Das ist Shon Dong Hyuk, ein Mann im eleganten Anzug und mit furchtbaren Narben.

Er ist vielleicht der weiseste Mensch der Welt.

Dazu muss ich ein bisschen ausholen.

Wusstest du, dass sich in Nordkorea etwa 200.000 Menschen in Arbeits- und "Umerziehungslagern" befinden?

Unter dem Diktator Kim Jong Un ist es sehr leicht, in so ein Lager zu kommen. Und es gibt viele davon.

Es hat bei manchen Insassen genügt, dass sie das Wort "Genosse" vor Kims Namen vergessen haben.

Oder sie haben sich eine Zigarette mit Zeitungspapier gedreht. Das tun in Nordkorea viele, weil Blättchen fehlen.

Wenn auf dem Zeitungspapier das Portrait von Kim war, hieß das: Arbeitslager.

Aus einigen dieser Lager kommen die Insassen nie wieder hinaus.

Wenn Menschen in diese Lager kommen, wird ihre Familie auch abgeholt. Sie dürfen nicht als Familie leben und erfahren auch nichts von einander.

Die Welt da drin ist gnadenlos, für die Insassen, aber auch die, die dort arbeiten, denn dort drinnen herrschen ganz andere Gesetze als draußen und alle sind davon traumatisiert und verändert.

(Zeichnung eines Gefangenen)

Die Wächter dürfen mit den Gefangenen alles tun, was sie wollen.

Sie dürfen sie misshandeln und töten.

Man wird wegen vieler Regelverstöße getötet/erschossen/erhängt.

  • Fluchtversuche
  • Ungehorsam gegenüber den Wächtern, die von den Insassen "Lehrer" genannt werden
  • Stehlen von Essen, auch wenn es sich um Krümel handelt
  • Falsche Anrede der Wächter
  • Körperlicher Kontakt mit dem anderen Geschlecht.

Es gibt über die Zustände darin nur wenige Zeugnisse, weil kaum jemand wieder herauskommt, um darüber zu berichten.

Aber vielleicht erinnerst du dich an Otto Warmbier, den jungen Amerikaner, der zu jahrelangem Arbeitslager verurteilt wurde, weil er aus Spaß ein Propagandabanner gestohlen hatte. Er wurde vorzeitig, im Wachkoma, entlassen und verstarb bald darauf.

Es gibt einen einzigen Nordkoreaner, der es geschafft hat, aus einem solchen Lager zu entkommen.

Es ist Shon Dong Hyuk.

Er wurde in so ein Lager hineingeboren.

Normalerweise durften Frauen im Lager nicht schwanger werden. Sie wurden öfter mal von den Aufsehern geschwängert.

Über das, was in den Lagern geschah, gibt es hinausgeschmuggelte Zeichnungen.

Schwangeren Frauen wurde das Kind aus dem Leib geschnitten.

Shons Mutter passierte das aus irgend einem unerfindlichen Grund nicht.

Sie wurde seinem Vater geschenkt, weil er gute Arbeit geleistet hatte, sie durften Geschlechtsverkehr haben.

Shon wurde geboren und wuchs in einer Welt auf, in der er nichts von der Welt draußen erfuhr.

Er kannte keine emotionale Zuwendung.

Er kannte keine Familie.

Er kannte nur Gehorsam.

Er wusste nicht, dass es irgend etwas anderes gab.

Er kann das Gefühl von satt sein nicht.

Sie bekamen nur winzige Mengen an Reis und Kohl, jeden Tag, und für jeden kleinen Fehler wurde die Hälfe weggelassen. dann war es nur noch ein Löffel voll. Drei Mal am Tag.

(Es gibt "Einteilungen" für verschiedene Schwächegrade der Insassen)

Shon wusste nicht mal, dass es anderes Essen gab.

Er kannte Fleisch. Das aßen sie, wenn es ihnen gelang, eine Ratte zu fangen.

Er lebte mit seiner Mutter in einer Hütte, die klein war und nur aus einem Zementboden bestand. Er kannte auch keine Decken.

Er musste jeden Tag hart arbeiten. Er gibt Minen, in denen Bodenschätze abgebaut werden. Aber man muss auch Felder pflügen, die teilweise gefroren waren.

Auch Behinderte müssen die gleiche Arbeit tun.

Shon kannte nichts anderes.

Er hat mit vier Jahren die erste öffentliche Hinrichtung sehen müssen.

Sehr viele Lagerinsassen wurde wegen kleiner Vergehen hingerichtet. Tausende von Insassen musste zugegen sein.

Die Wächter, die das ausführen mussten, bekamen an diesem Tag etwas Fleisch und Alkohol.

Shons erste Erinnerung ist diese Hinrichtung.

In der Schule erlebte er mit, wie ein kleines Mädchen totgeschlagen wurde, weil man ein paar Weizenkörner in ihrer Tasche fand.

Als er vierzehn war, kam er zur Hütte der Mutter und sah durch das Fenster, wie sie mit ihrem Bruder sprach. Er kam aus einem anderen Teil des Lagers. Er hatte irgend einen Fehler gemacht und war zur Mutter in die Hütte geflohen.

Shon beobachtete, wie die Mutter dem Bruder etwas Essen gab. sie behielt von den täglichen winzigen Portionen immer ein paar Krümel, um einen Vorrat für Notfälle zu haben.

Shon hatte immer Hunger rund noch nie Essen von ihr bekommen.

Es machte ihn wütend.

