Berlin - Experten sprechen vor dem geplanten Hochlaufen der Corona-Testaktion an Schulen und Kitas von Chaos und mangelnder Vorbereitung. "Neun von zehn Schulen haben kein Testkonzept, das diesen Namen verdient", sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, der "Welt".

"Wenn Sie zehn Schuleiter fragen, werden Sie zehn verschiedene Auskünfte dazu bekommen, wie die Tests dort jeweils ablaufen sollten." Diese Zustände seien nicht durch die Schulen verursacht. "Es ist offen, wer die Tests macht und wo das passiert. Geschieht das auf freiwilliger Basis oder nicht? Was passiert bei positiven Ergebnissen? Es ist chaotisch", sagte Ilka Hoffmann, die den Vorstandsbereich Schule der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) führt.

"Wir haben wieder mal viel Bürokratie und wenig, was geregelt ist." Auch Dario Schramm, Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, ist skeptisch, was einen absehbaren Start einer flächendeckenden Testaktion angeht. "Die Ankündigung, alle zwei Mal pro Woche zu testen, ist realitätsfern. Es gibt bundesweit jede Menge Schüler, die wurden noch kein einziges Mal getestet", sagte er.

"Immer wieder Dinge anzukündigen, die dann nicht umgesetzt werden, untergräbt zunehmend die Akzeptanz der Maßnahmen." Viele Verantwortliche in Schulen fühlen sich allein gelassen. "Wir haben zwar Schnelltests geliefert bekommen, aber noch nicht ausreichend viele, um sie allen Kindern zur Verfügung stellen zu können", sagte Ralf Treptow, Leiter des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und Vorsitzender der Vereinigung der Berliner Oberstudiendirektoren. Nur die Klassenstufen elf und zwölf könnten getestet werden, für die übrigen Schüler reiche es nicht.

"Wir brauchen die Tests bald, noch vor den Osterferien. Sonst können wir die Ausgabe nicht vorbereiten", fordert der Schulleiter. "Die Testsets sind die entscheidende Voraussetzung, um überhaupt an Wechselunterricht nach den Osterferien denken zu können." Der Anlauf von kostenlosen Corona-Schnelltests für die allgemeine Bevölkerung läuft ebenfalls schleppend an.

"Wir brauchen schnell ein dichteres Netz an Testmöglichkeiten", fordert Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages. "Wo Lücken im Testangebot bleiben, werden die Städte kommunale Testzentren auf- und ausbauen. Bund und Länder müssen dafür sorgen, dass Anbieter von Schnelltests einfach und deutlich schneller als geplant die Kosten erstattet bekommen."

Foto: Corona-Selbsttest (über dts Nachrichtenagentur)