusammen. Wer es weiterhin glaubt, ist entrüstet: wo keine Gefahr, da doch auch keine Quarantäne nötig...
Wer sich der Erkenntnis stellt, erkennt auch die Scheinsicherheit, in der er sich bewegte. In der Präventionsforschung ein ganz zentraler  Aspekt. Mit gleicher Argumentation könnte man dagegen sein, dass Kinder beim Fahrradfahren einen Helm tragen.

2.  Die Forderung von Luftfiltern erweckt den Eindruck, die Bedingungen für Präsenzunterricht verschöben sich immer weiter nach hinten...
Sehr früh in der Pandemie wurden Bedingungen diskutiert, unter denen Präsenzunterricht möglich sein kann. Eine davon war: Luftfilter. Wenn nach 1 Jahr endlich diese wichtige Bedingung erfüllt würde, sehe ich den Vorwurf nicht - im Gegenteil, wir nähern uns zuverlässigem Präsenzunterricht immer mehr an, denn den wollen ALLE  Eltern, aber eben nicht alle Eltern um JEDEN Preis.

3.  Die Suggestion: noch diese Bedingung, dann... und wenn es nicht klappt?... berührt genau den Punkt: sind alle Bedingungen für einen zuverlässigen risikoarmen Unterricht erfüllt? Diese Frage kann man leicht beantworten, warum setzen sich so viele Menschen aller Ebenen, Wissenschaften, Branchen und Bereiche dafür ein? Die Forderungen liegen offen da.
Und wenn es nicht klappt? Ja, dann hat es nicht gereicht und man muss SCHNELL nachsteuern. Das ist a) Teil jeder Risikoanalyse und b) der pandemischen, auch für unsere Risikobewertungen neuen Situation geschuldet. Wir sind es nicht gewohnt, permanent mit neuen Gegebenheiten umgehen zu müssen und die Sehnsucht "nun muss es doch mal gut sein" ist so menschlich verständlich wie pandemisch gefährlich.
Um zu beurteilen, ob "es" klappt, müssen wir am definierten Ziel messen. Was wollen wir? Zuverlässigen infektionsarmen Präsenzunterricht? Dann müssen so viele wirksame Maßnahmen her, wie gebraucht werden. Ansteckendere Varianten können das spontan (s.o. für Menschen psychologisch schwierig) verschieben. Dem muss man offen gegenüber stehen und bereit sein, schnell und effektiv zu handeln, sonst brechen wir entweder mit dem Kopf  durch die Wand (dann haben wir aber ein anderes Ziel) oder müssen auf  Wechsel-/Distanz ausweichen.

4.  Zum Begriff "Drehkreuz" verweise ich kurzerhand auf die Ausführungen von Prof. @CiesekSandra "Schulen sind Infektionsdrehkreuze", zusammen mit den von Prof. @prof_m_baumann analysierten an einem Schultag verknüpften Kontaktnetzwerken. Auch Dr. @DrScheuch sieht in Klassen erhöhte Infektionsgefahr, AUCH mit Pausen zwischen den einen Raum betretenden verschiedenen Gruppen, da Aerosole in der Luft bleiben und neu Eintretende infizieren können.

Auch die Aussage: das Infektionsgeschehen der Kinder folge dem gesamtgesellschaftlichen Geschehen bildet nicht die ganze Wahrheit ab. Schon die so kritisch betrachtete  Heinsbergstudie erkannte, dass ein Haushalt durch ein infiziertes Kind einer höheren Gefahr ausgesetzt ist.

5.  Die drei genannten Fragen sind m.E. NICHT die, auf die es hinausläuft, sondern die Frage des ZIELS für Schule in der Pandemie. Die Initiatoren der #LuftfilterJETZT Petition  sehen als Ziel eine Schule, in der die Maßnahmen, von denen wir WISSEN, dass sie Schule sicher und damit in Präsenz halten können, auch umgesetzt werden. Eine davon sind die Luftfilter...
By the way... je länger wir warten, umso eher entstehen infektiösere Varianten und umso weniger schützen die seit über 1 Jahr geforderten Maßnahmen. DAS ist dann aber weder den Maßnahmen noch den sie seit Langem Fordernden anzulasten, sondern denen, die sie verzögern, verhindern, verweigern!

Dennoch ein Exkurs auf die drei Fragen, um sich glasklar zu machen, womit wir als Eltern umgehen müssen:
A) Wieviele Kinder infizieren sich? Alle, die nicht geimpft werden. Tertium non datur.
B) Wieviele erkranken tatsächlich an Covid-19? und
C) Wieviele erkranken schwer?
Dies werden wir erst sehen, wenn wir viele Infektionen zulassen. Das ist ethisch fragwürdig, v.a. unter dem Aspekt, dass im April 2021 Ärzte häufigere und schwerere Erkrankungen beobachteten, auch B.1.1.7  geschuldet. Auf #Delta bezogen könnte sich das noch verstärken. Zudem müssen wir der "Erkrankung" auch #LongCovidKids nach asymptomatischer Infektion hinzurechnen, aktuell um ca. 10% mit noch wenig Aussage, wie sich die langfristigen Dauerschäden darstellen. Hinzu kommt ein Risiko von etwa 1:1000 für PIMS, das ist nicht wenig.

6.  Die in conclusio mantramäßige  "Abwägung": Infektionsrisiko vs. Bildungsverlust ist m.E. die Scheindebatte derer, die Rechtfertigungen suchen, Schulen nicht schützen zu wollen oder deren Angst zu groß würde, wenn sie die noch nicht  letztlich beschriebenen Gefahren für Kinder anerkennen würden. Vermeidungsstrategien sind psychologische Überlebensstratgien.

Ich verstehe diese Abwägung nicht! Was spricht DAGEGEN, Schulen so sicher zu machen, dass alle Kinder geschützt UND gebildet sind? Gerade wenn die Maßnahmen- (bspw. Luftfilter-) kritiker argumentieren, man wisse noch gar nicht, inwieweit Kinder betroffen seien... Wieviel Kinder lassen wir wissentlich infizieren, BIS wir "wissen"? DAS halte ich für falsch und KEINEM Kind  ist eine Infektion mit den o.g. Risiken der Verlaufs- und Spätfolgen zuzumuten. Keine Mutter/kein Vater kann sich SICHER sein, dass ihr, dass sein Kind nicht betroffen sein wird. Keine/r! Das muss uns Eltern ganz klar sein.
Unter diesem Aspekt bleibt aus meiner Sicht eine ganz andere Frage übrig: Wollen wir Kinder schützen UND bilden?

7.  Ein Letztes: Kinderärzte sollen mitreden? Ihre Autorität nicht untergraben werden? KÄ oder KÄ-Verbandspolitiker? Wenn KÄ gemeint sind, empfehle ich @KinderdocNina und ZIG andere Kinderärzte hinzuzuziehen und ihnen zuzuhören, anstatt ihre Autorität zu untergraben.

Ihre Schlussfolgerung, Frau @cturzer möchte ich exakter formulieren: "Wir müssen jetzt alles für sichere  Schulen tun, damit Präsenzunterricht möglich wird. Luftfilter sind  (...)" Und ergänzend: "Wechsel- und Distanzunterricht muss für Quarantänen und den Notfall SO vorbereitet sein, dass er für ALLE erfolgreich ist. Erst dann haben  wir die Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt, anstatt sie für Scheindebatten und Grabenkämpfe zu instrumentalisieren."
Wir brauchen eine ehrliche Debatte über: Schutz & Bildung in Einklang bringen.
(IR out)"