Er lief zum Haus des Lehrers und berichtete ihm, dass Mutter und Bruder flüchten wollte, obwohl das nicht stimmte.

Er handelte mit dem Lehrer und dieser versprach ihm, dass er sich würde einmal satt essen dürfen.

Ein paar Stunden später wurde Shon abgeholt und mit verbundenen Augen in ein Gefängnis gebracht.

Er war vierzehn.

Er wurde erst in eine Zelle gebracht und dann jeden Tag stundenlang verhört und gefoltert.

Sie schlugen ihn stundenlang und fesselten ihn und hängten ihn auf. Er hat heute völlig verdrehte Arme.

Sie unterzogen ihn der Feuerfolter und der Wasserfolter.

Über viele Monate erging es ihm so.

Der "Lehrer" hatte ihn angelogen.

Schließlich warf man ihn in einer Zweierzelle.

Dort war ein alter Mann, der seine Sicht auf das Leben veränderte.

Shons Brandwunden eiterten, der alte Mann säuberte sie jeden Tag und er half Shon sogar, sein großes und kleines Geschäft zu verrichten.

Dafür gab es ein kleines Loch in der Zelle.

Shon erfuhr zum ersten Mal in seinem Leben emotionale und körperliche Unterstützung.

Er wusste ja bis dahin nicht, dass Menschen sich helfen.

Schließlich wurde er entlassen.

Der alte Mann sagte, als letztes, ganz eindringlich , zu ihm: Du musst überleben.

Er sah, dass sein Vater vor dem Gefängnis stand. Beide wurden mit verbundenen Augen auf einen Lastwagen geladen.

Als man ihnen die Augenbinden abnahm, standen sie mitten in einer Hinrichtungsszene.

Seine Mutter und sein Bruder wurden hingerichtet.

Die Mutter wurde gehängt, der Bruder erschossen.

Shon fühlte nichts. Er war nur wütend, weil er glaubte dass die beiden Schuld seien, dass er so hatte leiden müssen.

Aber er erinnert sich, dass sein Vater Tränen in den Augen hatte.

Shon arbeitete weiter im Camp.

Irgendwann kam ein Neuer in die Baracke.

Er erzählte vieles von der Welt von außen. Shon sagt, dass ihn das nicht so sehr interessierte, weil er es sich nicht vorstellen konnte.

Aber was ihn interessierte: Der Neue erzählte, dass man draußen Hühner essen konnte. Das war interessant.

Im Camp redete man nicht viel, denn erstens war es selten erlaubt und außerdem: worüber sollte man reden?

Aber ESSEN, das interessierte alle.

Shon wollte flüchten.

Er hatte keine Angst zu sterben.

Aber er wollte ein einziges Mal eine Hühnerkeule essen.

Er und sein "Freund", mit dem er etwas Bindung aufgebaut hatte, liefen zum hohen Elektrozaun als sie Feuerholz holen sollten.

Sein Freund blieb im Zaun hängen und starb an einem Stromschlag.

Shon sagt, dass er das bedauert.

Er kletterte über den Körper seines Gefährten, der ihm den Draht "aufhielt" in die Freiheit.

Dann lief Shon und lief und lief.

Irgendwann legte er sich schlafen.

Als er am nächsten Tag die Welt draußen sah, war er völlig schockiert.

Die Leute redeten wann sie wollten, lachten und hatten bunte Kleider an. Das kannte er nicht.

Er schlug sich stehlend durch und er verstand auch, dass man sein Essen mit "buntem Papier" eintauschte.

Heute lebt Shon in Südkorea, bereist aber die ganze Welt.

Er wird als "Menschenrechtsaktivist" herumgereicht.

Er fühlt sich wütend, wenn er duscht. Sein Körper ist voller Narben. Besonders die Brandnarben auf seinem Rücken.

Er sagt, er würde gern kurze Hosen tragen.

Er fühlt sich immer müde und er kann seine Geschichte nicht immer erzählen.

Ein Deutscher hat einen Film über ihn gedreht. Er heißt "Camp 14".

Ich habe ihn gestern gesehen und in diesem Beitrag erzählt, was ich gesehen habe.

Der Film ist teilweise gezeichnet.

Es kommen auch Wächter zu Wort.

Einer davon sagt, dass er nie erlebt hat, dass Menschen sterben wollten.

Die Menschen wollten immer überleben.

Und Shon?

Er sagt, dass ihm seine Heimat, Nordkorea fehlt.

Und dass er nicht versteht, dass Menschen in Südkorea sich umbringen, obwohl sie alles haben.

Er sagt, im Lager wollten alle nur leben.

Und hier draußen denken alle nur ans Geld.

Und ihm fehlt das, was er sein unschuldiges Herz nennt.

Er will, wenn es irgendwie gehen würde, in Nordkorea leben.

Ein Feld bestellen und die Früchte seiner Arbeit essen. Mehr will er nicht.

In der Zwischenzeit wird er herumgereicht und spricht vor lauter Politikern, die ihm applaudieren.

Ich habe als Quelle, bis auf die Bilder, eigentlich nur den Film. Ich habe ihn Euch einfach nur erzählt. Ich habe Euch nur Pro-Forma Links gepostet.

Den Trailer des Films findest du auch youtube, den Film selbst gabs bei Amazon Prime..

Ich empfehle ihn.


Camp 14 - Total Control Zone - WDR mediagroup

Shin Dong-hyuk - Wikipedia

Inside North Korea: Shock video and photos show true horror of Kim Jong-un's evil regime

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