Krähen sind intelligent, aber höchstwahrscheinlich nicht so intelligent wie einige ihrer Verwandten.
Es gibt nämlich einige andere Vogelarten, die zumindest ebenso intelligent - wenn nicht intelligenter sind.

Zum Beispiel der Rabe, der in Europa und in Nordamerika lebt.
Raben sind in der Lage, Werkzeuge zu verwenden.

Das obere Foto zeigt einen Raben, der mit einem Stock nach Nahrung stochert. Er schafft es, den Stock in das Rohr zu bugsieren, findet es allerdings zu umständlich, mit dem Stock umzugehen.
Also füllt er das Rohr mit Rindenstücken, bis das Essen herausfällt.

Ich konnte kein Foto finden, dass dies belegt, aber vieles lässt darauf schließen, dass Raben in der Lage sind, Abläufe im Voraus planen zu können.
Beispielsweise können sie ein Werkzeug auswählen, das sie erst einige Zeit später an einem ganz anderen Ort verwenden.

Affen können so etwas auch.

Geradschnabelkrähen leben ausschließlich auf Neukaledonien und den Loyalitätsinseln.
In freier Wildbahn stellen sie aus Blättern und Stöcken Werkzeuge her, mit denen sie Insekten aus Bäumen herausziehen können.
Auf der Briefmarke kann man einige dieser Werkzeuge sehen.

Die nächste Bildfolge zeigt, dass Raben komplizierte Werkzeuge basteln können, um an Lebensmittel in einer Kiste zu gelangen.

Europäische Elstern können ihr eigenes Spiegelbild im Spiegel erkennen.
Das mag zwar trivial erscheinen, aber sonst sind nur Menschen, einige Affen, Tümmler und asiatische Elefanten dazu in der Lage.

Der Graupapagei gehört zwar nicht zur Familie der Krähenvögel, aber einer von ihnen, sein Name war Alex, verstand so viel Englisch, dass er Objekte anhand ihrer Form oder Farbe auswählen konnte, wenn man ihn danach fragte.
Er konnte sogar einfache Rechenaufgaben lösen.
Damit war er sogar den Fähigkeiten mancher Schimpansen überlegen.

Erstaunlich ist, dass Wissenschaftler sich bisher nicht mit den Fähigkeiten der meisten Vögel beschäftigt haben.
Es gibt viele möglicherweise intelligente Vogelarten, aber die Forschung interessiert sich einfach nicht dafür.

Mein Favorit aber sind viele Möwenarten.

Sie benutzen den Boden als Werkzeug.
Sie tragen Muscheln hoch in die Luft und lassen sie fallen, so dass die Muschel zerbricht und die Möwe an den Inhalt kommt.
Früher, als ich an der Küste von Maine lebte, habe ich Silbermöwen dabei zugesehen.

Sie beherrschen auch noch andere Tricks.
Manche Gruppen von Silbermöwen zum Beispiel trampeln auf dem Boden herum, um Regenwürmer an die Oberfläche zu locken.
Sie fliegen zu frisch gepflügten Feldern, um dort Maden zu finden. Und sie folgen Fischerbooten, um sich einen Teil des Fangs zu sichern.

Sie klauen auch manchmal Essen von den Menschen - und dazu brauchen sie eine gehörige Portion Mut.
Ich habe erlebt, dass eine Möwe einen Hamburger stahl, den ich im Garten auf dem Grill briet. Seitdem decke ich den Grill ab, wenn Möwen in der Nähe sind.

Raubvögel.

Wenn man Diebstahl als Anzeichen von Intelligenz werten will, kommt diese bei Raubvögeln recht häufig vor.
Weißkopfseeadler zum Beispiel beklauen sich gegenseitig, wie ich selbst gesehen habe.

…und sie bestehlen auch andere Lebewesen.

Fazit.

Höchstwahrscheinlich wird die Forschung irgendwann auch noch andere intelligente Vogelarten identifizieren.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob man die verschiedenen Arten der Intelligenz überhaupt miteinander vergleichen kann, denn jede Tiergattung hat ja speziell auf sie zugeschnittene Fähigkeiten.

Viele Arten von Krähen, Raben, Papageien und Möwen sind einfach nur Opportunisten und fressen alles, was ihnen vor den Schnabel kommt.
Raben- und Möwen-Gruppen haben ständig Futterneid und sie stehlen sich gegenseitig immer wieder Nahrung.
Möglicherweise haben sie deswegen alle eine ähnlich gelagerte Intelligenz.

Aber andere Tierarten haben andere Bedürfnisse und leben in einem anderen Umfeld - daher brauchen sie auch andere geistige Fähigkeiten, die an ihre Art angepasst sind.

Es macht also durchaus Sinn, wenn man sagt, dass ein Papagei oder ein Rabe bestimmte Aufgaben ebenso gut erfüllen kann wie zum Beispiel ein Schimpanse. Aber man kann daraus nicht schlußfolgern, dass ein Papagei oder ein Rabe ebenso intelligent ist wie ein Schimpanse.

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