Marion Kuchenny ist Journalistin. Eine der weniger bekannten. Sie arbeitet nicht bei irgendeinem Hetzblatt, das mit Überschriften in fetten Lettern Stimmung zu machen sucht.
Sie arbeitet auch nicht für AfD-TV.

Nein, Marion Kuchenny arbeitet "ganz normal" beim Hessischen Rundfunk.
Auf Twitter verbreitete sie neulich ihre interessante Sicht, dass sie die Kosten für die Tests, die ab Oktober wohl für alle Menschen mit nicht aktueller Corona-Impfung anfallen werden, dass sie diese Kosten nicht mitfinanzieren wolle:

"Wer es als seine persönliche Angelegenheit betrachtet, sich gegen eine Impfung zu entscheiden, auch wenn er könnte, darf seine Corona-Tests selbstverständlich auch persönlich bezahlen. Weil wir Geimpften nicht für diese Kosten einstehen möchten. Auch ganz persönlich. 😈“

Um es in der Sprache ihres Arbeitgebers ARD zu sagen: Sie will diese Kosten nicht "solidarisch" finanzieren. Denn bei ARD, ZDF und DLF schreibt man "Solidarität" eigentlich groß:

Bei ARD, ZDF und DLF schreibt man Solidarität eigentlich groß ...

Wenn ich Kuchenny richtig verstehe, dann meint sie Folgendes:
Du hattest ein Angebot, um die Folgekosten von etwas, das dich beeinträchtigt oder das nicht gesund ist, zu verhindern. Sie meint natürlich das Impf-Angebot, denn die Impfung soll gesund erhalten und somit wohl die Folgekosten einer Behandlung, mitunter einer sehr langwierigen Behandlung, verhindern können.

Wer ein wenig in Handbüchern zur Ethik geblättert oder ein Ethisch-Philosophisches Grundlagen-Seminar besucht hat, der erkennt das Fahrwasser, in das sich Marion Kuchenny hier begibt:

Doch einen Moment Geduld bitte: Erst einmal ein harmloses bzw. harmloseres Beispiel.

Übertragen wir Frau Kuchennys Denke mal auf andere "Verweigerer". Das hört sich dann – in der harmlosen Variante! – so an:

„Ich möchte nicht für die Kosten einstehen bei Behandlungen ...

  • von Leuten, die das Rauchen nicht aufhören,
  • von Leuten, die ihre Ernährung / ihren Stoffwechsel nicht umstellen und deshalb übergewichtig sind oder
  • von Leuten, die nicht mit dem Extremsport aufhören usw. usf.“


Bis hierher nachvollziehbar, oder?
Ich finanziere als gesetzlich Versicherter Menschen mit, die gegen jede Vernunft abends mit 1,5 Litern Cola 3 Tüten fettige Kartoffel-Chips wegspülen.

Das ist dieses "Solidaritätsprinzip".

Ich finanziere medizinisch nicht angezeigte Kaiserschnitt-Operationen mit.

Ich finanziere Millionen Menschen mit, die ins Land geflohen sind und exakt die gleichen Leistungen beziehen können wie ich. Was ich ihnen gönne. Doch eingezahlt hatten diese Menschen bisher keinen Cent.

Ich finanziere in dem seit 2007/2009 herrschenden System der Finanzierung der gesetzlichen Kranken Kassen immer und zwingend die Homoeopathie mit, auch dann, wenn ich selbst nicht daran glaube. (Der Apotheker behauptet zwar man könne dem durch Kassenwechsel entfliehen, aber da irrt er.)

Nun hält man von Seiten der staatlichen Krankenkassen und der derzeit herrschenden Politik dagegen: "Solidarität! Du musst solidarisch sein mit den Rauchern, mit den Dicken und mit den Extrem-Kletterern."

Und weil diese (!) Art der Solidarität nicht freiwillig geschieht, hat man uns mal wieder zum Glück gezwungen: Die Bundesregierung hat 2007/2009 uns alle zu Zwangsmitgliedern der gesetzlichen Kranken Kassen gemacht. (Die by the way schon wieder "pleite"* sind, d. h. jetzt bekommen sie über den Gesundheitsfond wieder eine Spritze Steuergeld verabreicht – weil Sparen tun die Kranken Kassen nicht, zum Beispiel bei ihren Vorständen mit den fetten Gehältern und exorbitanten Pensionen ... nein, die kleinen Leute müssen mal wieder zahlen. Das ist so wie beim Rundfunkbeitrag, ARD und ZDF wollen nicht sparen, also muss die Kassiererin, der Paketbote, der Pflegehelfer, die Tankstellen-Mitarbeiterin blechen, kurz, die ganzen kleinen Leute, die 2020 so hübsch beklatscht wurden.)
Solidarität. Habe verstanden, Genossen!

