Brüssel - Die EU-Kommission regt als Lehre aus dem Wirecard-Skandal schärfere Regeln für Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsräte in Europa an. Dies berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (Wochenendausgabe) unter Berufung auf ein internes Arbeitspapier der Brüsseler Behörde.

Demnach wird die Kommission das zehnseitige Diskussionspapier am kommenden Mittwoch mit den EU-Mitgliedstaaten - genauer: mit dem Ausschuss für Finanzdienstleistungen des Ministerrats - debattieren. Dem Zeitungsbericht zufolge wirft die Kommission in dem Papier die Frage auf, ob nicht die EU eine Schadensersatzpflicht für Wirtschaftsprüfer einführen sollte, falls diese grob fahrlässig handeln. Außerdem regt die Behörde an, dass die nationalen Aufsichtsbehörden, die Wirtschaftsprüfer überwachen, Ergebnisse ihrer Untersuchungen künftig veröffentlichen müssen. Daneben moniert die Kommission laut "Süddeutscher Zeitung", dass Wirecards Aufsichtsrat jahrelang keinen Prüfungsausschuss hatte.

Dabei schreibt eine EU-Richtlinie so ein Gremium vor, das dem Management börsennotierter Firmen auf die Finger schaut. Aber die Mitgliedstaaten dürfen bei der Umsetzung der Richtlinie in nationales Recht Ausnahmen erlauben - davon profitierten die mutmaßlichen Betrüger bei Wirecard. In dem Diskussionspapier regt die Kommission dem Zeitungsbericht zufolge an, dieses Schlupfloch zu schließen.

Foto: EU-Kommission in Brüssel (über dts Nachrichtenagentur)