OK, wie sieht es denn aus mit meiner Solidarität? Da ich wie dargelegt zwangsversichert bin, bin ich schon solidarisch mit Geimpften wie zum Beispiel Marion Kuchenny: Ich zahle ja für die Impfstoffe, selbst wenn ich sie nicht nutze. Ich zahle ja für den schlimmen Fall, wenn Frau Kuchenny trotz Impf-Flatrate auf der Intensiv-Station landen wird. (Was nicht ausgeschlossen ist, aber niemand hoffen will.)

Und inzwischen zahle ich ja auch für die Behandlung derer, die TROTZ Impfung erkranken, teilweise schwer, und ich zahle für die Behandlung derer, die mit Impf-Nebenwirkungen zu kämpfen haben.
Kuchennys "Argumentation" geht also ins Leere: Ebenso wie ich als staatlich Versicherter gezwungen bin "solidarisch" zu sein bei den oben genannten Beispielen von dem Extrem-Kletterer über den Flüchtling und der Homoeopathie bis zu den Kosten für die Impfstoffe, so sollte Frau Kuchenny doch auch solidarisch sein, oder nicht? (Von meiner ganz persönlichen Solidarität mit Marion, „Ich darf dich doch Marion nenen, so ganz persönlich?“, die ich über den Rundfunkbeitrag leisten muss, schweige ich hier.)

Unsere HR-Journalistin aber kündigt das oben skizzierte Solidar-Prinzip auf, dieses goldene Kalb des Sozialstaates in Deutschland, aber steht damit auch im Widerspruch zu einem Grundsatz ihres Arbeitgebers und dem gesamtem Finanzierungsmodell.

Kuchenny tut aber noch mehr und meines Erachtens weitaus Schlimmeres:

Stellen Sie sich zwei Frauen vor, die ein Kind in einem Rollstuhl anstarren und dabei tuscheln:

"Das Kind sabbert ja."
"Und schau mal auf die Hose ..."
"Ganz naß. Wie lange es wohl da drin sitzt? Schlimm. Was für ein Leben."
"Und für die Mutter erst! Was das für eine Last sein muss."
"Das muss ja heute gar nicht mehr sein, dass die auf die Welt kommen ..."
"Und was das auch alles kostet."

Eine der Frauen könnte durchaus Frau Kuchenny mit ihrer Denke sein. Zumindest argumentiert sie wie unsere – übrigens nicht ganz so frei erfundenen – tuschelnden Damen:

Tauschen Sie zwei Begriffe aus und es wird klar, wohin die Reise geht:

„Wer es als seine persönliche Angelegenheit betrachtet, ein behindertes Kind auszutragen und sich gegen eine Abtreibung zu entscheiden, auch wenn sie könnte, darf die Folgekosten selbstverständlich auch persönlich bezahlen.
Weil wir Nicht-Behinderte nicht für diese Kosten einstehen möchten.“

Ja, heftig. Darin besteht aber der Gedankengang der Frau Kuchenny.


Doch nun gehe ich noch einen Schritt weiter: Wie komme ich von Kuchennys geistigem Tiefflug zur – Bitte festhalten, anschnallen, tief Luft holen! – zur Euthanasie? Nun, das ist einfacher als von den Querdenkern zu den Nazis zu kommen, sehen Sie selbst:
Keine Angst, Sie müssen nicht gleich die Vokabeln "lebensunwert" und "Gaswagen" einfügen, Sie kommen auch unauffälliger, leiser, weniger offenkundig zu dem Nazi-Denken über Behinderte (das übrigens vor 1933 von leitenden Ärzten und Anstaltsleitern aus dem Bereich von Diakonie und Caritas ausgeklügelt wurde: Die Euthanasie hat sich nicht dieser Österreicher bei einer Tasse Tee auf dem Obersalzberg ausgedacht. Siehe dazu Klee, Ernst: Alles Kranke ist Last, via https://youtu.be/w0ZMw4dequI und Ders.: Was sie taten – was sie wurden. Ärzte, Juristen und andere Beteiligte am Kranken- oder Judenmord. Frankfurt am Main 1986. – Doch das ist eine andere Story.)

"Alles Kranke ist Last..." - Die Kirchen und die "Vernichtung lebensunwerten Lebens" | HR (1988) Diese Dokumentation befasst sich mit der Stellung der Kirchen, ihrem (Nicht)Handeln während des Dritten Reiches.

Was Marion Kuchenny also verbreitet, ist nicht allein einen Aufruf, die Solidarität im Gesundheitswesen aufzukündigen. Sie bereitet letztlich einer Denke den Weg, die zu den Gaswagen geführt hat. Und das kann ich nachweisen und würde es jederzeit auch in einer juristischen Auseinandersetzung darlegen können.
Ich glaube allerdings: Dies tut unsere Journalistin mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit Absicht, so doch mit einer Naivität, die schmerzt: Sie ist immerhin Journalistin. Das sollte eine Ausbildung oder zumindest ein Mindestmaß an Bildung voraussetzen.

Und sie tut es letztlich als Journalistin der Öffentlich-Rechtlichen. Und das ist schlimm. Nicht die AfD haut das auf ihrem TV-Kanal raus, sondern eine Mitarbeiterin des Hessischen Rundfunks, eben jenes Rundfunks, den wir alle finanzieren sollen, da er ja ein Garant ist für Freiheit, Demokratie und Bürgerrechte. Denn ohne ARD, ZDF und DLF bricht schließlich unsere so genannte Freiheitlich-Demokratische Grundordnung zusammen. Habe ich mal gehört ...

Kuchenny allerdings buddelt Löcher in jene Deiche, die uns vor der Barbarei schützen sollen: Dass wir nämlich nicht in "Die da, die sind ja selbst schuld an ihrem Schicksal!" und "Schlimm! Wir die Guten müssen die Schlechten tragen!" unterscheiden wollten.
Schaltet solche Leute ab: Denn sie sind schlimmer als das gesamte Häuflein an NPD-Agitatoren.

„Jetzt übertreiben Sie aber!”

Meinen Sie?

Nun ja, wer hat mehr Einfluss auf die "Mitte der Gesellschaft", auf jüngeres Publikum? Die schlechten Rechten schaffen es nie und nimmer, unsere Gesellschaft und das heißt ja das Denken der Menschen derart zu vergiften, dass wir sagen: „Die Behinderten unterstütze ich nicht, da sind die Eltern selbst schuld, das muss ja heute nun wirklich nicht mehr sein, so ein Kind!
Frau Kuchenny als ARD-Mitarbeiterin schafft es sehr wohl den Weg zu eben zu eben jener Denke: „Die sind’s wert. Die sind's nicht wert.“
Und das ist das Perfide.

Gegeneinander Aufrechnen: Gefährlich damals, gefährlich heute. – Quelle: Portal https://jugend1918-1945.de/

Wie aber geht man mit solchen Leuten um, die unauffällig, leise, auf weniger offenkundige Weise schlechtes, ja gefährliches Denken verbreiten?
In einem freien Land wäre ich jetzt Kunde und könnte dem Hessischen Rundfunk schreiben, dass ich sein Angebot nicht länger abonnieren will. Zahlung einstellen. Doch leider müssen wir Hetzer und Spalter nicht nur in den Reihen der AfD, die in den Parlamenten sitzen, mitfinanzieren, sondern auch eine Giftmischerin, die ein ungesundes Denken, wie es in den Schulbüchern zur Nazi-Zeit stand, verbreitet.

Ich für meinen Teil habe meine Pflicht als Bürger getan und Marion Kuchennys im besten Fall nur simply unreflektierte Aussagen nicht unwidersprochen gelassen.

Schreiben Sie Marion Kuchenny doch, dass sie ihren Unsinn löschen möge. Denn wie dargelegt, sind ihre unbedachten Zeilen geeignet, ein gefährliches Denken wieder salonfähig zumachen.


https://www.marion-kuchenny.de/

https://www.hr.de/kontakt/index.html

*Lebten wir in einer Marktwirtschaft, sie wären es .... 🤷‍♂️

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